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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Teich anlegen ohne Frischwasserzufuhr - sinnvoll?



NachtWolff
27.05.2013, 20:16
Hallo zusammen!

Nach einem Gespräch mit meinen Eltern wäre es evtl. möglich in 1-2 Jahren ihr Grundstück zu übernehmen. Es handelt sich um ein großes Grundstück, zu dem noch ein verpachteter Acker gehört (ca. 100mx300m). Da die Pacht nicht wirklich viel Geld einbringt, wollen meine Eltern die Fläche anders nutzen und verschiedene Bäume pflanzen. Seit dem Gespräch geht mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf:

Wie wäre es, einen großen Teich von ca 50m x 100m anzulegen und dort Fische zu halten?

Mein Vater riet mir davon ab, da es für diesen Teich keinen Frischwasserzu- bzw. Ablauf geben würde. Die Gefahr, das der Teich "umkippt" und ich einen stinkenden Tümpel vor der Haustür hätte sei sehr hoch.

Ich fände es allerdings sehr entspannend, Abends an dem eigenen Teich zu sitzen und zu entspannen. Für den Notfall hätte ich sogar noch eine Prima Lebensmittelquelle:lachen:

Was haltet ihr von der Idee? Umsetzbar, oder lieber aufhören rumzuspinnen?

Alternativ könnte man auf einer solchen Fläche ja auch Gefrügel, oder andere Nutztiere halten. Allerdings sind meine Frau und ich voll berufstätig und könnten uns nicht täglich um die Tiere kümmern (Vom "in den Urlaub fahren" mal ganz zu schweigen).

ID 3537
27.05.2013, 20:25
Servus NachtWolff,

ich habe einen kleineren Teich ohne Frischwasserzufuhr, außer Regenwasser.
7x4x1,2.
Mit der Zeit entwickelt sich ein riesen Algenproblem, dass ohne Chemie fast nicht in den Griff zu bekommen ist.
Jeden Tag ca 1/2 Stunde Algen fischen, und trotzdem brauche ich immer wieder auch Fadenalgenvernichter. Sonst habe ich nur noch Algen.
Ich weiß nicht ob ich die Fische aus meinem Teich noch essen möchte.
Vorallem Fische bringen einen hohen Nährstoffeintrag mit sich. Alle großen Fischteiche haben Zu- und Abfluss. Damit können Nährstoffe auch ausgeschwemmt werden.
Deine Größe scheint mir für einen zuflusslosen Teich doch etwas zu groß, wahrscheinlich kommst du auf 10000 m3 Wasser. Diese Größe wäre mit Zu- und Abfluss super.

lg

Norbert

Henning
27.05.2013, 20:45
Wie wäre es, einen großen Teich von ca 50m x 100m anzulegen und dort Fische zu halten?


Teich geht auch ohne Zu- und Abfluß.

Nachteile:

- Wasserstand wirst Du nicht regulieren können
- nur geringe Besatzdichte möglich (Du braust dann aber auch nicht füttern)
- Temperatur steigt im Sommer höher (Sauerstoffgahlt sinkt entsprechen) Teich nicht zu flach hilft etwas.

Was ist den um den geplannten Teich drumherum?
Landwirschaftlichge Nutzflächen sind problematisch (Nährstoffeintrag, was der Bauer sonst noch auf versprüht, weht der Wind auch mal in den Teich),
ohne Wasserwechsel besonders kritisch.

Wo willst Du mit Aushub hin ?

NachtWolff
27.05.2013, 21:43
Tja, das mit den Algen habe ich mir schon fast gedacht. Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass diese Algen besonders gut in flachen Teichen (max. 1m Wassertiefe) besonders gedeihen. Bei "meinem" Teich bin ich jetzt einfach mal von 3-6 Metern Wassertiefe ausgegangen.

@ Henning:
das Grundstück liegt an einem kleinen Berg und ca 50 Meter von einer Straße entfernt. Mit dem Aushub könnte ein kleiner Wall (ca. 1 Meter hoch, 100 Meter lang) zu Straße als Lärmschutz aufgeschüttet werden. Der Krach nerft mich jedesmal, wenn ich meine Eltern besuche:verärgert:.
ansonsten würde der Aushub benützt, um die Unebenheiten des Geländes auszugleichen.

Um den Teich herum würden Wiese, Bäume oder anderes Gebüsch gepflanzt. Der nächste Acker wäre ca. 50 Meter entfernt.

Bevor die Frage kommt: Ne, habe mich noch nicht um Genehmigungen irgendwelcher Art gekümmert -> Teich graben, Aushub zu Wall aufschütten...

drudenfuss
27.05.2013, 21:48
Prinzipiell geht auch ein Teich ohne Zu- und Abfluss. Die Hauptfragen sind jedoch, wohin mit dem Aushub, woher das Wasser und wie das Versickern größerer Wassermengen verhindern?

hamster
27.05.2013, 22:37
Egal wie Du es angehst erfordert das Projekt größere Erdarbeiten und du musst das Problem des Versickerns lösen. Unter den Bedingungen würde ich 3 - 4 kleinere Teiche mit z.B. 5 x 10 x 2 anlegen, die aber höhemäßig versetzt sind. Man kann dann Pumpentechnisch eine Zirkulation erreichen, einzelne für Wartung etc trockenlegen, mit Fischarten experimentieren. Dies bietet mehr Möglichkeiten als ein großer Teich.

Cephalotus
27.05.2013, 23:12
Es ist völlig normal, dass ein neuer Teich ein "Algenproblem" bekommt, außer man bekommt das Ding völlig nährstoffarm hin. Das ist einfach der Lauf der Natur und passiert auch, wenn auf natürliche Weise ein neuer Teich entsteht.
Diese Algen muss man entfernen und wenn man das 1-3x gemacht hat sollte das Problem eigentlich gelöst oder erheblich reduziert sein. Algen sind dann in Zukunft nur noch ein Problem von zu vielen Nährstoffe (idR Phosphat) entweder durch Laub, zu viele Fische (in Kombination mit Fütterung), Eintrag über die Oberfläche oder weil der Teich viel zu klein ist...

Dramatisch ist es natürlich, im Teich nährstoffreiches Substrat zu verwenden.

Es mag Ausnahmen geben, aber idR muss man einen Teich sich selber einregeln lassen und Algen gehören zum natürlichen Lauf der Dinge bei einem neuen Teich.

Es ist sehr hilfreich wenn man die Algen bei übermäßigem Wuchs entfernt, gerade anfangs will man nicht zuviel faulende organische Masse am Teichboden haben...

- - - AKTUALISIERT - - -




Um den Teich herum würden Wiese, Bäume oder anderes Gebüsch gepflanzt...

Wiese ist gut, Büsche wenn dann an die Nordseite, keine Bäume. Zum einen sind die Wurzeln gefährlich, zum zweiten das Laub und zum dritten der Schatten. Bei einem so großen Teich mag etwas Schatten allerdings ok sein, vielleicht sogar günstig, hängt auch von Deinem Klima ab.

Was machst Du eigentlich in einem heißen Sommer wie 2003? Da musst Du wahrscheinlich 100.000 Liter Wasser nachfüllen?

mfg

tomduly
28.05.2013, 11:40
Hallo,

grundsätzlich funktioniert in unseren Breiten ein Teich, wenn er gross genug ist, ohne zusätzliche Wasserzufuhr ausser Niederschlag.

Bei Fischbesatz bzw. Fischzucht ist das Problem, dass man sehr schnell zu viele Fische hat und der Teich überdüngt wird (durch die Fäkalien der Fische und durch den massiven Futtereinsatz) was dann zum Algenwachstum führt. Algen sind immer ein Zeichen für zu grossen Fischbestand. Bei meiner Schwiegermutter funktioniert der Gartenteich (mit ca. 20.000 Litern) seit Jahren ohne jegliche künstliche Wasserzufuhr auch mit relativ hohem (Gold-)Fischbesatz und einer beachtlichen Froschpopulation nur deshalb gut, weil sie das Wasser permanent durch einen UV-Teichklärer umwälzt. Als dessen Röhre mal ausfiel, merkten wir es daran, dass innerhalb weniger Tage das Wasser komplett neongrün war und sich auch Fadenalgen bildeten. Nach dem Lampenwechsel dauerte es knapp eine Woche und das Wasser war wieder klar.

Zur Algenbekämpfung würde ich einen UV-Strahler, durch den das Wasser umgewälzt wird auf jeden Fall vorziehen. Fängt man an, den Teich mit Chemie zu bearbeiten, wird es problematisch, teilweise muss man auch aufpassen, was erlaubt ist (z.B. in Gewässerschutzgebieten) und chemische Algengifte (meist Metallverbindungen) wirken auch auf andere Mikroorganismen und letztlich landen sie in den Fischen und damit - bei Fischzucht - am Ende der Nahrungskette bei uns.


Tja, das mit den Algen habe ich mir schon fast gedacht. Allerdings bin ich davon ausgegangen, dass diese Algen besonders gut in flachen Teichen (max. 1m Wassertiefe) besonders gedeihen. Bei "meinem" Teich bin ich jetzt einfach mal von 3-6 Metern Wassertiefe ausgegangen.


Hast Du mal die Dimensionen Deines Teichs überschlagen?

50 x 100 x 3 (6) m = 15.000 (30.000) Kubikmeter macht bei durchschnittlich 1,5t pro Kubikmeter Erdreich 22.500 (45.000) Tonnen aus. Zum Vergleich: ein 4-Achser Kipper-LKW hat eine Nutzlast von 18t. Macht 1.250 (2.500) LKW-Fahrten. Viel Spass. Da lohnt sich auf alle Fälle der Kauf eines gebrauchten Baggers und eines LKWs.

Bedenke auch, dass der Teich dicht sein sollte. Entweder mit Teichfolie oder einer mindestens 50cm starken Lehmschicht ausgekleidet. Beides eine ziemliche Materialschlacht bei 5.000qm Grundfläche (beim Lehm kann man von 2t pro Kubikmeter ausgehen, macht 5.000t Lehmbedarf...).

Das Wasser für die Erstfüllung muss irgendwoher kommen, es sind ja immerhin 15 Millionen (30 Millionen) Liter. Allein durch Regen dürfte das Jahre dauern: in D fallen durchschnittlich 800l/qm und Jahr, d.h. bei 5.000qm dauert das dann 4 (8) Jahre - die Verdunstung mal vereinfachend weggelassen.

Schliesslich: bei einer Tiefe von 6m kann man schon in oberflächennahe (grund-)wasserführende Schichten vorstossen (übliche Schwengelpumpen z.B. fördern prinzipbedingt meist nur aus max. 7m Tiefe). Da möchte dann die Untere Wasserbehörde mit Sicherheit ein Wörtchen mitreden.

Ich glaube, ich würde mich nach einem Grundstück mit schon vorhandenem Teich umschauen... :lächeln:

Grüsse

Tom

flywheel
28.05.2013, 14:07
- Wie sieht es mit Äckern um das Grundstück herum aus, können Pestiziede eingeschwemmt werden? Oder Streusalz von der Straße?

- Wieviel Zeit kannst Du in der Woche für das Projekt in dem ersten Jahr frei machen. Wieviel in der Zukunft?

- Wie hoch kann der maximale Schaden bei Misslingen des Projektes sein? ( Familie Zeit Geld )

btw schnell mal eben iss nich !!!

stamp
01.06.2013, 11:40
Moin!
Habe einen kleinen Teich(5x5m1,2tief)ohne Zulauf.
Dieser senkt und füllt sich,je nach Regen&Sonne..

Umgekippt ist Dieser noch nicht,dafür wurde eine grössere Flachwasserzone
mit Schilf eingerichtet.

Ansonsten würde eine kleine Solarpumpe bisschen Schwung in das Ganze bringen.

Gruss

skippy
07.06.2013, 10:58
@nachtwolff

Als ehemaliger (hobbyTteichwirt mit so ca 10 jahren Erfahrung meine ich

Ja, das geht, wenn:

Du einen Grundwasserpegel hast, dass Du nicht nur auf Regenwasser angewiesen bist
mit Regenwasser allein geht das nie, sorry

Wenn du bis, sagen wir mal, auf 2m unter Grundwasserniveau runterbaggerst, kannst du durchaus Erfolg haben
wobei es durchaus Sinn macht, an einer Seite nur einen Meter tief zu baggern, den anderen Teil aber 3 meter tief zu machen

das Aushubmaterial musst du ja auch nicht wegführen, sondern kannst du ja auch im angrenzenden Bereich verteilen

zum Thema wasserkippen:

solange du keine exzessive Fischhaltung betreibst, wirst du hier kaum Probleme haben, >Schattenbereiche schaffen (Bäume und Sträucher) ist auch hier sinnvoll

Wir können uns gerne über das Thema vertiefen

lg Wolfgang

- - - AKTUALISIERT - - -

Du brauchst also im Grunde nur einen erfahrenen Baggerführer, einen guten Bagger für ihn, eine leistungsfähige Tauchsumpfpumpe (sonst steht der Bagger permanent im Wasser und ein wenig Kleingeld fürDdiesel und Hardware ;)

aber realisierbar wäre das schon...

ein tip: google mal > Himmelsteich

das sind Teiche, die nur aus Grundwasser oder Quellen gespeist werden...

skippy
07.06.2013, 11:16
noch was

lass mal ne Tiefenbohrung machen, um den Grundwasserpegel fest zu stellen, Auskunft darüber gibt dir das Gemeindeamt

mit dieser info weisst du dann, ob es Sinn macht, zu baggern..

NachtWolff
07.06.2013, 12:55
@ Skippy und natürlich auch alle anderen:
Dank für die Vielen hilfreichen Hinweise und Tips! Da sind Dinge aufgelistet, auf die ich vorher noch gar nicht gekommen war.
Allein durch Grundwasser wird sich der geplante Teich wohl nicht speisen lassen. Soweit ich weiss ist der Grundwasserspiegel in der Gegend zu tief. Aber die Sache mit der Bohrung klingt sehr gut! Dann weiß ich zumindest auch, ob ich mir einen eigenen Brunnen zulegen kann... aber as ist ein anderes Projekt!

Von meinem Vater habe ich jetzt mal die Umrisse des Grundstückes bekommen und es ist doch größer, als ich dachte (2,5 ha). Von den Kosten her werden die Investitionen in den nächsten jahren wohl ehr in Bäume Pflanzen und Umzäunung gehen.
Von der Tatsache mal abgesehen, dass mir das alles ja noch gar nicht gehört und das Haus ja auch renoviert werden müßte.....
Aber wie im Eingangsthread schon beschrieben: Es waren nur so Gedankenspiele! Im Moment steht das "Teich-Projekt" erst einmal hinten an.

Gruß NachtWolff

frieder59
17.06.2013, 20:43
Hallo Nachtwolf,


vielleicht wäre es zur prinzipiellen Abklärung der Wasserfrage auf dem Grundstück zuerst mal sinnvoll , von einem Bagger mal einen kleinen Weiher ausbaggern zu lassen, dann siehts Du auch gleich die einzelnen Bodenschichten. Für eine Probebohrung brauchst Du wahrscheinlich eine Genehmigung. Möglicherweise gibt es auf Deinem Grundstück je nach Bodenbaufbau mehrere Wasserhorizonte .
zB in zwei bis drei Meter erste wasserführende, feuchte Schicht
in ca .8 bis 10 m Oberflächengrundwasser > gibt es in der Gegend vielleicht gemauerte Brunnen in alten Anwesen ? Tiefer reichten früher in der Regel die Stoß und Saugpumpen nicht. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten ist dieses Wasser teilweise nicht als Trinkwasser verwendbar.

Klassisches Trin-/Grundwasser ist dann in größere Tiefe zu finden und wird dann mit Tauchpumpen gefördert.

Nachdem das Grundstück an einem liegt, könnte es vielleicht irgendwo Wasseradern geben. Ich glaub zwar nicht an Hokuspokus ,aber an der Rutengängerei ist irgendwas dran. Vielleicht könnte es sich lohnen , einen Wünschlrutengänger mal zu bitten, das Gelände abzulaufen. (Bei uns hat ein Rutengänger eine Wasserader geortet, ohne daß er die Örtlichkeiten, nämlich Lage des Brunnens und Feuchtigkeit im Keller kannte.


frieder


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