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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rezeptfreie Schmerzmittel: Die Qual der Wahl :-/



Wolfshund
08.09.2013, 01:27
Hallo,
Bin ich der einzige hier, der sich mit den vielen Facetten der rezeptfreien Schmerzmittel herumschlägt?
Ich suche nämlich ein Schmerzmittel, dass ich im Outdoor-Bereich z.B. bei Knochenbrüchen anwenden kann wenns mal länger dauert.
Die in Deutschland halbwegs passenden Mittel sind für diesen Fall scheinbar Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac.
Mein Problem ist aber aus diesen drei Medikamenten das "Beste" auszuwählen. Leider scheinen Erfahrungsberichte für mein Anwendungsgebiet schwer zu finden zu sein.
Kann mir einer sagen ob diese Medikamente vom Wirkungsmechanismus bei Knochenbrüchen o.Ä. überhaupt ausreichend wirken? Welches Mittel wirkt am stärksten und schnellsten? Hat jemand praktische Erfahrung diesbezüglich gesammtelt?

Wäre nett wenn ihr mir ein wenig Input gibt und hier eine erhellende Diskussion stattfindet.

Wolfshund

Firehorse
08.09.2013, 01:51
Hallo Wolfshund,

ich bin kein Arzt.
Hier nur mein persönlicher Erfahrungsbericht. "Dank" jahrelanger schwerer Schmerzzustände (üble Bandscheibenvorfälle) habe ich alles Mögliche getestet.
Vorweg: nichts, was rezeptfrei zu bekommen ist, ist in der Lage, sehr schwere Schmerzen erträglich zu gestalten oder gar zu beseitigen.
Alles Brauchbare ist (eigentlich aus gutem Grund) nur über einen Besuch beim Arzt zu bekommen, und dies würde ich Dir auch empfehlen, wenn Du einen Arzt des Vertrauens hast.

Zum Höhepunkt meines besonders fiesen Vorfalls musste ich morgens erstmal einige Tramal (fantastisch, aber verschreibungspflichtig) und Ibu´s frühstücken, um überhaupt in die Schuhe zu kommen, das musste ich halbstündlich bis stündlich auffüllen, teils auch die "Nachtruhe" unterbrechen. Nur mit Ibu- egal, wie überdosiert- unmöglich.

Paracetamol ist meiner Erfahrung nach völlig unbrauchbar, Diclofenac ein Mittelding.
Ich komme am besten mit Ibu klar (400er aus der Apotheke, 600er und 800er verschreibungspflichtig) und habe das Glück, dass mein Körper schon jahrelang ohne Mucken die Dauer- Überdosierung verkraftet.
Leider wurde mein Wirbelkanal durch die Bandscheibe, die letzten Endes zertrümmert war, so stark geschädigt, dass der Zustand laut meinem Operateur irreversibel ist. Nach der OP konnte ich immerhin Tramal absetzen.

Ich kann im Übrigen eine Menge Schmerzen ertragen.

Für das Einlagern solltest Du eine Menge Platz vorsehen; ich brauche pro Woche je nach Wetter und Belastung 1-2 Pakete Ibu 400er 50 Stück. Und das ist kein hochdramatischer Schmerz wie der von einem frischen Bruch.
Um die Wirkgeschwindigkeit zu erhöhen, zerbeisse ich die Tabletten, dann setzt die Wirkung in 5-10 Minuten ein.

Waldschrat
08.09.2013, 02:02
Hallo,
Bin ich der einzige hier, der sich mit den vielen Facetten der rezeptfreien Schmerzmittel herumschlägt?
Ich suche nämlich ein Schmerzmittel, dass ich im Outdoor-Bereich z.B. bei Knochenbrüchen anwenden kann wenns mal länger dauert.
Die in Deutschland halbwegs passenden Mittel sind für diesen Fall scheinbar Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac.
Mein Problem ist aber aus diesen drei Medikamenten das "Beste" auszuwählen. Leider scheinen Erfahrungsberichte für mein Anwendungsgebiet schwer zu finden zu sein.
Kann mir einer sagen ob diese Medikamente vom Wirkungsmechanismus bei Knochenbrüchen o.Ä. überhaupt ausreichend wirken? Welches Mittel wirkt am stärksten und schnellsten? Hat jemand praktische Erfahrung diesbezüglich gesammtelt?

Wäre nett wenn ihr mir ein wenig Input gibt und hier eine erhellende Diskussion stattfindet.

Wolfshund

Hallo Wolfshund,

ich bin kein Arzt, ich äussere hier nur meine absolut laienhafte Meinung. Knochenbrüche sind extrem schmerzhaft, alles was da wirklich hilft ist beinahe schon auf der Grenze zum BTM-Rezept. Wenn ich als Laie etwas im absoluten Notfall ausrichten müsste - kein Arzt in Sicht - dann wäre das am ehesten hochdosiertes Diclofenac.

Meint


Matthias

Wolfshund
08.09.2013, 02:30
Danke euch beiden für die schnellen Antworten :Gut:
Das Opiate das Optimum sind ist mir klar. Die Beschaffung ist aber unmöglich, denn ich plane keine spezielle Expedition o.ä.
@Firehorse

Um die Wirkgeschwindigkeit zu erhöhen, zerbeisse ich die Tabletten, dann setzt die Wirkung in 5-10 Minuten ein.
Das ist eine gute Idee. Die Wirkgeschwindigkeit von 10 Minuten wäre vollkommen akzeptabel.

Vorweg: nichts, was rezeptfrei zu bekommen ist, ist in der Lage, sehr schwere Schmerzen erträglich zu gestalten oder gar zu beseitigen.
Hört sich nicht gut an, das erklärt auch die fehlenden Berichte und Erfahrungen.
@Waldschrat

Wenn ich als Laie etwas im absoluten Notfall ausrichten müsste - kein Arzt in Sicht - dann wäre das am ehesten hochdosiertes Diclofenac.
Warum Diclofenac?

Waldschrat
08.09.2013, 02:51
@Waldschrat

Warum Diclofenac?


Es hat eine extrem gute schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung. Nebenwirkung sind Unverträglichkeiten im Magen- und Darmbereich. Im Gegensatz zu Paracetamol - wo ich mich mit einer rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Packung tödlich vergiften kann - ist die therapeutische Bandbreite auch deutlich grösser. Ich kann mit Diclofenac auch als Laie weniger Schaden anrichten als mit Paracetamol und Co.


absolut laienmedizinische Grüsse

Matthias

Frequenzkatastrophe
08.09.2013, 03:44
Ich habe vor einiger Zeit zu der Fragestellung mal meine Gedanken niedergeschrieben, vielleicht hilft das ein wenig weiter:

http://www.survivalforum.ch/forum/showthread.php/28634-Notfallmedizin-f%C3%BCr-Prepper?p=126596&viewfull=1#post126596

Vor-/Nachteile verschiedener Schmerzmittel aus Preppersicht mit einigen Randbemerkungen.
Wenn danach noch Fragen bestehen helfe ich gerne weiter.

karpatenwolfes
08.09.2013, 09:55
Servus Wolfshund und das Forum,

hier in Rumänien heißen die stärksten, rezeptfreien, Sachen
Algocalmin und Tramadol.
Beide sind ist injizierbar, als Pastille und als Analtorpedos erhältlich
und sind wirklich richtige Glücksbomben.
Ich hatte da mal ganz "böse Zähne", nach der Anwendung
verlor ich das Gefühl in den Fußsohlen und spürte den
Schraubenzieher in der Hand nicht mehr.
Die Namen der Wirkstoffe kenne ich leider nicht, werd mich aber
heute in einer Apotheke informieren.

Schmerzfreie Grüße vom Karpatenwolfes.

Wolfshund
08.09.2013, 13:53
Tramadol ist in DE Rezeptpflichtig (leichtes Opiat) und Drogenkonsumenten nehmen Das auch gerne.
Illegal wäre die Beschaffung leicht möglich, aber das Risiko will ich nicht eingehen.
Legal müsste ich wohl meinen Arzt (Homöopath) fragen und da wären die Chancen gering(?).
Nach allem was ich jetzt gelesen habe, läuft es also auf Diclofenac heraus.

TheHamster
08.09.2013, 15:59
Der Faden von meinem netten Kollegen Frequenzkatastrophe ist schon ganz gut zusammengefasst.

Allerdings um deine Frage umfassend zu beantworten möchte ich noch ein paar Sachen ergänzen:

Bei Knochenbrüchen (jetz nich Finger oder Zeh) ist keines der rezeptfreien Medikamente wirkungsvoll. Da muss es schon mindestens Novalgin sein wobei ich das gerne Patienten gebe die Frakturen haben welche durch ruhigstellung schon schmerzarm sind. Und das ist hier auch das Zauberwort. Das achsengerechte ruhigstellen einer Fraktur kann oftmals 50-60% der Schmerzen nehmen. Hierzu sollte man sich ein wenig mit dem Skelett auskennen und wissen was bei welchem Knochen achsengerecht ist.

Auch gut sind die Schmerzlinderungspunkte aus der Akkupressur. Ein Thema was mich seit kurzen beschäftigt und in dem ich mich selber fortbilden will. Leider kann ich dazu NOCH nicht viel fundiertes beisteuern außer das es sehr wirkungsvoll sein kann und vollkommen Nebenwirkungsfrei ist.

Um die Frage zu beantworten welches Medikament du einlagern solltest kann ich nur sagen: Das welches du immer nimmst wenn du was nimmst. Ich persönlich stehe sehr auf Ibuprofen in Kombination mit Novalgin. Perfekte Kombiabdeckung der Rezeptorblockierung und Prostaglandinhemmung.

Waldschrat
08.09.2013, 19:20
Algocalmin und Tramadol.


Hallo Karpatenwolfes,

Tramadol als eigentlich gut verträgliches Opioid würdest Du in Deutschland nur auf Waffenschein bekommen. Algocalmin (Wirkstoff Dipyrone) ist ein ziemlich starkes Analgetikum und Antiphlogistikum, hat aber eine lange Liste von Nebenwirkungen


Laienmedizinische Grüsse

Matthias

urbanrolli
13.09.2013, 23:01
hi,

nun knochenverletztungen sind schon echt schmerzhaft....z.b.meine knochen in der hand sind auch schwer angegriffen, das tut echt heftig weh....
da ich btm pflichtiges medikament habe, welches einen nicht weghaut, das deckt aber nur den grundschmerz ab......

für die schmerzspitzen bekomme ich novamin, bei migräne erst nen mcp(magenschutz) und dann ibo 800,
es ist auch jedes medikament anders in der wirkung.

allerdings wusste ich nicht das man ibo mit novamin zusammennehmen kann....wenn man vor schmerzen die wand hochgeht??!?!?!

nun leider hauen die medikamente ziemlich in den magen.....diclo und ibo,
paracetanol, nun das kann man nehmen, wenn einem sonst nie was weh tut.
für mich ausgeschlosssen, denn kaum wirkung..

und das zeugs geht leider voll endweder auf die leber, oder die nieren.

nun ich hab mal versucht grass zu rauchen, ob es gegen die schmerzen hilft. egal wie man darüber denkt....
es ist nebenwirkungsfreier als viele pharmaprodukte..

die beste wirkung ist das müdewerden für mich gewesen, und dann endlich mal schlafen zu können.

aber das ist schon lange her....bin ja bronichional nichtraucherin.....

nun in der regel probiere ich erst mal alternativen wie wärme, oder akkupresurpunkte aus...
das würde ich auch gerne mal genauer lernen.....weil das macht sehr viel aus...

so meine kopfschmerzpunkte hab ich heute bearbeitet, das hats was gelindert....kommt von der hws..
und das schöne daran ist, kost nix, ist überall einsetzbar, ausser bei ohnhändern.....aber sehr gutes mittel.
vor allem sehr früh anwenden und nicht warten bis das der kopf droht zu explodieren

nun ich werde wohl nie ohne schmerzen sein, aber das ist nicht so schlimm, es nervt halt des öfteren...
weil es einen schachmatt setzt..

für den prepperin mir, greif ich mir was ich kriegen kann....ausser drogen.....und diclo......
aber für die freundin, die kann so was auch nehmen..ich lasse mir immer ein wenig mehr aufschreiben.
für sondersituationen.....aber das fatale an schmerzmitteln ist, wenn man sie zu oft.z.b. bei kopfschmerzen,
dann ist das aber auch gleich nen nebenwirkung, das man kopfschmerzen bekommt...

also lieber zu wenig als zuviel.....

lg urban-rolli

Grevioux
16.09.2013, 10:47
Tramadol ist schon ein echt heftiges Zeug bekomme ich gegen meine Rückenschmerzen, habe aber auch vor kurzem iwo gelesen das man auf eine dauerhafte Einnahme verzichten soll da es der Männlichkeit nicht zu gute kommt aber ich glaube für den Notfall unterwegs iwo in der Wildnis spielt das keine rolle. :grosses Lachen:

Ich würde einfach mal mit deinem Arzt sprechen und ihm klar sagen wozu du es haben willst mehr als nein sagen kann er ja nicht. Wäre auf jedenfall sinnvoller eine Packung davon im Rucksack zu haben als X Packungen Paracetamol die bei mir noch nichtmals bei normalen Kopfschmerzen anschlagen oder was anders Rezepfreies wo man höchsten noch Kranker von wird.

Allerdings solltest du auch auf die Verträglichkeit achten meiner Frau habe ich zb mal eine halbe gegeben weil sie so starke schmerzen hatte, nach wenigen heftigen Minuten Übelkeit hat sie sich extrem erbrochen was in einem Notfal nicht gerade Optimal wäre

Vincent
16.09.2013, 11:43
Die Antwort hat Firehorse ja bereits gegeben. Die Parameter der Fragestellung sind miteinander unvereinbar! Rezeptfreie Medikamente helfen nun mal nicht bei starken Schmerzen, sonst wären sie ja nicht rezeptfrei... Es gibt also 4 Möglichkeiten den Anspruch (nicht) aufzulösen. Die erste Möglichkeit steht über diesem Beitrag und würde Abhilfe schaffen sofern sie auf Verständnis trifft, die 2. Möglichkeit bleibt aufgrund der Forenregeln ungenannt und würde ebenfalls Abhilfe schaffen, die 3. Möglichkeit ist, man macht gar nichts (schafft aber keine Abhilfe) und die 4. Möglichkeit hat der Fragesteller mittlerweile selbst genannt: Man kauft sich rezeptfreie Medikamente und hat immerhin mehr als gar nichts. Im Notfall bringt das zwar nicht viel, aber man hat immerhin was getan. Suum cuique...

ID 5579
16.09.2013, 14:23
Ich bin kein Chemiker, möchte nur mal eine wilde Idee in den Raum werfen:
"Weidenrinde" soll ja eine schmerzstillende Wirkung haben.
Eventuell wäre es in einer Krisensituation ja möglich das Extrakt so weit einzukochen/ zu reduzieren, dass man eine Konzentration erreicht, die auch bei stärkeren Schmerzen Wirkung zeigt?

Gresli
16.09.2013, 14:58
Hallo,

Ich würde einfach mal mit deinem Arzt sprechen und ihm klar sagen wozu du es haben willst mehr als nein sagen kann er ja nicht.
Das ist sicher eine gute Idee.

Ich weiss nicht wie es in D oder A geregelt ist, aber in CH darf auch der Apotheker dir rezeptpflichtige Medikamente direkt verkaufen.

In meiner Stammapotheke jeweils kein Problem, wenn man erklären kann wozu. Der Umtausch , natürlich gegen Bezahlung, von abgelaufenen Sachen ist da sowieso kein Thema.

Möglicherweise muss man einige abklappern bis man eine verständnissvolle gefunden hat. (Habe ich auch so gemacht, darum ist das jetzt sit langem meine Stammapotheke :rolleys:)

Ausserdem sind Apotheker oftmals besser über Medikamente informiert als Ärzte. Besonders bei doch eher speziellen Fragen wie: "Gibt es diese Tabletten nicht auch kleiner, ich habe zu wenig Platz in der Apotheke.", "Gerne die Schachtel mit dem längsten MHD." oder "Welche wirken schneller?"

Grüsse, Gresli

ID 5579
16.09.2013, 15:08
Über verfügbare Medikamente kann man sich auch sehr schön mit einer Android-App informieren. Im Store findet man z.B. "Arznei aktuell" (es gibt einige weitere), da kann man sich Verpackungsgrößen, Wirkstoffe, Nebenwirkungen, Dosierungen, Alternative Produkte mit der selben Wirkung usw. suchen.
Schätze das ist im endeffekt die selbe Datenbank, die die Apotheken bei solchen Fragen immer zu rate ziehen.

moleson
16.09.2013, 15:16
Ich bin kein Chemiker, möchte nur mal eine wilde Idee in den Raum werfen:
"Weidenrinde" soll ja eine schmerzstillende Wirkung haben.
Eventuell wäre es in einer Krisensituation ja möglich das Extrakt so weit einzukochen/ zu reduzieren, dass man eine Konzentration erreicht, die auch bei stärkeren Schmerzen Wirkung zeigt?

Naja sehr verträglich ist Salicyl nicht. Und so wirksam ist Aspirin auch nicht. Also wenn schon dann gleich Aspirin.

Moléson

apaoai
17.09.2013, 19:28
Hallo,
ich bin Apotheker und kann vielleicht etwas beitragen. Grundsätzlich sind Einzelmeinungen und erst Recht Erfahrungsberichte aber immer unzuverlässig - auch von Experten und erst Recht von mir :lächeln:! Es gibt eine Leitlinie zur Schmerzbehandlung von postoperativen und posttraumatischen Schmerzen, die wohl auf dier meisten Verletzungen angewendet werden kann. Es kann auch eine Patientenleitlinie heruntergeladen werden.
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-001.html
Die Leitlinie ist eine sogenannte S3-Leitlinie, das heißt, sie ist wissenschaftlich sehr gut belegt.

Übrigens ist nicht die Wirksamkeit, sondern die Nebenwirkungen, die Abhängigkeitsgefahr und die zu behandelnde Erkrankung maßgeblich für die Verschreibungspflicht.

Ibuprofen ist aufgrund der langen Erfahrungen , der relativ großen therapeutischen Breite (relativ (!) geringe akute Vergiftungsgefahr bei Überdosierung) und der guten antientzündlichen und schmerzstillenden Eigenschaften das beste Allround-Schmerzmittel. Das gilt für den rezeptpflichtigen wie für den rezeptfreien Markt.
Opoiode inkl. Tramadol sollten aufgrund der Nebenwirkungen nur bei starken Schmerzen eingesetzt werden. Sie verursachen häufig Schwindel und verringerte Konzentrations- und motorische Fähigkeiten. Menschen, die sich draußen bewegen, erst Recht im Gebirge, sollten damit seeehr zurückhaltend umgehen! Außer Tramadol unterliegen alle Opioide dem Betäubungsmittelrecht (seit Neuerem auch Tilidin) und eine Bevorratung dürfte auch dann schwierig sein, wenn man die Verschreibungsflicht umgehen möchte (wozu ich keinesfalls aufrufen möchte...)
Noch nicht erwähnt wurde hier Metamizol (auch Novaminsulfon genannt). Auch das ist verschreibungspflichtig, in vielen Ländern ist es aber rezeptfrei erhältlich. Es ist relativ gut verträglich und auch für mittelstarke bis starke Schmerzen geeignet. Die Rezeptpflicht beruht auf einer seltenen, aber schwerwiegenden Veränderung des Blutbilds (Näheres in der Leitlinie oder mal gugeln).
Paracetamol ist allein für Verletzungen nicht unbedingt Mittel der Wahl, v.a. aufgrund der geringen antientzündlichen Wirksamkeit. Einige Studien wollen aber eine über-additive Wirkung bei Kombination mit Ibuprofen und co. festgestellt haben - andere Studien betreiten das. Ich selbst habe Paracetamol nicht in meiner Hausapotheke.
In der Gruppe mit Ibuprofen (sog. Nichtsteroidale Antiphlogistika, NSAR) gibt es noch weitere Wirkstoffe: Naproxen, Diclofenac, Indometacin und andere. Indometacin ist veraltet. Naproxen und Diclofenac sind immer wieder aufgrund unklarer Risiken in der Diskussion. Der Wissensstand ändert sich ständig, aber seit Jahren stehen die Zeichen auf Ibu.

Soviel meine Einschätzung. Wie gesagt: glaubt in Gesundheitsfragen keiner Information aus Internetforen! :rolleys:
Gute geprüfte, also wissenschaftlich belegte Aussagen gibt es bei Gesundheitsinformation.de .
VG
apaoai

- - - AKTUALISIERT - - -

Zusatz:
Die oben genannte Weidenrinde enthält tatsächlich Salicylsäure, die leicht schmerzstillend und antientzündlich wirkt. Sie hat aber so krasse Nebenwirkungen, v.a. auf den Magen-Darm-Bereich, dass sie eigentlich keine Alternative darstellt. Um diese Nebenwirkungen abzumildern wurde aus der Salicylsäure die Acetyl-Salicylsäure entwickelt, das heute noch als ASS oder Aspirin viel Verwendung findet. Es hat deutlich mehr als Ibuprofen Auswirkungen auf die Blutgerinnung und auf auf den Magen-Darm-Trakt. Gerade für Verletzungen mit stärkeren Blutungen sollte es nicht angewendet werden und ist daher als Allround-Schmerzmittel nicht empfehlenswert.

Das wars jetzt aber wirklich :lächeln: von
apaoai

Porken
17.09.2013, 21:21
Bzgl. Novaminsulfon kann ich aus eigener Erfahrung nur positives berichten. Mein Haus-Doc. hat es mir vor einigen Monaten verschrieben, als ich durch Erkältungs/Fieber-induzierte Rückenschmerzen weder liegen noch sitzen konnte. Keiner der "üblichen Verdächtigen" (Ibuprofen, Paracematol, ...) hat eine spürbare Linderung bewirkt.
Hingegen eine Tablette des erwähnten Novaminsulfon - und alles war pretty. Aus meiner Sicht und für mich auch nebenwirkungsfrei.

Waldschrat
17.09.2013, 22:51
Noch nicht erwähnt wurde hier Metamizol (auch Novaminsulfon genannt). Auch das ist verschreibungspflichtig, in vielen Ländern ist es aber rezeptfrei erhältlich. Es ist relativ gut verträglich und auch für mittelstarke bis starke Schmerzen geeignet. Die Rezeptpflicht beruht auf einer seltenen, aber schwerwiegenden Veränderung des Blutbilds (Näheres in der Leitlinie oder mal gugeln).

Hallo Apaoai,

in Indien gab es das Zeug unter dem Handelsnamen Novalgin rezeptfrei in jeder Apotheke und war für viele das Mittel der Wahl. Trotz Deiner weiterführenden Links hat sich mir trotzdem noch nicht erschlossen, warum Metamizol in Deutschland nun nicht rezeptfrei ist, das meiner Meinung nach sehr viel gefährlichere Paracetamol dagegen nicht rezeptpflichtig. Mit einer Überdosis Paracetamol kann man sich umbringen - auf eine Weise, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde.

Kläre bitte einen pharmazeutischen Laien auf.:lächeln:

P.S. Mal eine Frage zu Aspirin: Nehmen wir mal an ich habe als Laienhelfer einen Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt. Wäre ich gut beraten, ihm - sofern noch bei Bewusstsein - Aspirin zu geben oder sollte ich lieber warten bis der Notarzt kommt und im schlimmsten Fall halt CPR machen?


Viele Grüsse

Matthias

Mit Aspirin und Ibuprofen in der Sanikiste

Frequenzkatastrophe
18.09.2013, 10:39
Die 2 gravierenden Nebenwirkungen von Novaminsulfon die dazu geführt haben, dass es verschreibungspflichtig ist sind:

1. massiver Kreislaufschock, dies tritt zwar so weit ich weiß nur bei intravenöser Injektion auf, hat aber in den 90er Jahren mal eine junge Sportlerin (ich meine sogar im dt. Olympia-Kader) getötet.

2. Agranulozytose auf Deutsch: nach Novalgingabe hört das Knochenmark auf Blutkörperchen zu produzieren, insbesondere die weißen BK, die die Abwehr von Krankheitserregern regeln fallen in kürzester Zeit auf null und der Patient erleidet extremste Infektionen, die ihn ohne massivste Intensivmedizinische Therapie in Tagen/Stunden töten.

Diese Agranulozytose habe ich einmal bei einer jungen Frau Anfang 20 erlebt, auch sie hat dieses Krankheitsbild nur dank extremer Intensivmedizin incl. Beatmung und kurzzeitiger Dialyse überlebt.

Beides sehr seltene aber verehrende Nebenwirkungen, daher in Deutschland rezeptpflichtig. Ich persönlich halte von Novalgin durch Laien nicht besonders viel - sorry

apaoai
18.09.2013, 12:13
Heiho,
über den Sinn und Unsinn der Rezeptpflicht vom Metamizol (Novaminsulfon, Novalgin etc.) kann man sicher streiten und wie geschrieben tun das die Zulassungsbehörden ja auch. Die Agranulozytose ist die Blutbildbildveränderung, auf die ich hingewiesen hatte. Sie ist sehr selten, aber lebensgefährlich. Über die Häufigkeit gibt es unterschiedliche Angaben, meist wird sie mit ca. 1/1Mio beziffert, auf jeden Fall aber weniger als 1/15.000. Einige Länder haben Metamizol aufgrund dieser Nebenwirkung vom Markt verbannt, in anderen ist es wie gesagt trotzdem rezeptfrei erhältlich. Hierzulande wurden die Indikationen eingeschränkt und Kombi-Präparate mit anderen Wirstoffen vom markt genommen. Es wird häufig nach Operationen verordnet oder wenn NSAR wie Ibuprofen nicht ausreichend wirksam waren.
Ich will hier keine Empfehlung aussprechen, sondern nur auf Alternativen hinweisen, insbeondere wenn sie in vielen Ländern in Apotheken erhältlich sind. Die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft hat die Studienlage dazu 2011 zusammengefasst: http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2011/20110819.html. Dieser Einschätzung kann man vertrauen und sich bez. einer Selbstmedikation im Ausland ein Urteil bilden. Man sollte jedenfalls wissen, dass die Agranoluzytose meist erst nach Tagen bis Wochen bemerkbar ist und sofort stationär behandelt werden muss.

Ich glaube auch, dass eine unvoreingenommene Nutzen-Risiko-Bewertung der rezeptfreien Schmerzmittel heute anders ausfallen würde. Nicht umsonst gibt es immer wieder Bemühungen,die Packungsgrößen bei ASS zu beschänken; bei Paracetamol ist es bereits mehrfach geschehen. Aber das ist ja auch nur symbolisch. ASS und Paracetamol sind für einen großen Teil der Krankehausbehandlung aufgrund von Arzneimittelnebenwirkungen verantwortlich. Ob sie besser für die Selbstmedikation geeignet sind als Metamizol, sei mal dahin gestellt. Viele Schmerzpatienten gehen nun einmal aufgrund ihres Leidensdrucks besonders unkritisch mit Arzneimitteln um. Die geringe therpeutische Breite von Paracetamol und das ebenfalls lebensgefährliche Risiko des Leberversagens bei Überdosierung oder verhergehende Leberschädigung, macht es für mich eigentlich nicht gut geeignet als Schmerzmittel bei Verletzungen. Bei gelegentlichen kopfschmerzen mag es für den einen oder anderen - ggf. auch in Kombination mit dann aber niedriger dosierten NSAR - hilfreich sein, aber darum ging es hier ja nicht. Ich wäre nicht erstaunt, wenn die Expertenkommission beim der zuständigen Bundesbehörde die Rezeptpflicht empfehlen würde.
ASS ist wegen des höheren Risikos von Magenblutungen und der Gerinnungshemmung bei (auch stumpfen) Verletzungen ungeeignet. Aber auch bei den Magen-Darm-Nebenwirkungen gibt es unterschiedlich Angaben bezüglich der einzelnen NSAR (ASS, Ibu, Diclo, Naproxen, Ketoprofen etc.) und mit absoluten Aussagen sollte man sich hier zurück halten. Trotzdem: nach allem was man heute weiß, ist die Nutzen-Risiko-Abwägung bei Ibu wohl am besten. Dass andere Mittel individuell besser sein können, ist trotzdem unbenommen. Schmerzmittel in der Selbstmedikation grundsätzlich nur selten (max. 7 Tage im Monat) und nur 7 Tage am Stück (als Fausregel). Gute Ursachensuche und spezialisierte Schmerztherapie können einem viel ersparen. Wiederkehrende Schmerzen IMMER abklären lassen.

@ Waldschrat: In Notfallsituationen ist eine eigenmächtige Arzneimittelgabe tabu (Ausnahmen: Menschen mit bekannter Dauermedikation und bekannten Symptomen bei Asthma, Diabetes etc., aber nur als Handreichung, also nicht selbst applizieren). Ansonsten ärztliche Hilfe rufen und Erste-Hilfe-Maßnahmen soweit bekannt.
@ Legend: Alle neuen Arzneimittel sind erstmal mind. 5 Jahre rezeptpflichtig. Eine alte Regelung bez. der Rezeptpflicht gibt es nicht, die Regeln sind grundsätzlich für alle Mittel die gleichen. Eine Expertenkommission bei der dt. bzw. europäischen Arzneimittelbehörde untersucht auf Antrag die Datenlage und spricht Empfehlungen aus und die Bundesregierung bzw. die EU-Kommission verändert die ensprechenden Verordnungen. Due Kommission arbeiten grundsätzlich schon auf einem hohen fachlichen Niveau, aber sicher entfaltet der öffentliche Aufschrei, den eine Rezeptpflicht von ASS oder Paracetamol zu Folge hätte, hier auch eine psychologische Wirkung. Ob eine Überprüfung in letzter Zeit stattgefunden hat, weiß ich nicht. Wen es interessiert möge hier nachgucken: http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/Verschreibungspflicht/functions/verschreibungspflicht-node.html

So, mal wieder ein Roman von mir. Die nächsten Antworten werden sicher kürzer. :lächeln:

Eule
18.09.2013, 14:51
Frage: Gibt es in Europa generell Länder welche eine liberales Arzneimittelrecht haben? Gibt es also Länder, in denen relativ viele Medikamente ohne Rezept erhältlich sind?

Soviel ich weiss ist Österreich zum Beispiel sehr restriktiv. Dort ist das allermeiste rezeptpflichtig, auch das was in Deutschland oder der Schweiz rezeptfrei erhältlich ist.

Wolfshund
18.09.2013, 20:53
P.S. Mal eine Frage zu Aspirin: Nehmen wir mal an ich habe als Laienhelfer einen Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt. Wäre ich gut beraten, ihm - sofern noch bei Bewusstsein - Aspirin zu geben oder sollte ich lieber warten bis der Notarzt kommt und im schlimmsten Fall halt CPR machen?


@ Waldschrat: In Notfallsituationen ist eine eigenmächtige Arzneimittelgabe tabu (Ausnahmen: Menschen mit bekannter Dauermedikation und bekannten Symptomen bei Asthma, Diabetes etc., aber nur als Handreichung, also nicht selbst applizieren). Ansonsten ärztliche Hilfe rufen und Erste-Hilfe-Maßnahmen soweit bekannt.
In den aktuellen Reanimationsleitlinien wird die Gabe von Aspirin durch Laien befürwortet, ist natürlich etwas blöd denn normalerweise sind Medikamente in der EH nämlich, wie von apaoai beschrieben, ein Tabu.

frieder59
18.09.2013, 22:27
Interessant wären auch Internet-Apotheken, die in ihren Ländern rezeptfreie Arzneimittel verschicken .

Waldschrat
18.09.2013, 23:06
Interessant wären auch Internet-Apotheken, die in ihren Ländern rezeptfreie Arzneimittel verschicken .

Hallo Frieder59,

die gibts, aber ich würde die Finger davon lassen. Das Zeug kommt meist aus Indien oder China, wo es jede Menge Hinterhoflabors gibt, die Medikamente fälschen und in pefekt nachgedruckte Schachteln stecken. Im besten Fall ist das Zeug wirkungslos. ich habe sogar schon von üblen Tricks gehört, dass gezielt Giftstoffe beigemischt wurden, die die auf der Packungsbeilage abgedruckten Nebenwirkungen simulieren, damit der Patient an die Wirkungen glaubt. 30% des "Internet-Viagra" sollen angeblich wirkungslose Fälschungen sein. Manchmal helfen sie aber doch, da Impotenz häufig psychische Ursachen (Versagensängste) hat und dann stärkt das Pseudo-Viagra den kleinen Kerl über den Placeboeffekt:devil:

Ich würde da wirklich nur bei erkennbar seriösen europäischen Internetapotheken kaufen


Meint

Matthias

apaoai
19.09.2013, 20:11
Bei Viagra ist die Fälschungsrate noch höher. Das betrifft aber "nur" die illegalen Internetapotheken, bei den legalen ist das nicht so. Das Problem ist nur, die einen von den anderen zu unterscheiden. Theoretisch gibt es Online-Siegel, aber auch die wurden schon gefälscht.

Die osteuropäischen Länder sind häufig weniger restriktiv was die Rezeptpflicht angeht. Das gilt übrigens nur für nationale Zulassungen; die meisten neueren Präparate werden zentral für die EU zugelassen und dann ist auch die Rezeptpflicht einheitlich. Außereuropäisch ist Rezeptpflicht nicht selten ein Fremdwort (also auch in der Landessprach übersetzt :grosses Lachen: ).

@ Wofshund: Gute Info, das mit dem Aspirin. Hast Du einen Link zu der neuen Leitlinie? Ich habe es noch anders gelernt, weiß aber, dass es in Amerika teils solche Empfehlungen gibt.

Wolfshund
19.09.2013, 20:51
Hi,
Hier der Link zu einem Teil der ERC-Leitlinien 2010: http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10049-010-1371-2/fulltext.html

Kausalbehandlung
– Die Leitlinien für die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS) sind liberaler gestaltet worden. Acetylsalicylsäure kann durch Notfallzeugen mit oder ohne Anweisung des Leitstellendisponenten gegeben werden.
Alle Kapitel der ERC-Leitlinen findest du hier: http://www.grc-org.de/vortraege/cat_view/6-wissenschaft/1-leitlinien/27-leitlinien-2010

Wolfshund

Petshan
24.09.2013, 17:28
Hallo zusammen. Ich oute mich hier als Apot mit einigen Jahren Berufserfahrung.

Als ich mein praktisches Jahr in einer öffentlichen Apotheke absolviert habe, so in den frühen 90er Jahren, war Novalgin in der CH rezeptfrei erhältlich und wurde sehr breit, auch in der Selbstmedikamentation eingesetzt.

Nach den von Frequenzkatastrophe genannten Vorfällen war das Medikament tot. Novalgin wurde in die Rezeptpflicht umgeteilt. Trotzdem gab es keine Verschreibungen mehr. Erst Mitte der Nullerjahre, nach über 10 Jahren kamen wieder Verordnungen aus Spitälern und heute wird Novalgin in der CH wieder breit eingesetzt, ist aber hier nach wie vor rezeptpflichtig.

Die Beurteilung eines Medikaments beruht nur zum Teil auf Fakten. Dazu kommt eine gehörige Portion Zeitgeist. Momentan liegt die Macht wieder mehr bei den Registrierungsbehörden, die sich bemühen, bloss keinen Fehler zu machen.

Zur Auswahl eines Schmerzmittels für die persönliche Apotheke möchte ich noch folgendes anmerken: Jede Person reagiert auf die verschiedenen Substanzen im Angebot anders. Bei mir ist Paracetamol Placebo forte. Neben der fehlenden Wirkung gegen Entzündungen ist es bei mir unten durch. Gut wirken bei mir ASS, Diclofenac und Naproxen, wobei mir das Naproxen den Magen sehr sauer macht. Ibuprofen wirkt bei mir so so la la. Ich empfehle herauszufinden, was persönlich passt und dabei zu bleiben.


Service für Gäste-a2: www.team-pak.ch