PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Landwirte in der Krise!



evo86
11.04.2010, 10:40
Hallo Leute!
Wenn man mit Menschen über eine bevorstehende Finanzkrise plaudert, hört man oft:,, Das gab es schon immer; Krisen kommen und gehen; etc"

Ich hab neulich mit meinem Onkel über das Thema gesprochen.
Er ist Landwirt und kennt auch noch die Geschichten von der ersten Finanzkrise.
Damals waren die Landwirte Selbstversorger und konnten die Krise gut meistern.
Die ,,Reichen" aus der Stadt sind in dieser Zeit aufs Land gefahren und haben versucht Schmuck und Gold gegen Eier und Brot zu tauschen.
Andere haben gebettelt und wieder andere haben gestohlen.

Nun, wie würde eine Finanzkrise in der heutigen Zeit aussehen ?
Bei diesem Gespräch mit meinem Onkel ist mir etwas aufgefallen.
Findet eine Entwertung des Geldes statt, trifft das nicht mehr nur
die Städter sonder vor allem die Bauern.

Klar haben sie immer noch ihre Äcker ihre Schweine und Kühe.
Kleine Flächen könnten sie sicher auch ohne Maschinen bewirtschaften.
Was ihnen allerdings fehlt ist vermehrungsfähiges Saatgut.
In den Nachrichten steht immer: ,,Österreich bleibt Gen frei" !
Sind diese Keimungsunfähigen Getreidesorten eine Laune der Natur?
Ich denke nicht!
Ich muss auch zugeben, ich bin kein Genforscher, von mir aus sollen diese Pflanzen auf natürliche Art und Weise gezüchtet worden sein.

Der Punkt ist der, dass selbst die Bauern bluten kommt es zu einem Finanzcrash.
Denn ohne Geld gibt es kein neues Saatgut, ohne neues Saatgut keine neue Ernte.
Klar sind Landwirte immer noch die letzten die hungern.
Bedenkt man allerdings, dass zunehmend kleine Landwirtschaftliche Betriebe von Großbauern aufgekauft werden, also die Anzahl der Landwirte immer kleiner wird, während die Bevölkerungsanzahl in den Städten ständig steigt. Kann man dem Argument:,, Krisen gab es schon immer; Die kommen und gehen", sehr gut entgegenwirken.
Ich denke diese Überlegung kann man gut gebrauchen will man andere Überzeugen.
Freue mich auf eure Kommentare :winke:

ID-547
11.04.2010, 10:47
Interessanter Ansatz. Der "Survival"-Bauer sollte sich schon gedanken machen, wie er selbst sein Saatgut herstellen sollte. Sonst sitzt er in der gleichen Falle wie wir alle - wir können etwas gut (Job, Handel, Handwerk), den Rest haben wir aber verlernt, oder besser gesagt nie gelernt.

Foobar
11.04.2010, 11:12
Neben dem Saatgut-Thema ist noch folgendes anzumerken:

es gibt ja immer weniger Bauernhöfe alter Art, und dafür immer mehr spezialisierte industrielle Großbetriebe, die in engen externen Zulieferabhängigkeiten (Strom, Öl, Saatgut, Mineraldünger, Futter) riesige Monokulturen bewirtschaften: tausend Schweine, oder tausend Kühe, oder tausende Hühner, oder tausend Hektar Biosprit-Kraut.

Bei einer echten Krise gehen diese Betriebe unabängig von ihrem Geldbedarf bereits bei Zusammenbruch der Just-in-time-Versorgung sofort unrettbar kaputt. Man kann eben nicht tausend Kühe gleichzeitig mit der Hand melken, tausend Schweine mit der Hand füttern, tausend Hektar mit der Hand beackern.

Also in der Tat kein Vergleich zu früher.
Sieht alles nicht gut aus, das.

Beste Grüße,
Foo

derHerzog
11.04.2010, 11:18
Hallo,
passend zu dem Thema.
Bei uns hat ein Schweinezüchter eine nagelneue Halle auserhalb der Ortschaft hingestellt.
Keine ahnung für wieviel Tiere.
Aber... das Ding ist nie in Betrieb gegangen weil der Preis für das Fleisch dermaßen in den Keller gegangen ist das er aufgeben muste.
Das selbe ist vor ein paar Jahren ein Onkel meiner Frau passiert.
Alt eingesessener Bauernhof, etz isser aufm Bau.:weinen::weinen:

Jch habe auc meine zweifel das diese Höfe so schnell reaktiviert werden können.

Und überhaupt welche "Fleischproduzent" züchtet noch natürlich??
Die wenigsten haben doch eigene Keiler oder Bullen.
Kommt alles vom Besamungsverein.:peinlich:

Also das sie bauern im Crachfall besser darstehen bezweifel ich.

MlG
derHerzog:winke:

User-ID-188
11.04.2010, 11:35
Also das sie bauern im Crachfall besser darstehen bezweifel ich.



Ja sie stehen besser da, aber sie werden uns in der ersten Zeit nicht versorgen können. Für sich selbst werden sie wohl gut sorgen können aus folgenden Gründen sie haben noch einiges an "altem" Wissen auch wenn sie es zur Zeit nicht einsetzen weil die Technik im Moment noch funktioniert, sie haben Land und alte Werkzeuge sind auch meist noch in einer Scheune zu finden.

Gruß

DosenBurger

evo86
11.04.2010, 11:36
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,446922,00.html



Ruin durch genverändertes Saatgut
Die Not der Bauern hat sich in den vergangenen Jahren noch dadurch verschlimmert, dass sie auf den Feldern immer mehr Pestizide gegen Schädlinge einsetzten - um der Konkurrenz mit niedrigen Kosten zu begegnen. Falscher Gebrauch der chemischen Hilfsmittel führte jedoch dazu, dass Schädlinge resistent wurden, die Böden ausgelaugt wurden und die Erträge sanken.
Dieses Problem sollte das genveränderte Baumwoll-Saatgut namens "Bacillus-thuringiensis-Cotton" lösen. Doch die Pflanzenkeime, die der Saatgut-Multi Mahayco-Monsanto Biotech vor vier Jahren eingeführt hat, sind dreimal so teuer wie konventionelle Samen. Heute gelten sie als Flop für die Bauern: "Alle Ankündigungen von Monsanto waren irreführend. Die aggressive Markteinführung vor drei Jahren hat Hunderte Bauern in den finanziellen Ruin getrieben", sagt R. V. Ramanjaneyulu vom Center for Sustainable Agriculture, einer Nicht-Regierungsorganisation. Monsanto dagegen verweist auf die "schwierigen klimatischen Bedingungen", die auch herkömmlichen Baumwollpflanzen geschadet hätten.
Was nun? Das Anbauprodukt wechseln? Die Bauern sind ratlos. Vor wenigen Jahren brachte der Anbau von Pfeffer noch 270 Rupien pro Kilogramm. Heute haben die Pflanzer Schwierigkeiten, mehr als 60 Rupien zu bekommen. Vanille, einst mit 4000 Rupien pro Kilo gehandelt, muss heute für 130 Rupien abgestoßen werden. Die Situation der Kaffeeanbauer im südindischen Kerala ist keineswegs besser: Sie erzielen heute einen Preis von 24 Rupien pro Kilo - vor ein paar Jahren bekamen sie durchschnittlich fünfmal so viel.
Armut auf dem Lande, Reichtum an der Börse
Die Selbstmordrate der indischen Bauern wird in den wenigsten Medien des Landes erwähnt. Als sich in Vidarbha der 1000. Bauer wegen Überschuldung das Leben nahm, schauten alle auf die Börse in Bombay - dort hatte der indische Aktienindex erstmals die 13.000-Punkte-Grenze übersprungen.
Dass beides nahezu zeitgleich geschah, charakterisiert auf bizarre Art, wie es um Indiens neue Wirtschaftswunderwelt bestellt ist: Die Wirtschaft wächst mit beachtlichen Raten, die Börse boomt - aber weniger als zwei Prozent aller Haushalte in dem südasiatischen Land investieren überhaupt Geld in Aktien. Jeder zweite Inder kann nicht richtig lesen und schreiben. Das Land feiert seine Industriekönige und Software-Ingenieure. Doch zwei Drittel aller Beschäftigten finden ihr Auskommen in der Landwirtschaft. Die Verlierer nimmt kaum jemand wahr.
Aktivist Jawandhia träumt von Europa: "Dort bekommen die Bauern zwei Euro am Tag, um ihre Kühe zu füttern. Hier rackern wir uns tagein, tagaus auf unseren Feldern ab und verdienen nicht mal einen Euro." Jawandhia spottet: "In unserem nächsten Leben sind wir lieber Kühe in Europa als Bauern in Indien."

Elf
11.04.2010, 11:54
Hallo,

was an Landwirtschaft noch übrig geblieben ist, ist leider hochgradig energieaufwendig und dadurch extrem verwundbar im Krisenfall.
Kein (!) Landwirt kann den wirtschaftlich notwenigen Milchaustoss heute noch ohne Kraftfutter (Bspw. Soja aus Südamerika) auskommen (selbst in der Schweiz, wo man angibt noch zu über 50% versorgungsautark zu sein, kommt der meiste Kram aus dem Ausland). Das sonstige konventionelle Futter wird zudem noch angewärmt, um den Verdauungsprozess zu beschleunigen. Die Kühe wurden damit und durch andere Massnahmen über die letzten Jahre immer stärker hochgerüstet, was man an dem massiven Anstieg des Milchaustosses je GVE (=Grossvieheinheit=gepimpte Kuh) sehen kann. Die Kehrseite der Medaille ist: Würde man wieder auf konventionelle Fütterungstechniken umstellen, würden die jetztigen Kühe innerhalb von 2-3 Tagen kollabieren und tot umfallen, da sie damit überhaupt nicht mehr klar kämen.
Hinsichtlich Saatgut sieht es nicht anders aus. Mittlerweile kommt der Grossteil des Saatgutes von einer amerikanischen Firma namens Monsanto. Das ist einer der grössten Verbrecherbanden, die die Welt je heraus gebracht hat. Sie sind nachweislich für zahlreiche Selbstmorde bei Bauern in der Dritten Welt verantwortlich. Wer bei Monsanto kauft, kauft nicht nur Saatgut, sondern gleich eine Lizenz mit Abnahmeverpflichtung.
Also hoffen wir, dass im Krisenfall nicht der Strom ausfällt oder der Bauer vergessen hat seine Melkmaschinen mit einem Notstromaggregat zu betreiben. Und natürlich, dass die Globalisierung im Krisenfall weiter funktioniert.
Dummerweise ist Hoffnung leider keine Strategie. Aber dass wir uns hier darüber austauschen ist schon der erste Schritt zur Lösung.

Buddelbär
11.04.2010, 11:56
Fragt doch mal die Bauern in der Umgebung .
VOr 40 Jahren hat es bei uns etwa 40 Bauern gegeben heute sind es acht und es hören immer noch welche auf...

User-ID-118
11.04.2010, 17:27
Gibt es keine alternativen Saatgutproduzenten zu Monsanto. Und ist es für die Bauern zu schwierig / kostenintensiv sein Saatgut selbst herzustellen?

Gruß
Nachtfalke

User-ID-112
11.04.2010, 17:38
Gibt es keine alternativen Saatgutproduzenten zu Monsanto. ...

naja, z.B. KWS (http://www.kws.de/)

User-ID-387
11.04.2010, 17:44
Top-Thema Evo86!!! Passt perfekt hier hin!:Gut:
Warum?

Das ganze Geschriebene hier nicke ich für mich selbst komplett ab:rolleys:

Die Bauern werden auch bei einem solchen Crash "ihre Systeme" in angepasster Größe wieder hochfahren, da habe ich keinen Zweifel.
Die werden auch schon untereinander Bullen und andere natürliche "Besamer" organisieren...
Auch vermehrungsfähiges Saatgut wird irgendwo herkommen...

Aber: Ja! Es wird eine Zeit lang dauern.
Und in dieser Zeit werden wohl Prepper wie wir hier eher zu den Gewinnern zählen:grosses Lachen:

Die regionalen Bauern (in gesunder Größe) wären dann wieder die "Grundfesten" unserer Gesellschaft. ...zu Recht!
Und es gibt glaube ich genug "helle Köpfe", die darauf achten, dass in der Zeit meinem geliebten Bauern von Nebenan nix passiert:grosses Lachen:

...und ich glaube mal, so mancher Bauer hat längst schon solche Gedanken als Plan-B :grosses Lachen:

bommel
11.04.2010, 17:52
Ob KWS ne Alternative zu Monsanto ist, wage ich zu bezweifeln. Grade haben Gentechnikgegner ein Zuckerrüben-Feld von denen besetzen müssen, ist aber mittlerweile auch schon wieder geräumt ... www.kws-gentechnikfrei.de (http://www.kws-gentechnikfrei.de)

KUPFERSALZ
11.04.2010, 18:26
,,Österreich bleibt Gen frei" !
Sind diese Keimungsunfähigen Getreidesorten eine Laune der Natur?


Ob KWS ne Alternative zu Monsano ist, wage ich zu bezweifeln. Grade haben Gentechnikgegner ein Zuckerrüben-Feld von denen besetzen müssen, ist aber mittlerweile auch schon wieder geräumt ... www.kws-gentechnikfrei.de (http://www.kws-gentechnikfrei.de)

Ihr müsst aufpassen das ihr nicht verschiedene Sachverhalte in einen Topf werft.

Das Problem bei der Vermehrung von Pflanzen ist nicht die Gentechnik sondern der Anbau von Hybridsorten. Hybridsorten entstehen durch die Kreuzung von Inzuchtlinien. Der sogenannte Heterosiseffekt führt dazu das man besonders ertragsreiche und kräftige Pflanzen erhält. Wenn Saatgut dieser Pflanzen ausgesät wird kommen in der f2 Generation wieder unerwünste Merkmale zum vorschein. Diese oft rezessiven Eigenschaften wurden durch den Heterosiseffekt unterdrückt. Das ganze hat rein garnichts mit gentechnik (die ich auch nicht mag) zu tun. Wenn Saatgut von Hybridpflanzen gesät wird heist das auch nicht das man gar keine Ernte erhält bloß nicht annährend so viel wie vorher.

Gruß KUPFERSALZ

bommel
11.04.2010, 18:57
Wenn Gentechnik bei Pflanzen kein Problem ist, dann kann ich ja ab jetzt wieder beruhigt schlafen ...
Ich habe lediglich geschrieben, daß KWS keine Alternative ist und nichts in einen Topf geworfen.

User-ID-118
11.04.2010, 19:01
Hab mich etwas undeutlich ausgedrückt! Gibt es Anbieter für Bauern die keine Hybridsorten anbieten?
Also ich meine Anbieter die auch einen großen Bedarf decken können. Das Biosaatgut für den Hobbygärtner ist sehr schön, für alle Felder wird dies wohl nicht ausreichen.

Anders gefragt: Werden heute nur noch Hybridsorten ausgesät?

Gruß
Nachtfalke

bommel
11.04.2010, 19:13
Nicht nur, aber es ist weit verbreitet, teilweise sogar bei BioBauern: www.kultursaat.org/pdf/biohandel08.pdf
Unten drunter stehen etliche Anbieter für Saatgut. Ich kenne nicht alle davon, deshalb schau am besten mal durch.

Stickstoff
11.04.2010, 19:25
Nicht nur, aber es ist weit verbreitet, teilweise sogar bei BioBauern: www.kultursaat.org/pdf/biohandel08.pdf
Unten drunter stehen etliche Anbieter für Saatgut. Ich kenne nicht alle davon, deshalb schau am besten mal durch.

Dreschflegel-Saatgut ist ein Spitzenanbieter.
Dies ist nicht eine große Firma, sondern es gibt einige kleine Höfe auf ganz Deutschland verteilt, die ihr Saatgut zur Zentrale verschicken und von dort aus wird es verkauft und versendet.

Es ist auch einsichtlich von wem welches Saatgut stammt und wer wo seinen Hof/Sitz hat.
So kann man beispielsweise auch gezielt den Hof in nächster Umgebung fördern :rolleys:

Grüße

KUPFERSALZ
11.04.2010, 20:15
Wenn Gentechnik bei Pflanzen kein Problem ist, dann kann ich ja ab jetzt wieder beruhigt schlafen ...
Ich habe lediglich geschrieben, daß KWS keine Alternative ist und nichts in einen Topf geworfen.

Ich habe nicht gesagt das Gentechnik kein Problem ist sondern das dies nicht die Ursache für die Ertragseinbussen bei der Wiederaussaat ist. Verstehe mich da bitte nicht falsch.

Gruß von KUPFERSALZ der auch kein Freund von "Gentechnik ist"

User-ID-112
11.04.2010, 20:49
Dreschflegel-Saatgut ist ein Spitzenanbieter.
Dies ist nicht eine große Firma, sondern es gibt einige kleine Höfe auf ganz Deutschland verteilt, die ihr Saatgut zur Zentrale verschicken ...
Du meinst wohl "Nischenanbieter" :rolleys:

mag ja ganz nett für "Hobbygärtner" sein ...
aber ob die die Kapazitäten haben, Tausenden Bauern für Millionen Hektar Saatgut gut liefern?????
(hier geht es um Landwirtschaft für die Grundversorgung von derzeit rund 80 Mio. Menschen in Dtl.)

Stickstoff
11.04.2010, 21:10
mag ja ganz nett für "Hobbygärtner" sein ...
aber ob die die Kapazitäten haben, Tausenden Bauern für Millionen Hektar Saatgut gut liefern?????


Nein aufkeinenfall.
Das wollte ich damit auch nicht sagen.
Es ist wirklich nur für den "Eigenbedarf" sozusagen.

Aber auch einige dieser Hofbesitzer hoffen darauf, dass die Leute ihr eigenes Saatgut aus diesem wieder gewinnen, auch wenn das bedeutet, dass die Bestellung nächstes Jahr kleiner ausfällt :rolleys:

Grüße

Doomer
11.04.2010, 21:41
Mir gehts wie Joshi, ich kann alles hier abnicken. Ich habe hier schon mehrfach erwähnt, dass nur noch 4% der Erwerbstätigen die anderen 96% Ernähren. Mit hochgezüchtetem Schlachtvieh, dass wegen seiner spezialisierung (Mehr Koteletts, mehr Milch etc.) nur noch dank präventivem Antibiotika am Leben gehalten werden kann, oder Hybrid-Saatgut.
Monsanto kontrolliert bereits wesentliche Anteile der Welt-Ernährungssituation. Un nur dank billiger Energie funktioniert das ganze Schauspiel noch.

Die Bauern sind schon jetzt knapp dran. Was, wenn sich der Dieselpreis verdreifacht?. Das Problem ist nicht Peak-Oil, sondern dass die Landwirte früher oder später aufgeben müssen. Wenn nicht wegen der Geldentwertung, dann spätestens wenn sie sich den Sprit nicht mehr leisten können.

Ich bin gespannt :staun:

LG
Doomer

ID 331
12.04.2010, 09:17
Hallo,

noch eine Ergänzung zum Thema eigenes Saatgut.
Wenn ein Landwirt eigenes Saatgut herstellt (das kommt hauptsächlich bei Getreide vor), muß er eine Abgabe an den Züchterverband zahlen!
Aus diesem Grund verzichten viele Landwirte mittlerweile auf die Herstellung von eigenem Saatgut.
Weiterhin wird genau vorgeschrieben, welche Getreidesorten angebaut werden dürfen. Nur die vorgegebenen Sorten werden von den Verarbeitern (Mälzereien, Mühlen etc.) überhaupt angenommen.
Die Industrie bestimmt was angebaut wird, als Landwirt hat man fast keine Möglichkeit was anderes zu machen.
Hoffnung machen hier nur biologisch wirtschaftende Betriebe mit Direktvermarktung. Diese Betriebe können unabhängig von den großen Konzernen agieren.

Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit von Subventionen. Hält man sich nicht an die Vorgaben der Behörden, bekommt man die Subventionen gestrichen oder muß sogar Strafe zahlen.
Ich habe selbst schon so eine Kontrolle, dabei kommt man sich vor wie ein Schwerverbrecher. Hätte man die Machenschaften der Banken genauso kontrolliert, wäre es nie zu einer Finanzkrise gekommen!

Grüße, Hans

strycker
12.04.2010, 10:20
Vor etwa zwei Jahren las ich eine Studie, nach der weltweit etwa 90% allen hybriden Saatguts von Monsanto stammt. Der Marktanteil von Monsanto liegt weltweit auch etwa im gleichen Bereich, was bedeuten würde, dass fast ausschließlich hybrides Saatgut verwendet wird (auch hier wieder weltweit). Kann die Studie aber nicht mehr finden, ist schon zu lange her.

LG Strycker

evo86
12.04.2010, 10:23
Hi
Habt ihr schonmal daran gedacht euch so ein Saatgut Paket zu kaufen ?
http://www.innova-zivilschutz.com/website2009/cms/website.php?id=/de/index/langzeitlebensmittel/saatgut.htm
Hat evt. schon wer Erfahrungen mit diesem Anbieter ?

Danke Lg

chriguch
12.04.2010, 11:09
Wer sich für alte Sorten interessiert, dem kann ich diese Seite mit diversen Bezugsquellen empfehlen: http://marktplatz.prospecierara.ch/angebote.aspx (http://marktplatz.prospecierara.ch/angebote.aspx)

Mehr über ProSpezieRara unter www.prospecierara.ch (http://www.prospecierara.ch)

micro14
14.04.2010, 00:25
Eigendlich traurig was so ab geht. In Entwicklungsländern werden Projekte mit öffendlichen Geldern unterstüzt die den dortigen Kleinbauern helfen sollen. Obs wirklich hilft ist ein anderes Blatt. Hierzulande wird die Landwirtschaft zugrunde geritten. Wissen geht den Bach runter. Wehn die Tiefstpreise nicht schon zum Aufgeben "ermuntert" haben, dem machen fantasivolle Gesetze fertig. Hände oder Stiefel waschen, draussen am Brunnen... nur wenn dich niemand sieht. Dauernd die neusten Vorschriften im Nacken. Während dessen sichern sich diverse Länder millionen von Hektaren Ackerflächen in Entwicklungsländern oder den Ostländern.
Zitat von Doomer: "...dass nur noch 4% der Erwerbstätigen die anderen 96% Ernähren..." ist doch eigendlich erschreckend. Ob die in D oder anderswo.
Als jemand der zum kleineren Prozentsatz gehört, frage ich mich schon, wer in Zukunft noch das Wissen weiter geben und führen soll.
Nicht dass es in anderen Sparten keine Probleme und Krisen gäbe, es geht hierbei "nur" um unsere Ernährung. Unser täglich Brot... so nach dem Prinzip: "hoffen wir mal dass es auch morgen noch zu Essen gibt oder jemand der sich noch damit auskennt.

PapaB
14.04.2010, 07:13
Eigendlich traurig was so ab geht. In Entwicklungsländern werden Projekte mit öffendlichen Geldern unterstüzt die den dortigen Kleinbauern helfen sollen. Obs wirklich hilft ist ein anderes Blatt. Hierzulande wird die Landwirtschaft zugrunde geritten. Wissen geht den Bach runter. Wehn die Tiefstpreise nicht schon zum Aufgeben "ermuntert" haben, dem machen fantasivolle Gesetze fertig. Hände oder Stiefel waschen, draussen am Brunnen... nur wenn dich niemand sieht. Dauernd die neusten Vorschriften im Nacken. Während dessen sichern sich diverse Länder millionen von Hektaren Ackerflächen in Entwicklungsländern oder den Ostländern.
Zitat von Doomer: "...dass nur noch 4% der Erwerbstätigen die anderen 96% Ernähren..." ist doch eigendlich erschreckend. Ob die in D oder anderswo.
Als jemand der zum kleineren Prozentsatz gehört, frage ich mich schon, wer in Zukunft noch das Wissen weiter geben und führen soll.
Nicht dass es in anderen Sparten keine Probleme und Krisen gäbe, es geht hierbei "nur" um unsere Ernährung. Unser täglich Brot... so nach dem Prinzip: "hoffen wir mal dass es auch morgen noch zu Essen gibt oder jemand der sich noch damit auskennt.

Wegen den 4%... bist du in der Landwirtschaft tätig Micro?

micro14
14.04.2010, 10:56
.. ja bin ich, jedenfalls jetzt noch. Ob ich das weiterhin noch sein werde entscheiden andere auf dem Papier, den die wirtschaftlichkeit ist nur ein Aspekt. Ansonnsten tritt dann für mich der ominöse Plan B in Kraft. Kleine Hütte nebenaussen mit Garten, davor ein Schild: Betreten auf eigene Gefahr.

Mostviertler
06.05.2010, 00:21
Hallo!

Wir bewirtschaften einen eigenen Bauernhof mir rd. 35 ha Ackerfläche, also einen österr. Durchschnittsbetrieb mit Viehhaltung. Die Probleme, die sich den Bauern stellen, sind einige, wenn es so richtig crasht! Wichtig ist vor allem, zu welchem Zeitpunkt das passiert. Im Frühsommer wenn die ganzen Kulturarbeiten erledigt sind steht nur mehr die Ernte vor der Tür, und alles ist halb so wild. Richtig problematisch ist es mitten im Winter.
Saatgut: der überwiegende Teil der Bauern hat fast kein Saatgut mehr zu Hause auf Lager. Oft wird der Anbau gemeinschaftlich erledigt, und das Saatgut vom Anbauer bereitgestellt, der es per Big-Bag vom Händler bezieht. Das Saatgut ist gebeizt, und nicht genußfähig.
Düngemittel und Pflanzenschutz: Diese werden im Frühjahr beim Händler abgeholt und hier ist der Bauer zu 90 - 100 % abhängig.
Treibstoff: Vorrat bei vielen Bauern vorhanden, Menge unterschiedlich.
Stallungen: Mit Ausnahme von Rinderstallungen sind moderne Stallungen elektonische High-Tech Zentren, die ohne Frischluftzufuhr nicht funktionieren.
Nur Rinderställe kommen ohne Zwangsbelüftung aus, aber in großen Kuhställen, ist die Melktechnik nicht so einfach zu ersetzten. Intensivställe wären ohne Belüftungstechnik nur für ca 35 % der Tiere groß genug.

Allgemein muss man sagen, daß durch die Spezialisierung die Produktion extrem gesteigert werden konnte. Bei Großstallungen wird 1 - 2 mal wöchentlich Futter geliefert. Vorräte am Betrieb gleich 0!!!
Andererseits, in den 5 Orten meiner Umgebung gibt es 14 Milchkühe für rd. 2000 Einwohner!
Auf vielen Bauernhöfen gibt es manchmal nicht einmal mehr einen Gemüsegarten.

Allgemein kann gesagt werden, daß eine "Produktions- umstellung" mindestens 1 - 2 Jahre dauern würde, wobei sie mit viel Arbeit sicherlich möglich wäre, wie gesagt "mit viel Arbeit".

Ach ja Hybridsaatgut ist vermehrbar!!! Selbst ausprobiert, allerdings Ertragseinbuße von rd 20 %.
Die Versorgung ist das große Problem, und im Crashfall sehr energieaufwändig. Es geht nicht darum z.B. Weizen aufzutreiben, aber ohne Gas kann kein Bäcker sein Brot machen.

Eine eigene "Saatgutbox" ist sicher eine der Top-Investitionen, vorausgesetzt man hat einen abgegrenzten Garten, weil dann andere die Ernte übernehmen. Das Ding von Innova ist ein guter Ansatz, mM nach aber viel zu klein!!!!

Gleichzeitig ist es traurig, wenn man sieht, was zwar vor der Haustüre gedeihen würde, allerdings um die halbe Welt reist, weil es billiger ist damit zu handeln, als es vor Ort zu produzieren.

Für Fragen und Ideen bin ich immer zu haben

lg
Mostviertler

badener
06.05.2010, 00:56
Hallo,

auch ich sehe die Versorgung durch Landwirtschaft,hier vor allem die individuellen Möglichkeiten der Bauern zur Umstellung oder gar Selbstversorgung deutschlands,als große Mär an.
Danke an Mostviertler für die aktuelle Lageeinschätzung eines Insiders.
Ideen ? Viele ,eine davon wäre gemeinsam eine größere Menge Saatgut zu kaufen.Für einen alleine ist das fast nicht zu stemmen.Diese dann entweder anteilig zu verteilen und gleichzeitig Strategien auszuarbeiten wie,wann und wo dieses Saatgut zum Einsatz kommt.
Dies kann auch jeder individuell entscheiden ,aber ich halte es nicht für sinnvoll einen Anbau für uns Laien zu bewerkstelligen.Der Landwirt hat das knowhow,den Grund und Boden,bestenfalls funktioniert sein Fuhrpark noch.
Was er nicht mehr haben wird ist Saatgut und Düngemittel.
Ergo bleibt zu tun im Falle eines crashs Kontakt zu einem geeigneten Landwirt herzustellen oder bereits jetzt zu prüfen wer in Frage käme.

Zweite Idee,die Saatgutproduktion selbst in Angriff zu nehmen.Sprich es tun sich ein paar Leute zusammen ,kaufen nichthybrides Saatgut,pachten den Acker (gibt viel Bauern welche aufhören)und lassen z.B. über den Maschinenring anbauen und ernten.
Das Saatgut wird dann aufgeteilt und das Feld mit was anderem bebaut.
Muß nicht unbedingt Getreide sein,auch Gemüse,Futterrüben etc. Wie gesagt es handelt sich hierbei nur um die Gewinnung von großen Mengen Saatgut ! In beiden Beispielen.
Wer dazu noch Ideen hat oder sich vorstellen könnte was in der Richtung auf die Beine zu stellen,nur zu !
Auch bitte ich die anwesenden Landwirte mich ggfls. auf Denkfehler aufmerksam zu machen.Vielleicht habt Ihr auch Lieferanten welche sowas in unserem Sinne abwickeln könnten :rolleys:.

LG badener

Sunnhild
06.05.2010, 12:20
Das meiste ist ja schon gesagt.

Ich möchte aber noch dieses Buch: Handbuch Samengärtnerei (http://www.amazon.de/dp/3800154552/?tag=googhydr08-21&hvadid=2866834891&ref=pd_sl_4i2hohzmtx_e) empfehlen.

ID 331
06.05.2010, 15:33
Hallo,

mal eine Einschätzung von mir zum Thema Nahrungsversorgung in D.

Man muß ein paar Sachen unterscheiden.

Ein normaler Betrieb mit Milchvieh hat in der Regel genügend Vorräte für ein ganzes Jahr (Silage). Wer nur wenige Tage Vorrat hat und das Futter zukaufen muß, dem ist wirklich nicht zu helfen.
Wie es bei Großbetrieben aussieht (mehr als 1000 Kühe) kann ich nicht beurteilen, aber das komplette Futter zuzukaufen kann sich normalerweise kein Milchbetrieb auf Dauer leisten!

Bei Schweinemast siehts etwas anders aus, da hier viel Futter (Sojaschrot, Körnermais etc.) zugekauft wird, ist man natürlich von einer funktionieren Infrastruktur abhängig.

Zum Thema Saatgut:
Selbst Ackerland pachten und vom Maschinenring anbauen und ernten lassen ist utopisch. Sobald eine Fläche frei wird, hat sich bereits ein anderer Landwirt die Fläche unter den Nagel gerissen, außer das Land ist wirklich schlecht.
Weiterhin ist es viel billiger sich direkt das fertige Saatgut zu kaufen. Im Getreideanbau ist es bei Pachtzahlungen und ohne eigen Maschinen unmöglich einen positiven Deckungsbeitrag zu erhalten. Da legt man pro Hektar locker mal 300 Euro drauf (trotz verkauftem Getreide!).
Saatgut kaufen bringt auch nur was, wenn man es im gleichen Jahr auch aussät. Mit jedem Jahr geht Keimfähigkeit verloren, d.h. das Saatgut wird unbrauchbar.

Was hier unterschätzt wird, ist die Krisenvorsorge des Staates.
Wenn es hart auf hart kommt, kann der Staat bestimmen was angebaut wird, Sprit rationieren und bevorzugt der Landwirtschaft zur Verfügung stellen, Zwangsarbeit auf Betrieben zur Ernte befehlen usw.. Eine hungernde Bevölkerung ist der Untergang eines jeden Staates, deshalb wird ALLES getan um zumindest die Landwirtschaft am Laufen zu halten.

Ich sehe hier nicht ganz so schwarz.

Trotzdem:
Wer selbst was anbauen kann, sollte dies auch tun. Auch eigenes Saatgut ist sinnvoll, aber nur wenn man es auch benutzt.

Grüße, Hans

badener
06.05.2010, 15:40
Hallo Hans1981,

Zur Krisenvorsorge des Staates gehen unsere Meinungen sicher auseinander,aber danke für die Info und Deine Einschätzung wg. Saatgut.
Ich fürchte halt daß wenn es crasht nicht genügend Nichthybriden zur Verfügung stehen und wenn jeder Landwirt von Monsanto und den gestiegenen Preisen abhängig sein wird,dann geht schnell garnichts mehr.

Ich tüftle noch,aber mir fällt schon was ein :rolleys:

LG badener

ID 331
06.05.2010, 15:46
Hallo badener,

wie gesagt, OHNE funktionierende Landwirtschaft ist ein Staat nicht mehr existent!
Schau dir mal die Gesetze dazu an, was alles für Zwangsmaßnahmen möglich sind (Notstandgesetze im Krisenfall). Ich muß den Link bei Gelegenheit mal raussuchen.

Grüße, Hans

KUPFERSALZ
06.05.2010, 18:53
Hallo Ihr,

ich habe hier um einer OT Diskussion zu entkommen eine neuen Thread für Gesetze und Verordnungen die in der Krise in Kraft treten (http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php?p=36262#post36262) eröffnet.

Viele Grüße KUPFERSALZ

ID 778
11.05.2010, 11:00
Hallo Forum,

kennt ihr die Eva-Marbach-Romane z:b Peak Oil Reloaded? Wohl keine literarischen Juwele, aber sie bringt es auf den Punkt, wie es im Falle von Krisen mit der Landwirtschaft ausschauen könnte!


Vorhin(bevor der schon verfasste Beitrag verschwand) hatte ich wunderschöne Zahlen heraus gearbeitet.

Was ich mir davon gemerkt hab:
auf der Basis von 2009 wurde EU-weit 136 Mio t Weizen geerntet.
Ca. 65 Mio t sollten davon nach Berechnung der US-Agrarökonomen am Ende der Saison übrig sein(nach Abzug der Exporte).

Aufgeteilt auf 27 EU-Länder bringt dies 2,4 Mio t Weizen pro Land(jetzt mal die pro Kopf-Verteilung vernachlässigt).

Die Bundesnotreserve in D an Weizen ist 435.000 t, also 1/6 der Saisonvorräte.
Meine Frage: wie lange reicht so ein Vorrat von 2.835.000 t?

Bei 81,850 Mio Einwohnern(D) bleiben 0,035 t bzw. 35kg pro Kopf.

(ich hoffe, meine Zahlen stimmen und erzähle jetzt keinen Blödsinn)

Ich weiß, diese Rechnung ist jetzt reine Hirnakrobatik; in Wirklichkeit käme es wohl ganz anders!
Mich hat aber gereizt ein Gespür für die Dimensionen zu bekommen, mit denen wir es zu tun haben.
35 kg pro Kopf, darunter kann ich mit etwas vorstellen - 35 kg Weizenbrot.
Ist nicht üppig, oder? Wie weit kommen wir(=Durchschnittsbürger) da?

Zu den Arbeitskräften:
natürlich können Arbeitskräfte eingezogen werden um in der Landwirtschaft auszuhelfen, das hatten wir ja schon.
Aber damals hatten die Bauern auch noch die notwendige Ausrüstung und Gerätschaft.
Mit Hilfsarbeitern alleine kann man heute beim besten Willen keinen Traktor anschieben und zum Heu- oder Getreideernten einsetzen.

Es fehlt einfach an manuell einsetzbaren Werkzeugen, und dann wohl auch am landwirtschaftlichen Verständnis der Hilfskräfte.

Für mich persönlich kann ich mir sehr wohl vorstellen in einem Betrieb auszuhelfen - gegen Lebensmittel oder Zurverfügungstellen eines Grundstücks für den Eigenbedarf(früher hieß das Robotleistung).

Gruß
althea

User-ID-279
11.05.2010, 11:14
Es fehlt einfach an manuell einsetzbaren Werkzeugen...

also sollten wir uns welche beschaffen ?

ID 778
11.05.2010, 11:59
@ hingucker

Hier habe ich einige Anbieter von Sensen zusammengefasst

http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php?p=37037#post37037

KUPFERSALZ
11.05.2010, 18:03
Die Bundesnotreserve in D an Weizen ist 435.000 t, also 1/6 der Saisonvorräte.
Meine Frage: wie lange reicht so ein Vorrat von 2.835.000 t?
Bei 81,850 Mio Einwohnern(D) bleiben 0,035 t bzw. 35kg pro Kopf.


Hallo Althea über die reichweite der reserven des Bundes haben wir schon mal hier diskutiert
Staatliche Ernährungsvorsorge in der BRD (http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php?p=27303#post27303)
Da habe ich auch was über die theoretische Reichweite der Vorräte geschrieben.

Gruß KUPFERSALZ

ID 778
11.05.2010, 20:48
Hallo Althea über die reichweite der reserven des Bundes haben wir schon mal hier diskutiert
Staatliche Ernährungsvorsorge in der BRD (http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php?p=27303#post27303)
Da habe ich auch was über die theoretische Reichweite der Vorräte geschrieben.

Gruß KUPFERSALZ

Grüß Dich KUPFERSALZ,

Deinen Beitrag dazu, bzw. den Thread habe ich erst im Laufe des Tages entdeckt - ich hoffe Ihr habt Nachsicht mit mir!
Da ich vor der Anmeldung noch nicht lange mitlas, kann es sein, das ich öfter mal ins Fettnäpfchen tret :Sagenichtsmehr:

Gruß
althea

KUPFERSALZ
11.05.2010, 21:28
Das ist doch kein Thema es ist hier wie überall man muss sich erstmal zurechtfinden wünsche dir viel spass dabei. Du wirst sehen das Forum ist die reinste Fundgrube.

Viele Grüße KUPFERSALZ

HansG
21.05.2010, 15:20
eine gute Quelle für Pflanzen und Saatgut ist :
http://www.arche-noah.at/etomite/
"Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung"
Mitglieder auch in Deutschland.
Funktioniert mit zentralem Sortenarchiv und einer Menge von Erhaltern/innen in ganz Mitteleuropa, wo man Saatgut beziehen kann.
Auf der Homepage sind gute links und Infos !!!!
Kann ich aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen.
lg
Hans

ID 358
22.05.2010, 09:59
... Kritischer ist eher das Thema Saatgut.

Ich rate allen Bauern und Gärtnern, die hier mitlesen folgendes:
Macht eine Aufstellung, wieviel Saatgut Ihr für Eure Fläche benötigt, wenn eine Umstellung auf "Krisen-Landwirtschaft" zwingend wird.
Sehr wahrscheinlich müssen dann andere Sorten oder überhaupt etwas anderes angebaut werden, als es Euer bisheriger Erwerb war.
Macht auf einer kleinen Fläche Saatgutanbau, der für Eure Gesamtfläche reichen würde, eventuell mit etwas Überschuss, der nach erfolgreicher Aussaat aufgebraucht oder als Reserve zurückbehalten werden kann.
Getreide, Mais, Bohnen, Kartoffeln - Ihr werdet schon wissen, was für Euch passend ist.

Mostviertler
22.05.2010, 23:27
Hallo!

Mal ganz im Ernst, Saatgut für die ehemalige "Nebenserwerbslandwirtschaft" einzulagern hört sich ja gut an. Jeder kann sich ja mal Gedanken darüber machen, was das für ihrn bedeutet.
Fakt ist: Saatgut alleine is nicht!!
Dünger generell notwendig!
für eine umfassende Bewirtschaftung ist Tierhaltung
notwendig!
Die meisten ehemaligen haben sich einen Traktor und
einen Anhänger zurückbehalten. und nicht viel mehr..

Arbeite sein rd. einem Halben Jahr an einem Modell, was und in welcher Menge für die Versorgung einer Großfamilie mit rd. 10 Personen notwendig ist, vor allem um eine entsprechende Versorgung aufrechtzuerhalten. Großfamilie vor allem deshalb, weil es nur mit kongreter Zusammenarbeit einer Gruppe möglich ist. Auch gibt es in einer größeren Gruppe viele Möglichkeiten efektiver zu arbeiten.

Grundlegend ist eine Aufstellung eines Jahresverbrauches eines Menschen mit größerer körperlicher Anstrengung, mit normalen Essverhalten. Wo bekommt man sowas her??

lg
Mostviertler

User-ID-279
22.05.2010, 23:48
Grundlegend ist eine Aufstellung eines Jahresverbrauches eines Menschen mit größerer körperlicher Anstrengung, mit normalen Essverhalten. Wo bekommt man sowas her??

und was man selbst produzieren oder tauschen könnte

farm of five
24.05.2010, 00:50
Wir haben vor 2 Jahren einen kleinen Hof in der Steiermark übernommen und uns all diese Fragen damals auch schon gestellt.

Erstmal war uns klar, dass wir mit unseren 5 ha Wiese bzw. Acker eine konventionelle Landwirtschaft gar nicht zu beginnen brauchen, vor allem weil überhaupt keine Infrastruktur bzw. Geräte mehr vorhanden waren. Wir haben also bei Null begonnen.

Rund um uns regiert der Obstbau, das bedeutet viel finanzieller und arbeitszeitlicher Input für einen relativ großen Output, die fetten Jahre sind aber in der Obstbranche auch schon vorbei und bei 5 ha lohnt sich das schon gar nicht - abgesehen davon, dass Obstbauern sich aufgrund des Pestizid- Fungizid und Herbizid-Einsatzes der höchsten Krebsrate weit und breit rühmen dürfen.

Für die kommerzielle Seite haben wir uns für ein zweigleisiges Modell entschieden: für die kurzfristige Rendite konzentrieren wir uns auf Kräuter, da kann man mit relativ wenig Fläche einiges rausholen. Langfristig setzen wir auf Walnüsse, dauert zwar 10-15 Jahre bis da was rausschaut, aber irgendwer muss ja mal anfangen und Nussbäume sind auch unter dem Aspekt der Selbstversorgung nicht zu verachten. Zum Kalorienzählen komm ich gleich. Walnüsse brauchen auch wenig Pflege, das lässt Zeit für viel andere Dinge.

Für die selbstversorgerische Seite mal ein paar Eckpunkte wie ich sie sehe, wenn es wer besser weiß lass ich mich gerne belehren. Ein Erwachsener Mensch braucht im Jahr unter normalen Bedingungen ca. 700.000 Kalorien, das ist zumindest ein Mittelwert (Mann/Frau/Kinder/Ältere) aus ein paar schlauen Büchern. Realistischer erscheinen mir 1.000.000 Kalorien, in der Krise sitze ich ja nicht im Büro oder im Bunker rum, sondern ich steh von Früh bis Spät auf dem Feld und muss schwere körperliche Arbeit verrichten. Langfristig geht das nur, wenn ich so viel füttere wie ich verbrauche, der Wohlstandsspeck ist schnell weg. Ist ja auch ne viel schönere Zahl. :Cool:

Das wäre z.B. nur in Getreide ca. 300kg, für eine Person wohlgemerkt. Obst und Gemüse ist IMO absolut zu vernachlässigen, die Vitamine und alles ist natürlich wichtig, Abwechslung auch, kalorienmäßig könnt ihr das Zeug aber in den Berechnungen erstmal vergessen. Das stört mich auch bei den Diskussionen zur Selbstversorgung etwas, das die Leute immer so stolz auf ihre Tomaten oder Kartoffeln sind, ohne zu realisieren, dass das im Notfall nicht viel bringt. Für 1 mio. Kalorien brauche ich übrigens ca. 1400kg Kartoffeln, sind ja soo tolle Schlankmacher, die Dinger. Bei Tomaten wird es noch absurder, da komme ich auf 5.500 kg für die Mille. Übrigens braucht man für die Mille nur ca. 150kg Walnüsse, das ist die Ernte von weniger als 10 etwas älteren Bäumen (Fett rules!) Mir ist natürlich klar, das man nur mit Walnüssen nicht weit kommt, wenn ich aber eine Art Kalorien-Tauschhandel aufziehe, krieg ich für das Kilo Walnüsse 2 Kilo Getreide oder ein Huhn oder auch Obst und Gemüse in äquivalenter Menge. Wär doch ne Idee für die nächste Währung - Kalorien statt Euro-Papierl.

Das schmeiß ich jetzt mal so in die Runde als Diskussionsgrundlage, morgen kommt dann Teil 2 über Viehhaltung, Dünger und die Problematik des Getreideanbaus.

Dagmar
24.05.2010, 06:42
Hallo,

ich denke es ist wichtig, daß man sich schon jetzt vor der Krise darum bemüht, die notwendigen Maschinen und Anbaugeräte anzuschaffen, um eine kleine Selbstversorgerlandwirtschaft aufziehen zu können.

Wobei dieser Weg ja auch nur eine Möglichkeit ist. Wer jetzt schon eine kleine Schmiedewerkstatt hat oder jemanden der sich mit Computern (Hard- und Software) sehr gut auskennt, oder ein Zahnarzt der genügend Vorräte an Betäbungsmitteln, Bohrern, und sonstigem notwendigem Verbrauchsbedarf lagert, die werden in der Krise sehr gute Möglichkeiten haben, ihre Kenntnisse zu "Geld" zu machen. Aber in diesem Thread geht es ja um Landwirtschaft.

Ich hoffe nämlich, daß es zwischen der industriellen Agrarlandwirtschaft die derzeit praktiziert wird und dem Bauern der alles per Hand erledigen muss, auch Zwischenlösungen geben wird.

Also jetzt einen kleinen Traktor mit 20-40 PS, umgebaut auf die Möglichkeit diesen mit Pflanzenöl zu betreiben, dazu Pflug, Grubber, Egge, etc. etc. schon kaufen.

Dazu z.B. noch einen kleinen alten Mähdrescher. Ich habe irgendwo im Netz mal gelesen, daß früher zur Ernte eines Hektars (10.000 m²) Getreide ca. 200 Arbeitsstunden notwendig waren. Also sensen, Garben binden, zum Hof bringen, mit Dreschflegel dreschen, einlagern, etc. etc. Ein supermoderner Mähdrescher schafft diese Fläche in einigen Minuten. Und ein alter (ohne elektronischen Schnickschnack versehener) Mähdrescher mit ca. 2-3 m Breite braucht dann vielleicht einen halben Tag und ca. 10-20 Liter Treibstoff.

Also versuchen wenigstens eine halbwegs effektive Methode der Landwirtschaft zu erhalten. Auch um sich selbst vor Arbeitsüberlastung zu schützen. Und um genug Nahrungsmittel zum Tausch anzubauen.

Ich fange ja auch bei Null an, bzw. habe bei Null angefangen und merke auch, daß da natürlich viel Geld investiert werden muss - deswegen bin ich auch immer auf der Suche nach günstigen Angeboten, bzw. baue alte gebrauchte Anbaugeräte so um, daß diese für meinen Zweck brauchbar werden.

Andererseits hoffe ich nach wie vor sehr, daß all diese Vorbereitungen dann doch unnötig sein werden.:lachen:


Dagmar

Buddelbär
24.05.2010, 08:42
Hallo

Zum Spritverbrauch würde ich eher zu 10 Liter in der Stunde bei Leerlauf tendieren.
Je nach Modell kann man da bis zu 50 Liter in der Stunde durchjubeln.

Hier gibt es noch die Bezeichnung Tagwerk.
Ein Tagwerk entspricht etwa der Fläche die ein Mann an einem Tag mit der Sense mähen kann und oder mit einem Gespann (Ochse oder Pferd) umgepflügt werden kann.
Wie alle alten Masssysteme eine Phi mal Daumen Sache entsprechen 3 Tagwerk etwa einem Hektar.
Also von Hand Getreide mähen , bündeln und dreschen ist dann schon ein Zeit und Personalintensives Geschäft.

Auf jeden Fall sinnvoll ist es imho einen gut gefüllten Öltank im Haus zu haben.
Zum heizen eigentlich jetzt schon viel zu schaden kann man damit den Landwirt um die Ecke bezahlen das er mal schnell die Ernte einbringt.

KUPFERSALZ
24.05.2010, 17:00
1.000.000 Kalorien,

Das wäre z.B. nur in Getreide ca. 300kg, für 1 mio. Kalorien brauche ich übrigens ca. 1400kg Kartoffeln

Hallo farm of five,

toll was du auf die Beine stellst auch dein Denkansatz mit den Kalorien ist nicht schlecht. Meiner Meinung nach darf man aber auch nicht unterschlagen wie viel Fläche man für die Produktion benötigt.
Ich habe einfach mal unser Statistisches Bundesamt nach Flächenerträgen gefragt. Auf einem Hektar wurden 2009 44 Tonnen Kartoffeln geerntet nachzulesen auf Seite 37 im PDF, (https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1024707) bei Weizen gab es einen Ertrag von 7,8 Tonnen, Roggen 5,7 alle weiteren relevanten Feldfrüchte sind dort auch aufgeführt.
Würde ich eine reine Kartoffeldiät machen benötige ich also 0,03 ha und bei einer Weizendiät 0,04 ha.

Mir ist klar das dies nur ein rein theoretischer Wert ist aber genauso ein Ansatz wie deiner den Bedarf zu berechnen. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben aber beachte die Mischung machts, stelle dich nicht zu einseitig auf. Es kann immer zu Ereignissen kommen die bestimmte Kulturen schädigt.

Viele Grüße KUPFERSALZ

Dagmar
24.05.2010, 22:52
Hallo Buddelbär,

bei deinen Verbräuchen gehst du von großen Traktoren und Mähdreschern aus, aber es gibt eben auch sehr viele kleinere Maschinen die sehr viel weniger verbrauchen.

So habe ich u.a. einen kleinen Kompakttraktor mit 12 PS. Der verbraucht 2-3 Liter pro Stunde bei Vollast. Wenn ich also zum Beispiel eine Parzelle mit 3000 m² grubbere, dann dauert das maximal ca. 4-5 Stunden (mit Pausen), das sind dann gerade ca. 10-15 Liter.

Deshalb empfehle ich eben auch, sich kleine sparsame Maschinen zuzulegen, damit man auf den eigenen Landflächen die notwendige Menge an Pflanzenöl erzeugen kann.

@Kupfersalz
die Erntemengen gehen aber von einer herkömmlichen Industrie Landwirtschaft aus. Schon jetzt sind die Erntemengen im ökologischen Landbau bis zu einem Drittel tiefer.

Ich vermute mal deshalb, daß wir in einer "Crash" Landwirtschaft mit maximal der Hälfte der derzeitigen Erträge auskommen müssen. Auch ist man da in der Planung auf der sicheren Seite.

@all
Ich rechne einfach immer so, daß ich die Mengen die ich heute so durchschnittlich in einer Woche verzehre mit 52 multipliziere. Beispiel: Ich benötige pro Woche 1 KG Brot und noch mal ca. 500 Gramm Brötchen. Sicherheitshalber gehe ich von 2 Kilogramm Weizen aus, x 52 Wochen entsprechen dann pro Person ca. 100-120 KG. Pro Hektar ca. 3-4 Tonnen Ertrag, dann komme ich auf eine Mindestanbaufläche für Weizen von ca. 400 m². Ich muss ja auch noch Weizen für Saatgut zurückbehalten. Also lieber etwas weniger Ertrag einplanen, als bei besten Ergebnissen möglich ist. Hat man Überschüsse - kann man die verkaufen. Hat man z.B. durch Trockenheit geringere Erträge, reicht es dann doch vielleicht noch aus.

Will man dazu noch Fleisch haben, muss man entsprechend mehr Nahrungsmittel einplanen. Vor allem da man pro Kilogramm erzeugtes Fleisch, je nach Rasse, etc. etc. so zwischen 3-10 Kilogramm pflanzliche Nahrungsmittel in die Fleischerzeugung hineinstecken muss.

Wenn man also so halbwegs den heutigen Ess-Lebensstandard beibehalten will, so sind doch recht große landwirtschaftliche Flächen notwendig. Vor allem da aufgrund von fehlenden Chemie-Düngern nur mit tiereischen und menschlichen Ausscheidungen gedüngt werden kann bzw. auch durch eine sinnvolle Fruchtfolgegestaltung (z.B. Anbau von Leguminosen, etc. etc.) nicht immer die ganzen Flächen für den eigenen Anbau zur Verfügung stehen.

Ist ein sehr komplexes Thema, in dem ich mich gerade hineinarbeite, aber wir haben ja hier im Forum schon einige Miglieder die praktische Erfahrungen haben.


Dagmar

KUPFERSALZ
24.05.2010, 23:23
@Kupfersalz
die Erntemengen gehen aber von einer herkömmlichen Industrie Landwirtschaft aus. Schon jetzt sind die Erntemengen im ökologischen Landbau bis zu einem Drittel tiefer.


Hallo Dagmar,
da hast du recht es handelt sich um Mittelwerte aus Deutschland. Die Aussage bleibt aber die Gleiche wenn ich nur die Hälfte auf der Fläche produzieren kann benötige ich halt die doppelte Fläche aber für Getreide wie für Kartoffeln. Ich wollte nur aufzeigen das der Vergleich mit absoluten Zahlen hinkt.

Für die Lagerhaltung gilt dies natürlich nicht aber darum geht es ja hier nicht 300 kg Getreide lassen sich auf alle Fälle leichter und länger lagern als 1400 kg Kartoffeln.

Gute Nacht KUPFERSALZ

ID 358
25.05.2010, 08:45
...300 kg Getreide lassen sich auf alle Fälle leichter und länger lagern als 1400 kg Kartoffeln.

... aber Kartoffelanbau gelingt auch Laien schon ganz gut, und funktioniert selbst im Stadtgarten
(am besten in einem gut kontrollierbaren Innenhof).

Getreideanbau ist Profisache nur für Bauern, die auch richtige Felder haben.
Ich kenn keinen Kleingärtner, der Weizen anbaut (Mais schon eher!)

Für uns meisten als Nichtbauern, ist daher Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Walnuß erste Wahl.
Die Bauern sollten sich um Getreidefelder kümmern und für Notzeiten gerüstet sein.

Dagmar
25.05.2010, 08:52
Hallo Luftikus,

wäre noch zu klären, warum in Kleingärten sowenig Weizen angebaut wird - ich weiß es jedenfalls nicht.

Du schriebst:
Getreideanbau ist Profisache nur für Bauern, die auch richtige Felder haben

Meine Frage dazu:

Warum??????

Ich stelle manche Aussage einfach gerne mal in Frage.:peinlich:


Dagmar

ID 331
25.05.2010, 09:11
Hallo Dagmar,

man sollte beachten wieviel Fläche man braucht um 1 dt Weizen zu ernten.
Bei einem Ertrag von 70 dt pro Hektar bräuchte man 10000 m²/70 = 143 m².
D.h. knapp 150 m² sind von Anfang Oktober (Aussaat) bis Anfang August (Ernte)im Garten blockiert.
Während dieser Zeit kann man im Kleingarten mehrere Ernten mit Wintergemüse, Salat im Frühjahr, Kartoffeln usw. durchführen.
Getreide macht meiner Ansicht nach nur auf großen Flächen Sinn.

Grüße, Hans

bommel
25.05.2010, 09:35
Hallo Dagmar,

man sollte beachten wieviel Fläche man braucht um 1 dt Weizen zu ernten.
Bei einem Ertrag von 70 dt pro Hektar bräuchte man 10000 m²/70 = 143 m².
D.h. knapp 150 m² sind von Anfang Oktober (Aussaat) bis Anfang August (Ernte)im Garten blockiert.
Während dieser Zeit kann man im Kleingarten mehrere Ernten mit Wintergemüse, Salat im Frühjahr, Kartoffeln usw. durchführen.
Getreide macht meiner Ansicht nach nur auf großen Flächen Sinn.

Grüße, Hans


Hinzu kommt, daß - wie bestimmt schon jeder mal gesehen hat, an den Feldrändern das Getreide nicht so gut wächst und eher klein bleibt/ keine Ernte bringt. Ich denke, daß es mit dem Wind zu tun hat, der einer Pflanze am Rand schon zusetzen kann, jedenfalls eher, als einer mitten im Feld. Von daher würde eine kleine Fläche bei ansonsten gleichen Bedingungen eher weniger Ertrag bringen, weil das Verhältnis Fläche:Rand eben ungünstig ist. Aber auch für dieses Problem hat die moderne Landwirtschaft schon eine "Lösung" parat: www.proplanta.de/Agrar-Lexikon/Halmverk%FCrzer_ll1150877515.html (Dieser Link stellt ausdrücklich keine Empfehlung dar!)

ID 358
25.05.2010, 09:36
...Du schriebst:
Getreideanbau ist Profisache nur für Bauern, die auch richtige Felder haben

Meine Frage dazu:Warum??????

Ich stelle manche Aussage einfach gerne mal in Frage.:peinlich:Dagmar

Hans hat es schon vor mir beantwortet.
Warum? fragen ist schon richtig, und auch: "Ich tu´s trotzdem!":devil:

Mach doch einen Testanbau:
Steckt Dir genau einen Quadratmeter Gartenfläche ab -
streu eine Handvoll keimfähige Weizenkörner rein -
steck in jede Ecke einen Meter hohen Pfahl und spann gegen Vogelfrass ein Netz über den Kubikmeter, der nun Dein Weizenfeld ist -
im Herbst mietest Du dann einen Mähdrescher:rolleys: oder erntest von Hand -
die Körner im Mörser oder Getreidemühle mahlen und Brot backen -

Nun kannst Du ausrechnen, wieviel Quadratmeter Garten vorhanden ist, multiplizierst das mit der aus 1m² gewonnen Brotmenge und genauso viel Brot könntest Du damit erwirtschaften, aber sonst nichts.
Da wird Dir wohl die Vielfalt an verschiedenen anderen Gartenfrüchten eher sinnvoll erscheinen.
Ganz abgesehen davon, wenn Dir im Juli das Kleingetreidefeld verhagelt wird oder ein Platzregen alles niederdrückt und die Ähren am Boden faulen.

badener
25.05.2010, 09:56
Hallo,

Kartoffelanbau ist natürlich für den Selbstversorger erste Wahl.Leider aber durch die Lagerfähigkeiten m.M.nicht nachhaltig genug.
Mein Keller eignet sich z.B.nicht dafür.Ich kaufe immer ca.100kg und muß dann 30% entsorgen weil kaputt.
Ich halte Getreideanbau daher auch für überlegenswert.Ob mit oder ohne maschinellen Fuhrpark.Früher wurde das auch mit der Sichel geerntet zu Garben gebunden,auf der Tenne von Hand gedroschen und war auch für Kleinbetriebe(Familien) anbaubar.

Was den Felddiebstahl anbelangt gibts wohl keine Patentlösung.Keiner kann zur Erntezeit sein Feld 24/7 bewachen,nicht mal am Haus.
Eine Möglichkeit wäre die landwirtschaftlichen Produkte welche weiterverarbeitet werden müssen,also z.B.Getreide auf den weiter entfernten Flächen anzubauen und diejenigen welche vom Acker gefuttert werden können,Gemüse,Kartoffeln,Obst nahe am Haus.
Kaum einer wird sich die Mühe machen Getreide ,Mais,Rüben zu klauen weil er nicht die Möglichkeit hat sie essbar aufzubereiten.
Geklaut wird meißt die Frucht die man in den Mund schiebt und kaut,oder die man durch kochen geniesbar macht.

Ist teilweise aber eine Frage der vorrausschauenden Ackeranlage.Ich habe dieses Jahr 3 Grundstücke gepachtet und auf einem davon glaube ich alles anbauen zu können,da abgelegen und schwer erreichbar. Auf den 2 anderen ist Obst,Vorteil ist das im Umfeld von mehreren Kilometern auch Obst ist,da braucht es schon sehr viele Diebe bis alles weg ist.

LG badener

@Luftikus,

Testanbau geht so nicht.Du wirst auf Deinem 1qm kein Ergebnis erzielen welches auch nur annähernd einen Vergleich erlaubt.Wahrscheinlich kommt es nicht mal zur Ährenbildung.Und aus dieser Negativerfahrung willst Du dann schließen daß sich der Anbau von Getreide nicht lohnt ?
Dagmars Idee/Plan halte ich für durchführbar und werde selbst ähnliches versuchen.Mir fehlt nur noch der Acker,war am WE wieder unterwegs Pachtgrundstücke anzusehen,leider nichts dabei gewesen.

tomduly
25.05.2010, 10:49
Hallo Luftikus,


...Steckt Dir genau einen Quadratmeter Gartenfläche ab -
...im Herbst mietest Du dann einen Mähdrescher:rolleys: oder erntest von Hand -
die Körner im Mörser oder Getreidemühle mahlen und Brot backen -

Das ist Polemik :winke: - es kann durchaus Sinn machen, ein kleines Getreide"feld" im Selbstversorgergarten einzuplanen. Ein paar hundert Quadratmeter erntet man auch mit Sensen (es gibt welche, die die Halme nach dem Schnitt "auffangen", damit das geschnittene Getreide nicht kreuz und quer fällt und das Garben machen unnötig erschwert). Das ist zwar mühsam, aber besser als im Winter hungrig dazusitzen.


Nun kannst Du ausrechnen, wieviel Quadratmeter Garten vorhanden ist, ...
...was Dagmar durchaus vorgerechnet hat und auf 400qm Bedarf gekommen ist.
Die Nutzgärten meiner "Ostverwandschaft" kommen durchweg auf 1.500 - 3.000 qm Fläche, da wurden zu DDR-Zeiten Kartoffeln, Rüben und auch mal Getreide angebaut - für den Eigenbedarf.

Für "urban gardening" auf dem Balkon ists natürlich weniger geeignet. Da würde ich dann Zwiebeln und Kräuter bevorzugen.


Ganz abgesehen davon, wenn Dir im Juli das Kleingetreidefeld verhagelt wird oder ein Platzregen alles niederdrückt und die Ähren am Boden faulen. ...das kann dem Gross-Getreidebauern aber genauso passieren, zählt nicht als Argument gegen einen Kleinanbau...:rolleys:

In jedem württembergischen Bauernhaus stand früher einmal ganz selbstverständlich die komplette Ausrüstung zur Getreideernte im kleinen Stil bereit, nicht zuletzt aus dem Grund, weil durch die "Erbteilung" die vererbten Anbauflächen immer kleiner wurden. Es musste jede nachfolgende Generation auf immer kleineren Flächen Getreide etc. anbauen.

Nach dem das Getreide gemäht war, wurden Garben gebunden, dazu gab es teilweise von Kühen oder Pferden gezogene Garbenbindemaschinen. Die Garben wurden zuhause in der Scheune auf dem Boden mit Dreschflegeln (http://resi.wendebaum.de/node/1238)gedroschen (manche hatten auch eine stationäre Dreschmaschine (http://www.traktor-club-vom-hoecherberg.de/images/pict8417.jpg)), anschliessend kam das Korn in eine Putzmühle (http://www.traktor-club-vom-hoecherberg.de/images/pict8149.jpg), ein handbetriebenes Rüttelsieb mit Gebläse, dort wurde "die Spreu vom Weizen getrennt. Die Handmühlen (http://www.top-getreidemuehlen.de/diamant/diamant_0_stein.jpg) aus der "guten alten zeit" werden nicht ohne Grund bis heute noch gebaut. Alles in allem eine zuverlässig funktionierende Low-tech-Prozedur. Solche Apparate sind auch relativ einfach zu bauen.

Abgesehen davon muss man nicht unbedingt alle Geräte oder Arbeitsschritte alleine und autark beherrschen. Durch Arbeitsteilung konnte unsere Zivilisation überhaupt erst entstehen. Es spricht nichts dagegen, auch in einem "Post-Crash-Zeitalter" wieder Arbeiten zu teilen und z.B. das Getreide von durchs Land reisenden Dreschern mähen und dreschen zu lassen oder das Korn zur Mühle zu bringen und Mehl zu bekommen.

Klar ist Kartoffeln anpflanzen im Garten scheinbar einfacher und die Tomaten und speziell Kürbis und Zucchini wachsen fast von alleine. Aber - wie Farm-of-five es treffend beschrieben hat, liefert das ganze Nassgemüse vergleichsweise wenig Kalorien und kaum Kohlehydrate, die satt machen. Feuchte Früchte sind problematisch zu lagern, dagegen ist trockenes Getreide jahrelang lagerfähig und taugt notfalls (wenn überlagert) immer noch als Tierfutter. Will man Tomaten, Gurken etc. lagerfähig machen, muss man eine Menge Zeit und Energie (Feuerholz) in das Haltbarmachen stecken.

Aber jeder wie er will.

Hier noch die On-Topic-Kurve: die moderne Landwirtschaft ist deshalb in der Krise, weil sie sich aus Gründen der Profitmaximierung und Arbeitserleichterung einer vereinfachten industriellen Hochleistungsproduktion verschrieben hat. Fast alle hauptberuflichen Landwirte haben heute nur ein wirtschaftliches Standbein und meistens auch nur einen Abnehmer. Milcherzeuger-Betriebe sind heute nicht mehr in der Lage, Kartoffeln anzubauen oder Brotgetreide. Sie bauen evtl. noch Grünfutter zur Silage-Herstellung an und fahren mit schwerem Gerät maschinell aus dem Silo geschnittene Futtermittelblöcke in den Stall mit mehreen hundert Kühen, während die Kühe "von selbst" an den halbautomatischen Melkstand gehen (vom Kraftfutter-Automat angelockt, der jede Kuh am Transponderhalsband erkennt und mit ihrer zur Milchleistung passenden Kraftfutterdosis versorgt). Ähnlich läuft es in Mastbetrieben, bei Kartoffelbauern oder Zuckerrübenproduzenten: sie alle verdienen ihr Geld mit einer auf ein Produkt ausgerichteten durchrationalisierten Produktion. Sinkt der Preis, hat der Bauer ein Problem.

Vielseitige Erzeugerbetriebe mit Direktvermarktung ab Hof gibt es noch zu wenige, sind aber im kommen. Sie versuchen den Kunden durch ein vielseitiges Angebot hochwertiger Produkte zu locken. Dazu muss natürlich ein gewisser Aufwand getrieben werden, der Kunde erwartet einen Parkplatz, einen Hofladen, der wie ein kleiner Supermarkt im Prinzip alles bietet, was man zum Leben braucht. Daneben am besten ein kleiner Streichelzoo für die quengelnden Kleinen und schönes Wetter :Cool:



Grüsse

Tom

badener
25.05.2010, 11:10
.....den Tomduly lese ich einfach gerne :lachen:

Bin gerade dabei eine Windfege zu ersteigern ,weil ich überzeugt bin daß der Getreideanbau im kleinen Stil machbar ist.

@Wolpertinger,
das badische Erbrecht :weinen: macht mir hier am meißten zu schaffen bei der Suche nach Pachtgrundstücken.Es ist ein Jammer wenn guter Boden nur noch dafür Platz hergibt für 1 Reihe Obstbäume ,4m breit und 150 lang.
Dazu meißt noch gefangen,trotzdem teuer.
Hier um KA gibt es wahnsinnig viele Kleingrundstücke,total verwahrlost aber die Leute geben es nicht her.Ich suche 3 mal die Woche,bis ich irgendwie den Besitzer ausfindig gemacht habe,und dann geht nichts.

LG badener

User-ID-118
25.05.2010, 13:56
Zur Lagerung. Kartoffeln mögen es kühl, dunkel und nicht zu trocken. Wir haben zum Glück noch einen tiefen Naturkeller mit Lehmboden darin halten sich Kartoffeln prima.Mein Subjektiver Eindruck ist dass die naturbelassenen Kartoffeln (Dreckkruste) vom Bauern besser und länger halten als die gewaschenen aus dem Supermarkt.
Kann natürlich auch einen andern Grund haben, die Dreckkrusten These ist für mich bis jetzt die plausibelste.

Gruß
Nachtfalke

Dagmar
25.05.2010, 14:05
Hallo,

auf meinen letzten Beitrag ist ja schon eingegangen worden, da brauche ich nicht noch mal was dazu schreiben.

Nur so als Tipp für diejenigen die vorhaben mehrere Hundert Quadratmeter oder auch bis zu 1 Hektar Getreide anzubauen. Es gibt bei Landmaschinenhändlern meist irgendwo in der hintersten Ecke alte Mähdrescher aus den 50-70 er Jahren. Die sind einfach aufgebaut und die Mähwerksbreite reicht von 1,80m bis zu 2-3 m. Die Kosten dafür halten sich auch in Grenzen.

Und rein theoretisch (ausprobiert habe ich es aber noch nicht) müßte man mit dem Mähbalken, wenn man die Haspel deaktiviert, auch Weiden/Rasen mähen können. Ist ja so ähnlich wie so ein Messerbalken an den alten Traktoren - aber wie schon gesagt nur so eine Idee.

Ich habe z.B. einen kleinen Claas Compact. Der hat gerade 1,80 m Mähbreite. Da meine in der Zukunft zu bearbeitenden Parzellen (insgesamt 6 Stück) jeweils so ca. 3000m² haben (ca. 50x60m) ist das die dafür genau passende Größe. Auf der Fläche kann man schon so mit einem Ernteergebnis von 1-2 Tonnen Weizen rechnen. Bei 1,50m Breite und einer Fahrgeschwindigkeit von 3km/H, wäre rein theoretisch nur 1 Stunde Arbeit zur Ernte notwendig. Da man aber wenden muss, etc. etc. gehe ich von einem Vormittag aus. Und da der Mähdrescher ja direkt vor Ort in der Scheune steht, bin ich unabhängig von Maschinenringen oder von Nachbarn die mir aushelfen.

Dazu dann noch einige IBC Behälter zur Lagerung. Sind preisgünstig und ziemlich nagersicher. Nur trocken genug sollte das Getreide natürlich sein. Das wäre dann aber ein neuer Thread.

Und mit diesem Ernteertrag kann ich mein Brot und meine Brötchen backen (oder auch Kuchen:lachen:) und habe auch genug für Hühner, Schweine, etc. übrig, um diese zu mästen.


Dagmar

Buddelbär
25.05.2010, 14:21
Servus Nachtfalke

Stimmt.
Wird mir von den örtlichen Landwirten immer wieder bestätigt.
Liegt wohl tatsächlich an den Erdanhaftungen und der fehlenden stressigen Wäscherei.

farm of five
26.05.2010, 00:20
Zum Thema Getreideanbau, im großen Maßstab wohlgemerkt. Und nur im großen Maßstab können wir die paar Milliarden ernähren, die auf unserem Planeten so rumlaufen. Wenn wir in unseren Gärten ein paar Quadratmeter als Hobby aussähen, kann das natürlich nachhaltig und sinnvoll geschehen.

Getreideanbau ist ein ständiger Kampf gegen die Natur. Zuerst muss ich die Erde aufreissen bzw. alles was dort wächst zerstören. Nackte Erde ist ein zutiefst unnatürlicher Zustand und wird von der Natur mit allen Mitteln bekämpft. Alle einjährigen Pflanzen, zu denen alle unseren gebräuchlichen Getreidesorten zählen, haben gegen mehrjährige Pflanzen keine Chance. Nur unter großem Energieaufwand kann ich also die Voraussetzungen für den Anbau schaffen. Für den Wasserhaushalt des Bodens bedeutet diese Zerstörung nichts gutes. Als nächstes stellt sich die Frage der Düngung. Und der Herbizide, Pestizide, Fungizide. Die Natur verabscheut nicht nur ein Vakuum sondern auch Monokulturen und lässt sich vieles einfallen, um diesen Zustand zu bekämpfen. Wir müssen wiederum die Natur bekämpfen um unsere Ernten einfahren zu können, langfristig ist dieser Kampf aber nicht zu gewinnen. Der einzige Grund, warum wir diesen Kampf derzeit noch gewinnen ist billige Energie in Form von Erdöl. Erdöl betreibt unsere Maschinen, Erdöl (bzw. Erdgas) erzeugt Kunstdünger und die Segnungen der chemischen Industrie, Erdöl transportiert die Ernten quer durch die Welt.

Die Lösung, aus meiner Sicht ist die Viehhaltung. Sorry liebe Vegetarier und Veganer.

Vieh hat schon lange vor unserem Eingreifen in Balance mit der Natur gelebt, mir ist aber nichts von natürlichen vorkommenden Getreidefeldern bekannt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet könnte man sagen, dass wir die Sklaven des Getreides sind, alles in unserer Macht stehende tun, um die Verbreitung des Getreides auf der ganzen Welt zu fördern - auf Kosten aller anderen Pflanzen und Ökosysteme.

Vieh baut Humus auf anstatt ihn zu zerstören.

Vieh arbeitet rund um die Uhr für mich, auch wenn ich mein Mittagschläfchen halte.

Vieh ist kein Nahrungskonkurrent den Menschen, wir können Grünfutter nicht verwerten, Tiere schon. Die Mär, dass ich auf einer bestimmten Fläche mit Getreide so viel mehr Menschen ernähren kann als mit Viehhaltung stimmt meiner Meinung nach nicht. Erstens gehen alle diese Rechenbeispiele davon aus, das dem armen Vieh Getreide gefüttert wird. Damit tue ich den Tieren aber nichts Gutes, die natürliche Nahrung von Kühen ist Gras. Klar wachsen Tiere schneller, wenn ich ihnen Getreide gebe, das tun meine Kinder mit Wachstumshormonen und anabolen Steroiden aber auch, und ich tu es trotzdem nicht. Zweitens wird die Frage der Düngung ausgeklammert, die Vegetarier-Kommune soll mir bitte mal erklären, woher sie denn ihren Dünger herbekommt.

Jedes Tier liefert hochwertiges Eiweiß und Fett, Fett bzw. Öl aus Pflanzen war noch vor 50 Jahren hierzulande überhaupt nicht üblich und ist ähnlich aufwendig zu gewinnen wie Getreide.

Alles Argumente die aus meiner Sicht für Viehhaltung sprechen, der einzige Nachteil ist der Flächenbedarf, etwas weniger als ein Hektar Grünland ist pro Erwachsenem zu rechnen. Dafür ist das ein hundertprozentig nachhaltiges System, was unser derzeitiger Getreideanbau bzw. Landwirtschaft allgemein nicht ist. Es stellt sich natürlich auch Frage der langfristigen Gesundheit bei einer sehr eiweißreichen Kost, Generationen von sich ständig vergrößerndem Getreidekonsum haben wohl ihre Spuren hinterlassen. Ich kenne einige Menschen persönlich, die mit einer Art Atkins-Diät (viel Eiweiß) sehr zufrieden sind und als anekdotischer Beweis können meine Großeltern herhalten, die haben zu jeder Mahlzeit Unmengen Fleisch gegessen und wurden beide sehr alt. Ich könnte mir vorstellen, dass Probleme mit viel Fleischkonsum eher eine Frage der derzeitigen Qualität des Fleisches sind, als eine Frage des Prinzips. Was glaubt ihr?

bommel
26.05.2010, 07:37
Hi farm of five!
Die ersten beiden Absätze gehe ich konform mit Dir, danach rümpft sich meine Nase.
Leider kann ich das hier nicht weiter ausführen oder begründen, sonst könnte das zu Stuß erklärt und der Thread geschlossen werden.
Nur soviel: ich habe bereits andere langfristig funktionierende Landwirtschaften gesehen.
Beste Grüße

ID 331
26.05.2010, 08:12
Vieh hat schon lange vor unserem Eingreifen in Balance mit der Natur gelebt, mir ist aber nichts von natürlichen vorkommenden Getreidefeldern bekannt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet könnte man sagen, dass wir die Sklaven des Getreides sind, alles in unserer Macht stehende tun, um die Verbreitung des Getreides auf der ganzen Welt zu fördern - auf Kosten aller anderen Pflanzen und Ökosysteme.

Vieh baut Humus auf anstatt ihn zu zerstören.



Hallo farm of five,

es gibt durchaus Möglichkeiten Getreide anders als die bekannten Monokulturen anzubauen. Zum Beispiel kann man bei Weizen Klee als Untersaat mitaussäen. So hat man nach der Ernte direkt nutzbares Grünfutter und der Weizen profitiert vom Klee als Stickstoffsammler.

Weiterhin ist es für jeden Boden tödlich wenn jedes Jahr Getreide angebaut wird. Man braucht einen Fruchtwechsel, sonst gehen die Erträge jedes Jahr zurück.

Ideal ist ein Betrieb mit Getreideanbau und Viehhaltung. So können die Flächen abwechselt mit Getreide und Viehfutter (Mais, Legumniosen, Raps, Klee etc.) bestellt werden. Der Mist vom Vieh kann wiederrum als Dünger genutzt werden, so kommt man (fast) ohne Kunstdünger aus!

Bei der Abhängigkeit von Erdöl/Erdgas für Dünger, Spritzmittel etc. stimme ich dir voll zu. Deshalb sind aus meiner Sicht kleine Gemischtbetriebe (Getreide + Vieh) am besten.

Viehhaltung kann sogar sehr schädlich sein, man muß sich nur die Versteppung und Wüstenbildung in Afrika anschauen. Dort werden durch hohen Viehbesatz und Überweidung jedes Jahr große Flächen Land verwüstet und für immer unbrauchbar.

Auch die großen Mastbetriebe bei uns sind sehr kritisch zu betrachten. Die Betriebe müssen Eiweißfutter zukaufen und könne die Gülle mangels Fläche nicht verwerten.

Also die Aussage Vieh ist besser als Getreideanbau kann man so nicht stehen lassen. Vieh und Getreide ergänzen sich aus meiner Sicht perfekt.

Grüße, Hans

Dagmar
26.05.2010, 08:20
Hallo farm of five,

interessante Sichtweise, muss ich mal länger darüber nachdenken.

Habe dazu aber gleich mal einige Fragen. Wenn ich selber als Einzelperson so 2 Hektar Land habe, dann könnte das vielleicht mit dem Fleischkonsunm funktionieren, aber das würde bedeuten, daß wenn man die landwirtschaftlichen Flächen nimmt die z.B. in Deutschland (oder auch Österreich) zur Verfügung stehen, es dann nur noch für sehr wenige Menschen reichen würden, die Bevölkerung müsste also massiv schrumpfen - und das weltweit.

Gras fressende Tiere, da fallen mir momentan nur Rinder, Schafe, (eingeschränkt) Ziegen, Gänse und Kaninchen ein. Gerade bei Rindern habe ich aber das Problem, daß die ja ziemlich arbeitsaufwändig sind - z.B. jeden Tag die Milch "abpumpen":lachen:- oder denkst du da an Wildrindhaltung, falls ja an welche Rasse?

Aber jetzt muss ich mal im Netz gucken, welche Zahlen ich zu deiner Theorie noch finde. Wie hoch der Fleischertrag pro Hektar und Rasse ist, etc.


Dagmar

ID 358
26.05.2010, 10:20
- - - bei Weizen Klee als Untersaat - - - Fruchtwechsel, - - - kleine Gemischtbetriebe (Getreide + Vieh) am besten.

Viehhaltung kann sogar sehr schädlich sein, man muß sich nur die Versteppung und Wüstenbildung in Afrika anschauen. Dort werden durch hohen Viehbesatz und Überweidung jedes Jahr große Flächen Land verwüstet und für immer unbrauchbar.

Auch die großen Mastbetriebe bei uns sind sehr kritisch zu betrachten.

farm of five hat recht und die Einwände von Hans lassen sich auch bei Viehaltung berücksichtigen.
Überweidung kann leicht verhindert werden, indem die Tiere nicht überall alles abfressen können (Zäune, dichte Hecken auch auf Erdwällen). Im übrigen muss man nicht alle Kühe jeden Tag melken, die "Arbeit" könnte man auch den Kälbern überlassen...
Dann gibts da noch die Ziegen und Schafe, Karnickel, Hühner und Gänse; auch Schweinehaltung in naturnaher Umgebung macht nicht arg viel Arbeit und gibt gutes Fleisch und Fett. Nach einem Jahr kann der Auslauf der Tiere verlegt werden, und am alten Platz ist guter Boden für Feldbau.
Das Problem der riesigen ungesunden Mastbetriebe könnte so gelöst werden, daß diese nur bei eigener ausreichender Grundfläche zum Futteranbau genehmigt werden und eine artgerechtere Haltung als bisher vorgeschrieben ist.
Zum Thema der Überbevölkerung: ich glaube auch, daß es viele überflüssige Menschen gibt, die Platz und Ressourcen verbrauchen, ohne selber eine angemessene Gegenleistung für Mutter Erde zu erbringen. Das Problem wird demnächst in altbewährter Naturmethode gelöst sein.

badener
26.05.2010, 10:39
Hallo,

Ihr berücksichtigt aber doch schon,daß die heutige Weltbevölkerung niemals ernährt werden könnte wenn kein Getreide vorhanden ist ?
Dazu gehört auch Reis ,siehe Asien.
Gesundschrumpfen ist in dem Zusammenhang ein ganz böses Wort.

Domestizierung von Tier und Pflanze hat diesen enormen Bevölkerungszuwachs,den Fortschritt (?) etc. ermöglicht und auch verursacht( sehe dies durchaus negativ)

Wäre interessant zu errechnen wo wir stünden wenn dies so nicht geschehen wäre .Wären wir überhaupt da ? Also wir hier aus dem Forum ?
Wenn die deutsche Bevölkerung so mal knapp 1 Million oder weniger wäre,weil der Nahrungsmangel eine größere Population gar nicht zuließ ?
Technische Entwicklung,humanistische etc. wären genauso langsam gestiegen,also evtl. wären wir vielleicht erst im frühen Mittelalter.

Wenn es möglich wäre nun gänzlich auf Viehwirtschaft umzusteigen würde das Millionenfachen Hungertod bedeuten ,will wohl keiner haben.

Wurde schon geschrieben,die Mischung machts,aber nur für den Einzelnen.Für die Weltbevölkerung ist das nicht möglich,reicht schon jetzt nicht mehr aus.

LG badener

badener
26.05.2010, 10:43
Zum Thema der Überbevölkerung: ich glaube auch, daß es viele überflüssige Menschen gibt, die Platz und Ressourcen verbrauchen, ohne selber eine angemessene Gegenleistung für Mutter Erde zu erbringen. Das Problem wird demnächst in altbewährter Naturmethode gelöst sein.

:staunen: Na dann pass gut auf daß Du nicht dazu gehörst.....

alles andere was ich dazu zu sagen hätte......editiere ich lieber gleich im Kopf :Sagenichtsmehr:

farm of five
26.05.2010, 10:51
@bommel: Warum sollte der Thread geschlossen werden, solange du nicht beleidigend wirst. Darum gehts doch hier, verschieden Standpunkte zu formulieren und vielleicht eine andere Sichtweise kennenzulernen. Ist schon klar das meine Argumente etwas überspitzt formuliert sind, soll ja auch ein Denkanstoss sein.

Der Status quo ist aber auch unbefriedigend, zur Zeit ist die Landwirtschaft Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Im Moment habe ich so meine Zweifel, ob es überhaupt eine gute Lösung gibt, ich kenne sie jedenfalls nicht. Sich selber eine Insel der Seligen aufzubauen, während rundherum alles zum Teufel geht, funktioniert nicht.

@Hans1981: Bin ich ganz auf deiner Seite, ich bin nicht gegen den Getreideanbau generell, ich selber und einige meiner Tiere brauchen ja auch teilweise Getreide, es geht mir darum den Schwerpunkt etwas zu verschieben, weg von den Einjährigen Pflanzen bzw. nur so viel wie absolut notwendig.

Die Situation in Afrika von wegen Überweidung kenne ich nicht, ich kann nur von meiner Lage vor Ort ausgehen. Die natürliche Vegetation in Mitteleuropa ist erstmal Wald. In dem Moment wo ich den Wald abholze, zerstöre ich die natürliche Ordnung und pfusche in der Natur herum. Meinen Grund frei von Bäumen zu halten erfordert auch schon ständige Eingriffe. So gesehen ist Weidehaltung bei mir auch schon ein Schritt in die falsche Richtung. Am schlimmsten sind aber die Einjährigen Pflanzen, der Energieaufwand steigt nochmals und die Biodiversität sinkt noch mehr und als Schlusspunkt sehe man sich die Getreidefelder in Kanada oder im amerikanischen Mittelwesten an, da war ich schon und es ist gruselig.

@Dagmar: Meiner Meinung nach war die Landwirtschaft historisch gesehen nicht die Lösung auf das Problem des Bevölkerungswachstums sondern die Ursache. Gibt es irgendjemanden hier der der Meinung ist, unser Planet kann 8, 10 oder 12 Milliarden Menschen nachhaltig ernähren? Ich sehe da nur drei Möglichkeiten. Erstens eine sofortige Reduktion der Bevölkerung, das möchte ich jetzt gar nicht näher diskutieren. Zweitens ernähren wir sie eben nicht nachhaltig, dann kommt Punkt eins eben später dran, hoch zehn. Oder wir warten drittens auf einen Deus ex Machina, es hat ja immer wieder technologische Sprünge gegeben die vorher nicht vorauszusehen waren.

"Grünfutterquoten" von Tieren aus der Literatur, das sind dann auch Wurzeln, Blätter von Bäumen etc. dabei, alles was ich nicht extra jedes Jahr anbauen muss:
Kühe, Schafe 100%
Pferde 95%
Hasen 65%
Truthahn 50%
Schweine 50%
Hühner 20%

Ich will jetzt aber gar nicht zu sehr ins Detail gehen, erstens ist das kein How-to Thread sondern es geht mehr um allgemeine Fragen der Landwirtschaft, zweitens fehlt uns nach zwei Jahren hier auf der Farm in vielen noch die Erfahrung, ist eine steile Lernkurve für ein Stadtbubi und Stadtmädi. :lachen: Dafür hat man einen von Traditionen freien Blick auf die ganze Sache, zum Beispiel habe ich noch immer keinen Traktor und hab auch nicht vor, mir demnächst einen anzuschaffen, alles eine Frage der Kosten/Nutzen Rechnung. Für die 100 Maschinenstunden die ich im Jahr brauche, brauch ich keinen eigenen, da ist es mir auch egal, was meine bäuerlichen Nachbarn von mir denken, der eine hat ganze sieben verschiedene Traktoren auf dem Hof stehen. Laut seinen Aussagen ist es so für ihn einfacher, da braucht er nicht jedes mal umhängen bzw. ummontieren.

Das bringt mich auch schon zum letzten Punkt, mein Nachbar ist jeden Tag noch bis Mitternacht auf seinen Maschinen unterwegs. Das bringt ihm zwar meine Hochachtung ein was seine Arbeitsleistung betrifft, ich könnte das sicher nicht durchhalten, das will ich aber auch gar nicht. Ich bin seit zehn Jahren in verschiedenen Berufen selbstständig und die Lebensqualität und das Geld muss am Ende des Tages auch stimmen. Das ist in der Landwirtschaft auch heute möglich, ist zumindest meine Überzeugung.

farm of five
26.05.2010, 11:00
@Badener: Wir reden hier wohl eher von einem milliardenfachen Hungertod, und das wird noch zu meinen Lebzeiten passieren, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Traditionelle Jäger und Sammler hatten auch immer Strategien gegen Bevölkerungswachstum, sei es Kindsmord in vielen Varianten oder personalintensive Stammesfehden oder eine spezielle Form der Frührente. China hat es ja selbst in einem totalitären Staat nicht geschafft, die Bevölkerungsexplosion einzudämmen.

Sunnhild
26.05.2010, 18:32
Zum Thema der Überbevölkerung: ich glaube auch, daß es viele überflüssige Menschen gibt, die Platz und Ressourcen verbrauchen, ohne selber eine angemessene Gegenleistung für Mutter Erde zu erbringen. Das Problem wird demnächst in altbewährter Naturmethode gelöst sein.

Nettes Menschenbild, echt ... *brechtüte such*
Ansonsten hab ich ja bis zu dem zitierten Beitrag interessiert mitgelesen, aber jetzt :Sagenichtsmehr: :censored:

KUPFERSALZ
26.05.2010, 19:10
Im Grunde wurde das, was hier diskutiert wird, schon an anderer stelle wissenschaftlich erarbeitet. Ich habe es an anderer Stelle schon mal gepostet kopiere es hier aber nochmal rein weil es einfach passt.

Schaut euch mal das Szenario von Dennis L. Meadows welches er für den Club of Rome erarbeitet hat an. Dann seht ihr ein Szenario was nicht bloß auf Mutmaßungen basiert sondern auf zahlen und Fakten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums
http://www.s-engert.de/club_of_rome.htm

In den Zahlen steckt unheimlich Sprengstoff wenn man sich überlegt das für 2050 eine Weltbevölkerung von ca. 9 Milliarden Menschen prognostiziert wird. Meadows geht davon aus das 2100 aber nur noch 3 Milliarden Menschen die erde bevölkern. Das wäre ungefähr die Hälfte der Bevölkerung von heute. Ich glaube nicht das dies einfach so leise vonstatten geht.

Gruß KUPFERSALZ

woodworker
26.05.2010, 19:40
Nicht OT, glaube ich:rolleys:

Nicht zuviel gegen Luftikus schießen! Im Grunde hat er doch Recht!

Sowas liest sich ja immer böse, aber man sollte wirklich mal darüber nachdenken.

Nur sollte man es vielleicht so schreiben (sensibler, leichter verdaubar):

Zum Thema der Überbevölkerung: ich glaube auch, daß es zu viele Menschen gibt, die zuviel Platz und Ressourcen verbrauchen, ohne Mutter Erde ausreichend zu achten.

Der Mensch ist auf der Welt das einzige Wesen, welches über das natürliche Maß hinaus lebt und mehr Ressourcen verbraucht als auf natürliche Weise wieder aufgebaut werden können.
Wäre der Mensch nicht aufgrund seiner dummen Intelligenz (so gemeint!) in der Lage, sämtlichen anderen Lebewesen den Lebensraum streitig zu machen, würde die ganz natürliche Auslese der Natur auch beim Menschen wirken.

Gen-Technik, Kunststoff, Kunstdünger, Industrialisierung...all das hatte die Natur sicher nicht eingeplant.

Ackerbau und Viehzucht in dem Maße, wie es heute weltweit betrieben wird, ist vielleicht für die Menschheit zur Versorgung notwendig (????) aber für alle anderen Lebenwesen auf Dauer tödlich.
Auch für Ackerbau und Viehzucht stehen nicht unbegrenzte Flächen zur Verfügung.
Ohne Natur dazwischen kann man irgendwann nämlich aufhören zu säen und zu füttern, weil ohne ein funktionierendes Ökosystem wird der Mensch nicht überleben.
Landwirte in der Krise...schönes Thema!
Ohne ein grundsätzliches Umdenken kann es so nicht weiter gehen.
Die Schlagworte dafür findet man hier ja schon:
Nachhaltigkeit, Sortenreichtum, ökologische Landwirtschaft, keine Großbetriebe mehr, kein Gen-Saatgut usw.

ww

Fetzi
26.05.2010, 19:52
.......
Die Schlagworte dafür findet man hier ja schon:
Nachhaltigkeit, Sortenreichtum, ökologische Landwirtschaft, keine Großbetriebe mehr, kein Gen-Saatgut usw.

ww
An der Wahrheit der Aussage ist nur eine Sache zu bemängeln - es ist der komplette Gegensatz zum Kapitalismus/dem menschlichen Wunsch nach Wachstum.

In großem Stil ist es definitv NICHT machbar, damit die gesamte Bevölkerung zu ernähren.Womit wir wieder bei Luftikus wären: Harte Worte - und sicherlich auch nicht mit der sozialen Komponente zu vertreten aber dass ist Krieg/Massenmord/Vergewaltigung auch nicht und trotzdem passiert es tagtäglich.

Aber solange es ein paar Menschen schaffen eine Gemeinschaft aufzubauen die sich unabhängig machen indem sie sich z.T. selbst versorgen besteht für diese Gruppe nicht die Gefahr in den Topf zu fallen der "zuviel" ist.

Interessantes Thema...

Roi Danton
27.05.2010, 00:09
An der Wahrheit der Aussage ist nur eine Sache zu bemängeln - es ist der komplette Gegensatz zum Kapitalismus/dem menschlichen Wunsch nach Wachstum.

In großem Stil ist es definitv NICHT machbar, damit die gesamte Bevölkerung zu ernähren.
...
Interessantes Thema...

Leider ist es mit dem jetzigen System auch jetzt schon nicht möglich die gesamte Bevölkerung zu ernähren - obwohl genug Nahrungsmittel für alle produziert werden!
Aber der Kapitalismus hat ja auch nicht das Ziel alle zu ernähren.
Also muß uns was wirklich neues einfallen, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

ID 358
27.05.2010, 07:13
.... Aber der Kapitalismus hat ja auch nicht das Ziel alle zu ernähren.
Also muß uns was wirklich neues einfallen, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

Der Kapitalismus will schon alle ernähren...
... damit er an allen gut verdienen kann.

Den Reibach-Machern großen Stils geht es aber nicht darum, daß Ihr gut und gesund ernährt seid und daß Eure Kinder in einer lebenskräftigen Natur aufwachsen, Hauptsache Ihr konsumiert und seid angepasste Mitläufer. Selbst ein 100%ig Arbeitsunfähiger, der sein ganzes Leben gepflegt werden muss, ist für den Raubtier-Kapitalismus ein (sogar sehr) guter Konsument, solange es einen Sozialstaat gibt, der seinen Bedarf bezahlt.

Die Menschheit geht mir persönlich am Arm vorbei.
Erst zählt mein Clan, dann mein umittelbares Umfeld, das mich beeinflusst und ich beeinflusse, dann mein Volk, und dann kommt lange nichts.
Und der Bauer in der Krise wird das mindestens ebenso sehen.
Seine Probleme sind erst mal, wie er seine Familie ohne ausreichende Zulieferung von Produktionsmitteln über die Runden bringt und ob einige Afrikaner mit ihrem Hirseanbau nicht zurechtkommen interessiert ihn weniger als der Dreck unterm Fingernagel.
Die Hungerleider, die ihm zu irgendwelchen Tauschgeschäften oder Arbeitsangeboten kommen, nerven ihn, weil sie seine Zeit stehlen. Er braucht wenige Großabnehmer, die seine Ernte abnehmen und einen kleinen Teil verbraucht er selber und sein Clan. So wird´s bei den meisten Bauern laufen. Die wollen sich nicht mit Nichtskönnern rumärgern, die ihnen bei der Arbeit "helfen" wollen und womöglich als ständige Sozialfälle auf seinem Hof oder in der Nähe herumlungern.
Wer nicht jetzt schon mit einem Bauern zusammenarbeitet oder wenigstens gut bekannt ist, braucht in der Krise nicht anklopfen, außer er ist erfolgreicher Klinkenputzer der sich überall mit einer kleinen Gabe abwimmeln lässt und so seine Tagesration sammelt.

Eine gute Idee wäre es, wenn Ihr Euch als Weiterverarbeiter für seine Ernte anbieten könnt:
Für xx Säcke Getreide erhält er xx Kilo Brot, für xx Kilo Obst bezahlt Ihr ihn mit xx Liter Schnaps oder Saft, für ein Schwein gebt Ihr ihm xx Kilo Speck usw.
Aber dazu müsstet Ihr die Fähigkeiten und Einrichtungen haben und da hapert es wohl bei vielen. So etwas jetzt schon als Nebenberuf aufzubauen wäre schön, ist allerdings bei den schlechten Preisen, die derzeit bezahlt werden ein Hungerleiderberuf.
Alle wollten billigste Lebensmittel und jetzt haben wir es -

bemac
27.05.2010, 08:52
Die Idee mit der Weiterverarbeitung für den Bauern ist prima...man sollte sich aber schon in Friedenszeiten mal bei den umliegenden Bauern kundig machen was angepflanzt oder gehalten wird...nicht dass man sich einen schicken Räucherofen zulegt und weit und breit kein Schweinezüchter ist.:grosses Lachen:

Du schreibst dass die Bauern bevorzugt an große Abnehmer liefern...ich denke der Trend dreht sich gerade...die großen Abnehmer zahlen nichts mehr. Für den Bauer wird seine Arbeit zunehmend unlukrativ. In meiner näheren Umgebung hat fast jeder Bauer inzwischen einen Hofladen wo die Bäuerin Waren aus Eigenproduktion anbietet. Ein großer Erdbeerhof hat dieses Jahr die dritte eigengeführte Nebenverkaufsstelle aufgemacht...lieber einem Mädel aus dem Ort ein paar Euro für den Verkauf in die Hand gedrückt und ordentlich Gewinn gemacht als sich vom Discounter mit einem Appel und nem Ei abspeissen zu lassen. Auch die gehobene Gastronomie greift inzwischen bevorzugt auf regionale und saisonale Produkte zurück.

ID 358
28.05.2010, 09:23
... In meiner näheren Umgebung hat fast jeder Bauer inzwischen einen Hofladen wo die Bäuerin Waren aus Eigenproduktion anbietet. Ein großer Erdbeerhof ...
lieber einem Mädel aus dem Ort ein paar Euro für den Verkauf in die Hand gedrückt und ordentlich Gewinn gemacht als sich vom Discounter mit einem Appel und nem Ei abspeissen zu lassen. ....

Wobei Erdbeeren eher Luxusartikel sind und kaum Nährwert haben, was in Krisenzeit vorrangig sein wird.
Klar will man auch mal was Süßes-aromatisches essen, aber ich vermute, daß Erdbeerfelder dann Kartoffeläckern weichen.
Wäre ich Bauer, würde ich z.B. von meiner Getreide-Ernte mir selbst ausreichend Saatgut für 2 Jahre beiseitelegen, dann einen Essensvorrat für 2 Jahre, den Rest möglichst sofort verkaufen und spätestens 1 Monat nach Ernte einem Großabnehmer, damit ich wieder Zahlungsspielraum habe.
Ich würde nicht das Lager spielen für Leute, die im Herbst zu blöd sind eine ordentliche Menge zu kaufen, und glauben, jedes Monat bis Juli nächsten Jahres ne Handvoll Körner abholen zu können.

Nach Ernte ein Schild auf die Straße:
Weizen (oder Kartoffeln) nur jetzt erhältlich.
Sobald ich "leer" bin, dreh ich das Schild um und dann steht da:
Derzeit kein Ernte-Verkauf, Anfragen zwecklos.

Die Nichtbauern werden anfangs genauso dusselig sein, wie schon jetzt, wo 90% nicht mal für ne Woche Lebensmittel kaufen.
Die meisten werden es nicht kapieren, daß nur kurz nach der Ernte gute Einkaufsmöglichkeit besteht und später aus allen Wolken fallen, daß niemand für sie mitgedacht hat.

AZI
28.05.2010, 09:35
würde ich z.B. von meiner Getreide-Ernte mir selbst ausreichend Saatgut für 2 Jahre beiseitelegen,

Die Sache hat einen kleinen winizigen Haken...

Wenn man nicht gerade Bio Bauer ist und/oder sein eigenes Saatgut eh züchtet, dann kriegt man Probleme.

Die meisten Kommerziellen Saatgüter sind so modifiziert, das nur das Original angepflanzt werden kann, die Saatkörner der Tochterpflanze jedoch unfruchtbar, sprich nicht oder nur im Geringen Maße Keimfähig sind.

Das Gilt für Getreide mitunter genauso wie für Kartoffeln, Tomaten und tausende anderer Gemüsepflanzen.

Das ist ja auch das Problem wenn man sich Samen auf Vorrat besorgt um im Kriesenfall selbst anzubauen. Es ist sehr schwer Gemüsesamen zu finden die nicht entsprechend verändert wurden.

Vor allem bei den Kartoffeln wird es mittlerweile auf die SPitze getrieben und der Staat hilft kräftig mit, indem er die Lizenzen für alte Keimfähige Sorten auslaufen läßt, sodaß sie regulär nicht mehr verkauft werden dürfen, sondern nur noch als Zierpflanzen gezogen werden dürfen, was für den Bauern unrentabel ist.

AZI

ID 358
28.05.2010, 10:45
- - - Die meisten Kommerziellen Saatgüter sind so modifiziert, das nur das Original angepflanzt werden kann, die Saatkörner der Tochterpflanze jedoch unfruchtbar, sprich nicht oder nur im Geringen Maße Keimfähig sind.

Das Gilt für Getreide mitunter genauso wie für Kartoffeln, Tomaten und tausende anderer Gemüsepflanzen. - - -

Dann werden die dümmsten Bauern eben nicht die größten Kartoffeln haben.
Es wird aber schon welche geben, die sich der Problematik bewusst sind, und auf irgendwelche EU- und BRD-Vollpfostengesetze schei...n, und ohne darüber zu reden, eigene Saatgutwirtschaft betreiben.
Und ganz so unfruchtbar sind die modernen Züchtungen auch nicht, nur weniger ertragreich, jedenfalls genug daß der Bauer überlebt.
Und die anderen? Können ihm doch egal sein!
Hätten eben rechtzeitig was tun müssen...

Das Wort "Lebensmittel" wird wieder seine ursprüngliche Bedeutung zurückgewinnen.
Als Nichtbauer, der sich mit Gartenanbau befasst, sollte man etwas weggehen vom Anbau der wenig kalorienhaltigen Gemüse hin zu Bohnen, Kartoffeln, ev. Mais. Zumindest auf einer Teilfläche deren Anbau lernen und im Bedarfsfall die Anbaufläche für Erdbeeren und Salat für gehaltvolleres umwandeln.

Sunnhild
28.05.2010, 11:30
hin zu Bohnen, Kartoffeln, ev. Mais.

Bohnen und Mais zusammen ist eh zu empfehlen.
http://www.mexiko-lexikon.de/mexiko/index.php?title=Milpa
Funktioniert da ja auch schon seit langer Zeit, jaja, ich weiß, andere klimatische Bedingungen.
Aber ihr habt hier geschreiben, daß der Maisanbau einfacher ist als der anderer Getreide, also überlege ich, ob man sich nicht aus Mais, Bohnen und Kartoffeln plus dem Fleisch, Eiern, Milch vom "Selbstversorgerkleinvieh" (Hühner und Ziegen) plus Obst und Gemüse nicht eine vernünftige Ernährung zusammenstricken kann. Ich denke nämlich schon, aber mangels Fläche werde ich das erstmal nicht umsetzen können (mit 400qm garten komm ich nciht weit :peinlich:).
Was sagen die Fachfrauen und - Männer dazu?

ID 358
28.05.2010, 15:05
Ich bin kein Fachmann und gebe auch keine Hnweise, wieviel m² Anbau Ihr machen müsst um Euch zu ernähren.
Ich würde nur empfehlen, für Euch selbst herauszufinden, was Ihr vom Arbeitsaufwand her bewirtschaften könnt und versucht, daraus den optimalen Ertrag zu bekommen. Daher einfach die vohandene Fläche auf Nahrungserwerb bzw. -ergänzung nutzen und wer es sich zutraut, weitere Fläche dazunehmen.
Ab es soll hier ja mehr um die Bauern in der Krise gehen und weniger um die Nichtbauern. Etwas hängt jedoch beides zusammen.
Dazu fällt mir noch ein, warum es in einer brutaleren Krise vorteilhaft sein könnte, eine Selche zu besitzen: wenn das Fressi knapp wird, sind es auch die Futtermittel und dann wird alles Vieh geschlachtet werden. Wenn dann keine oder zuwenig Kühlmöglichkeiten vorhanden sind, ist das Selchen (Räuchern) eine Möglichkeit, das Fleisch haltbar zu machen.
Da zahlt es sich aus, wenn man jetzt schon als Hobby Schweinespeck macht und Kontakt zu Bauern hat, die bei größeren Mengen nicht alles selber verarbeiten können oder wollen.

User-ID-118
28.05.2010, 21:19
In diese Richtung gehe ich auch. Im Moment kann ich aus verschieden Gründen keinen Nutzgarten pflegen oder gar auf Selbstversorung umstellen.

Das Einzige wo ich mich im Moment schon vorbereiten kann und Hoffnung habe auch in Krisenzeiten einen Nutzen daraus ziehen zu können, ist in der Weiterverarbeitung: Einwecken, Räuchern, Keltern und Destillieren. Natürlich voraus gesetzt man kennt einige Bauern und Jäger.
Bei den Bauern hab ich noch großen Nachholbedarf, bei den Jäger bin ich ganz gut aufgestellt.

Und wenn nix passiert hat man ein leckeres Hobby.

Gruß
Nachtfalke

badener
28.05.2010, 22:53
In diese Richtung gehe ich auch. Im Moment kann ich aus verschieden Gründen keinen Nutzgarten pflegen oder gar auf Selbstversorung umstellen.

Das Einzige wo ich mich im Moment schon vorbereiten kann und Hoffnung habe auch in Krisenzeiten einen Nutzen daraus ziehen zu können, ist in der Weiterverarbeitung: Einwecken, Räuchern, Keltern und Destillieren. Natürlich voraus gesetzt man kennt einige Bauern und Jäger.
Bei den Bauern hab ich noch großen Nachholbedarf, bei den Jäger bin ich ganz gut aufgestellt.

Und wenn nix passiert hat man ein leckeres Hobby.

Gruß
Nachtfalke


Dies ist wohl die beste Möglichkeit und aus diesem Grunde gehe ich auch so vor.Nicht jeder hat die Möglichkeit LW zu betreiben,mangels Fläche,mangels Ausbildung.
Die von Nachtfalke genannten " Hobbys " lassen sich relativ leicht erlernen,und nach und nach ausbauen ,von allem immer ein bißchen mehr bis hinein in den gewerblichen Bereich ( jetzt in der Vorbereitung ,meine ich ).Imkern würde ich gerne noch anführen .Schlachten ,verwursten ( Dosen).Dörrgeräte,Trockengestelle etc.
Vergesst nicht ,Ihr seid da einer von den Wenigen welche die Ernten ,in größerem Maß konservieren können.
Gute Ausgangslage würde ich meinen.

LG badener

Nikwalla
28.05.2010, 23:02
Hallo badener,
schreib doch mal was über das Einmachen in Dosen...
Mit freundlichen Grüßen
Nikwalla

badener
28.05.2010, 23:40
Hallo,
im Prinzip nichts anderes als die anderen Arten des Einweckens auch.
Nur braucht es bei größeren Mengen schon gewerbliche Maschinen.
Zwillingskutter,Wurstfüller,Dosenverschlußgerät.Dosen natürlich.
Wurstrezepte gibt es z.B. hier

http://www.onkelheinz.de/wurst.htm

für den Hausgebrauch geht aber auch Fleischwolf,Einwecktopf,Gläser.

sollte es zu dem Workshop dieses Jahr kommen,kann ich zumindest das Dosenverschlußgerät vorführen inkl.eindosen von z.B. Getreide oder Wertsachen . Für mehr Vorführung bräuchte es Starkstrom und ich muß schon überlegen wie ich das Getreidemühlenprojekt und Sauerkrautzeugs zum Veranstaltungsort transportiere . Sprinter geht noch aber einen LKW anzumieten übersteigt mein geplantes Budget :rolleys:

LG badener

hoffe Deine Frage war so gemeint......oder denkst Du etwa ich wär ein pöööhser PC-Survivalist ? Du hattest nämlich glaube ich mal erwähnt daß Du Hausschlachtungen gemacht hast......willst Du mich vorführen ?

:rolleys:...........:devil:

Sunnhild
29.05.2010, 01:20
Käsen nicht zu vergessen. Die beste Art, um Milch länger haltbar zu machen und mit der Käserei sind wir schon weit gekommen.


Service für Gäste-a2: www.team-pak.ch