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Papa Bär
28.02.2012, 11:49
Diese Beiträge wurden aus einer Disskusion um den Helpi Online Shop abgetrennt. Die Ursprungsdiskusion findet ihr hier (http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php/26214-Shop-für-Erste-Hilfe-Schutz-und-Rettung?p=95131). Grüße, Frank


Hallo medic911,Zunächst einmal gibt es hier im Forum einige Leute, welche durchaus die medizinische Vorbildung mitbringen.Weiterhin gibt es unter Umständen Prepper, die solcherart Material für den Fall der Fälle einlagern, um sie dann entsprechendem Fachpersonal zur Verfügung stellen zu können.Und letztendlich hat wateru auch nur erzählt, was es in diesem Shop alles gibt, ich habe nicht eine Silbe darüber gelesen, das er sich spezielle medizinische Geräte bestellt hat oder bestellen will.Ich bin weder Rettungssanitäter noch Arzt, könnte aber mit einem Teil der genannten Gegenstände im Notfall etwas ausrichten, schliesslich gibt es ausser Medizinern und Rettungskräften auch andere Berufsgruppen, in denen eine umfangreichere medizinische Ausbildung für Notsituationen zum Berufsbild gehört.Ich kann deine Erregung gut verstehen; wenn Laien über ein Thema sprechen, welches man selbst als Fachmann beherrscht, fällt es schwer stillzuhalten. Aber wie gesagt, wateru hat nicht darüber gesprochen, diese speziellen Ausrüstungen zu kaufen oder sogar einzusetzen.LGPapa Bär

medic911
28.02.2012, 13:51
@all:
Sorry ok im nach hinein hab ich vielleicht etwas über reagiert von meiner Ausdrucksweise aber es war ja nicht persönlich gemeint,denk das hab ich ja nun oft genug gesagt...

Aber ich kann nicht verstehen warum man solch Material für andere Einlagern sollte...Ok,der Grund für andere Helfende kann man mit einem Auge zudrücken gelten lassen aber ich denk das der Fall eher unwahrscheinlich ist.Da finde ich das Geld anderswo besser investiert.

Ich habe auch nicht gesagt das er es sich gekauft hat,das war allgemein so gedacht,zumal ich es so gelesen hab als wenn er es empfiehlt was ich aber nicht gutheißen kann.
Das mag sein das andere Rettungsdienstler hier auch sind und ich denke mir das aber mir in der Hinsicht jeder recht geben würde...Medizingeräte gehören nicht in Laien Hände...

Was Verbrauchsmaterial betrifft das ist etwas anderes,da habt ihr ja recht was Spritzen etc betrifft,es ging mir mehr um so sachen wie Absaugpumpe,Defi,etc.

Das ist eben meine Meinung...Und ich entschuldige mich nochmals für meinen Ton falls der etwas zu arg war!!!!!!!!

@Gresli:

Da muss ich dir aber wieder sprechen,ich glaube nicht das ein Laie ein Stifneck anlegen kann,es mag zwar einfach aussehen und so aber selbst erfahrene Rettungsdienstler haben da probleme mit das es so siztz das es wirklich richtig ist.Ich bekomm es manchmal auch nicht hin... (http://www.survivalforum.ch/forum/member.php/1830-Gresli)


@galahat (http://www.survivalforum.ch/forum/member.php/2457-galahat):
WaterJEl darf oder besser gesagt sollte für Brandwunden nicht mehr verwendet werden da Tests gezeigt haben das dort in dem Jel Bestandteile drin sind die schädlich sein können...es wird zwar noch verkauft aber nur weil noch nicht vom RKI nachgewiesen wurde.
Außerdem ist der Preis ziemlich teuer für ein einmal Produkt...im Rettungsdienst wird es genutzt nur noch um den Körper zu kühlen nach der Reanimation.

Papa Bär
28.02.2012, 14:05
Hallo medic911,
nun da wir uns alle wieder beruhigt haben, will ich dir deine Frage gerne beantworten.

Aber ich kann nicht verstehen warum man solch Material für andere Einlagern sollte...Ok,der Grund für andere Helfende kann man mit einem Auge zudrücken gelten lassen aber ich denk das der Fall eher unwahrscheinlich ist.Da finde ich das Geld anderswo besser investiert.

So unwahrscheinlich ist das nicht. Meine Nachbarin ist Ärztin, hat aber null Material oder Geräte/Instrumente im Haus, die über einen normalen Haus-Erste-Hilfe-Kasten hinausgehen. Mein Cousin ist Chirurg, hat aber ebenfalls nicht viel zu Hause. Da beide Personen kaum Interesse am Preppen zeigen, wäre es für mich also sinnvoll, Material und Geräte einzulagern um so eine annehmbare medizinische Versorgung meiner Familie und der Nachbarschaft gewährleisten zu können. Und ich kann mir gut vorstellen, das andere hier das ebenso sehen. Wir hatten hier sogar mal einen Thread, wo sich jemand eine medizinische Notfallstation einrichten wollte...

LG
Papa Bär

medic911
28.02.2012, 14:35
Gut aber da muß man auch wieder sagen, ein Chirurg kann in der Regel mit Notfallgeräten nicht umgehen(soll jetzt nicht heißen dass das bei jedem so ist!kenne auch welche die da sehr Fit sind!!!)...das weis ich aus erfahrung:kichern:
Und was für eine Ärztin deine Nachbarin ist weiß ich auch nicht,gibt ja verschiedene...Aber da finde ich ist es ja verständlich da man ja einen direkten Bezug hat,anders wenn man blind in der Hoffnung vielleicht könnte ja jemand kommen der sich damit auskenntdie Sachen lagert. Da finde ich es "persönlich" eher sinnfrei.

Ok warum sich jetzt jemand seine eigene Ambulanz bauen will ist mir schleierhaft...aber naja...

Wobei ich sagen muss,als ich mal die möglichkeit hatte einen alten Bunker geschenkt zu bekommen hatte ich auch an so etwas gedacht.Mit dem Hintergrund das da dann ja auch mehr Menschen drin sind als 5 oder 6... wurde aber nichts da der Bunker zuviel Altlasten hatte...*schade*

FrankD
28.02.2012, 15:07
Hallo,
genau da sind wir an einem interessanten Punkt angekommen. Das Forum hat derzeit rund 2300 Nutzer von denen 1500 aktiv sind. Da gibt es Ärzte, Rettungsassistenten, Heilpraktiker, Krankenpfleger, Tierärzte und was weiß ich noch. Eine Grundsatzdisskusion, welche medizinische Fachrichtung im Notfall nun was taugt (pers. Anmerkung: Das ist ein Lieblingsthema von uns Rettungsdienstlern) ist hier absolut fehl am Platz. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wenn der das nächste Haus der Maximalversorgung sehr weit weg ist, man sich über jeden Tierarzt freut, wenn man verletzt ist.

Ich persönliche fände es besser ein wenig toleranter an die Sache heran zu gehen und nicht direkt "Sinnfrei" zu brüllen. Wenn man den Menschen eine Chance gibt sich zu erklären warum sie sich solch eine Ambulanz aufbauen wollen, eröffnen sich einem selber vielleicht ungeahnte Sichtweisen. Das was einem jetzt schleierhaft ist, ist es nach einer Erklärung vielleicht nicht mehr.

grüße,

Frank

medic911
28.02.2012, 15:53
ich habe nicht gesagt das es generell Sinnfrei ist sondern das ich es Sinnfrei finde...weil da das Geld anders besser angelegt wäre....
ich habe ja auch erklärt warum
anders wenn man blind in der Hoffnung vielleicht könnte ja jemand kommen der sich damit auskenntdie Sachen lagert. Da finde ich es "persönlich" eher sinnfrei.

von daher weis ich jetzt nicht was daran intolerant sein soll?

ID1685
28.02.2012, 16:36
Solltest Du es nicht einem Jeden selber überlassen was er, oder sie, einlagert?!

Toleranz deinerseits kann ich hier nicht entdecken und "sinnfrei" ist dies schon gar nicht!

Übe Dich in Toleranz, tue deine Meinung kund, und lass es gut sein.

Dies ist meine Meinung!

medic911
28.02.2012, 17:17
Solltest Du es nicht einem Jeden selber überlassen was er, oder sie, einlagert?!

Toleranz deinerseits kann ich hier nicht entdecken und "sinnfrei" ist dies schon gar nicht!

Übe Dich in Toleranz, tue deine Meinung kund, und lass es gut sein.

Dies ist meine Meinung!

Ok...ich habe meine Meinung geäußert...aber du störst dich daran...:staunen:

Anscheinend hast du meine Antwort nicht verstanden...es ist MEINE Meinung das ICH es sinnfrei finde...ICH...

Wenn es jemand machen will dann soll er, da habe ich kein Problem damit,ICH wollte nur MEINE Meinung dazu sage...


Und wenn wir bei Toleranz sind...deine Meinung mir gegenüber finde ich aber auch etwas Intolerant mir gegenüber...

Drücke ich mich so unverständlich aus???

Eterus
28.02.2012, 17:40
10... 9... 8... 7... 6... 5... :rolleys:

Gresli
28.02.2012, 17:58
Hallo Zusammen!

Jedes Passagierflugzeug hat eine medizinische Notfallausrüstung an Bord, da statistisch davon ausgegangen wird dass sich bei jedem Flug eine medizinisch geschulte Person unter den Passagieren befindet.

Liebe Grüsse, Gresli

Blackout
28.02.2012, 18:22
Ich kann beim Einlagern auch kein wirkliches Problem finden.
Wenn der Platz da ist und das Geld vorhanden, kann nahezu jeder Gegenstand bei echtem Mangel notwendig und sehr sinnvoll sein.
Irgendwo habe ich z.B. gelesen das jemand noch eine alte Zahnarztausrüstung gebunkert hat, welche noch mechanisch und ohne Strom arbeitet (er selber ist kein Zahnarzt). Klar hochkomplexe Eingriffe wird man damit nicht machen können aber grobe Probleme vielleicht lösen.

Auch ich habe schon damit geliebäugelt ein paar medizinische Dinge einzulagern. Es wird immer jemanden geben der damit umzugehen weiß in meinem Dorf (zumindest Statistisch) und der Gemeinschaft wird es nicht schaden. Vielleicht zeigt sich der Schweinebauer, dessen Tochter mit meinen Mitteln gerettet wurde, ja auch mit nem Ferkel dankbar :unschuldig:.

Hier lagern ja auch einige größere Mengen Alkohol obwohl sie keine Alkoholiker sind. Trotzdem bin ich mir sehr sicher es wird sich ein nützlicher Zweck für so manch eine Flasche ergeben der Türen öffnet, Mägen füllt oder sonstige Probleme löst. Warum sollte es somit bei medizinischen Mitteln anders sein?

Gruß

Blackout

Papa Bär
28.02.2012, 19:02
Wenn ich den Platz und die nötigen finanziellen Mittel hätte, würde ich auch eine komplette Notaufnahme samt OP und Intensivstation einrichten, genauso wie eine komplette Maschinenwerkstatt usw. Ausgebildetes Personal zum Betreiben solcher Einrichtungen wird sich immer finden, funktionsfähiges Equipment nur relativ kurze Zeit.

In viele Sachen kann man sich auch einlesen...

Btw, da fällt mir ein, es gibt so ein Buch für Seefahrtsmedizin, kennt da jemand den Titel?
Ich habe damit schon gearbeitet, es ist ganz praktisch. Man kann da gezielt nach den auftretenden Symptomen suchen und dann die vorgeschlagenen Behandlungen anwenden...

Wataru
28.02.2012, 19:58
Guten Abend Papa Baer,
also mir sind auf die schnelle nur die beiden folgenden Bücher bekannt. Das erste ist vermutlich das welches Du gemeint hast das "Medizin auf See / Erste Hilfe, Diagnose und Behandlung" von Meinhard Kohfahl vom Dsv-Verlag
Ein sehr gutes Nachschlagewerk.

und von Dr. Fabian Steffen das bald erscheinende Buch "Erste Hilfe an Bord / Im Notfall das Richtige tun" vom Verlag Edition Maritim

77507751

Beide Bücher Helfen im Notfall Laien so kompetent weiter wie irgendwie möglich.

Ach ja und das sehr spannende Buch vom aus der Sendung Hallo Oestereich bekannten Prof. Hademar Bankhofer " Die Naturheilkunde der Seefahrer / Rezepte und Heilmethoden aus aller Welt"
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Ich hoffe das gesuchte Buch ist dabei. :lächeln:

Alles gute Dir Wataru


Anhang: bin noch mein Büchergestell durchgegangen und habe noch 3 weitere gute Bücher zum Thema gefunden. Nicht mehr auf Seefahrt beschränkt.

Von Armin Wirth "Erste Hilfe unterwegs / effektiv und praxisnah" Reise know-how Verlag

und von Rüdiger Nehberg "Medizin Survival / überleben ohne Arzt" Piper Verlag
beide meiner Meinung nach ihren Platz im Gestell wert!
77637764

und ja das super kleine für jeden Rucksack geeignete " Bassiswissen für Draussen / Erste Hilfe" aus der sehr guten "Outdoor Handbuch" Serie der Band 39 vom Conrad Stein Verlag
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ID1685
28.02.2012, 20:41
@medic911 Es erübrigt sich jeder weitere Kommentar!:langweilig:

Papa Bär
28.02.2012, 20:51
@wataru
das erste könnten es gewesen sein, kann ich erst sagen wenn ich mal reingeschaut habe. Meine Ausgabe damals war in Kunststoff gebunden und ohne Grafiken auf der Vorderseite. Aber falls es das ist, kann ich den Erwerb nur jedermann ans Herz legen, schliesslich läuft weltweit die Versorgung an Bord von Handelsschiffen fast nur darüber ab...

Wataru
28.02.2012, 21:03
Ja ich habe selber auch eine andere, vermutlich ältere Ausgabe bei mir stehen. Es ist soviel ich weiss aber schon das Standard Werk der Seefahrer in der heutigen Zeit.
Das noch erscheinende rote wendet sich mehr an Private Seefahrer.

Es gebe ansonsten auch noch das Buch von Haworth Robert "Erste Hilfe auf See / Bordpraxis-Seemanschaft" vom Germany Motorbuchverlag das kenne ich aber nicht.
7767

Gruss

FrankD
28.02.2012, 21:07
Hallo,
was die Literaturempfehlungen angeht denkt doch bitte an unser Literaturverzeichnis. In ein paar Tagen ist diese Diskusion in die Untiefen dieses Themenbereiches versunken und keiner Findet mehr diese Tips. Die passende Rubrik findet ihr hier (http://www.survivalforum.ch/forum/vblinklist.php?do=showcat&catid=30). Da die Frage nach Büchern immer wieder kommt, können wir uns alle viel Arbeit sparen, wenn wir dieses Verzeichnis alle gut pflegen.

grüße,

Frank

galahat
28.02.2012, 21:22
Jedes Passagierflugzeug hat eine medizinische Notfallausrüstung an Bord, da statistisch davon ausgegangen wird dass sich bei jedem Flug eine medizinisch geschulte Person unter den Passagieren befindet

Rudolfshütte, Hohe Tauern, Ausbildungszentrum u.a. vom DAV:
Da haben die im "Keller" auch eine komplette Notambulanz (mit OP Möglichkeiten)...aber KEINEN Arzt!

Der Hüttenwirt fragt zu Beginn eines jeden Lehrganges ob Ärtzte unter den TN sind. Diese mögen sich bitte still bei ihm melden (damit denen der Urlaub durch unnötige Konsultierungen nicht zerstört wird).
Der Hüttenwirt weiß es dann also und kann bei Bedarf die jeweiligen Ärzte alarmieren, wenn etwas passiert ist.

Die arbeiten halt auch mit der Wahrscheinlichkeit und als ich bei einem Lehrgang eine schwere Augenverletzung hatte, musste ich schon ein wenig schmunzeln, dass mein Kletterpartner und Ersthelfer ein Neurologe war! :Gut:



p.s. @Frank wegen des gelöschten Beitrages: Ach schade, aber gepasst hat es doch irgendwie! ;-)) Nichts für ungut, jetzt bin ich wieder brav....:-)

Wataru
28.02.2012, 23:49
@ FrankD Ich habe mir es schon vorgenommen die Bücher noch nach zutragen. Habs nun auch erledigt :-)
Ich empfinde es ebenso als wichtig wenn die Liste weiter wächst. Hat ja jetzt schon sehr viele interessante Infos zu entdecken!

Alles gute Dir Wataru

arni
04.03.2012, 21:21
Gedanken/Vorschläge eines Foris nicht gleich zerreden

Also ich muß mich schon etwas wundern. Ich denke, das hier ist doch ein Prepper-Forum.
Und zum Vorbereiten gehört ganz selbstverständlich auch der Bereich "Medizin".
Man muß ja nicht gleich jeden vielleicht im ersten Moment sogar etwas übertrieben erscheinenden Bevorratungs-Tip aufgreifen und Gleiches einlagern. - Aber man sollte auch nicht gleich jeden Gedanken eines anderen Fori zerreden!

Wir alle hier denke ich, lagern div. Dinge ein, von denen wir ausgehen, daß sie in einer Krise nicht mehr oder nur noch sehr schwer, jedenfalls nur zu horrenden Preisen zu beschaffen sind. Das trifft natürlich auch auf den Med.Bereich zu.

Eine gewisse "Grundausstattung" wird bei allen mehr oder weniger ähnlich vorhanden sein (Wasser,Lebensmittel,Werkzeuge,ErsteHilfeMat., etc.) Darüber hinaus besorgt sich jeder das, was er vielleicht auch durch seinen berufliche, ehrenamtl.Tätigkeit, sonst.Erfahrungen, etc. als sinnvoll erachtet.
Der Eine kennt sich in diesem Bereich besonders gut aus, der Andere in einem anderen Bereich und ob dann der Schnaps und die Zigaretten oder das Zimmererwerkzeug oder vielleicht doch eher die sterilien Einmalspritzen und die med. Ausrüstung das bessere Tauschmittel sind, sei einmal dahingestellt. Außerdem läßt sich alles nach Schulung und Einweisung auch selbst benutzen. In der Krise hat man dann Zeit....

Arni
McGyver

ID 3077
06.03.2012, 10:41
Da ich selbst Ärztin bin, will ich auch mal meine 2 cent dazu geben. Zu meiner Grundlage: ich bin jahrelang Notarztwagen gefahren und habe mehrere Monate in Indien unter vorsintflutlichen Bedingungen gearbeitet.

Es ist davon auszugehen (Bericht der Fachkommission an den Bundestag zu den Folgen eines längeren Stromausfalls), dass im Fall des Falles alle Verbrauchsmaterialien äußerst schnell verbraucht sind (just in time), nach 2 Wochen sieht es schon sehr mau aus, zumal wahrscheinlich in diesem Szenario viel mehr Verletzte kommen werden durch Schnitt- u. Brandverletzungen.

Haltet Euren Impfschutz aufrecht, ich habe schon Leute an Tetanus sterben sehen - gruselig!

Auch Krankenhäuser haben nur für 3-7 Tage Vorräte an Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, vom Benzin für das Notstromaggregat ganz zu schweigen (meistens nur 3 Tage).

Wer lebenswichtige Medikamente braucht, sollte diese sehr großzügig bevorraten.

In worst-case-Szenarios gibt es viele Probleme mit Infektionen, die kleinste Wunde eitert bei nicht fachgerechter Behandlung. Viele Leute sterben an Infektionen. Und man hat reichlich mit Durchfall zu tun, vielleicht Cholera und damit verbundene Todesfälle. Desinfektionsmittel, Bleiche zur Stoffdesinfektion, Verbandsmaterialien, antibiotische Creme, Antibiotika sind sindvoll. Im Veterinärbedarf bekommt man viele dieser Dinge viel günstiger und genauso gut wirksam. Außerdem Elektrolytpulver für Kinder und Erwachsene.
Und- es gibt ja keine Glasspritzen mehr, die man wieder sterilisieren kann und Kanülen, die man reinigt und sterilisiert. So haben wir es in Indien gemacht und uns den Nachschub für den nächsten Tag sicher gestellt. Man kann auch unter sehr primitiven Bedingungen die Versorgung aufrecht erhalten, aber selbst dafür braucht man die Ausgangsmaterialien.

Ich sollte mich mal auf die Suche nach sterilisierbaren Spritzen und Kanülen machen...
Christiane

Sentencer
06.03.2012, 11:03
Hallo Christiane,

hättest Du für uns Laien vielleicht eine etwas genauere Beschreibung was man sich beim TA so mal holen und einlagern könnte?
So ne Andeutung bringt mich nit wirklich weiter, danke.

Gruß

ID 3077
06.03.2012, 11:55
Hallo Sentencer,
was sich jedeR´in Supermärkten für Tierbedarf leicht holen kann:
Steriles Verbandsmaterial u. elast. Binden, antibiotische Creme zur Wundversorgung. Von fertigen Päckchen zum Nähen würde ich eher abraten, potentiell infizierte Wunden läßt man besser "von unten", also spontan heilen.
Desinfektionsspray für den Hautrand an den Wunden, nicht in die Wunden. In den Wunden stört es die Wundheilung und Abwehr von Keimen erheblich.
Kochsalzlösung zum Spülen von verschmutzten Wunden bekommt man sehr günstig im Internet als Bedarf für Kontaktlinsenträger. Die ist steril.
Auch Antibiotika für den Veterinärbedarf kann man verwenden, am besten die für Schweine, die sind uns Menschen am ähnlichsten:Cool:. Hier muß man sich aber mit den Dosierungen und den Antibiotika schon ganz gut auskennen, das ist also eher etwas für "Fachpersonal".

Sentencer
06.03.2012, 12:12
Danke,
das hilft mir enorm weiter.
Und das wir alle Schweine sind is doch eh klar ;)

Grüßle

medic911
06.03.2012, 12:28
Als Anmerkung...
Wie bitte willst du eine 1er Kanüle Sterilisieren???
Spritzen ok das kann ich noch vertreten...aber die Kanülen?

Weiter sollte vieleicht auch erwähnt werden das man bei Medikamente für Tiere Vorsicht walten lassen soll!
Dort befinden sich unterumständen andere Trägerstoffe auf die man allergisch reagieren kann.

Kannst du mir dazu bitte mal die Quelle geben?
Es ist davon auszugehen (Bericht der Fachkommission an den Bundestag zu den Folgen eines längeren Stromausfalls), dass im Fall des Falles alle Verbrauchsmaterialien äußerst schnell verbraucht sind (just in time), nach 2 Wochen sieht es schon sehr mau aus, zumal wahrscheinlich in diesem Szenario viel mehr Verletzte kommen werden durch Schnitt- u. Brandverletzungen.

Ich habe nämlich da ganz andere Angaben...kann allerdings keine Quelle nennen(VS)

ID 3077
06.03.2012, 13:06
Die Info mit den Antibiotika habe ich von einer englischen Webseite
http://www.doomandbloom.net/2011/12/antibiotics-and-their-use-in-collapse-medicinetm-part-3.html
Auf der Seite wird auch über den Einsatz von Tierantibiotika diskutiert, ich habs grad nicht so schnell gefunden. Dein Hinweis ist sehr richtig´: die Zusatzstoffe können unverträglich sein, deshalb die Empfehlung der "Schweine-Medizin".

Was mir noch einfällt: Steristrips, das sind schmale Streifen, mit denen man eine Wunde zusammenziehen kann zur besseren Heilung, gibt es auch im Tierbedarf (darf ich den Supermarkt hier nennen?) Und am besten gleich eine Pinzette dazu nehmen, sonst kommt man mit denen schlecht zurecht. Und viele, viele Einmalhandschuhe - wo es sie geerade billig gibt.

Ok, in Indien haben wir auch die sterilisiert, früher in Deutschland übrigens auch. 1er nadeln haben wir so fit gemacht: mit einem kleinen Mandrin (Draht) wurde die Innenseite durchgängig gemacht, nachdem sie in Desinfektionslösung gelegen hatten. Ich weiß, ich weiß, die Prionen...kleine böse Tierchen kriegt man so nicht ab. Dann wurde die Spitze auf eine Schleifpapier nachgeschärft, die Nadeln auf eine Mullplatte gesteckt und ab ging es in den Dampfsterilisator. Das ist natürlich nicht das Optimum - aber besser als nichts.

medic911
06.03.2012, 13:07
Was ich grob sagen kann ist das Verbandsmaterial und Verbrauchsmaterial wie Spritzen etc. In 3 großen Depots gelagert wird und ausgelegt ist für eine Versorgung von bis ca 6Monaten je nach Szenario.

Medikamente werden aufgrund der Haltbarkeit für ca 3 Monate gelagert.

Impfstoffe werden aus den USA importiert bei Bedarf....

medic911
06.03.2012, 13:25
Naja die Seite die du gelinkt hast ist jetzt nicht das was ich eine zuverlässige Quelle nennen würde.

Man sollte auch erwähnen das man mit selbstmedikamtierung auch mehr Schaden kann zumal nicht jedes Antibiotika für alles hilft.
Ohne Fachwissen würde ich abraten jemandem Antibiotika zu verabreichen, nur als Ratschlag.

Bevorraten ja in Massen...Denkt an das MHD denn gerade bei Medikamenten kann da schnell etwas schiefgehen!

Was nützlich ist immer da zu haben sind: Schmerzmittel(ibu,para,diclo),Antimetika(Vomex),MCP,Antidiar rhoika(lopedium,Perenterol),Magnesium,Calsium,dextrose,

Papa Bär
06.03.2012, 13:44
Vielleicht mag ChrisHamburg als Fachfrau ja mal eine Empfehlungsliste erstellen, was für eine Bevoratung sinnvoll wäre. Die Liste sollte alles umfassen, was durch 1. Hilfe- Kasten und normale Hausapotheke nicht abgedeckt ist und wofür man gerade noch ohne OP auskommen könnte.
Das wäre dann mal wirklich was richtig brauchbares zu diesem Thema.
Also Christiane, wie siehts aus?

LG
Papa Bär

Sentencer
06.03.2012, 14:07
Jop Papa Bär,

dem Vorschlag gebe ich mit NAchdruck Rückendeckung.
Aber ich denke das sollte nicht nur an Christiane hängen bleiben, jeder der davon Ahnung hat soll/darf/muss dazu was beisteuern. Wäre echt klasse!

Auch einen Wink an den Medikus
"Was nützlich ist immer da zu haben sind: Schmerzmittel(ibu,para,diclo),Antimetika(Vomex),MCP,Antidiar rhoika(lopedium,Perenterol),Magnesium,Calsium,dextrose,"

Also das "Dextrose" Traubenzucker is und Du mit "ibu" Ibuprofen und mit "para" Paracetamol meinst versteh ich noch. Aber bei "diclo),Antimetika(Vomex),MCP,Antidiar rhoika(lopedium,Perenterol)" muss ich als einfacher Ingenieur schon passen ;)

Ansonsten weiter so schön sachlich *Daumen hoch*

medic911
06.03.2012, 14:23
diclo=diclofenac(speziel bei schmerzen von Prellungen,Rheuma,etc
MCP/Vomex= bei Übelkeit,erbrechen,schwindel,etc
Lopedium/Perenterol= bei Durchfall

Was ich vergaß, ein Spasmolytikum wie Buscopan (Bauchkrämpfe) wäre auch wichtig zu haben nicht nur für den Extremfall.

Ansonsten was die Bevorratung betrifft,je nach Geldbeutel ist alles möglich wobei ich mich auf Verbandsstoffe,Verbrauchsmateriallien (Spritzen,Nadeln,Handschuhe) und Schienmaterial(Samsplint,Stifnek) beschränken würde.Wenn jemand zuviel Geld hat vieleicht einen Notfallkoffer aber die Medis darin werdet ihr nicht bekommen...

medic911
06.03.2012, 15:26
ups das ist mir gar nicht aufgefallen...hab den Beitrag mit dem Handy geschrieben und das blöde iphone mit seiner Wort vervollständigung...

ID 3077
06.03.2012, 15:58
Ok, gebt mir etwas Zeit, wie bei den meisten Ärzten ist auch mein Vorrat alles andere als vollständig. Ich brauche ein paar Tage, um so eine Liste zusammenzustellen.

Was die Antibiotika angeht, finde ich den amerikanischen Beitrag fachlich schon in Ordnung. Man muß allerdings bedenken, dass in Amerika andere Antibiotika eingesetzt werden als bei uns. Die Resistenzen der Bakterien sind einfach andere. Ich habe zwei Jahre da drüben gearbeitet und mußte mich erstmal daran gewöhnen.
In Indien kam man mit Penicillin u. Tetracyclin aus, Penicillin braucht man heute in Deutschland gar nicht mehr einzusetzen, viele Bakterien sind darauf und auf viele andere Antibiotika leider schon resistent. Deshalb sind Antibiotika wirklich etwas für Mediziner.


Ich "klecker" schon mal ein paar weitere wichtige Dinge: unbedingt Läusemittel und Läusekämme. Es ist unglaublich, wie schnell diese Tierchen sich ausbreiten können, wenn die Bedingungen dafür da sind (z.B. weniger Hygiene). Aus Indien kann ich da aus eigener leidvoller Erfahrung nur sehr Unangenehmes berichten. OK, Haare ab geht natürlich auch. :rolleys:

Hunted
06.03.2012, 17:08
diclo=diclofenac(speziel bei schmerzen von Prellungen,Rheuma,etc
MCP/Vomex= bei Übelkeit,erbrechen,schwindel,etc
Lopedium/Perenterol= bei Durchfall

Ansonsten was die Bevorratung betrifft,je nach Geldbeutel ist alles möglich wobei ich mich auf Verbandsstoffe,Verbrauchsmateriallien (Spritzen,Nadeln,Handschuhe) und Schienmaterial(Samsplint,Stifnek) beschränken würde.Wenn jemand zuviel Geld hat vieleicht einen Notfallkoffer aber die Medis darin werdet ihr nicht bekommen...

Von Diclofenac würde ich dringend abraten. Zu viele Nebenwirkungen, bei zu vielen Patienten. Wenn es nur um Schmerzen geht sind Paracetamol, Ibuprofen oder meinetwegen auch Acetylsalicylsäure je nach Vorliebe/Erfahrungswert besser/ausreichend (D.h. man weiß was man hat und was einen erwartet). Wenn ich es schon mit Problemen aus dem rheumatoiden Formenkreis zu tun habe, dann lieber direkt ein selektiver COX-2 Hemmer. Verschreibungspflichtig wäre so oder so beides...

Ebenso ist Metoclopramid (MCP) nicht ungefährlich und daher auch verschreibungspflichtig. Wer schon mal gravierende Spätdyskinesien gesehen hat weiß wovon ich rede.. und wenn einem dann ggf. die Medikamente zur Behandlung (der UAW) fehlen wird es noch unschöner.

Generell sollte man gerade in unserem Kontext mit den sog. UAW (Unerwünschten Arzneimittelwirkungen) auskennen, denn wenn es einem eh schon schlecht geht, man krank oder verletzt ist, sich auf der Flucht befindet, dann können selbst vermeidlich harmlose Nebenwirkungen dramatische Folgen haben.
(Wer z.B. schon mal einen nervenden Ausschlag oder Magenschmerzen gehabt hat weiß wieder was ich meine...)

Was das Material angeht sollte man sich ebenfalls überlegen, was überhaupt (noch) Sinn macht. Eine Cervicalstütze (z.B. StifNeck) macht nur sehr eingeschränkt Sinn, wenn ich den Rest des Körpers nicht immobilisieren kann und es ggf. auch keine (erreichbare) Klinik gibt welche die Verletzungen behandeln kann.
Und was ist dann ein Notfallkoffer? Ein schönes Wort, aber DEN Notfallkoffer gibt es ja nicht. Da solltest du dann schon etwas konkreter werden ;-)

Super finde ich den Hinweis von ChrisHamburg. Da sieht man mal wieder wie betriebsblind wir Mediziner in Deutschland geworden sind. Nur weil es hier (fast) nur noch Einmalprodukte gibt denkt niemand daran, dass es auch noch längerfristige Alternativen gibt. Zumindest habe ich noch nie daran gedacht. Bis heute :-)
Wenn jemand Bezugsquellen für sterilisierbare Spritzen, Kanülen, etc hat immer her damit (nein, Antequariat kann ich mir nicht leisten :rolleys: )

Was die deutschlandweite Vorratshaltung angeht: Mag sein, dass Medic911 mit seinen Zahlen Recht hat, aber ich weiß duch meine Kontakte zum Kathastrophenschutz, bzw der Bundeswehr, dass Otto-Normalverbraucher und selbst das normale Krankenhaus im Fall der Fälle nicht viel von diesen Vorräten bekomen wird. Allein schon, weil das ein logistisches Problem geben wird. Abgesehen davon liegen den eingelagerten Massen, Zahlen und Berechnungen zugrunde, die auf eher historischen Erfahungen basieren. Man kann daher davon ausgehen, dass es gerade von dem was man braucht zu wenig geben wird, bzw. dieser Vorrat nicht bei einem ankommt. Selbst wenn es noch so etwas wie eine öffentliche Ordnung gibt. Da sind z.B. die Antibiotika bei den sich ständig verändernden (zunehmenden) Resistenzen ein grooooooooßes (!) Problem.

ID 3077
06.03.2012, 17:51
Hallo Hunted,
es ist wirklich unglaublich, wieviel man mit ziemlich wenig Ausrüstung helfen kann. Das sollte man nie vergessen. Eine Kollegin hat mal in Lambarene ein Kind mit einer Sichelzell-Krise gerettet, indem sie ihm völlig unverträgliches Blut transfundiert und viel Cortison dazugegeben hat. Es gab nichts zu verlieren, das Kind wäre sonst auf jeden Fall gestorben. Und passendes Blut war einfach nicht vorrätig, Was die menschliche Natur alles aushält!

Wenn ich die spannenden Beiträge von ferfal lese, der die Wirtschaftskrise in Argentinien durchgestanden habe, scheint mir eines der Hauptprobleme wirklich Infektionen aller Arten zu sein http://ferfal.blogspot.com/. (Die Seite ist ziemlich unorganisiert).

So habe ich das auch in Indien erlebt. Die kleinste Schramme vereiterte, weil es keine Kanalisation gab, auf dem Feld die Bedürfnisse verrichtet wurden und alles durch die Luft flog. Es ist ja sehr heiß dort und alles trocknet schnell und wird zu giftigem Staub. Mal abgesehen von den ganzen kleinen und auch größeren Tieren, die da den menschlichen Körper besiedeln können. Einige gibt es ja auch hier. Hygiene ist wirklich das Aller- allerwichtigste ind einer Krise.

Hunted
06.03.2012, 18:46
Das denke ich mir. Gerade da wir uns solche Zustände gar nicht (mehr) vorstellen können, bzw in Ausbildung und Studium nie mit ihnen konfrontiert werden/wurden, halte ich solche Berichte und Erfahrungswerte auch für äußerst wertvoll. Improvisieren lernt in Zeiten wo ein ZVK ohne Sono schon an einen Kunstfehler grenzt leider neimand mehr.. dafür muss man scheinbar erst ins Ausland.
Um so mehr hoffe ich noch mehr von deinen Tipps für den "Ausnahmezustand" zu erfahren :-)

ID 3077
06.03.2012, 18:53
Hier ist jetzt die erste Liste zur Behandlung von Wunden. Das wird eine sehr wichtige Sache sein, weil viele nicht mit Feuer/Messern umgehen können und es in der Notfallsituation erst lernen müssen.
Ich halte es für sehr wichtig, bei einem der vielen Anbieter mal den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen. Es ändert sich immer mal wieder etwas.

Oh, meine Datei klappt nicht (Fenster sagt ungültige Datei für eine Word-Datei) :weinen:

medic911
06.03.2012, 19:34
Was das Material angeht sollte man sich ebenfalls überlegen, was überhaupt (noch) Sinn macht. Eine Cervicalstütze (z.B. StifNeck) macht nur sehr eingeschränkt Sinn, wenn ich den Rest des Körpers nicht immobilisieren kann und es ggf. auch keine (erreichbare) Klinik gibt welche die Verletzungen behandeln kann.

Hmm...was ist denn der Sinn eines StifNek...richtig Immobilisation des Halses... Wenn der Pat. sonst keine Verletzungen(Extremitätentrauma,etc.) hat reicht es aus diesen flach auf eine Liege zu legen...

Notfallkoffer (http://www.google.de/search?q=Extremitetentrauma&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a#pq=extremitetentrauma&hl=de&gs_nf=1&cp=9&gs_id=1o&xhr=t&q=notfallkoffer&pf=p&client=firefox-a&hs=Bdf&rls=org.mozilla:de%3Aofficial&sclient=psy-ab&pbx=1&oq=notfallko&aq=0&aqi=g4&aql=&gs_sm=&gs_upl=&gs_l=&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.,cf.osb&fp=c56ea0b97da475b7&biw=1920&bih=934) oder was man früher vor Millionen von Rettungsdienstjahren mal gesagt hat dazu, Arztkoffer.

medic911
07.03.2012, 10:20
so schauts aus!

Zumal was bringt es einem Chirurgen wenn er ein Chirurgisches Besteck hat aber keinen Anästhesisten hat...klar im Notfall geht alles aber ganz ehrlich...da würde ich lieber ihr wisst schon...

Papa Bär
07.03.2012, 10:37
Also mal ganz ehrlich, wir reden doch hier von Krisensituationen. Anästhesisie ist Luxus, und für Luxus ist in Notsituationen kein Platz. Die Art von Verletzungen, die man außerhalb eines OP's durchführen kann, kann man auch ohne Anästhesie durchführen - hat ja vorher auch schon funktioniert.
Hier soll es doch um die Bevorratung medizinscher Bedarfsgüter gehen, die über den normalen Haus-Erste-Hilfe-Kasten deutlich hinausgehen.
Wenn zum Beispiel eine längere Schnittwunde versorgt werden muss, stösst man damit schnell an die Grenzen. Mehrfacher Verbandwechsel mit sterilen Wundauflagen und Fixierbinden über mehrere Tage hinweg ist mit dem normalen Vorrat nicht drin, soviel hat auch kaum jemand zur Eigenabsicherung am Mann.
Man sollte hier bei der Bevorratung immer davon ausgehen, das nach der Erstversorgung, die hier wohl fast alle beherrschen, noch lange nicht Schluss ist, dass die weitere medizinische Versorgung dann auch geleistet werden muss. Dass innerhalb von 10 Minuten ein Rettungswagen da ist und den Verletzten ins Krankenhaus bringt, von der Vorstellung sollte man sich verabschieden.
Deshalb stelle ich mir die Fragen:
- welche medizinische Fertigkeiten habe ich
- wieviele Personen will/kann ich entsprechend meinen Fertigkeiten behandeln
- wieviel Material muss ich dafür einlagern (und hier sind die Praktiker gefragt!)
- was kann ich selbst dafür herstellen (z.B. Kochsalzlösung)

Und so langsam sollte man sich dann schon mal um die Triage Gedanken machen...

ID 3077
07.03.2012, 10:41
Notfallvorrat zur Wundbehandlung




Vorrat

Wofür/wogegen

Nützliche Tipps

Warnhinweise



Einmalhandschuhe
puderlos

Zum eigenen und fremden Schutz b. Behandl. V. Wunden



Talkumpuder kann je nach Körnchengröße in andere Gewebe wandern



Desinfektionslösung
Octenisept-Spray





Betaisodona-Lösung






Sterile Kochsalzlösung


Das beste bei der Wundbehandlung, darf auch in die Wunde gelangen


Sehr gut geeignet zum Einweichen angeklebter Verbände




Bei Jodallergie zum Ablösen der Verbände

Zum Spülen von verschmutzten Wunden


Mit anderen Sprays nur die umgebende Haut desinfizieren, die Wunde mit steriler Kochsalzlösung ausspülen
Auch Polyvidon genannt und andere Handelsnamen




Am günstigsten: Sterile Kochsalzlösung für Kontaktlinsenträger








Jodhaltig.
Bei Jodallergie nicht verwenden
Auf die vorgeschriebene Verdünnung achten (Packung!)




Mullkompressen, steril
Klein/mittel/groß


Zum Abdecken von Wunden


Kann man günstig im Tierhandel erstehen






Elastische Binden
4/6/8/10 cm breit


Zum Befestigen der Kompressen über der Wunde


Haben den Vorteil, dass man sie nach Desinfektion mit Bleiche und Wäsche wieder verwenden kann


Nicht zu fest wickeln, es soll nichts anschwellen




Antibiotika-Salbe


Zur Vorbeugung und Behandlung von Entzündungen in Wunden


Es sollte auf jeden Fall Neomycin und Polymyxin B enthalten sein


Nicht innerlich anwenden!
Nicht anwenden bei bekannter Allergie darauf




Hansaplast


Zur Abdeckung v. kleinen Wunden


In allen Größen, auch sensitiv für Pflaster-allergische und Kinderpflaster


Allergie auf Pflaster



Leukoplast/Leukosilk

Klebestreifen
Fast so gut wie Panzertape



Pflasterallergie




Steristrip


Schmale Streifen zum Annähern der Wundränder
Man klebt sie quer über die Wunde


Sind genial zur Wundversorgung ohne Naht. Wenn es aber anfangen sollte zu eitern, müssen sie entfernt werden, damit der Eiter abfließen kann






Pinzetten
- 1 Splitterpinz.
- 1 normale Pinz.






Damit kann man auch gut Zecken entfernen


Nach Benutzung in Desinfektionslösung einlegen (Bleiche oder Betaisodona)




Monatsbinden


Für große blutende Wunden zur Blutstillung draufdrücken


Tampons werden in das Gerinnsel eingebaut, das sich bildet. Wenn man sie dann entfernt, blutet es wieder arg und man reißt viel auf





Sterile 1er Knülen

v.a. zur Splitterentfernung

Man schneidet mit der Spitze direkt über dem Splitter die Haut auf, wenn man mit der Pinzette nicht weiterkommt
Aus Tierbedarf geht hier gut

Vorher unbedingt die Haut desinfizieren!



Dreieckstuch

Äußerst vielseitig








Prinzipiell wird eine Wunde erst dann endgültig verbunden, wenn es aufgehört hat zu bluten. Das ist normalerweise nach 5 Min. der Fall. Wenn jemand Aspirin nimmt, kann es aber deutlich länger dauern. Solange mit einigen sterilen Kompressen auf die Wunde drücken, nach 5 Min. loslassen und gucken, ob es noch blutet. Wenn es nicht mehr blutet, die Umgebung der Wunde gut säubern. Blut ist der optimale Nährboden für Bakterien. Dann verbinden.
Ruhig stellen und hochlagern hilft immer gut bei der Wundheilung. Die Wunde heilt am besten, wenn man sie sauber und in Ruhe lässt. Einmal täglich sollte man den Verband wechseln, um die Wunde zu kontrollieren.
Ich selbst bin kein Freund von antibiotischen Salben, habe sie aber im Entwicklungsland selbst benutzt, als jede noch so kleine Schramme vereiterte.
Bei Verbrennungen würde ich in Katastrophenszenarios immer die Blase drauf lassen als natürlichen sterilen Verband und dann steril abdecken. Man kann mit einer sterilen Nadel nach einer Hautdesinfektion die Blase öffnen und die Flüssigkeit abfließen lassen, die sich unter der Blase gebildet hat.
Bei Knochenbrüchen muss man versuchen, fachliche Hilfe zu bekommen. Zur Ruhigstellung vom Unterarm z.B. kann man eine mehrfach geknickte Zeitung mit einer elastischen Binde anwickeln. Ich selbst würde mich nicht mit diversen Schienen ausstatten, die kann man mit Besenstiel, Ästen, zusammengerollten Handtüchern etc. auch improvisieren.
Zur Schmerzbekämpfung bei Verletzungen kein Aspirin geben. Aspirin verschlechtert die Blutgerinnung. Erlaubt sind Paracetamol und Ibuprofen (unbedingt nach dem Essen einnehmen, Vorsicht bei Allergien).

medic911
07.03.2012, 10:42
was kann ich selbst dafür herstellen (z.B. Kochsalzlösung)
das kannst du schon mal vergessen selbst eine NaCl herzustellen glaub fast niemand kann dies steril bei sich zu hause machen!


Anästhesisie ist Luxus, und für Luxus ist in Notsitu
Den will ich erleben der ohne einen größeren eingriff bekommt!Auch nähen wenn es groß genug ist kann sehr schmerzhaft sein!

Sorry,aber diese Aussage halte ich für heiße Luft!!!


Bei dem Rest schließe ich mich dir an....

medic911
07.03.2012, 10:46
Wobei zusagen ist das Paracetamol nicht mehr als 2500mg bis max 4000mg gegeben werden darf am Tag und auch nicht länger als 3-4Tage!!!Sonst kann es zum Nierenversagen kommen!!!!!!!!

Gute Liste!!!!

Zur Brandwundenbehandlung ist noch zu sagen nicht zuviel kühlen und kein WaterJel benutzen!!!!!!!

ID 3077
07.03.2012, 10:49
Im Krieg haben die das glaube ich mit Schnaps gemacht? Ne, mal ehrlich, es wird ein großes Problem sein, für Eingriffe eine Schmerzbekämpfung hinzubekommen, wenn man überhaupt Material für den Eingriff hat. Es ist ja nicht wie im 2. Weltkrieg, in dem alles (ja, leider alles) mit deutscher Gründlichkeit organisiert war.
Für die medis unter uns: ich überlege, mir einen guten Vorrat von (S-)Ketamin anzulegen. Hervorragendes Schmerz/Narkosemittel, stabilisiert den Kreislauf, erweitert die Bronchien. Schutzreflexe bleiben erhalten, man muß nicht beatmen. Das kann man auch Leuten geben, die tödlich verletzt sind und starke Schmerzen haben, warum sollen sie leiden? Dieses Mittel ist heutzutage auf dem Notarztwagen vorrätig.

ID 3077
07.03.2012, 10:53
Danke an alle medis für den zusätzlichen Input! Bitte bei allen Medikamenten auf dem Beipackzettel die genaue Dosierung ansehen.

Und noch einmal: haltet Euren Impfschutz immer aktuell! Alle, die ich hab' an Tetanus sterben sehen, hatten Bagatellverletzungen gehabt.

medic911
07.03.2012, 10:54
Ähm....du denkst aber daran das auch Ketanes-S nur mit Dormicum gegeben werden darf/soll und dann hast du auch wieder das problem mit der Beatmung...

Auser du willst das derjenige einen Horrorflash bekommt...



Damals war alles etwas anders...

ID 3077
07.03.2012, 11:17
Ja, medic, das sagt man so. Aber wenn Kreislauf/Atmung das nicht vertragen, würde ich es auch ohne geben. Ich habe früher in der Anästhesie sehr viel damit gearbeitet und wir haben alle Patienten hinterher befragt - so schlimm ist es mit den Horrorvisionen auch nicht.

Hier habe ich übrigens mal einen Link zur Folgeneinschätzung eines großflächigen, länger dauernden Stromausfalls für den Bundestag BRD. Dort steht auch einiges über die medizinische Seite.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/056/1705672.pdf


Ich halte einen Stromausfall oder einen wirtschaftlichen Kollaps für die wahrscheinlichsten Szenarien, was größere Katastrophen angeht.

Wataru
07.03.2012, 11:22
wegen dem Ketamin
Ne so schlimm ist es nicht ;-)
Ein Freund von mir durfte an einem Test Programm teilnehmen, wo er nach einer sehr heftigen Operation, 3 Wochen lang eine Pumpe gehabt hat zum selber Dosieren.
er meinte nach seinem Aufenthalt. " Ach die Malediven Ferien vor dem Spital, seien nicht annähernd so schön gewessen und weisst Du mit jedem klick der Pumpe wurden die Schwestern noch schöner.
Und all die Techno und Goa Freaks sahen auch meistens sehr glücklich aus mit Ihren Dümmlich grinsenden Gesichtern. Klar es kann sehr übel werden, wenn man meint man sei gestorben und in einer zwischen Ebene gefangen. Doch auch ein solcher Horror wäre um einiges erträglicher als echt Höllische Schmerzen zu ertragen.

Also ich würde es in einem Notfal gerne nehmen, auch ohne andere zusätze. Hand drauf.

Ps: Einen Horrortrip zu erleben könnte einem auch gut auf denn Stress eines K-Falls vorbereiten. Gewissen hier drin würde dies sicherlich mal gut tun. ;-)

Papa Bär
07.03.2012, 11:32
@medic911
bitte Zitate nicht aus dem Zusammenhang reißen. Ich habe geschrieben:

Anästhesisie ist Luxus, und für Luxus ist in Notsituationen kein Platz. Die Art von Verletzungen, die man außerhalb eines OP's durchführen kann, kann man auch ohne Anästhesie durchführen

Deine Antwort darauf war:

Den will ich erleben der ohne einen größeren eingriff bekommt!Auch nähen wenn es groß genug ist kann sehr schmerzhaft sein!


Natürlich kann Nähen schmerzhaft sein. Verzichtest du deshalb darauf, nur weil kein Anästhesist in der Nähe ist? Und nähen ist ein Technik der Wundversorgung, die jeder relativ schnell erlernen kann.
Und die von die angesprochenen größeren Eingriffe sind wohl in den aller seltensten Fälle außerhalb eines OP's zu machen...

Btw., warum sollte man eine Kochsalzlösung nicht zu Hause steril herstellen können?


Und ja, früher hat man das Schmerzempfinden mit Alkohol ausgeschaltet. Funktioniert wirklich gut(eigene Erfahrung), ist aber aufgrund der angeregten Durchblutung und der erweiterten Gefässe wohl eher kontraproduktiv bei Operationen

Gresli
07.03.2012, 11:56
Hallo Chris,
danke für die Liste




Für die medis unter uns: ich überlege, mir einen guten Vorrat von (S-)Ketamin anzulegen. Hervorragendes Schmerz/Narkosemittel, stabilisiert den Kreislauf, erweitert die Bronchien. Schutzreflexe bleiben erhalten, man muß nicht beatmen..


Als Narkosemittel: Wieso nicht auch Äther? Soviel ich weiss hat es den Vorteil, im Gegensatz zu anderen Narkosemittel (nicht Ketamin), dass der Atemstillstand vor dem Herzstillstand kommt, d.h. die Reanimation ist einfacher.


Äther ist relativ billig und gut verfügbar (Apotheke, Chemiehandel) und fällt nicht unter das BtMG. Eine Äthermaske ist einfach selbst zu basteln.


Einzig die Explosionsgefahr ist ziemlich gross!




Paracetamol ...Sonst kann es zum Nierenversagen kommen



So viel ich weiss ist es eher die Leber die sich verabschiedet.




Grüsse, Gresli

ID 3077
07.03.2012, 11:59
Hallo Gresli,
Äther halte ich für eine gute Alternative. Gibt es den noch?? und es stimmt, Paracetamol belastet die Leber. Aber man sollte auch hier nicht den Teufel an die Wand malen. In den USA sind Paracetamol und Aspirin Grundnahrungsmittel, und so viele sterben da auch nicht dran.

medic911
07.03.2012, 13:03
mein Fehler...ich habe mal wieder Ibu mit Para verwechselt....nehm ich auf meine Kappe aber denoch ist die Gefahr groß und sollte nicht lapiedar runter gespielt werden.

Äther als Narkosemittel...meine Herren da können wir auch gleich alles lassen...ich sag nur sehr langer Abbau,erbrechen,und die genannte Explosion. Bitte wenn ihr schon Vorschläge macht dann welche womit man nicht noch schaden anrichtet...


Btw., warum sollte man eine Kochsalzlösung nicht zu Hause steril herstellen können?

Weil du es nicht steril bekommst ganz einfach!Oder würdest du einfach mal eine unsterile Suppe in jemanden schütten?


Dann zum Thema Ketanest S , erstens ist das ein Thema für Ärzte und Rettungspersonal da alle andere da nicht ran kommen.zweitens, du willst mir ernsthaft weiss machen das ihr in der Klinik kein Dormikum oder Fenta gegeben habt!?Die Klinik würde ich gerne wissen!
Das ist ein sowas von Ärtzepfusch dann!Ich bin seit 12 Jahren Rettungsassistent davon 10 LRA und seit 5 Paramedic... klar kann das gut gehen aber wehe wenn...sorry dafür hab ich null verständniss!

medic911
07.03.2012, 13:24
ja aber nur bis du es dann abfüllen willst.
dann nimmst du durch die Umgebungsluft Verunreinigungen mit.

Und wie willst du es lagern?Du kannst nicht jedes mal frisch abkochen und wenn es abgekühlt ist ist es wieder unsteril....

Gresli
07.03.2012, 13:35
Hallo Medic,

ich empfehle Dir das Buch Ich war Arzt in Dien-Bien-Phu vom Oberstbsarzt Dr.Grauwin. Da siehst Du was in Extremsituationen alles möglich ist!

http://www.amazon.de/Grauwin-Dien-Bien-Phu-Scherz-Seiten-Bilder/dp/B003TC61BS

(18h/Tag Operationen im Erdbunker, knöcheltief im Schlamm. Kaum sauberes Wasser, praktisch keine Medis ... Wochenlang!)

Es ist klar, dass in einer Krise (oder in der 3.Welt) ev. anders gehandelt wird als in normalen Zeiten hier bei uns (auch Triage).

Grüsse, Gresli

Papa Bär
07.03.2012, 14:04
ja aber nur bis du es dann abfüllen willst.
dann nimmst du durch die Umgebungsluft Verunreinigungen mit.

Und wie willst du es lagern?Du kannst nicht jedes mal frisch abkochen und wenn es abgekühlt ist ist es wieder unsteril....

Wenn es steril abgefüllt wurde, bleibt es auch nach dem Abkühlen steril.
Und wenn die Verunreinigungen durch Umgebungsluft so signifikant wären, wie macht man es dann mit OP-Besteck im Krankenhaus? Das ist auch der Umgebungsluft ausgesetzt nach dem Sterilisieren!
Mein Tipp wäre folgender
1. Destilliertes Wasser abkochen
2. PET-Flasche (nur die glasklaren!) damit füllen
3. PET-Flaschen direkt ins Sonnenlicht legen (min. 6 Stunden)
4. in einem Druckkochtopf destilliertes Wasser zum Kochen bringen (7Stunden)
5. PET-Flasche leeren und NaCl in entsprechender Menge einfüllen
6. Wasser aus dem Druckkochtopf einfüllen und PET-Flasche verschliessen
7. Verschluss der PET-Flasche in flüssiges Wachs tauchen
8. PET-Flasche mit Kochsalzlösung direkt ins Sonnenlicht legen (min. 6 Stunden)

Wenn dann noch was in der Lösung am Leben ist das jemandem schaden kann, hat derjenige sowieso Probleme mit seiner Lebensfähigkeit!

ID 3077
07.03.2012, 14:18
mein Fehler...ich habe mal wieder Ibu mit Para verwechselt....nehm ich auf meine Kappe aber denoch ist die Gefahr groß und sollte nicht lapiedar runter gespielt werden.

Äther als Narkosemittel...meine Herren da können wir auch gleich alles lassen...ich sag nur sehr langer Abbau,erbrechen,und die genannte Explosion. Bitte wenn ihr schon Vorschläge macht dann welche womit man nicht noch schaden anrichtet...



Weil du es nicht steril bekommst ganz einfach!Oder würdest du einfach mal eine unsterile Suppe in jemanden schütten?


Dann zum Thema Ketanest S , erstens ist das ein Thema für Ärzte und Rettungspersonal da alle andere da nicht ran kommen.zweitens, du willst mir ernsthaft weiss machen das ihr in der Klinik kein Dormikum oder Fenta gegeben habt!?Die Klinik würde ich gerne wissen!
Das ist ein sowas von Ärtzepfusch dann!Ich bin seit 12 Jahren Rettungsassistent davon 10 LRA und seit 5 Paramedic... klar kann das gut gehen aber wehe wenn...sorry dafür hab ich null verständniss!

Hallo Medic, ich bin schon ein bißchen älter. Wir haben vor etwa 40 J. mit Ketanest angefangen, als es auf den Markt kam. Damals gab es diese "Vorschrift" noch nicht, Benzos dazu zu geben. Haben wir später auch gemacht. Aber ich habe auch einige Erfahrungen ohne sammeln können. Und ich finde, es kommt auf das Szenario an. Klar, wenn jetzt ein größerer Unfall ist, hat man 6 Hubschrauber, 20 Notärzte, davon einen leitenden, unzählige Rettungsassisten (die meiner Ansicht nach hervorragend ausgebildet sind), Rettungshelfer, Feuerwehr.......
Im Katastrophenszenario kann das aber plötzlich ganz anders aussehen. Lies dir mal meinen Link oben durch für den Stromausfall. Da ist man dann schnell in die "3. Welt" hineinkatapultiert und alle Vorschriften, die sonst selbstverständlich sind, funktionieren nicht mehr. Und plötzlich ist ein bißchen besser als gar nichts und weitgehend keimfrei besser als weitgehend verschmutzt. Was habe ich als Schwesternhelferin 1969 gelernt: Zur Wundabdeckung nehme man die unbenutzten Innenseiten eines frisch gebügelten Taschentuches - auch steril :rolleys:

ID 3077
07.03.2012, 14:26
So, hier ist meine Liste mit den wichtigsten Medikamenten für Laien:

Notfallvorrat Medikamente
An erster Stelle stehen die Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden. Handelt es sich um überlebenswichtige Medikamente, sollten sie großzügig bevorratet werden, etwa ein Jahresbedarf.
Die Haltbarkeit der Medikamente ist oft wesentlich länger als auf den Packungen angegeben. Hier ein Link zu einer Studie darüber , die die US.Army unter Leitung der Food and Drug Admistration durchgeführt hat :
http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2000/04/02/drug-expiration-part-one.aspx (http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2000/04/02/drug-expiration-part-one.aspx)
Insulin und Nitrospray sind nicht länger haltbar als das angegebene Datum sagt!!!
Wenn Medikamente gekühlt werden müssen, würde ich an eine mobile Solaranlage denken, die man sich bauen kann. An diese kann dann eine 12V Kühlbox angeschlossen werden. Anleitungen dazu gibt es reichlich auf youtube.
Eine Nachricht an alle Übergewichtigen, die an insulinpflichtigem Diabetes II leidenden („Altersdiabetes“):
Es ist möglich, vom Insulin wegzukommen mit radikaler Gewichtsreduktion mit Hilfe von diätetischen Drinks. Sprecht mit Eurem Arzt darüber. Ich habe schon etliche Diabetiker gesehen, die das geschafft haben. Es würde Eure Überlebenschancen bei einer Katastrophe und auch ohne erheblich verbessern. Schon bei einer relativ kurzen Notfallsituation wie Hurrikan Katrina war die Versorgung mit Insulin kritisch für die, die keinen Vorrat hatten. Ich weiß, die Gewichtsfrage ist heikel, ich bin auch keine Elfe. Aber in diesem Fall würde ich selbst zu diesen Drinks greifen.
Bei der folgenden Medikamentenliste denkt daran: immer den Beipackzettel lesen, die angegebenen Dosierungen einhalten, im Zweifel den Arzt oder Apotheker fragen! Und vorher fragen, ob die Person bekannte Allergien auf Medikamente hat.


Medikament

Gegen

Hinweise

Warnung



Aspirin =
Acetylsalicylsäure=ASS

Schmerzen, Fieber
Bei akuten Herzschmerzen 1 Tabl. Nehmen

Erst ab 39,0 Fieber
Verbessert die Fließeigenschaften des Blutes

Es verschlechtert die Blutgerinnung. Nicht bei Verletzungen geben.
Kann Asthma auslösen/verschlechtern,
schädigt die Magenschleimhaut



Paracetamol

Schmerzen, Fieber
auch Gelenkschmerzen

Das Beste für Kinder in der entsprech. Dosierung
Erst ab 39,0 Fieber

Kann bei zu hoher Dosis die Leber schädigen



Ibuprofen

Schmerzen, Fieber

Für Kinder: Nurofen-Saft
Erst ab 39,0 Fieber

Allergie!
Nur nach dem Essen nehmen, kann die Magenschleimhaut schädigen u. die Niere



Abschwellende Nasentropfen für Kinder und Erwachsene









Hustenstiller rationph.
oder Capval

Schnupfen (nachts), Nebenhöhlenvereit., Ohrenschmerzen (schön hochziehen). Dadurch wird die Röhre wieder frei, die vom Mund zum Ohr führt und der schmerzhafte Unterdruck im Mittelohr verschwindet

Dextrametorphan
Noscapin (mein Favorit)

Für Kinder unbedingt die schwächere Form benutzen.
Mein Favorit, habe ich immer dabei.











Zur Behandlung von Reizhusten.

Nicht länger als eine Woche nehmen, dann beginnt es die Schleimhäute zu schädigen.









So sparsam wie möglich dosieren





Buscopan Zäpfchen/Tabl.

Gegen Bauchkrämpfe





Abführmittel, z.B. „Flohsamen“

Falls mal gar nichts mehr geht


Immer mit viel Flüssigkeit nehmen



Kohlekompretten

Gegen Durchfall

Kohle absorbiert auch ein wenig das Gift, das den Durchfall auslöst




Loperamid

Gegen Durchfall

Verringert die Darmtätigkeit. Ich finde es nicht so gut, weil die Gifte so länger im Darm bleiben. Im Fluchtfall o.ä. nützlich

Unbedingt die Dosierungsanweisungen befolgen!



Elektrolytpulver für Kinder u. Erwachsene

Bei Flüssigkeitsverlust durch Durchfall

Kann man auch selbst herstellen (s.u.
Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Flüssigk.verlust schnell lebensbedrohlich werden




Cotrim forte=Bactrim forte

Gegen Harnwegsinfekte,

Antibiotikum, das ich auch als Laie bevorraten würde. Harnwegsinfekte sind echt fies und leicht zu behandeln. U.U wirkt das Medik. Auch gegen andere Infektionen

Sulfonamid-Allergie



Cetirizin

Anti-Allergikum





Fenistil-Gel

Antiallerg. Gel

Auch bei Insektenstichen




Fieberthermometer






Ohropax o.ä.

Gehörschutz zum Schlafen





Zahnseide

Zur zusätzlichen Zahnreinigung

Auch in Normalzeiten sehr zu empfehlen, allerdings nicht für Kinder

Bei Kindern liegt das Zahnfleisch noch eng am Zahn an.



Läusemittel, -kamm


diese Tierchen kommen schneller als man denkt





Für das Antibiotikum könnt ihr euch vom Hausarzt ein Privatrezept erbitten. So wird es auch mit Medikamenten für eine Reise gemacht.
Schleimlösende Mittel bei Bronchitis sind im Vergleich nicht besser als Dampfinhalation (wie früher: über Kochtopf mit Handtuch überm Kopf). Vorsicht, Kochtopf nicht runterziehen, Verbrennungsgefahr!
Gegen Erbrechen würde ich nichts geben im Katastrophenszenario, wenn der Körper was loswerden will, muss man ihn auch lassen. An Flüssigkeitsersatz denken!
Salben bei Prellungen/Gelenkschmerzen verwende ich selbst nicht. Sie dringen meist eh nicht tief genug ein, um einen wesentlichen Effekt zu haben.
Elektrolytlösung – selbstgemischt
Eine im richtigen Verhältnis gemischte Zucker-Salz-Lösung gibt dem Körper rasch die nötigen Mineralstoffe zurück, die er für wichtige Stoffwechselvorgänge braucht. Geben Sie in einen halben Liter stilles Mineralwasser (oder abgekochtes kaltes Leitungswasser) einen Teelöffel Kochsalz, sieben bis acht Teelöffel Traubenzucker (ersatzweise Haushaltszucker) und einen halben Liter Orangensaft. Mischen Sie alles gründlich durch und trinken Sie über den Tag verteilt insgesamt zwei Liter der jeweils frisch zubereiteten Lösung. Anstelle von Orangensaft können Sie auch andere Fruchtsäfte, Kräuter- oder Früchtetee verwenden.
Wenn Sie nur Wasser trinken wollen, lösen Sie zwei Esslöffel Rohrzucker und einen Teelöffel Kochsalz in einem Liter abgekochtem Wasser auf und trinken diese Mischung.
Es gibt viele Quellen dafür, ich habe das Zitat aus dieser: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/medikamente/selbstmedikation/magen_darm/durchfall/durchfall/elektrolytloesung/ (http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/medikamente/selbstmedikation/magen_darm/durchfall/durchfall/elektrolytloesung/)

Für Erweiterungen/Kommentare bin ich dankbar!

Hunted
07.03.2012, 19:44
Ich versuche das ganze mal zu ordnen, da es – gerade für den Laien – glaube ich sehr unübersichtlich geworden ist.



Cervikalstütze

Eine Cervicalstütze wie in der Notfallmedizin gebräuchlich ist nur effektiv, wenn die gesamte Wirbelsälue in ihrer Bewegung eingeschränkt wird. Liegt zum einen daran, dass die Cervicalstütze die Halswirbelsäule nur von HWK 1-5, nicht aber HWK 6+7 immobilisiert. Hinzu kommt, dass die perfekt angelegte Cervicalstütze (!) die Bewegung der HWS in der Beugung nur um 90%, in der Überstreckung nur um 50% und in der Rotation ebenfalls nur um 50% einschränkt. Daher werden in professionellen Systemen zusätzlich Kopffixierungssysteme (häufig sog. Headblocks) verwendet um den Kopf (und damit die HWS) vollständig in seiner Bewegung einzuschränken. Alleine schon aus diesem grund reicht nur eine Cervicalstütze nie (sic!) aus. Singuläre nicht tödliche (z.B. Erhängen) HWS-Verletzungen sind außerdem sehr selten und ohne die entsprechenden bildgebenden Verfahren eh nicht auszuschließen. Daher ebenfalls die komplette Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule. Wenn dich, medic911, das Thema aus professioneller Sicht interessiert kann ich dir einen ITLS- oder PHTLS-Kurs nur ans Herzen legen. Ansonsten wäre zumindest die Standartwerke „Präklinisches Traumamanagement (PHTLS)“, „Präklinische Traumatologie (ITLS)“ oder die aktuellen S3 Polytraumaleitlinien (kostenlos im Internet bei der AWMF zu finden) ein guter Einstieg.




NaCl 0,9% Lösung (o.ä.) „steril“ herstellen

Wie bereits schon angesprochen kann man zu Hause sicher nicht so professionell arbeiten, wie es die Pharmahersteller tun. Unter normalen Bedingungen wären so hergestellte Lösungen in D aus Sicht berechtigter Weise ein No-Go. Wir reden aber nicht von „normalen“ Bedingungen in D, sondern Ausnahmezuständen in denen es keine Alternative gibt. Hier wäre u.U. sogar eine völlig unsterile Lösung besser als nichts. Schließlich ist eine anschließende Infektion kein definitives Schicksal. Ein Patient ohne Kreislauf (egal ob Verbrennung, Blutung oder einfach nur starkes Erbrechen/Durchfall) hingegen wird ohne Flüssigkeit auf jeden Fall sterben. Da kann man alleine schon aus medizinischer Sicht dieses Wagnis also problemlos eingehen…



Paracetamol à Ibuprofen

Paracetamol wird tatsächlich über die Leber entgiftet. Eine einmalige Dosis von 6g kann bei gesunder (!) Leber bereits zu Leberversagen führen. Bei enstprechend vorgeschädigter Leber auch schon früher.. Eine Tageshöchstdosis von 50mg/kg (Ideal)Körpergewicht sollte daher aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden. Schon gar nicht in einer Situation wo der Arzt nicht mal eben die leberwerte bestimmen kann und eine Intensivstation im Hintergund Leber und Leben retten kann. Nicht umsonst ist Paracetamol in den angloamerikanischen Ländern das Selbstmordmedikament Nummer 1.



Ketamin als Monoanästhetikum/Analgetikum

Zur Analgesie (Schmerzstillung)
Reines Ketamin S muss man tatsächlich nicht mit einem Benzodiazepin (o.ä.) kombinieren (Hier sind sog. Horrortrips nur noch sehr selten). Beim alten Racemat Ketamin (S/R) ist das etwas anderes. Auch hier kann es gut gehen, muss aber nicht. Je nach Erregungszustand des Patienten wäre ein Beruhigungsmittel allerdings egal mit welchem Ketamin dennoch zu empfehlen, da selbst bei Ketamin S noch eine Erregungssteigerung und Wahrnehmungsverzerrung stattfindet. Es könnte also passieren, dass der Patient sich plötzlich wieder top fit fühlt und völlig ignoriert, dass man auf einem gebrochenen Bein besser keinen Marathon rennt.
Zur Anästhesie (Narkoseeinleitung/führung)
Hier kommt es auf Erfahrung und Patient an. Will man keinen spontan atmenden Patienten muss man meist zum Sedativum greifen. Ebenfalls verbessert Midazolam (o.ä.) meist die Intubationsbedingungen (So man nicht eh zum Relaxanz greift).

Meine persönliche Meinung ist daher: Beide Varianten sind möglich, man muss nur wissen wo man steht und was man will. Da jeder der zu Ketamin (oder vergleichbarem) greift und nicht nur auf einen „coolen“ Trip aus ist sich allerdings auch mit Dormicum auskennen sollte ist das nichts was man diskutieren muss. Die Entscheidung fällt der Arzt vor Ort schon ganz alleine…



Äther

Wenn es gar nichts mehr gibt und nur noch Äther da ist kann man natürlich auch das versuchen. Ansonsten würde ich eher davon abraten. Äther ist äußerst schwer (bis gar nicht) steuerbar und hat sehr sehr viele Nebenwirkungen. Nicht umsonst sind zu Ätherzeiten viele Patienten trotz gelungener Operation nicht mehr aufgewacht…



Als Narkosemittel: Wieso nicht auch Äther? Soviel ich weiss hat es den Vorteil, im Gegensatz zu anderen Narkosemittel (nicht Ketamin), dass der Atemstillstand vor dem Herzstillstand kommt, d.h. die Reanimation ist einfacher.
Den Satz habe ich nicht verstanden. Magst du mir den noch mal erklären/umformulieren? Danke J



Schnaps und keine Narkose

Sofern es nicht besser geht funktioniert auch das. Hat es früher schließlich auch. Und bevor irgendjemand der es noch nie gemacht hat anfängt Anästhesist zu spielen wäre mir das als Patient glaube ich auch gar nicht so unrecht (zumindest im Nachhinein). Bei nicht auszuhaltenden Schmerzen haben wir Menschen ja zum Glück eh die „Schutzfunktion“ Bewusstlosigkeit…
(Es gibt übrigens Fallberichte von Menschen die sich erfolgreich ohne Narkose selber operiert haben.. selbst eine Blinddarm-OP gab es schon)




Notfallkoffer (http://www.google.de/search?q=Extremitetentrauma&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a#pq=extremitetentrauma&hl=de&gs_nf=1&cp=9&gs_id=1o&xhr=t&q=notfallkoffer&pf=p&client=firefox-a&hs=Bdf&rls=org.mozilla:de%3Aofficial&sclient=psy-ab&pbx=1&oq=notfallko&aq=0&aqi=g4&aql=&gs_sm=&gs_upl=&gs_l=&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.,cf.osb&fp=c56ea0b97da475) oder was man früher vor Millionen von Rettungsdienstjahren mal gesagt hat dazu, Arztkoffer.


Evtl. hat ja noch jemand aus dem Rettungsdienst eine Bestandsliste von einem Notfallkoffer?

Was ein Notfallkoffer (auch wenn es immer mehr Rucksäcke werden *g*) ist wahrscheinlich jedem klar. Nur gibt es nicht DEN Koffer. D.h. man wird wahrscheinlich in keinen zwei Rettungsdienstbereichen (o.ä.) die gleiche Ausstattung geben. Zumal mittlerweile meist mit Systemen gearbeitet wird. D.h. es gibt z.B. einen Kreislaufkoffer, einen Sauerstoff/Atemwegskoffer, einen Koffer für Kindernotfälle, manchmal noch einen für Traumata, etc… Hier stellt sich immer die Frage Was man kann, was man will und was man dafür braucht. Zumal der Inhalt typischerweise auf die Akut- und Notfallmedizin ausgelegt ist, somit nur für eine recht kurze Zeitspanne der Versorgung. Problematisch wird in einem vorausgesetzten Szenario aber das Langzeitüberleben. Menschen die in der Akutsituation tödlich erkranken, bzw. verletzt sind wird man eh nicht mehr retten können. Ein Prinzip, dass schon in der Katastrophenmedizin, also in einem viel kleineren Rahmen zur Geltung kommt.

Wen es aber trotzdem interessiert, ich suche da gerne mal was raus..

Gresli
07.03.2012, 20:20
Hallo Hunted,
Die Aussage ist von mir (einem, zwar interessierten, dennoch aber Laien).




Soviel ich weiss hat es den Vorteil, im Gegensatz zu anderen Narkosemittel, dass der Atemstillstand vor dem Herzstillstand kommt, d.h. die Reanimation ist einfacher.

Äther
Den Satz habe ich nicht verstanden. Magst du mir den noch mal erklären/umformulieren? Danke

Das soll heissen, dass bei einer Überdosierung der Atemstillstand früher einsetzt als der Herzstillstand und man die weitere Verabreichung unterbrechen kann. Die reine Beatmung ist dann einfacher aufrecht zu erhalten (bis der Atemreflex wieder einsetzt) als eine HLW.

Bin jetzt nicht 100% sicher, aber glaube das ist aus dem Buch Survival Medizin von Nehberg. Seine Aussagen sind i.d.R. gut recherchiert.

Es ist mir auch klar das Äther sicher nicht die erste Wahl ist!
Ich habe das vor allem vor dem Hintergrund geschrieben, dass er einfacher zu bevorraten ist als z.B. Ketamin. (Denke, ab einer gewissen Menge bekommen sogar Ärzte ein Problem mit der Drogenfahndung)



Grüsse, Gresli

Hunted
07.03.2012, 20:37
Danke. Jetzt habe ich es verstanden. Dürfte stimmen deine Angabe - aber wie du schon gesagt hast, alles nicht ohne Risiko.

Apo
07.03.2012, 23:17
Was haltet ihr von Kleben anstatt Wunden nähen? Hatte da mal was gesehn

ID 1769
08.03.2012, 01:23
Vielen Dank ChrisHamburg für die Liste! Im Prinzip ist das ja eine Hausapotheke mit Ergänzungen.

Was ich persönlich noch hinzufügen würde wäre Dextromethorphan als Hustenblocker. Natürlich funktioniert das mit dem Dampf inhalieren gut, nur bleibt manchmal keine Zeit (oder keine Ressourcen?) dafür. Ein fieser Reizhusten kann einem den Schlaf rauben.

Ich denke viele Teilnehmer hier würden sich über Tipps zu Antibiotika freuen. Wenn ich mir das richtig vorstelle, könnten bakterielle Infektionen im Krisen-/Katastrophenfall für einen Grossteil der Todesfälle verantwortlich sein. Hier wären kompetente Informationen sicher sehr nützlich, welche Antibiotika du zur Bevorratung empfehlen kannst.

ID 3077
08.03.2012, 10:07
Ich versuche das ganze mal zu ordnen, da es – gerade für den Laien – glaube ich sehr unübersichtlich geworden ist.
Cervikalstütze
Eine Cervicalstütze wie in der Notfallmedizin gebräuchlich ist nur effektiv, wenn die gesamte Wirbelsälue in ihrer Bewegung eingeschränkt wird. Liegt zum einen daran, dass die Cervicalstütze die Halswirbelsäule nur von HWK 1-5, nicht aber HWK 6+7 immobilisiert. Hinzu kommt, dass die perfekt angelegte Cervicalstütze (!) die Bewegung der HWS in der Beugung nur um 90%, in der Überstreckung nur um 50% und in der Rotation ebenfalls nur um 50% einschränkt. Daher werden in professionellen Systemen zusätzlich Kopffixierungssysteme (häufig sog. Headblocks) verwendet um den Kopf (und damit die HWS) vollständig in seiner Bewegung einzuschränken. Alleine schon aus diesem grund reicht nur eine Cervicalstütze nie (sic!) aus. Singuläre nicht tödliche (z.B. Erhängen) HWS-Verletzungen sind außerdem sehr selten und ohne die entsprechenden bildgebenden Verfahren eh nicht auszuschließen. Daher ebenfalls die komplette Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule. Wenn dich, medic911, das Thema aus professioneller Sicht interessiert kann ich dir einen ITLS- oder PHTLS-Kurs nur ans Herzen legen. Ansonsten wäre zumindest die Standartwerke „Präklinisches Traumamanagement (PHTLS)“, „Präklinische Traumatologie (ITLS)“ oder die aktuellen S3 Polytraumaleitlinien (kostenlos im Internet bei der AWMF zu finden) ein guter Einstieg.

NaCl 0,9% Lösung (o.ä.) „steril“ herstellen
Wie bereits schon angesprochen kann man zu Hause sicher nicht so professionell arbeiten, wie es die Pharmahersteller tun. Unter normalen Bedingungen wären so hergestellte Lösungen in D aus Sicht berechtigter Weise ein No-Go. Wir reden aber nicht von „normalen“ Bedingungen in D, sondern Ausnahmezuständen in denen es keine Alternative gibt. Hier wäre u.U. sogar eine völlig unsterile Lösung besser als nichts. Schließlich ist eine anschließende Infektion kein definitives Schicksal. Ein Patient ohne Kreislauf (egal ob Verbrennung, Blutung oder einfach nur starkes Erbrechen/Durchfall) hingegen wird ohne Flüssigkeit auf jeden Fall sterben. Da kann man alleine schon aus medizinischer Sicht dieses Wagnis also problemlos eingehen…
Paracetamol à Ibuprofen
Paracetamol wird tatsächlich über die Leber entgiftet. Eine einmalige Dosis von 6g kann bei gesunder (!) Leber bereits zu Leberversagen führen. Bei enstprechend vorgeschädigter Leber auch schon früher.. Eine Tageshöchstdosis von 50mg/kg (Ideal)Körpergewicht sollte daher aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden. Schon gar nicht in einer Situation wo der Arzt nicht mal eben die leberwerte bestimmen kann und eine Intensivstation im Hintergund Leber und Leben retten kann. Nicht umsonst ist Paracetamol in den angloamerikanischen Ländern das Selbstmordmedikament Nummer 1.
Ketamin als Monoanästhetikum/Analgetikum
Zur Analgesie (Schmerzstillung)
Reines Ketamin S muss man tatsächlich nicht mit einem Benzodiazepin (o.ä.) kombinieren (Hier sind sog. Horrortrips nur noch sehr selten). Beim alten Racemat Ketamin (S/R) ist das etwas anderes. Auch hier kann es gut gehen, muss aber nicht. Je nach Erregungszustand des Patienten wäre ein Beruhigungsmittel allerdings egal mit welchem Ketamin dennoch zu empfehlen, da selbst bei Ketamin S noch eine Erregungssteigerung und Wahrnehmungsverzerrung stattfindet. Es könnte also passieren, dass der Patient sich plötzlich wieder top fit fühlt und völlig ignoriert, dass man auf einem gebrochenen Bein besser keinen Marathon rennt.
Zur Anästhesie (Narkoseeinleitung/führung)
Hier kommt es auf Erfahrung und Patient an. Will man keinen spontan atmenden Patienten muss man meist zum Sedativum greifen. Ebenfalls verbessert Midazolam (o.ä.) meist die Intubationsbedingungen (So man nicht eh zum Relaxanz greift).

Meine persönliche Meinung ist daher: Beide Varianten sind möglich, man muss nur wissen wo man steht und was man will. Da jeder der zu Ketamin (oder vergleichbarem) greift und nicht nur auf einen „coolen“ Trip aus ist sich allerdings auch mit Dormicum auskennen sollte ist das nichts was man diskutieren muss. Die Entscheidung fällt der Arzt vor Ort schon ganz alleine…
Äther
Wenn es gar nichts mehr gibt und nur noch Äther da ist kann man natürlich auch das versuchen. Ansonsten würde ich eher davon abraten. Äther ist äußerst schwer (bis gar nicht) steuerbar und hat sehr sehr viele Nebenwirkungen. Nicht umsonst sind zu Ätherzeiten viele Patienten trotz gelungener Operation nicht mehr aufgewacht…

Den Satz habe ich nicht verstanden. Magst du mir den noch mal erklären/umformulieren? Danke J
Schnaps und keine Narkose
Sofern es nicht besser geht funktioniert auch das. Hat es früher schließlich auch. Und bevor irgendjemand der es noch nie gemacht hat anfängt Anästhesist zu spielen wäre mir das als Patient glaube ich auch gar nicht so unrecht (zumindest im Nachhinein). Bei nicht auszuhaltenden Schmerzen haben wir Menschen ja zum Glück eh die „Schutzfunktion“ Bewusstlosigkeit…
(Es gibt übrigens Fallberichte von Menschen die sich erfolgreich ohne Narkose selber operiert haben.. selbst eine Blinddarm-OP gab es schon)





Was ein Notfallkoffer (auch wenn es immer mehr Rucksäcke werden *g*) ist wahrscheinlich jedem klar. Nur gibt es nicht DEN Koffer. D.h. man wird wahrscheinlich in keinen zwei Rettungsdienstbereichen (o.ä.) die gleiche Ausstattung geben. Zumal mittlerweile meist mit Systemen gearbeitet wird. D.h. es gibt z.B. einen Kreislaufkoffer, einen Sauerstoff/Atemwegskoffer, einen Koffer für Kindernotfälle, manchmal noch einen für Traumata, etc… Hier stellt sich immer die Frage Was man kann, was man will und was man dafür braucht. Zumal der Inhalt typischerweise auf die Akut- und Notfallmedizin ausgelegt ist, somit nur für eine recht kurze Zeitspanne der Versorgung. Problematisch wird in einem vorausgesetzten Szenario aber das Langzeitüberleben. Menschen die in der Akutsituation tödlich erkranken, bzw. verletzt sind wird man eh nicht mehr retten können. Ein Prinzip, dass schon in der Katastrophenmedizin, also in einem viel kleineren Rahmen zur Geltung kommt.

Wen es aber trotzdem interessiert, ich suche da gerne mal was raus..

Hallo Hunted,
danke für den sachlichen Input :Gut:

Wie gesagt, ich bin ja schon etwas älter, und wir haben früher Pat. im Notfall schon mal cervical immobilisiert, indem wir sie auf einer Trage mit elastischen Binden über Stirn, Schultern, Brustkorb und Becken an die Trage gewickelt haben. Bevor die Sicherheitsgurte Pflicht waren, gab es einfach soviele Schwerverletzte bei den Unfällen, dass man oft auf Behelfsmittel zurückgreifen mußte.

Was das Paracetamol angeht: ich habe 2 1/2 J. in den USA gearbeitet. Die Standarddosis ist dort: 1 g alle 4 Stunden = 6 g tägl. Ich habe dort nie jemanden mit Leberschädigung durch PCM gesehen und kenne auch keinen Kollegen, der so etwas schon mal erlebt hast. Ist dir so ein Fall schon mal begegnet? Dann will ich meine Meinung gern revidieren. Ich bin bisher der Ansicht, das ist ein Medikament, was schon sehr lange auf dem Markt ist, dessen Wirkungen und Nebenwirkungen bekannt sind, und das sind schon mal starke Argumente. Bei uns in der Gegend (ich arbeite in Schleswig-Holstein) ist gerade Ibuprofen als Selbstmordmedikament aktuell. Es ist eben, wie Hahnemann gesagt hat: "Alles ist Gift. Es ist die Dosis, die macht, ob etwas Gift sei oder nicht".

Aus dem Stromausfall-Bericht für die Bundesregierung geht hervor, dass bereits 10 Min. nach Stromausfall (!) die Notfallvorsorgung stark eingeschränkt ist. Die Handymasten funktionieren zum größten Teil nicht mehr, in Ballungsgebieten kommt es zu Verkehrsstillstand infolge des Ampel-Ausfalls und vermehrtem Unfallaufkommen. Auch die Leitstelle hat keinen Strom! Wenn jemand es schafft, den Notdienst zu alarmieren, kommen die nur schlecht durch. Wenn das Benzin zu Ende ist, gibt's ein Problem, denn Tankstellen funktionieren auch mit Strom.
Nach 7 Tagen fangen die Patienten in den Krankenhäusern an zu sterben, weil die Versorgung dann dort vollständig zusammengebrochen ist.
Und ich dachte immer, ich seh schwarz.....meine Vorstellungen waren der reinste Ponyhof dagegen :traurig:

Äther und Ketamin: Unter optimalen Bedingungen will ich eine optimale Narkose geben und auch bekommen. Unter Katastrophenbedingungen könnte ich mir sogar wieder Äther vorstellen. Klar, alles andere als optimal, aber wozu haben wir mal die Stadien der Narkose am Beispiel von Äther gelernt :rolleys: Inhalationsanästhesie war früher ja die übliche Narkose, davon sind wir ja inzwischen auch weitgehend abgekommen. Mein Gott, hat sich die Medizin in den 40 Jahren entwickelt, seit ich damit angefangen habe!

Ich hoffe sehr, dass diese Szenarien nie eintreffen und fürchte, dass die Vorstellung eines längeren Stromausfalls noch eine sehr zivile Variante der Katastrophe ist.

ID 3077
08.03.2012, 10:15
Vielen Dank ChrisHamburg für die Liste! Im Prinzip ist das ja eine Hausapotheke mit Ergänzungen.

Was ich persönlich noch hinzufügen würde wäre Dextromethorphan als Hustenblocker. Natürlich funktioniert das mit dem Dampf inhalieren gut, nur bleibt manchmal keine Zeit (oder keine Ressourcen?) dafür. Ein fieser Reizhusten kann einem den Schlaf rauben.

Ich denke viele Teilnehmer hier würden sich über Tipps zu Antibiotika freuen. Wenn ich mir das richtig vorstelle, könnten bakterielle Infektionen im Krisen-/Katastrophenfall für einen Grossteil der Todesfälle verantwortlich sein. Hier wären kompetente Informationen sicher sehr nützlich, welche Antibiotika du zur Bevorratung empfehlen kannst.
Hustenblocker ist eine gute Idee, ich setze ihn noch auf die Liste

Rundfrage an die Medis hier: ich lebe so hoch im Norden, wißt ihr zufällig, ob die Resistenzen sich ungefähr bundeseinheitlich entwickelt haben, oder gibt es da größere Unterschiede, welche Antibiotika regional angewendet werden?

ID 2638
08.03.2012, 15:19
...
Es ist eben, wie Hahnemann gesagt hat: "Alles ist Gift. Es ist die Dosis, die macht, ob etwas Gift sei oder nicht".
...


Hat das nicht Paracelsus schon ein paar Jahrzehnte früher postuliert? :rolleys:

Vielen Dank jedenfalls für die Listen, zumindest bei der Wundversorgung bin ich da ja durch meine Aktivitäten als Pferdesamariter schon recht gut ausgestattet. Zwar sind die Verpackungseinheiten und auch die Kaliber der Instrumente da ein wenig üppiger dimensioniert als für Menschen üblich, aber in der Not hilft viel viel.

Kochsalzlösung habe ich übrigens über meinen Patronanztierarzt (quasi mein tiermedizinischer Betreuer) in 1-Liter-Kunststoffgebinden bezogen, gibt aber auch deutlich größere Packungen (z.B. 5-Liter-Beutel, davon tankt man im Notfall schon den ein oder anderen in ein ausgewachsenes Pferd), kosten grade mal ein paar Euro und halten eine ganze Weile. Dazu habe ich auch noch ein Infusionsbesteck (allerdings keine Braunüle), damit kann man sich nämlich die Kochsalz-Lösung unter den Arm klemmen und mit dem Schlauch die Wunde ausspülen.

Weitere Ausrüstungsgegestände, die mir empfohlen wurden, sind Kanülen und Skalpellklingen (jeweils steril verpackt) zur Splitterentfernung (wie von ChrisHamburg aufgelistet) und Arterienklemmen (jeweils eine gerade und eine gebogene, Kostenpunkt etwa € 15,- pro Stück).

Ebenfalls beim Tierarzt gibt es sehr stabile selbsthaftende Fixierbinden, auch in gedeckten Farben, für wenig Geld. Wobei "wenig Geld" natürlich immer relativ ist, bei einem Pferd gehen schon einige Euro an Verbandsmaterial für einen einzigen Verband auf. Wenn man den dann noch ein oder zwei Wochen lang täglich wechseln muß läppert sich das. Einen riesigen Vorrat an Verbandmaterial habe ich mir nicht angelegt, aber über ein Wochenende reicht es für ein Pferd locker, für einen Menschen entsprechend länger.

Papa Bär
08.03.2012, 17:13
Die Klemmen solltest du aber wirklich nur dann einsetzen, wenn definitiv nicht mit chirurgischer Hilfe gerechnet werden kann, sonst machst du damit die Arbeit für den Gefässchirurgen nur schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich.

Ich hab einen von der Sorte in der Familie, und der hat mir geraten es beim Nähset, Nadelhalter, Pinzetten, Skalpell und Schere zu belassen; die Wundversorgung damit könne sich wirklich jeder selbst beibringen. Alles was darüber hinausgeht, hat kaum Aussichten auf Erfolg.

Aus eigener Erfahrung: Zum Üben eignet sich hervorragend eine möglichst frische Schweinshaxe...

Gresli
08.03.2012, 18:09
Noch etwas, das man gut und relativ günstig einlagern kann: Wasserstoffperoxid zum desinfizieren.

Grüsse, Gresli

ID 3077
08.03.2012, 18:18
Noch etwas, das man gut und relativ günstig einlagern kann: Wasserstoffperoxid zum desinfizieren.

Grüsse, Gresli

Hallo Gresli, mein letzter Wissensstand war, dass Wasserstoffperoxid und fast alle anderen Desinfektionsmittel außer Octenisept sich in der Wunde sehr nachteilig auswirken (Verminderung des leukozytären Schutzwalls= die Abwehrzellen des Körpers reichern sich spontan am Rand der Verletzung an und werden durch Desinf. stark gestört); auch soll es zu einer vermehrten Schädigung des Wundgewebes kommen. Deshalb spülen heute eigentlich alle mit Kochsalz.

Gresli
08.03.2012, 18:28
Hallo Chris,

Danke!

so etwas ähnliches habe ich mir schon gedacht, als ich bei meinem Hausarzt den Finger darin "baden" musste. Er hat mir gesagt, es sei zwar nicht mehr so üblich, finde aber es sei immer noch das Beste.

Aber eben, so ist mein Hausarzt (und der der ganzen näheren Familie). Nicht immer ganz konventionell, trozdem mag ich ihn!

Aber Peroxid ist ja nicht nur zum desinfizieren von Wunden.

Grüsse, Gresli

ID 2638
09.03.2012, 09:21
Die Klemmen solltest du aber wirklich nur dann einsetzen, wenn definitiv nicht mit chirurgischer Hilfe gerechnet werden kann, sonst machst du damit die Arbeit für den Gefässchirurgen nur schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich.
...


Die Einsatzmöglichkeiten für die Klemme durch einen Laien sehe ich ohnehin als sehr begrenzt an, die Oberschenkelarterie wäre vielleicht ein Kandidat. In "normalen" Zeiten, also bei aufrechter medizinischer Infrastruktur, kommt ohnehin zuerst der Notruf und dann erst unter Anleitung eine intensivere Erstversorgung. Wenn kein Notruf abgesetzt werden kann und der Patient recht eindeutig zu verbluten droht, dann würde ich im Zweifelsfall aber eher die Klemme setzen. Besser der Gefässchirurg hat es schwer als keinen Patienten mehr.

Mitten in der Zivilisation bei einem "Schnitt im Finger" nur aus purer Einsatzgeilheit gleich mit einer Arterienklemme auf den Patienten loszugehen wäre natürlich ein Unding.

Zum Thema "eindeutig verbluten" hätte ich an die Wissenden noch eine Frage: Welcher Blutverlust ist denn für einen Menschen noch erträglich? Hab von der Ausbildung nur den Wert für Pferde im Kopf (10 Liter), bei einem Menschen kann man aber auf diese Menge Blut lange warten, so viel weiß ich grade noch.

ID 3077
09.03.2012, 11:52
Ich habe hier mal einen Link zum Leitfaden für die ärztliche Versorgung im Katastrophenfall (sehr lange Quelle)
http://www.inqa.de/externalblob/dokumente/1568

ID 2902
09.03.2012, 13:10
Kleine Anmerkung am Rande, bei Kleinkindern wird oft ohne Narkose/Lokalanästhesie genäht, denn die Naht bedeutet oft nur 6 Stiche, die Narkose mind. auch zwei oder sogar drei (z.B. am Finger) somit wird ein Kind oft einfach fixiert (das darf die Mutter oder die Helferin erledigen) und der Arzt tut sein Werk so schnell wie möglich.

Papa Bär
12.03.2012, 11:39
Für die örtliche Betäubung gibt es frei verfügbar eigentlich nur Emla-Salbe (Lidocain), ist zwar recht teuer, reicht aber z.B. für das Setzen von Wundnähten völlig aus. Wenn man nicht unverträglich reagiert, wäre sie evtl. sogar für dentistische Zwecke geeignet

Papa Bär
12.03.2012, 12:13
Hallo Sam,
danke für den Link. Hast du Band2 auch schon irgendwo verlinkt?

LG
Papa Bär

Papa Bär
12.03.2012, 12:46
Hab's gerade schnell überflogen. Ist zwar viel Bürokratie drin, aber auch äußerst nützliches. Danke für den Link, auch an Chris...

ID 3077
12.03.2012, 18:01
Auch als "Der Satz des Paracelsus" bekannt :)

Zum Thema Anästhesie/Notfall-OP:
Wie schaut es denn mit Lokalanästhetika aus? Mir ist nur bei Augen- und Zahnärzten sogenanntes "Zahnarztkoks" bzw Cocain-Lösung für lokale Betäubung für die Augen geläufig, bzw spontane Gewebeabkühlung bei Sportverletzungen (Eisspray, gekühltes Metall).
Was gibt es denn da für Alternativen? Also für Leute ohne DocCheck-Account oder die Möglichkeit verschreibungspflichtige Medikamente zu bekommen/bunkern?
Würde mir doch etwas seltsam vorkommen, beim örtlichen Straßenapotheker Koks für medizinische Zwecke zu kaufen ;) (Nicht, dass ich Berührungsängste hätte, oder gar moralische Bedenken... aber der Reinheitsgrad kann zwischen 20% und 85% so ziemlich überall liegen und man weiss natürlich auch nicht, ob derjenige jetzt mit Edelweiß [Milchzucker] oder mit Waschpulver oder mit was auch immer gestreckt hat)
Gibt es da für den Haus- und Hofgebrauch nur Salben oder auch Injektionsmedis?

So long,
Sam

Ich habe gerade mal die Rote Liste aufgeschlagen:
-Für die Haut zum Betäuben bei Splitterentfernung und bei Kindern vor Benutzung einer spitzen Nadel: EMLA Creme (Apothekenpflichtig)
-Zum Vereisen: Chloraethyl Dr. Henning (nicht apothekenpflichtig) oder OLBAS Sportspray (apothekenpflichtig)
-Zur örtlichen Betäubung bei Wundversorgung injizierbar: Scandicain zur örtlichen Betäubung (2 % ) sowie Xylocain 2 % (apothekenpflichtig)
-für die Augen und Schleimhäute: Novesine 0,4 % (rezeptpflichtig - sind alle Anästhetika für die Augen)

Bis auf die Augentropfen ist anscheinend keines rezeptpflichtig laut meiner Roten Liste (ist jetzt nicht die 2012, sollte aber noch aktuell sein).

Papa Bär
12.03.2012, 18:10
Danke Chris, da werde ich bald nochmal bei meiner Apotheke nachfragen. Die haben nämlich behauptet, alles injizierbare gibt's nur auf Rezept

ayalana
12.03.2012, 20:47
Hallo Chris,

das Thema Lokalanästhetikum hatte ich zufällig auch heute in der Apotheke, als ich meine homöopatische Hausapotheke abgeholt habe.
Ich hab die Dame stumpf gefragt, ob es rezeptfreie Lokalanästhetika gibt, welche im Notfall gespritzt werden können.
Die hat mich angeguckt, als wenn ich vom anderen Stern komme...ich hab es dann lieber gelassen...sonst hätte ich ihr noch erklären müssen, dass ich es ggf. für die Notfallextraktion eines Zahnes haben möchte. Ich glaube, dann hätte sie mich verhaften lassen:Cool:...

Du schreibst:
"Zur örtlichen Betäubung bei Wundversorgung injizierbar: Scandicain zur örtlichen Betäubung (2 % ) sowie Xylocain 2 % (apothekenpflichtig)"

Ich habe eben mal gegoogelt und gelesen, das beide Mittel rezeptpflichtig sind...hm, ich denke ich frage noch mal die Apotheken-Gehilfin meines Vertrauens :confused:.

Gruß
aya

Papa Bär
12.03.2012, 20:54
Dann bleibt es wohl doch bei Emla-Salbe als einzigem frei erhältlichen Lokalanästhetikum?

Waldschrat
12.03.2012, 21:00
Hallo Chris,

das Thema Lokalanästhetikum hatte ich zufällig auch heute in der Apotheke,
...
Ich hab die Dame stumpf gefragt, ob es rezeptfreie Lokalanästhetika gibt, welche im Notfall gespritzt werden können.

Hallo Ayalana,

Lidocain 1% Injektionslösung ist in D rezeptfrei zu erhalten, siehe z.B. http://shop2.bodfeld-apotheke.de/product/lidocain-presselin-1-injektionsloesung.315307.html

Üblicher Disclaimer: Wer sich eine Motorsäge kauft, sollte gelernt haben, damit umzugehen und die Regeln für sicheres Arbeiten kennen. Für Medikamente gilt gleiches.

Viele Grüsse

Matthias

ayalana
12.03.2012, 21:03
Wobei man ja auch berücksichtigen sollte, das die Emla-Salbe ja nur ein Oberflächenanästhetikum ist. Das ist im Notfall wirklich nicht besonders hilfreich...

ayalana
12.03.2012, 21:06
Hallo Matthias,

berechtigte Anmerkung...Fachwissen ist aber vorhanden! Jedesfalls zahnmedizinisches, für Motorsägen nicht...

Danke Dir für die Info!

Gruß
aya

ID 3077
14.03.2012, 12:10
Hallo Chris,

das Thema Lokalanästhetikum hatte ich zufällig auch heute in der Apotheke, als ich meine homöopatische Hausapotheke abgeholt habe.
Ich hab die Dame stumpf gefragt, ob es rezeptfreie Lokalanästhetika gibt, welche im Notfall gespritzt werden können.
Die hat mich angeguckt, als wenn ich vom anderen Stern komme...ich hab es dann lieber gelassen...sonst hätte ich ihr noch erklären müssen, dass ich es ggf. für die Notfallextraktion eines Zahnes haben möchte. Ich glaube, dann hätte sie mich verhaften lassen:Cool:...

Du schreibst:
"Zur örtlichen Betäubung bei Wundversorgung injizierbar: Scandicain zur örtlichen Betäubung (2 % ) sowie Xylocain 2 % (apothekenpflichtig)"

Ich habe eben mal gegoogelt und gelesen, das beide Mittel rezeptpflichtig sind...hm, ich denke ich frage noch mal die Apotheken-Gehilfin meines Vertrauens :confused:.

Gruß
aya

Ich hatte es aus der Roten Liste abgeschrieben, die ich zu Hause habe, die aber nicht die aktuelle ist. Eben habe ich mich noch einmal in die Rote Liste im Internet eingeloggt. Manche Lokalanästhetika sind rezeptpflichtig, manche nicht. z.B. wie oben schon erwähnt von Waldschrat, Lidocain 1 % ist rezeptfrei, auch Chloraethylspray Dr. Henning, und natürlich die Emla-Creme.
Nicht mehr rezeptfrei sind Xylocain u. Scandicain. Sorry für den Fehler !:Sagenichtsmehr:

DocAlmi
14.03.2012, 14:02
Hi Community !


Ohhhhmmmmmmmm, da muss ich gaaaanz ruhig bleiben.

----------I---------- ( Mitte finden)

So, wie war die Frage?
Achso, Lokale Betäubung.
Wozu nochmal?
Mir fällt da irgendwie nix ein, was Laienrelevant oder Katastrophenrelevant sein könnte.
Abgesehen dass man eine Notambulanz aufbauen möchte, um dort Fach-kundigen die Möglichkeit zu geben, Ihr Wirken zum Wohle der Allgemeinheit oder der eigenen Familie bereitzustellen.

Aber so für den Eigengebrauch?

Welches Szenario ich mir auch immer vorstelle, ne "Lokale" braucht es kaum wirklich.
Finger und Zehenamputationen?
Als Laie eh kaum vorstellbar, dass so eine OP halbwegs brauchbare Stümpfe oder ein funktional vernünftiges Ergebnis zu Tage fördert.
Irgendwelche zerquetschten oder nicht mehr durchbluteten Anhängsel kriegt man auch ohne lokale Narkose ab.

Ahh Gesichts-OP´s: Ja klar, wer Zeit hat sich über Kosmetik Gedanken zu machen, dem gehts recht prima.
Komplizierteres im Gesicht: Viel Spass ohne Kenntnis der anatomischen Strukturen eine Oberlidrekonstruktion oder eine durchschnittene Wange wieder hinzubekommen.
Da ist die Komplikation eventuell sogar massiv vorprogrammiert.

Schnittwunden nähen, also oberflächlichen Kram:
Geht ohne Narkose genausogut, is halt unangenehm für den Betroffenen.
Selbst bei Kindern geht das prima. Übrigens ohne "fixieren" wie oben gesagt. Sogar eher im Gegenteil. Halt mal nen 6jährigen mit ner Platzwunde fest ohne Zuhilfenahme von doppelseitigem Klebeband und mittelalterlichen Streckbänken.
Schick die Mutter raus n Kaffe holen, nimm ne nette Schwester mit ruhiger Art mit und rede mit dem Kind. Funktioniert fast immer. Zur Not mir Erdbeereis bestechen.
Erziehung ist eine besondere Art der Erpressung....

Alles andere... Ich kenn Lokalanaesthesie sinnvollerweise nur bei anderen Massnahmen, z.b. bevor ich einen suprapubischen Kathether durch die Bauchdecke in die Blase ramme. Na ja, Kosmetik wiegesagt. Wenn die Spritze runterfällt dann reiss ich deswegen auch keine neue Packung auf und ich schwöre... der Pateint merkt keinen Unterschied.

Grössere Bauch OP´s oder sowas in lokaler Versuchen?

Klappt nicht. Anderslautende Berichte sind heroische Einzelfälle, die nicht verallgemeinert werden können oder schon von Anfang an Ammenmärchen sind.

Ich bewege mich seit Jahrzehnten draussen, oft auch sehr weit abseits ( mehr als 10 Tage) von der Zivilisation und noch nie habe ich die Notwendigkeit verspürt, Lokalanaesthesie dabeizuhaben.
Ich nehm übrigens auch kein Paracetamol mit.

Achso weiter oben schreibt wer was dazu. Ich mein sogar ein Kollege.
Ja, mir sind in den letzten 2 Jahren sicher 3 Patienten bekannt, die durch Paracetamol in 2 Fällen irreversible Leberschäden davongetragen haben und auch das Blöckchen mit den schwarzen Essensmarken gegen Abgabe des Löffels erhalten haben. Der andere hat die Kurve so eben nochmal gekriegt.
Handelsübliche Dosierung in appellativ-suizidaler Absicht in Kombi mit Maria Krohn im einen und Jane Daniels im anderen Fall.
Blöd gelaufen, beide wollten nicht sterben, wollten Ihrer Freundin nen Schreck einjagen und meinten, das könne doch nicht so gefährlich sein, denn schliesslich aben sie das ja ohne Rezept bekommen.
beati pauperes spiritu.... ( vgl. (Matthäus, 5,3, Asterix, Zenturio Hohlenuss Bd. XIV Seite 15, Quadratus Bd.XVII Seite 13 )
Deswegen macht es schon Sinn.
Der eine weiter oben, der sich beschwerte warum das Lidocain rezeptpflichtig ist:
Googeln hilft.
Lidocain kann in Verbindung mit einem Herzrythmusproblem-Patienten die finale Erlösung von allen Schmerzen, lokal und generell, bedeuten.


So,. ich muss wieder arbeiten, nix für ungut.

Almi

DocAlmi
14.03.2012, 18:39
War auch net bös gemeint, Sam.

Vor Lidocain braucht man auch nicht so Angst zu haben, in den Dosierungen, in denen das per Salbe auf die Haut kommt denk ich ist ein Herzeffekt nur sehr schwer nachzuweisen.
Nur: Der Apotheker kann nicht einschätzen, was Du damit vorhast. Und er weiss nicht, ob er gerade die tausendste Apotheke ist, die Du anfährst und sein Ampüllchen den Hektoliter vollmacht.
Aaaaaapropos:
Wasserstoffperoxid ist durchaus geeignet, unerwarteten Polizeibesuch zu verursachen. Auch hier kommt es auf die Menge an...
Aber die Verschreibungspflichtigkeit von Medikamenten hat schon seinen Sinn. Auf welche Gedanken die Leute kommen, wissen wir spätestens seit der Geschichte mit der Katze in der Mikrowelle.

Ach ja Zahnbehandlung. Aus leidvoller eigener Erfahrung weiss ich wie weh es tut, wenn ein Backenzahn aus dem Oberkiefer gerupft wird, ohne Narkose.
Aber auch hier gilt: Selbst mit dem passenden Medikament, der passenden Kanüle etc. hätte ich nix tun können, da ich halt kein Zahnarzt bin und selbst wenn weiss ich nicht ob das ein Zahnarzt hinkriegt : Mit Spiegel sich selbst in die richtige Stelle zu pieksen.

Dennoch: Den Gedanken, so etwas zu bevorraten, damit mir im Fall der Fälle jemand, der es verwenden könnte, genau dann helfen kann; das kannich nachvollziehen.
Wobei ich mache mir gerade Gedanken über die Wahrscheinlichkeit.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ich in eine solche Situation gerate, wo normale Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, dennoch genügend Menschen da sind, dass per Zufall ein versierter sagen wir mal Zahnarzt zugegen ist, dem aber dann genau das Medikament fehlt, das ich brauche und ich ohne wesentliche Kenntnis genau das dann vorrätig habe.
Aber da kommt man nah an das Weltanschauliche und diese Diskussion ist nicht gut zu führen, da das dann jeder selber entscheiden muss.
Ich würd mir Gedanken machen um Lagerung und Haltbarkeit... sind das nicht alles irgendwelche Ester?
Wie gut halten die Temperaturschwankungen aus? Eventuell bringt das weiter für die Diskussion als meine zugegebenermassen polemischen Äusserungen.


Gruss Almi

DocAlmi
14.03.2012, 19:54
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Gresli
14.03.2012, 20:21
Hallo,

Frage an die Damen und Herren Doktoren:

(Ist zwar ein bisschen OT, aber weil die Bevorratung von Desinfektionsmittel auch angesprochen wurde)



mein letzter Wissensstand war, dass Wasserstoffperoxid und fast alle anderen Desinfektionsmittel außer Octenisept sich in der Wunde sehr nachteilig auswirken (Verminderung des leukozytären Schutzwalls= die Abwehrzellen des Körpers reichern sich spontan am Rand der Verletzung an und werden durch Desinf. stark gestört); auch soll es zu einer vermehrten Schädigung des Wundgewebes kommen. Deshalb spülen heute eigentlich alle mit Kochsalz.

Das Desinfektionsmittel sich negativ auf die Wundheilung auswirken war mir bekannt, erscheint mir als Laie auch logisch, da es ja nicht selektiv auf Organismen, bzw. Zellen wirkt.

Auch wusste ich, dass die Säuberung einer Wunde (notfalls mit Seife und Bürste, bitte korrigieren wenn ich falsch bin) wichtiger ist als das Desinfizieren.

Trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass man am Anfang einmal desinfiziert (um die bösen Viecher von Ausserhalb zu drangsalieren) und erst danach nichts mehr auf die Wunde tut, was mir ebenfalls einleuchten würde.

Was ist jetzt genau empfehlenswert (auch in Anbetracht der Tatsache, dass ich bei meinem Hausarzt den verletzten Finger zuerst in Wasserstoffperoxid baden musste)?


Liebe Grüsse, Gresli

Waldschrat
14.03.2012, 22:00
Hallo,

Frage an die Damen und Herren Doktoren:



Hallo Gresli,

die Warnung vorweg: Ich bin kein Mediziner, alles hier gesagte nach bestem Wissen, aber unter Laienvorbehalt.

Das im Vorgängerbeitrag genannte Octenisept, obwohl es das als Allerweltsmittel beinahe überall zu kaufen gibt (meines Wissens in D nicht apothekenpflichtig), ist keineswegs harmlos. Es darf z.B. nicht bei tiefen Wunden verwendet werden, da der Wirkstoff Octenidin, wenn er in der Wunde verbleibt, zu Gewebeschäden führen kann. Wasserstoffperoxid hat dagegen die angenehme Eigenschaft, dass es in ziemlich kurzer Zeit restlos in Wasser und atomaren Sauerstoff (das desinfizierende Agens) zerfällt.

Bei Wasserstoffperoxid ist unbedingt die Konzentration zu beachten! Die 3%ige wässrige Lösung, die üblicherweise in Drogerien verkauft wird, ist okay und meiner Meinung nach gut geeignet. Die andernorts (Laborbedarf, Wasseraufbereitung) erhältlichen höheren Konzentrationen führen zu Gewebeschäden. Warnung insbesondere zu der 30%igen Lösung aus dem Laborbedarf, die Null könnte im Notfallstress schnell und mit üblen Folgen übersehen werden! Wer schon mal einen Spritzer 30%iges H2O2 auf der intakten(!) haut hatte, der weiss, warum man diese Konzentration nicht in einer Wunde haben will!

Nachteile von Wasserstoffperoxid sind

a) die begrenzte Lagerfähigkeit (Selbstzersetzung), insbesondere bei höheren Temperaturen, es bleibt wirkungsloses Wasser übrig.

b) seine unangenehme Eigenschaft zu teilweise heftigen Reaktionen mit einer Reihe anderer Stoffe. Versehentliche Kontamination mit geringsten Mengen diverser Metallsalze oder -oxide kann z.B. zu spontaner autokatalytischer Zersetzung des gesamten Flascheninhalts unter Spritzen und Hitzeentwicklung führen.

Wasserstoffperoxid ist meiner Meinung nach nicht für einen Notfallrucksack geeignet. Als Alternative sei die gute alte Iodtinktur erwähnt, heute als Tinktur oder Salbe in der moderneren stabilen Darreichungsform Povidon-Iod (Anwendung ist im Gegensatz zu alkoholischer Iod-Iodkalitinktur alten Stils auch nicht mehr mit unangenehmem Brennen verbunden)

Povidon-Iod hat gegenüber Octenidin z.B. den Vorteil eines breiteren Wirkungsspektrums, es wirkt auch sporizid und der Wirkungseintritt erfolgt sehr schnell. Wie bei allen Iodpräparaten: Bei Schilddrüsenerkrankungen nicht ohne ärztlichen Rat anwenden.

Ich nehme für Flächendesinfektion normales und billiges Isopropanol, für Wunddesinfektion habe ich ein Fläschchen Povidon-Iod (Sepso J Lösung) im Rucksack. In CH oder A mag es das unter anderen Handelsnamen geben, dem Apotheker reicht Povidon-Iod als Angabe.




Auch wusste ich, dass die Säuberung einer Wunde (notfalls mit Seife und Bürste, bitte korrigieren wenn ich falsch bin) wichtiger ist als das Desinfizieren.

Trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass man am Anfang einmal desinfiziert (um die bösen Viecher von Ausserhalb zu drangsalieren) und erst danach nichts mehr auf die Wunde tut, was mir ebenfalls einleuchten würde.

Was ist jetzt genau empfehlenswert (auch in Anbetracht der Tatsache, dass ich bei meinem Hausarzt den verletzten Finger zuerst in Wasserstoffperoxid baden musste)?


Auswaschen der Wunde, um Dreck und damit Bakterien zu entfernen ist sicher eine gute Lösung. Die Bürste würde ich meiden, wie keimfrei ist die? zudem besteht die Gefahr, den Schmutz erst richtig in die Wunde reinzureiben. gegen eine milde(!) Seife ohne Zusätze wie Duftstoffe o.ä. ist sicher nichts einzuwenden.

In DACH ist Leitungswasser zum Auswaschen gut geeignet, da sehr keimarm, alternativ abgefülltes trinkwasser, Oberflächenwasser aus dem nächsten Teich sicher nicht. Bei kleinen Wunden ist es mangels Wasser (z.B. draussen) auch keine dumme Idee, nicht gleich blutstillende Massnahmen zu ergreifen und die Wunde erst mal etwas bluten zu lassen, auch das schwemmt den Schmutz aus. Dass das bei stark blutenden Wunden nicht gilt, versteht sich.

Meine laienhaften 2 Cent.

Matthias

Weiher
14.03.2012, 23:38
Dann bleibt es wohl doch bei Emla-Salbe als einzigem frei erhältlichen Lokalanästhetikum?

Gibt noch Xylocain-Pumpspray, wirkt besonders gut auf Schleimhäuten bzw. im Dentalbereich. Enthält 10% Lidocain.
Habs bei mir auch schon bei Abschürfungen genommen. Ist nur leider auf normaler Haut nahezu unwirksam.

Hunted
16.03.2012, 11:03
Wie gesagt, ich bin ja schon etwas älter, und wir haben früher Pat. im Notfall schon mal cervical immobilisiert, indem wir sie auf einer Trage mit elastischen Binden über Stirn, Schultern, Brustkorb und Becken an die Trage gewickelt haben. Bevor die Sicherheitsgurte Pflicht waren, gab es einfach soviele Schwerverletzte bei den Unfällen, dass man oft auf Behelfsmittel zurückgreifen mußte.


Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Mir ging es nicht um das Device „Halskarause“ an sich, sondern nur darum, dass das eine ohne das andere keinen Sinn macht. D.h. ihr habt damals das gleiche gemacht, wie es heute auch gemacht werden sollte – halt nur mit mehr Improvisation. Also: Top!




Was das Paracetamol angeht: ich habe 2 1/2 J. in den USA gearbeitet. Die Standarddosis ist dort: 1 g alle 4 Stunden = 6 g tägl. Ich habe dort nie jemanden mit Leberschädigung durch PCM gesehen und kenne auch keinen Kollegen, der so etwas schon mal erlebt hast. Ist dir so ein Fall schon mal begegnet? Dann will ich meine Meinung gern revidieren. Ich bin bisher der Ansicht, das ist ein Medikament, was schon sehr lange auf dem Markt ist, dessen Wirkungen und Nebenwirkungen bekannt sind, und das sind schon mal starke Argumente. Bei uns in der Gegend (ich arbeite in Schleswig-Holstein) ist gerade Ibuprofen als Selbstmordmedikament aktuell. Es ist eben, wie Hahnemann gesagt hat: "Alles ist Gift. Es ist die Dosis, die macht, ob etwas Gift sei oder nicht".


Ja, mir ist trotz meines jungen Alters so ein Fall schon persönlich "passiert". Mann mittleren Alters nach Leistenbruch-OP, der es mit der Selbstmedikation zu Hause etwas zu gut gemeint hatte und nun dank eines akuten Leberversagens schnellstens zurück in die Klinik musste. Der zunächst klinische Verdacht bestätigte sich später im Labor. Meine er hätte ca. 6,5g genommen (die Tage davor auch Paracetamol, allerdings in Normaldaosierung). Habe auf deine Frage hin gestern mal mit unserem Zentrallabor telefoniert und nachgefragt wie oft die ein ALV bei Paracetamolintoxikation sehen. Sie meinten es wäre doch schon recht häufig, auch bei niedrigeren Dosierungen. Natürlich abhängig von Vorerkrankung, Begleitmedikation, Enzymfunktion und Leberschädigung. Interessant dabei die Anekdote von dem „Suizidenten“ der nicht nur 1 ½ Packungen Paracetamol, sondern auch gleich eine Packung Acetylstein einnahm… Also auch wenn es im Einzelfall sicher Sinn machen kann die Tageshöchstdosis zu überschreiten sollte man hier vorsichtig sein, bzw engmaschig die Leberwerte kontrollieren.
(Zur Erklärung Acetylstein (ACC) wird als Antidot bei Paracetamolvergiftungen verwendet. Aus Acetylcystein syntehtisiert der Körper Cystein (http://de.wikipedia.org/wiki/Cystein), eine schwefelhaltige Aminosäure, welche er zur Bildung von Glutathion (http://de.wikipedia.org/wiki/Glutathion), einem speziellen „Tripeptid“ benötigt. Glutathion spielt beim Abbau schädlicher Substanzen in der Leber („Entgiftung“) eine wichtige Rolle. Speziell beim der Biotransformation (Abbau) von Paracetamol durch Cytochrom P450 (http://de.wikipedia.org/wiki/Cytochrom_P450) (ein Enzym) entsteht N-Acetyl-p-benzochinonimin, welches Leberzellen zerstört und durch Glutathion neutralisiert werden kann. ACC kann somit die Leberschädigung verhindern oder zumindest reduzieren.)

Ibuprofen als Suizidmittel ist mir noch nicht unter gekommen. Interessant wie regional verschieden die „Trends“ hier zu sein scheinen…



Das im Vorgängerbeitrag genannte Octenisept, obwohl es das als Allerweltsmittel beinahe überall zu kaufen gibt (meines Wissens in D nicht apothekenpflichtig), ist keineswegs harmlos. Es darf z.B. nicht bei tiefen Wunden verwendet werden, da der Wirkstoff Octenidin, wenn er in der Wunde verbleibt, zu Gewebeschäden führen kann.

Vollkommen richtig. Octanisept ist ein super Desinfektionsmittel, darf aber nicht in Cavernöse (Höhlenartige) oder sich selbst verschließende Wunden eingebracht werden. Es ist also nur zum „ausspülen“ geeignet, darf aber nicht in der Wunde/Wundhöhle verbleiben. Sonst kann es auch hier zu Wundheilungsstörungen, resp. Nekrosen kommen. Zu dieser Problematik hat es in jüngerer Vergangenheit einige Veröffentlichungen gegeben. Die Problematik scheint also zunehmend bekannt zu werden.

Was das Wunde säubern angeht, sollte die Bürste schon sehr sauber (neu) sein, oder zumindest gründlich desinfiziert. Gerade bei Naturprodukten kann sich hier einiges an Keimen anreichern und so in die Wunde übertragen werden. Seife, egal ob mild oder nicht gehört in keine Wunde. Sie (zer)stört durch ihre Zusammensetzung das normale Wundmilieu. Zu Wasserstoffperoxid wurde schon genug gesagt. Gibt Einzelfälle in denen in richtiger Dosierung eine Einsatz an Wunden gerechtfertigt sein kann, aber das sind wie gesagt Ausnahmen. Ansonsten aber für die Flächendesinfektion geeignet (mit den von Matthias genannten Einschränkungen.)

(PVP)Iodislösungen für die Desinfektion sind beliebt und meist auch gut geeignet (ich liebe sie) – man muss sich nur sicher sein, dass der Nutznießer keine Allergie hat. Denn auch wenn die selten ist kann sie fatale Folgen haben. Also immer nachfragen und im Zweifelsfalle lieber weglassen, bzw. Octanisept nutzen.



Vor Lidocain braucht man auch nicht so Angst zu haben, in den Dosierungen, in denen das per Salbe auf die Haut kommt denk ich ist ein Herzeffekt nur sehr schwer nachzuweisen.


EMLA-Salbe ist tatsächlich als eher unbedenklich einzuschätzen (Vorsicht allerdings bei Säuglingen!) hat aber den Nachteil, dass sie recht lange braucht bis sie wirkt und wie bereits angesprochen nur die oberflächliche Hautschicht betäubt. Für alles andere als den Nadelpieks abzuschwächen also eher nicht geeignet.

Injektionsfähiges Lidocain/Xylocain/Scandicain ist in D übrigens immer rezeptpflichtig. Habe gerade extra noch mal nachgesehen. Hier auch nicht ohne Grund. Die Gefahren wurden ja bereits schon erläutert. Sollte also wirklich nur von jemanden angewendet werden, der sich damit auskennt.

ID 3077
16.03.2012, 14:14
Ja, mir ist trotz meines jungen Alters so ein Fall schon persönlich "passiert". Mann mittleren Alters nach Leistenbruch-OP, der es mit der Selbstmedikation zu Hause etwas zu gut gemeint hatte und nun dank eines akuten Leberversagens schnellstens zurück in die Klinik musste. Der zunächst klinische Verdacht bestätigte sich später im Labor. Meine er hätte ca. 6,5g genommen (die Tage davor auch Paracetamol, allerdings in Normaldaosierung). Habe auf deine Frage hin gestern mal mit unserem Zentrallabor telefoniert und nachgefragt wie oft die ein ALV bei Paracetamolintoxikation sehen. Sie meinten es wäre doch schon recht häufig, auch bei niedrigeren Dosierungen. Natürlich abhängig von Vorerkrankung, Begleitmedikation, Enzymfunktion und Leberschädigung. Interessant dabei die Anekdote von dem „Suizidenten“ der nicht nur 1 ½ Packungen Paracetamol, sondern auch gleich eine Packung Acetylstein einnahm… Also auch wenn es im Einzelfall sicher Sinn machen kann die Tageshöchstdosis zu überschreiten sollte man hier vorsichtig sein, bzw engmaschig die Leberwerte kontrollieren.
(Zur Erklärung Acetylstein (ACC) wird als Antidot bei Paracetamolvergiftungen verwendet. Aus Acetylcystein syntehtisiert der Körper Cystein (http://de.wikipedia.org/wiki/Cystein), eine schwefelhaltige Aminosäure, welche er zur Bildung von Glutathion (http://de.wikipedia.org/wiki/Glutathion), einem speziellen „Tripeptid“ benötigt. Glutathion spielt beim Abbau schädlicher Substanzen in der Leber („Entgiftung“) eine wichtige Rolle. Speziell beim der Biotransformation (Abbau) von Paracetamol durch Cytochrom P450 (http://de.wikipedia.org/wiki/Cytochrom_P450) (ein Enzym) entsteht N-Acetyl-p-benzochinonimin, welches Leberzellen zerstört und durch Glutathion neutralisiert werden kann. ACC kann somit die Leberschädigung verhindern oder zumindest reduzieren.)

Ibuprofen als Suizidmittel ist mir noch nicht unter gekommen. Interessant wie regional verschieden die „Trends“ hier zu sein scheinen…



Vollkommen richtig. Octanisept ist ein super Desinfektionsmittel, darf aber nicht in Cavernöse (Höhlenartige) oder sich selbst verschließende Wunden eingebracht werden. Es ist also nur zum „ausspülen“ geeignet, darf aber nicht in der Wunde/Wundhöhle verbleiben. Sonst kann es auch hier zu Wundheilungsstörungen, resp. Nekrosen kommen. Zu dieser Problematik hat es in jüngerer Vergangenheit einige Veröffentlichungen gegeben. Die Problematik scheint also zunehmend bekannt zu werden.

Was das Wunde säubern angeht, sollte die Bürste schon sehr sauber (neu) sein, oder zumindest gründlich desinfiziert. Gerade bei Naturprodukten kann sich hier einiges an Keimen anreichern und so in die Wunde übertragen werden. Seife, egal ob mild oder nicht gehört in keine Wunde. Sie (zer)stört durch ihre Zusammensetzung das normale Wundmilieu. Zu Wasserstoffperoxid wurde schon genug gesagt. Gibt Einzelfälle in denen in richtiger Dosierung eine Einsatz an Wunden gerechtfertigt sein kann, aber das sind wie gesagt Ausnahmen. Ansonsten aber für die Flächendesinfektion geeignet (mit den von Matthias genannten Einschränkungen.)

(PVP)Iodislösungen für die Desinfektion sind beliebt und meist auch gut geeignet (ich liebe sie) – man muss sich nur sicher sein, dass der Nutznießer keine Allergie hat. Denn auch wenn die selten ist kann sie fatale Folgen haben. Also immer nachfragen und im Zweifelsfalle lieber weglassen, bzw. Octanisept nutzen.



EMLA-Salbe ist tatsächlich als eher unbedenklich einzuschätzen (Vorsicht allerdings bei Säuglingen!) hat aber den Nachteil, dass sie recht lange braucht bis sie wirkt und wie bereits angesprochen nur die oberflächliche Hautschicht betäubt. Für alles andere als den Nadelpieks abzuschwächen also eher nicht geeignet.

Injektionsfähiges Lidocain/Xylocain/Scandicain ist in D übrigens immer rezeptpflichtig. Habe gerade extra noch mal nachgesehen. Hier auch nicht ohne Grund. Die Gefahren wurden ja bereits schon erläutert. Sollte also wirklich nur von jemanden angewendet werden, der sich damit auskennt.

Hunted, Danke für deinen fundierten Beitrag. Da für mich "deine Erfahrung sind auch meine Entscheidungsgrundlage" gilt, werde ich beim Paracetamol jetzt auch immer an die Leber denken . :lächeln:
Übrigens, Lidocain 1 % war gestern in der Roten Liste online rezeptfrei. Ich stimme dir voll zu, dass Lokalanästhetika starke Nebenwirkungen haben können und man sollte nur verwenden, was man auch beherrscht ! Das gilt für alle Medikamente auf meiner Liste. Im Zweifel lieber einen Arzt fragen!" Auch wenn der vielleicht keine Medis mehr hat, hat er noch das Wissen. Im übrigen würde ich meine Vorräte nur für mich, meine Familie und enge Freunde benutzen. Für die Allgemeinheit gehe ich davon aus, dass ich in einer öffentlichen Einrichtung arbeite, falls es so etwas gibt. Sonst reicht jeder Vorrat nicht lange. Das wird im Ernstfall eine sehr schwierige Abwägung sein.

ID 2638
18.03.2012, 18:51
Vielleicht noch ein Kriterium zur Entscheidung zwischen (Povidon-)Iod und Octenisept im Notfallgepäck: Iod färbt eine Wunde sehr stark rotbraun, Octenisept ist dagegen farblos. Sollte die Desinfektion von einem Laien durchgeführt und etwas später ein Arzt konsultiert werden, dann erschwert die Färbung dem Arzt mitunter die Beurteilung der Wunde. Bei Anwendung durch einen Arzt wird dieser natürlich zuerst die Wunde beurteilen und dann erst desinfizieren, daher spielt die Färbung in diesem Fall keine Rolle.


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