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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kann ein entzündeter Mückenstich zur Blutvergiftung führen?



Chimp
28.06.2013, 00:40
Es folgt die Beschreibung einer Entzündung und dessen Verlauf. Wer sich davor ekelt, sollte nicht weiterlesen.

Ich wurde kürzlich von einer Mücke an der linken Wade gestochen. Vermutlich entzündete sich dieser Mückenstich, nachdem ich mich während des Sports mit meinem rechten Sportschuh dort kratzte. Die entzündete Stelle schwoll innerhalb von zwei Tagen etwas an und es bildete sich um die Stelle herum ein roter Kreis von etwa 4 cm Durchmesser. Innerhalb dieses Kreises verfärbte sich die Haut rot und nahm eine wachsartige Oberfläche, ähnlich wie bei einem Gefrierbrand, an. Die Stelle verursachte lediglich geringe Schmerzen, wenn man mit dem Finger darauf herumdrückte, tat aber ansonsten nicht weh.

Ich beschloss den Mückenstich sich selbst zu überlassen und als sich nach zwei weiteren Tagen eine Eiteransammlung erahnen lies beschloss ich noch zwei Tage zu warten. Nach 1 1/2 Tagen hatte sich die Entzündung verschlimmert und die Eitersammlung beträchtlich zugenommen und ich beschloss, diese aufzustechen. Mit einer zuvor erhitzten Nadel tat ich dies und versuchte sämtliche Eiterrückstände herauszudrücken. Es floss kaum Blut und am Ende hatte ich ein etwa 1 1/2 mm tiefes Loch an der Stelle. Auf ein Pflaster verzichtete ich und lies das ganze an der Luft trocknen.

Es sind inzwischen 2 Tage vergangen und die Schwellung ist komplett zurückgegangen. Der rote Rand um die Wunde ist kaum noch zu erahnen und diese tut auch nicht mehr weh, wenn ich mit dem Finger darauf herumdrücke.


Nun stellt sich mir die Frage, ob dies als Ausnahme oder Präzedenzfall zu sehen ist. Ich habe bereits mehrfach gehört und gelesen, dass man generell Pickel und sonstige Eiteransammlungen auf keinen Fall aufstechen und am besten sich selbst überlassen soll. Als Begründung wird, z.B. in dem Buch "Fahrten, Ferne, Abenteuer", nur das Wort "Blutvergiftung" genannt.

Mit Nadeln in sich herumzustochern die man zuvor nur mit einem Feuerzeug "desinfiziert" hat halte ich, besonders in einer Notsituation, für keine sehr gute Idee aber es scheint sich bewährt zu haben. Wenn nun also jemand mit entsprechender Kenntnis sich zu dieser Thematik äußern könnte, wäre ich ihm / ihr sehr verbunden.

Vielen Dank im voraus

Frequenzkatastrophe
28.06.2013, 01:47
Guten Abend, Deine Fragestellung geht in Richtung Ferndiagnose, das ist bei den gegebenen Informationen nicht nur unmöglich, sondern wäre auch unprofessionell bis gefährlich.
In der Medizin "kann" alles passieren. Also ab zum Arzt!

scholle
28.06.2013, 07:47
Hallo Chimp!

Um die Frage in deiner Überschrift zu beantworten: Ja, das geht. Habe vor ca. 4 Jahren nach einem scheinbar völlig unproblematischen (ohne Eiter etc.) Insektenstich diffuse Schmerzen und den berühmten roten Strich den Arm hoch bekommen. Das Ganze wurde dann antibiotisch behandelt.

Gruß an die Kieler Förde von der Scholle

karpatenwolfes
28.06.2013, 08:03
Grundsätzlich muss natürlich der Kontakt von Eiter mit
Blut vermieden werden.
Eine Blutvergiftung von einem aufgekratzten Mückenstich
und einmal von einem gaaanz kleinen, auch aufgekratzten,
Wundschorf hatte ich auch schon mal.

Liebe Grüße vom Wolf

Chimp
28.06.2013, 12:24
Schonmal vielen Dank für Eure Antworten.


Guten Abend, Deine Fragestellung geht in Richtung Ferndiagnose, das ist bei den gegebenen Informationen nicht nur unmöglich, sondern wäre auch unprofessionell bis gefährlich.
In der Medizin "kann" alles passieren. Also ab zum Arzt!

Viel interessanter als eine Ferndiagnose zum derzeitigen Verlauf, welche, da stimme ich dir zu, aufgrund meiner Beschreibung sicher schwer bis unmöglich sein dürfte, wäre für mich die generelle Klärung der Frage, ob man in einer Notsituation, also wenn kein Arzt in der Nähe ist, die Entzündung aufstechen oder sich selbst überlassen soll.


Grundsätzlich muss natürlich der Kontakt von Eiter mit
Blut vermieden werden.

Also besteht darin die wesentliche Gefahr?

Alexis
28.06.2013, 13:14
Eiter und generell Schmutzpartikel oder Zeugs das nicht in den Blutkreislauf gehört.
Wenn man schon an sich selbst rumschnibbelt (übertrieben gesagt) sollte man wenigstens versuchen so steril wie möglich zu arbeiten. Es gab Zeiten, da sind Leute an sowas kleinem wie einem entzündeten Finger gestorben.

Ich persönlich fände es schwer zu entscheiden ab wann eine Wunde besser geöffnet und gereinigt werden sollte oder wann man sie belassen kann wie sie ist und auf die körpereigenen Abwehrkräfte vertraut. Es ist ja auch immer noch die Gefahr der unnötigen Narbenbildung dabei, wenn man ungeschickt dran rum macht (sagt eine die früher starke Akne hatte).

prepp
28.06.2013, 14:14
Mir wurde mal gesagt, dass eine Nadel vor so einem Eingriff besser mit (hochprozentigen) Alkohol desinfiziert wird als abzubrennen. Ruuspartikel, wie sie ein unreines Brenngas hinterlassen kann, können bereits wieder Verunreinigungen bringen.
Sonst stimme ich dir zu, Wunde desinfizieren und danach nicht verbinden, jedoch aber vor weiteren Verschmutzungen so gut wie möglich schützen.
Den Arzt hätte ich auch nicht früher aufgesucht als du...

Chimp
28.06.2013, 14:37
Zum Desinfizieren hatte ich nichts im Haus (nicht mal Hochprozentiges). Die Nadel selbst habe ich knapp neben die Feuerzeugflamme gehalten um das Problem des Verrußens zu umgehen.

Mir kam die Idee, dass man Nadeln o.ä. mit Mundwasser desinfizieren könnte, wenn man nichts anderes zur Hand hat. Das enthält in unserem Fall 60,5 Vol % Alkohol und brennt sogar (nicht nur in der Wunde, sondern auch nach dem Anzünden:rolleys:). Zur Not könnte man dort den Alkohol sicher auch herausdestillieren.

Fischer
28.06.2013, 14:55
Kann? Es kann immer etwas Unvorhergesehenes vorkommen, muss aber nicht.

Es kommt auch sehr oft auf die eigene Imunabwehr, bzw. die Fähigkeit des Körpers den Wundverschlusses wieder herzustellen.

Ein Bekannter von mir ist auf Insektenstiche sehr alergisch, die betroffen Stellen schwellen stak an, kann sogar mit Fieber enden.
Ich habe damit kein Problem. Bei meinem Grenzeinsatz im Burgenland gab es soviele Mücken und ebensoviele Stiche die ich abbekam. Es juckte fürchterlich.:Sagenichtsmehr:
Meine erfahrung daraus war;irgendwann spürte ich kaum noch neue Stiche und wenn ich nicht an den Stichstellen kratzte gab es am nächsten Tag keine juckenden Stellen mehr.

Kleine lokale Stellen mit Eiterbildung wird bei mir mit einer zuvor erhitzten Nadel aufgestochen, Eiter abfließen lassen und wenn dabei noch ein Tropfen Blut kommt ist einen rasche Heilung in Sicht. Auch wird die Wundstelle zuvor mit hochprozentigen Alkohol (Obstler :grosses Lachen:)gereinigt.

Wie gesagt das ist meine persönliche Vorgangsweise, lieber einmal den Arzt aufsuchen!

LG
Fischer

Frei's Petrollampen
28.06.2013, 18:23
Hallo zusammen

Ich sehe es so ...........

Logisch kann das eine Blutvergiftung geben. Denn auf die falsche Seite "aufgebrochen" und schon ist es passiert.

Es muss jeder selber entscheiden wie weit er in einer Entzündung "popelt".

Haben sicher die meisten schon gemacht ........, aber es soll keine Schule machen.

Jeder auf eigenes Risiko.

Viele Grüsse, Ernst

Hunted
28.06.2013, 18:57
Wie schon gesagt wurde. So lange es noch geht, zum Arzt. Alles andere sollte man nur versuchen, wenn dieser nicht zu erreichen ist, bzw. nicht mehr existiert.


Zum Desinfizieren hatte ich nichts im Haus (nicht mal Hochprozentiges).

Ändere das! http://www.survivalforum.ch/forum/images/smilies/027.gif



Die Nadel selbst habe ich knapp neben die Feuerzeugflamme gehalten um das Problem des Verrußens zu umgehen.

Grundregel: Metall sollte in dem Fall durchglühen bei so etwas. Ewaiger Ruß kann die Wunde zwar "verschmutzen" ist dann aber ebenfalls als steril zu betrachten. Macht also keine Probleme.



Mir kam die Idee, dass man Nadeln o.ä. mit Mundwasser desinfizieren könnte, wenn man nichts anderes zur Hand hat. Das enthält in unserem Fall 60,5 Vol % Alkohol und brennt sogar (nicht nur in der Wunde, sondern auch nach dem Anzünden:rolleys:). Zur Not könnte man dort den Alkohol sicher auch herausdestillieren.

In der Not vielleicht eine Idee, ansonsten würde ich aufgrund der anderen Inhaltsstoffe davon Abstand nehmen.
Und: Nicht in eine größere/tiefere Wunde einbringen, denn das dürfte dann recht sicher Probleme machen. Oberflächlich (wahrscheinlich) nicht so sehr.


Eiter ist übrigens nicht per se infektiös, sondern besteht zumeist auf abgestorbenen Makrophagen, also Abwehrzellen.

Itchy
28.06.2013, 18:58
Hallo Chimp,

ich möchte Scholles Antwort bekräftigen und Deine Frage mit einem deutlichen JA beantworten.
Ich habe bei einer Bekannten miterlebt, wie aus einem harmlosen Mückenstich durch das Kratzen mit vermutlich nicht sauberen Fingernägeln eine Sepsis wurde.
So etwas ist heutzutage aber mit Antibiotikum gut in den Griff zu bekommen.

Lieben Gruss,
Tina

Romal
28.06.2013, 20:32
Jap, Mückenstiche können sich wahrlich übel entzünden.... Das Problemsit halt, dass man nachts dran kratzt oder ähnliches.

Die Frage die sich mir noch stellen würde: Können Mücken direkt die Wunde infizieren (abgesehen von Malaria, Dengue,...) oder sind die relativ reinlich, was ihre Stechapparate angeht und die Krankheitsinfektion findet nur durch die Gerinnungshemmer der Mücke statt?


Revedere Romal

Hunted
28.06.2013, 20:41
Jap, Mückenstiche können sich wahrlich übel entzünden.... Das Problemsit halt, dass man nachts dran kratzt oder ähnliches.

Die Frage die sich mir noch stellen würde: Können Mücken direkt die Wunde infizieren (abgesehen von Malaria, Dengue,...) oder sind die relativ reinlich, was ihre Stechapparate angeht und die Krankheitsinfektion findet nur durch die Gerinnungshemmer der Mücke statt?


Revedere Romal

Grundsätzlich können auch Erreger, die eine lokale Infektion hervorrufen durch den Stech-/Saugapparat der Mücke (etc) übertragen werden - z.B. wenn diese vorher an Kot o.ä. "genascht" hat. In der Regel sind es allerdings wirklich fakulatativ pathogene Errger der residenten Hautflora (also Erreger, die ständig auf unserer Haut wohnen und nur schädlich sind, wenn sie durch Verletzungen in sie eindringen können), die entweder direkt an der Stichstelle waren oder (häufiger) durch unwilkürliches Kratzen von den Fingerspitzen/Nägeln unserer Hände kommen.

Mark Wilkins
28.06.2013, 21:07
Spätestens wenn Dein Bein schwarz wird und Du große Stücke raus schneiden kannst ohne Schmerzen zu haben, solltest Du zum Arzt gehen.... :rolleys:

Ansonsten würdest Du wahrscheinlich bereits Symptome einer Blutvergiftung haben, wenn dem so wäre. Denke also das dürfte es gewesen sein. Wenn Du Dir unsicher bist geh in die Notaufnahme, die sagen Dir innerhalb von 5 Minuten was Sache ist.

Big Mama
29.06.2013, 00:54
Meine Tochter, reagier extrem auf Mückenstiche, sie hat schon einige male eine Blutvergiftung bekommen und sie hat nicht daran rum gekratzt.

lg Big Mama

Sidge
29.06.2013, 02:00
Ich hab mir als junger Bub mal auf Grund eines Bremsen-Stichs eine Sepsis eingefangen. Hab es zunächst verdrängt und auch nicht dran rum gekratzt, aber wer weiß wo das .....-Vieh davor saß. Hätte mich fast meinen Arm gekostet. Ist etwas angeschwollen und jung wie ich war, hab ich nicht weiter drauf geachtet. Nach ein paar Tagen haben mich meine Eltern dann doch zum Arzt geschickt. Der meinte 1-2 Tage später und mein Arm wär nicht mehr zu retten gewesen.Auch wenn man es heutzutage mit Antibiotika recht gut in den Griff bekommt, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Brötliduft
07.07.2014, 23:24
Was Doktor A. Vogel in seinem Gesundheitsführer dazu sagt:

Es ist auffallend und beachtenswert, das in den letzten Jahren die Fälle, die vom einfachen Insektenstich zu starker Blutvergiftung führen,
immer zahlreicher werden.
Vermutlich mag das mit der zunehmenden chemischen Schädlingsbekämpfung zusammenhängen, denn es ist auffallend, wie sehr sich tierische
und pflanzliche Parasiten verändert haben und in gewissem Sinne resistent geworden sind, weshalb ihre Stoffwechselprodukte dadurch
viel giftiger sein kann.
Auch Insekten, die durch Insektizide nur vergiftet, aber nicht, wie beabsichtigt, getötet werden, können diese unter Umständen viel giftiger
wirken, wenn sie stechen, als dies früher der Fall war.

Wird der Insektenstich rot und beginnt stark zu schmerzen und ein roter Hof bildet sich, ist es höchste Zeit zu handeln:
Zuerst die Stelle mit unverdünntem Molkosan betupfen, dann etwas Watte in der Grösse eines Daumennagels mit Echinaforce tränken und
mit Leukoplast befestigen.

Das behebt die Entzündung, neutralisiert das Gift und bewahrt vor grösserem Schaden. Auch bei kleineren Wunden ist diese Anwendung
nützlich.

Es empfiehlt sich, die zwei erwähnten Mittel nebst Watte und Leukoplast auf Reisen stets Griffbereit dabei zu haben.
Kleine Ursachen mögen grosse Auswirkungen mit sich bringen, wenn nicht rasche Hilfeleistung mit den richtigen Mitteln erfolgen kann.

***

Habe es getestet und bin sehr überrascht gewesen wie schnell die Mückenstiche ausgeheilt sind. Und vorallem waren die Schmerzen sofort weg. (Welche Wohltat)

Liebe Grüsse
Brötliduft

Wolfshund
08.07.2014, 02:44
Was für ein Unsinn...
Wie soll ein chemisches Insektizid, dass das Insekt nicht einmal getötet hat, dazu führen dass ein Mensch eine krankhafte Keimvermehrung im Blut bekommt?

Survival-Asia
08.07.2014, 03:39
Hallo SP-Mitglieder,


grundsätzlich kann jede offene Wunde eine Blutvergiftung verursachen.

Sei es ein Schnitt am rostigen Draht, eine Abschürfung beim Sturz vom Rad, ein Kratzer einer Katze oder eines Hundes oder,…oder,…oder…

Kann es sein, dass dieser allgemein bekannte Hintergrund „nicht so bekannt ist“?

Jeder gebildete Mensch weiß, dass die Liste von möglichen Infektionsquellen, die zu einer Blutvergiftung führen könnte, schier endlos ist.


Gruß Jörg

moleson
08.07.2014, 07:16
Was Doktor A. Vogel in seinem Gesundheitsführer dazu sagt:

Es ist auffallend und beachtenswert, das in den letzten Jahren die Fälle, die vom einfachen Insektenstich zu starker Blutvergiftung führen,
immer zahlreicher werden.
Vermutlich mag das mit der zunehmenden chemischen Schädlingsbekämpfung zusammenhängen, denn es ist auffallend, wie sehr sich tierische
und pflanzliche Parasiten verändert haben und in gewissem Sinne resistent geworden sind, weshalb ihre Stoffwechselprodukte dadurch
viel giftiger sein kann.
Auch Insekten, die durch Insektizide nur vergiftet, aber nicht, wie beabsichtigt, getötet werden, können diese unter Umständen viel giftiger
wirken, wenn sie stechen, als dies früher der Fall war.

Wird der Insektenstich rot und beginnt stark zu schmerzen und ein roter Hof bildet sich, ist es höchste Zeit zu handeln:
Zuerst die Stelle mit unverdünntem Molkosan betupfen, dann etwas Watte in der Grösse eines Daumennagels mit Echinaforce tränken und
mit Leukoplast befestigen.

Das behebt die Entzündung, neutralisiert das Gift und bewahrt vor grösserem Schaden. Auch bei kleineren Wunden ist diese Anwendung
nützlich.

Es empfiehlt sich, die zwei erwähnten Mittel nebst Watte und Leukoplast auf Reisen stets Griffbereit dabei zu haben.
Kleine Ursachen mögen grosse Auswirkungen mit sich bringen, wenn nicht rasche Hilfeleistung mit den richtigen Mitteln erfolgen kann.

***

Habe es getestet und bin sehr überrascht gewesen wie schnell die Mückenstiche ausgeheilt sind. Und vorallem waren die Schmerzen sofort weg. (Welche Wohltat)

Liebe Grüsse
Brötliduft

Selten so einen Stuss gelesen. Schon der erste Satz..

Ich gebe meinen dazu: Es ist auffalend und beachtenswert, das in den letzten Jahren die Fälle von medizinischer Desinformation im Internet immer zahlreich werden. Deswegen......

Dr J Moléson (Und ja ich bin Dr Med).


Moléson

Brötliduft
10.07.2014, 21:18
Sehr geehrter Herr Dr. J Moléson,
gerne würde ich von Ihnen einen guten Rat bekommen, wie denn ein entzündeter Mückenstich richtig behandelt werden soll?

P.S. Der Dr. Vogel ist um die ganze Welt gereist und hat viele Patienten mit einfachsten Mittel verarztet, deshalb dachte ich es sei
ein nützlicher Rat. Jedenfalls hat's mir sehr gut geholfen was er rät. Und nein, es ist nicht aus dem Internet.

P. Brötliduft (Hausfrau)

moleson
10.07.2014, 21:55
Dr Vogel hat einen wenn er wirklich den Stuss zusammengeschrieben hat der oben steht.

Jeder der in der Schule zugehört hat, weiss das eine Sepsis durch Bakterien verursacht werden und nicht durch "giftige" Insekten die übrigens keine Parasiten sind (das wäre ja eine ganz neue Definition einer Mücke).

Natürlich kann sich ein Insektenstich infizieren meistens mit den eigenen Bakterien die schon auf der Haut vorhanden sind, hat also nix mit giftigen Insekten zu tun.

Das dies heute öfters vorkommt als früher enstpringt der Phantasie des Dr Vogel.

Dann zur Behandlung, also Yogurt und Echinaforce, was beides keine Baktericide Wirkung hat.


Also was machen bei einem entzündeten Insektenstisch ?

Hängt davon ab:
- Ein bisschen rot gar nichts, möglicherweise eine Antihistaminika Salbe wenn es denn sein muss.
- Einen Abzess (einschneiden, desinfizieren eventuell Antibiotika)
- Eine Fasciitis ist ein medizinischer Notfall

In 99.99% der Fälle rein gar nichts tun

Dr Moléson

Hunted
10.07.2014, 21:58
In 99.99% der Fälle rein gar nichts tun


Und ansonsten zum Arzt, denn wie Moléson schon andeutet handelt man je nachdem wie es "aussieht" eskalierend.
Und das kann nur der Arzt vor Ort (d.h. jemand mit Ahnung/Erfahrung) einschätzen.

PS: Und nein, das soll niemanden entmündigen. man darf durchaus auf sich selber achten. Neigt man dazu (im Schlaf) zu kratzen, macht man einfach ein Pflaster drauf.
Ist es etwas wärmer/röter als gewöhnlich darf man selbstverständlich PVP-Jod (vorsicht Allergie) oder Octenisept drauf tun.
Aber: Beobachten und selbstkritisch (!) hinterfragen, ob einem das geheuer ist und man wirklich weiß woran man ist, bzw was man macht. Sobald man da an seine Grenzen stößt: Siehe oben.

Frei's Petrollampen
10.07.2014, 22:12
Hallo zusammen

Tja da prallen wieder mal einige Ansichten zusammen.

Ich sehe es so, eine Sepsis kommt nicht von chemisch kontaminierten Insekten. Wurde ja auch angesprochen.
Da macht das Insekt vorher schlapp, wurde schon erklärt.

Ich denke vieles macht die Gesellschaft .......

O.K. jetzt bin ich eine Erklärung schuldig!

Viele leben mit einer desinfizierten Wohnung, steriles Umfeld und alles wird 1x am Tag desinfiziert.

Was macht das Immunsystem? Es entspannt sich! Toll oder?

Nein ganz und gar nicht, das Immunsystem lebt mit der Herausforderung.

Eine Entzündung kann aber auch das stärkste Immunsystem treffen, darum sind da sicher Vorkehrungen zu treffen.

Ich habe zum Beispiel anständige Desinfektionsmittel vorrätig wie auch ein Breitband-Antibiotikum.

Viele Grüsse, Ernst

ID 1208
11.07.2014, 10:26
wie auch ein Breitband-Antibiotikum.

Geht zwar langsam etwas weg vom Thread-Thema, aber ich wäre interessiert zu wissen, welches Breitband-Antibiotikum? Und welches Dr. Moléson empfehlen würde? Pulverform? Optimale Lagerung? Wie lange über das Haltbarkeitsdatum verwendbar? Falls der Hausarzt kein Privatrezept ausstellt, hätten wir einen CH-Arzt hier, der das anbieten würde?

Herzliche Grüsse
linthler

Survival-Asia
11.07.2014, 11:04
Hallo Ernst,

Du hast geschrieben:


Ich denke vieles macht die Gesellschaft .......

O.K. jetzt bin ich eine Erklärung schuldig!

Viele leben mit einer desinfizierten Wohnung, steriles Umfeld und alles wird 1x am Tag desinfiziert.

Was macht das Immunsystem? Es entspannt sich! Toll oder?

Nein ganz und gar nicht, das Immunsystem lebt mit der Herausforderung.

Es ist genauso wir Du es beschreibst! :Gut:

Mit jeder Erleichterung, mit jeder Bequemlichkeit und mit jeder Gemütlichkeit verliert der Körper, der Geist und die Willensentscheidung an Kraft und Entschlossenheit, um konsequent seinen eigenen Weg zu gehen.

Und das ist gewiss nicht nur auf das Immunsystem beschränkt, sondern auf alle Lebensprozesse, die Entscheidungen fordern.


Gruß Jörg

Hunted
11.07.2014, 11:25
Geht zwar langsam etwas weg vom Thread-Thema, aber ich wäre interessiert zu wissen, welches Breitband-Antibiotikum? Und welches Dr. Moléson empfehlen würde? Pulverform? Optimale Lagerung? Wie lange über das Haltbarkeitsdatum verwendbar? Falls der Hausarzt kein Privatrezept ausstellt, hätten wir einen CH-Arzt hier, der das anbieten würde?

Herzliche Grüsse
linthler

Welches BA wofür? DAS beste Antibiotikum gibt es nicht...

ID 1208
11.07.2014, 11:41
Welches BA wofür? DAS beste Antibiotikum gibt es nicht...

Das ist mir bewusst. Hier wäre interessant, was Ernst sich bei seiner Auswahl überlegt hat.

Ein Ansatz wäre: Welche Infektionen bedrohen einem am ehesten, wenn 112 nicht mehr antwortet? Welches BA hilft dagegen?

Ich bin kein Mediziner, daher die Frage an die Profis: Wenn Ihr 1-3 Antibiotika einlagern würdet, welche wären es, in welcher Menge und warum?

Herzliche Grüsse
linthler

Hunted
11.07.2014, 22:55
Was ist für mich Grundlage meiner Vorratshaltung?


Es muss neben dem SHTF-Fall auch den Alltag abdecken
Es muss oral verfügbar sein (i.v.-Präparate haben den Nachteil relativ instabil zu sein, sich nicht so lange zu halten und sind in der Regel sehr teuer)


Für den SHTF-Fall dürften mit einer Verschlechterung der Lebensumstände und damit wahrscheinlich auch der allgemeinen Abwehrlage (Immunsystem) zu rechnen sein. D.h. wir werden anfälliger. Sachen die uns momentan nicht krank machen, werden uns krank machen und die die uns krank machen werden uns härter treffen. D.h. es darf auch mal mit solchen Sachen wie einer Pneumonie gerechnet werden und die Angina (Mandelentzündung) oder Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) kann plötzlich richtig bedrohlich werden. Auch kleinere Verletzungen können schnell zu Komplikationen (Infektionen) führen.
Hinzu kommen bei reduzieren Hygienebedingung sämtliche Infektionskrankheiten, insbesondere aber auch die hier nicht mehr so etablierten Erreger.

Ich halte daher folgende Antibiotika vor:

Penicilin + ß-Lactamase-Inhibitor


Sultamicillin (oral)

Gegen alles, gegen das auch Penicillin (oral) hilft +ß-Lactamase-Bildner



Fluorchinolon


Ciprofloxacin (oral):

Pseudomonas (atypische und komplizierte (nosokominale) Pneumonien)
Otitis externa, auch maligna: 1
Pyelonephritis (ambulant erworben, unkompliziert, ggf. auch stat. erw.): 1A
Divertikulitis: 1A
Ggf. Peritonitis (eher primär): 1A – S
Shigelliose, Yersinia, Salmonellen, Campylobacter (Diarhoe-Erreger)
Schwere Wundinfektion (+ Clindamycin): 1A
Menigokokken-Umgebunsprophylaxe: 1





Levofloxacin (oral) :

Pneumonie (Ambulant erworbene, mit Risikofaktoren/stat. Aufnahme): 1A
Greift bei vielen Sepsiserregern (in Kombination)



Cephalosporin (2. Generation)


Cefuroxim (oral)

Angina tonsilaris/HNO-Abszess: 1A
Osteomyelistis, Spondylodiszitis (ambulant) (+ Clindamycin): 1A
Arthritis: 1
Perioperative Antibiothikaprophylaxe (einfache abdmoninelle Eingriffe/Frakturen): 1A (eigentlich intravenös)



Makrolid


Clarithromycin

Otitis media acuta (kompliziert): 1A
Akute Sinusitis (kompliziert): 1A
In Kombination bei div. Indikationen


Azithromycin

Pneumonie (ambulant, unkompliziert): 1A
Harnwegsinfekt (ambulant, unkompliziert)



Lincosamide


Clindamycin

Pleuraempyem: 1A
Lungenabszess: S
Angina tonsillaris: 1A
Erysipel: 1A
Furunkel/Karbunkel: 1A
Abszess/Phlegmone/Bursitis: 1A
In Kombination bei div. Indikationen



Letztlich ist die Antibiotikatherapie aber kein Malen nach Zahlen, sondern benötigt fundierte Grundlagen und vor allem eine richtige Diagnose. Das ist umso wichtiger, wenn man nur noch empirisch therapieren kann und keinen erregernachweis und Resistogramm anfordern kann.

Einfach mal ein paar Antibiotika vorzuhalten, oder dem Laien pauschal zu sagen „wenn du x hast, schluck y“ hört sich daher einfacher an als es ist.

Eine Empfehlung würde ich hier nicht abgeben (wollen). Dafür müsste man zunächst eine konkrete Anlass/Risikoanalyse machen.
Ich würde es nicht übertreiben und einfach halten. Ein Penicillin, ein Cephalosporin (2. Oder 3. Generation) und ein Fluorchinolon sollten reichen (dann sind es auch drei ;-) ).

VG
Hunted

PS: Antibiotikatherapie ist das Steckenpferd meines leitenden Intensiv-Oberarztes, ich bin daher etwas sensibilisiert und habe meine Planung dahingehend etwas ausgeweitet.

Frei's Petrollampen
11.07.2014, 23:22
Hallo zusammen

O.K. .......

Ich habe das hier bevorratet: Antibiotikum (http://www.diagnosia.com/de/medikament/co-amoxi-mepha-lactabdispergierbare-tablette), hat ein breites Spektrum.

Jetzt mal keine Panik! Ich verwende es nicht bei allerlei Krankheiten oder sonstigem Unwohlsein. Es ist für den "Ernst"- Fall gedacht.

Die Beschaffung ist ein wenig mühsam, gut wenn man einen Arzt kennt der in einer entsprechenden Einrichtung arbeitet :rolleys:

Ich habe ein Rezept dafür, logisch rechne ich es nicht über die Kasse ab. Ist ja für einen anderen Zweck.

Ich erneuere sie regelmässig, ich denke 1 Jahr über das empfohlene Datum macht nichts.

DAS ist jetzt eine Aussage von mir, Mediziner mögen mir verzeihen. Aber ein Jahr muss drinn liegen!

Viele Grüsse, Ernst

TheHamster
11.07.2014, 23:55
Ernst ich muss dich leider mal korregieren. Bei Ibu... ja, Novalgin...ok, Vomex... sicher, aber

Antibiotika sind ganz sicher nicht mehr wie 1 Monat überlagerbar. (als pauschale Aussage) Die meißten AB sind numal aus Pilzsporen "hergestellt" oder aus synthetischen Absprossungen davon. Damit sind sie leider absolut nich überlagerbar.

Hunted
12.07.2014, 09:44
Das von Ernst vorgestellte Antibiotikum ist als Pauschallösung eine gute Wahl.

Es ist vielseitig einsetzbar, auch gegen ß-Lactamase-Bildner und für zahlreiche Indikationen FIrst Line Präparat:

Amoxicillin/Clavulansäure (Augmentan®)

Pneumonie (CAP) à mit Risikofaktoren: 1
Otitis media acuta (kompliziert): 1A
Sinusitis acuta (kompliziert): 1A
Haut- und Weichteilinfektionen (ausgedehnte Infektion): 1A
Bissverletzung: 1 A (Tetanusstatus? Tollwutimmunisierung?)
Wundinfektion (ambulant, leicht): 1

TheHamster muss ich widersprechen. Es gibt mehrere Studien (der US-Armee) in denen Medikamente nach Lagerzeitüberschreitung geprüft worden sind. Antibiotika hatten dabei selbst nach Jahren noch (annähernd) komplette Wirkung und sich auch nicht in toxische Zerfallprodukte zersetzt. Natürlich kann man auch das nicht pauschalisieren (dafür müsste man jedes Produkt (nicht Wirkstoff) nach Überlagerung testen). Das dürfte auch daran liegen, dass viele Antibiotika heute synthetisch, oder zumindest halbsynthetisch produziert werden. Bei Bedarf frage ich bei unseren Pharmakologen gerne mal nach Detaills.

moleson
12.07.2014, 10:52
Doch doch AB wie eigentlich sehr viele Medikament kann überlagern, so lange sie gerecht gelagert worden sind. Die Haltbarkeitszeiten sind nur dafür da um den Fabirkanten zu schützen, haben aber nichts mit der Reaität zu tun. Und wenn schon verliert das Medikament nicht am Tag X seine Wirkung sondern diese veringert sich über die Zeit.

Bei Augmentin und auch anderen AB auf Allergien arten. Bringt nicht sehr viel sich den Schrank voll zu stellen und dann fest zu stellen das man es nicht nehmen kann.

Moléson

TheHamster
12.07.2014, 15:16
Das von Ernst vorgestellte Antibiotikum ist als Pauschallösung eine gute Wahl.

Es ist vielseitig einsetzbar, auch gegen ß-Lactamase-Bildner und für zahlreiche Indikationen FIrst Line Präparat:

Amoxicillin/Clavulansäure (Augmentan®)

Pneumonie (CAP) à mit Risikofaktoren: 1
Otitis media acuta (kompliziert): 1A
Sinusitis acuta (kompliziert): 1A
Haut- und Weichteilinfektionen (ausgedehnte Infektion): 1A
Bissverletzung: 1 A (Tetanusstatus? Tollwutimmunisierung?)
Wundinfektion (ambulant, leicht): 1

TheHamster muss ich widersprechen. Es gibt mehrere Studien (der US-Armee) in denen Medikamente nach Lagerzeitüberschreitung geprüft worden sind. Antibiotika hatten dabei selbst nach Jahren noch (annähernd) komplette Wirkung und sich auch nicht in toxische Zerfallprodukte zersetzt. Natürlich kann man auch das nicht pauschalisieren (dafür müsste man jedes Produkt (nicht Wirkstoff) nach Überlagerung testen). Das dürfte auch daran liegen, dass viele Antibiotika heute synthetisch, oder zumindest halbsynthetisch produziert werden. Bei Bedarf frage ich bei unseren Pharmakologen gerne mal nach Detaills.

Ja ungefähr so meinte ich das ja auch. Man kann es eben nich pauschal sagen und daher würde ich es eher nicht überlagern. Dazu kann es wenns schief geht zu schief gehen...

Amoxicillin ist schon ein feines Zeug aber AB´s auch nich mein Steckenpferd.


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