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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gerste zu Graupen verarbeiten



Steinmetz
21.10.2012, 14:39
Ich habe mich dieses Jahr mal ein wenig im Getreideanbau im eigenen Garten versucht... meine Wahl fiel auf (Sommer-)Gerste, da anspruchslos und vielfältig verwertbar. Eigentlich wollte ich diese Gerste mälzen zum Bierbrauen, aber dazu fehlt mir dieses Jahr erstens irgendwie die Zeit und zudem hab ich soviel Apfelmost (Äpfel bei der ganzen Nachbarschaft zusammengesammelt, bei denen verrotten die Früchte an den Bäumen:staun:), daß ich kein Bier brauche um Alkoholtechnisch über den Winter zu kommen:rolleys:.
Drum hab ich mir überlegt, einfach Rollgerste (Graupen) draus zu machen... nur weiß ich nicht so recht, wie ich die Dinger polieren soll... Ich werds mal mit meinem Vibrations-Edelsteinpoliergerät und etwas Quarzsand probieren, das geht bestimmt... aber das muss doch auch einfacher gehen. Vielleicht hat jemand von Euch sowas schonmal gemacht?

Steinmetz
06.11.2012, 18:30
Wenn meine augenblickliche Steinpolitur durch ist, werd ich mich im Gerste-Polieren versuchen, kann sich nur um Tage oder Wochen handeln:rolleys: Mal sehen, wenn ich mir einen Foto ausleihen kann, wirds zusätzlich zum Erfahrungsbericht bebildert...

nashua
06.11.2012, 19:01
Es erschließt sich mir nicht ganz warum du Graupen herstellen willst. Sie sind ernährungstechnisch so wert"voll" wie weißer polierter Reis. Warum möchtest du dir die Mühe machen? Wäre Couscous da nicht besser?

schau mal hier:
Couscous Couscous wird aus Hartweizen, Gerste oder Hirse hergestellt. Hierfür werden die Getreidekörner mit oder ohne Schale grob zerkleinert. Inzwischen wird es vor allem maschinell erstellt, denn die traditionelle Herstellung ist sehr aufwendig und zeitintensiv.
Couscous ist vor allem in der nordafrikanischen Küche sehr beliebt. Es wird gedämpft und als Beilage gereicht.
Graupen

Zur Herstellung von Graupe werden Gerstenkörner, manchmal auch Weizenkörner, in Graupenmühlen enthülst, geschält und poliert.
Da beim Schälen sowohl Randschicht als auch Keimling entfernt werden, sind sie nicht besonders reich an Nährstoffen (http://www.ernaehrung.nl/html/naehrstoffe.html) und für eine Vollwerternährung (http://www.ernaehrung.nl/html/vollwerternaehrung_nach_koerbe.html) nicht empfehlenswert. Enthalten sind jedoch noch Eisen, Zink und Mangan. Graupen dienen u.a. als Zutat für Suppen und Eintöpfe. In manchen osteuropäischen Ländern reicht man sie auch als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten.

Steinmetz
07.11.2012, 17:53
Das ist ganz einfach:rolleys:: Ich hab Gerste aus dem eigenen Garten...
Da das Entspelzen bei Diesem Getreide eine äusserst "bescheidene" Arbeit ist und ich zum Mälzen keine Lust und obendrein auch keinen Bedarf hab, will ich schauen wie ich meine Gerste irgendwie genussfähig bekomme... Ausserdem sind sie mit meinen hauseigenen Mitteln im Vergleich zu Couscous vermutlich deutlich leichter herzustellen... Graupen haben halt durch die Kriegsgeneration den schlechteren Leumund... ich mags aber trotzdem, hab meine Mama geschimpft, daß ich diese Leckerei erst selber für mich entdecken musste:Zunge raus:... Sie HASST diese Gerichte regelrecht.
Ausserdem schadet es nicht, erstmal klein anzufangen... aber im Moment ist eh erst noch die 400er Körnung am Edelstein schleifen... dauert also noch ein bisschen.

Henning
08.11.2012, 21:11
Drum hab ich mir überlegt, einfach Rollgerste (Graupen) draus zu machen... nur weiß ich nicht so recht, wie ich die Dinger polieren soll... Ich werds mal mit meinem Vibrations-Edelsteinpoliergerät und etwas Quarzsand probieren, das geht bestimmt... aber das muss doch auch einfacher gehen. Vielleicht hat jemand von Euch sowas schonmal gemacht?

Hast Du wenigsten Nacktgerste angebaut ?
Ansonsten viel Spaß beim entspelzen.

Für kleine Mengen würde ich eine großen Mörser probieren. Allerdings werden die die Bruchstücke sehr unterschiedlich groß, und da Du damit
nicht polieren kannst, klebt das ganze dann beim kochen.

Oder ganze Körner kochen, oder nur ganz grob gebrochene.

Ansonst wirst du dir eine richtige Mühle bauen oder beschaffen müssen.
Für Graupen braucht es einige Mahlgänge, dazwischen muß immer gesiebt und gesichtet werden.

Ich mußte auch mal shcmerzlich erfahren, das man Buchweizen schälen muss.
Da merkt man immer erst, was einen die Indusdrie an Arbeit abnimmt.

Steinmetz
13.08.2013, 12:01
Äh, seit wann gibts "Nacktgerste"? Gerste ist ein Spelzgetreide, dachte ich immer. Genauso wie Hafer oder Dinkel.

ID 801
13.08.2013, 14:28
@Steinmetz

Mach doch Malz aus der Gerste, brauchst nichts zu entspelzen. Bier ist auch ein Grundnahrungmittel. ;-)

Henning
13.08.2013, 22:14
Äh, seit wann gibts "Nacktgerste"? Gerste ist ein Spelzgetreide, dachte ich immer. Genauso wie Hafer oder Dinkel.

Hier ein paar Sorten: http://sortenhandbuch.arche-noah.at/arten/18-gerste

Steinmetz
15.08.2013, 15:35
So... wieder was dazugelernt. --> Ist KEINE Nacktgerste, also hab ich meinen speziellen Spass:rolleys:
Nach nun fast einem Jahr hab ich endlich nach dem Abstossen meiner Firma wieder Zeit für Experimente.
Seit einem Jahr liegt die Ernte vom Vorjahr bei mir im Regal, jetzt wirds Zeit.

Ich hab die Ähren letztes Jahr nur auseinandergebröselt und Grannen und Strohreste nur grob entfernt. Da es keine Nacktgerste ist, wäre alles an weiterer Mehrarbeit ein DEUTLICHES mehr an Arbeit gewesen.
Ich hab ein Gerät mit dem ich normalerweise Kiesel und Halbedelsteine poliere.
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Also liegt nahe, daß ich dieses Gerät einfach zweckentfremde. Malzherstellung hatte ich mir auch gedacht, aber das ist mir im Moment zu zeitintensiv, mach ich evtl das nächste Mal. Grundgedanke war zunächst, daß ich die Körner einfach nur so reinkippe und dann den Spirator so lange vibrieren lasse, bis die Spelzen abgerieben sind... Von diesem Gedanken bin ich aber abgekommen, weil ich mir denke, daß die Körner einfach zu leicht sind um ausreichende Zerspanungsarbeit leisten zu können... Ein Schleifmittel muss also her... --> Steine
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Das Experiment läuft im augenblicklichem Moment. Aber was ich sehr schnell bemerkt habe: Strohreste und Grannen verbinden sich hervorragenderweise zu "Gewöllen", die leicht rausgefischt werden können.

Nach ca 10min merkte ich, daß sich nicht viel Anderes regt...
Also hab ich mehr Steine (scharfkantige) nachgekippt, bis die Steine beim Vibrieren angefangen haben zu klappern...
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Circa eine halbe Stunde Später waren die übrigen Grannen und Strohreste so klein, daß ich mi dachte, daß man sie nun leicht durch Windsichtung entfernen kann. Vorher war das nur bedingt möglich, da die Grannen etc einfach zu lang waren und die Hälfte an Korn dadurch gleich mit verweht wurde.
Wie gesagt, jetzt war es ohne weiteres Möglich, da die Teile nur sehr klein waren... Dafür beißts bei mir jetzt überall am Körper:staun: Verwendet habe ich meine Goldwaschpfanne, die bei mir irgendwo in der Gegend rumgelegen hat. Diese ist aber zu klein zum Sichten. Eine Pfanne mit mind. 60cm Durchmesser wäre vermutlich besser, da man mit der kleinen Pfanne sehr aufpassen muss, durch Streuung nicht zuviel zu verlieren.
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Nun wieder ab in den Spirator, Steine dazu und weiter gehts...
Fortsetzung folgt...

Steinmetz
15.08.2013, 18:39
Nach 2h fangen die Spelzen nun langsam an sich zu lösen und der "Schleifstaub beginnt sich weißlich zu verfärben...:sleep: Ist zwar alles irgendwie etwas ineffektiv, aber ich glaub auch ganz fest, daß es auch sehr schonend ist und mehr Nährstoffe als gewöhlich erhalten bleiben:unschuldig::lächeln:.
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Steinmetz
16.08.2013, 13:03
Nach einigen Stunden (ca. 4h) Schleifen und zweimal Sichten später sind IMMER noch Reste von Spelzen an den Körnern... Bitter... Sowas von Hartnäckig.

13473 vor und nach dem letzten Sichten13474

Mir ist inzwischen klar, WARUM man Gerste so rigoros ohne Rücksicht auf Verluste poliert hat... Das Entspelzen ist MÜHSAMST!
Vermutlich sollte ich mir mal bei Gelegenheit Mahlsteine machen.
Das ist bei Couscous vermutlich genauso. Also ist es wurscht was ich gemacht hätte...
Das nächste Mal wird gemälzt!:lächeln:
Aber erstmal gehts weiter...:unschuldig:

Steinmetz
16.08.2013, 21:09
So... nach einem insgesamt 8h (!!!!) Versuch, die Spelzen mit Steinen mit Hilfe Spirator abzuschleifen, sah es immer noch so aus wie beim letztem Bild... Ich hab gedacht ich verreck.
Aber dann, haha, überleg ich mir, Du bis doch nicht doof und versuchst es an einem alten Grabstein als Mahlstein und einem Handstein als Mühlstein --> Vergiss es... das einzige, was ich geschafft hab ist, daß ich die Körner gequetscht und gebrochen habe (Couscous?). Beim Versuch hinterher, die hinteher (immer noch nur teilweise:censored:) abgelösten Spelzen zu entfernen, bewirkte ich nur, daß das entstandene Mehl und die Hälfte der Bruchstücke davonsegelte... (die Vögel wirds freuen).
Nun hab ich den Versuch abgebrochen und geb mich den Körner geschlagen... Aber Rache ich Blutwurst: die wandern nun in den Hasenfutternapf:grosses Lachen:!


Was hab ich aus der Sache gelernt:
- Entspelzen wird extrem unterschätzt
--> Muss entweder herausfinden wie das geht, sonst wird das im "Ernstfall" nichts:Schwitz:
ODER Gerste und Spelzgetreide werd ich bis dahin nur als Tierfutter verwenden
ODER ich lerne Mälzen und ernähre mich nur noch flüssig

nashua
16.08.2013, 21:28
Frag doch mal in einem Freilichtmuseum wie das früher gemacht wurde. Die wissen es vielleicht. Gerste gibt es doch schon lange, aber Nacktgerste doch sicher nicht.

Schau mal das wurde in der Urzeit genommenhttp://de.wikipedia.org/wiki/Dreschschlitten

Steinmetz
17.08.2013, 00:11
Ich bin schon Mitglied in einem Freilichtmuseum:rolleys:... (die machen WENN nur Sortenausstellen. Das Zeug wird nicht verwendet)
Und ich muss gestehen, daß ich überall wo ich nachgeforscht hab nicht diesbezüglich gefunden hab. Im Gegenteil, ich hab vernommen, daß sich die Archäologie auch keine Ahnung hat, wie die Leut es damals gemacht haben(z.B. beim Jungsteinzeitexperiment: http://www.youtube.com/watch?v=AvrEF-SDma8 --> ganz nett übrigens)

---> Wäre also auch wissenschaftlich gar ned so schlecht, das rauszubekommen...

Henning
17.08.2013, 12:18
Aber dann, haha, überleg ich mir, Du bis doch nicht doof und versuchst es an einem alten Grabstein als Mahlstein und einem Handstein als Mühlstein

Probiere es mal mit so einer Mühle: http://www.getreidemuehle.com/de/getreide-handmuehlen-granit-mahlstein-und-keramik-mahlstein/handgetreidemuehle-modell-mh4-korund-keramik-detail.html

Die hat von den Handmühlen noch mit den größten Mahlstein und Du kannst sie auch grob genung einstellen. (Ansonsten ist so eine Konstuktion wohl eher unpraktisch).
Mühsam wird es trotzdem: 1. Mahlgang - sieben - ganz,ganz wenig feiner stellen, 2. Mahlgang - sieben usw.

Steinmetz
23.08.2013, 00:37
Danke, aber mir gings mit der "Mühlsteinprobe" darum, eventuell alte Methoden besser zu verstehen.
Das Experiment mit dem Spirator hatte ja ursprünglich den Zweck, die Materie überhaupt mal zu verstehen. Ist zwar zugegebenermassen etwas unortodox, aber immerhin vergingen seit der Ankündigung bis zur Durchführung des Experiments ein ganzes Jahr. Gelernt habe ICH viel draus.


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