PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alleingeburt im Wohnzimmer



Roi Danton
04.11.2013, 21:29
Ich bin auf ein Video gestossen, in dem einen Alleingeburt gezeigt wird.

Ich habe selber leider keine Kinder, und möchte nicht beurteilen wie sinnvoll eine freiwillige Alleingeburt ist

("dritte Alleingeburt... zuhause... diesmal nicht draussen... da zu kalt"),

aber für unser Forum ist es bestimmt ein interessantes Video:

http://www.youtube.com/watch?v=zFMHB4RqpjI&feature=youtu.be


Viele Grüße
Roi

Tsrohinas
05.11.2013, 08:47
Freiwillig würde ich keinem eine "allein" Geburt empfehlen. Komplikationen gibt es zuhauf und sind für einen Laien meist nicht beherrschbar.

Ich war bei der Geburt meiner Söhne dabei und sehr froh von Fachpersonal umgeben zu sein.

Im Rahmen meiner Ausbildung zum Rettungsassistenten habe ich die Geburtshilfe an Übungspuppen erlernt.
Von Spontangeburten während des Dienstes war ich bisher verschont. Ein Kollege mußte jedoch im RTW schon eine Frau entbinden.

Ich nehme das Thema auf und werde es im "Partnerprojekt" Survival Wiki behandeln.

Tsrohinas

ksbulli
05.11.2013, 09:51
Moin @ll,

nur mal so zum Nachdenken:

Bei allen meiner Kinder war es für die Mutter eine "Bilderbuchschwangerschaft" im klassischen Sinne, keinerlei Komplikationen standen der Freude auf das werdende Leben entgegen.
Zwar hat meine zweite Frau eine Grunderkrankung, dies hat aber den Verlauf der Schwangerschaften nie beeinflusst, wenn man der extrem peniblen Frauenärztin glauben darf. Jedoch...

Zwei meiner drei Kinder hätten eine Geburt außerhalb eines Kreissaales nicht überlebt. Sie mussten zwar nach der Entbindung nicht behandelt werden, aber ohne massive Hilfe und die Infrastruktur eines Kreissaales wären sie im Geburtskanal erstickt. Heute sind die Zwei (24 und 4 Jahre) gesunde und putzmuntere Menschenkinder.

Der dritte (zwei Jahre) kam problemlos zur Welt, nur wäre meine geliebte BEVA fast verblutet.

Möchte jetzt noch irgendjemand hier im Forum wissen, wie meine unbescheidene Meinung zu Geburten außerhalb von Kreissälen mit aller verfügbaren Medizin im Hintergrund ist?

Dies schliesst jegliche Form von Hausgeburten mit ein. Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe eine hohe Meinung vor den Hebammen, hiessen sie doch nicht umsonst früher auch "weise Frauen"! Aber es sollte alles an Medizin im Background abrufbar sein, was es heute gibt. Wenn´s nicht gebraucht wird um so besser!

Lieben Gruß

Christian

- - - AKTUALISIERT - - -


... Aber wenn man mal drüber nachdenkt es ging Jahrtausende auch ohne die ganze moderne Technik, richtige Ärzte und nicht der Medizinmann usw.
... Finde auch den Abschnitt im "Das große Buch der Überlebenstechniken" von Gerhard Buzek hilfreich ist was sowas angeht.

Moin Wildclaw, moin @ll,

zum ersten Teil der Zitation:

Wie hoch war die Neugeborenensterblichkeit unter und kurz nach der Geburt im Vergleich zu heute?
Nur zur Info: Eine Hebamme darf ein Kind ohne Ärztliche Hilfe entbinden - ein Arzt hat immer (falls irgend verfügbar (in D)) eine Hebamme hinzuzuziehen! (Stand meines Wissens 2011)

Zum zweiten Teil:

Als "Rettungsbär" und Vater dreier Kinder - ich war bei allen Geburten (und zweimal "Sectio Caesarea" im Kreissaal während der Ausbildung) dabei - lass Dir gesagt sein:
:Ironie: Da helfen Bücher allein dann (sauberes Papier vorausgesetzt) auseinandergenommen Blattweise als Unterlage.

Nee, im Ernst: Wenn Du diesen wunderbaren Vorgang noch nie wirklich miterlebt hast, wirst Du mit dem Buchwissen mächtig vor die Wand rennen. Ausserdem - ich muss nur mal meine Fortbildungen Gyn & Geburtshilfe revue passieren lassen - lernt Medizin auch hier nach Jahrtausenden noch dazu. Also viele der vermeintlich hilfreichen Tipps aus Büchern (Fachliteratur eingeschlossen) sind auf einmal überholt.

Nur mal so als Gedankenexperiment:

Wer hat den höchsten Stress unter der Geburt?

a) das Kind
b) die Mutter
c) der Vater
d) der ungeübte(!) Helfer
e) der geübte Helfer / die Hebamme / der Arzt

Ehrliche Antwort? Ich weiss es nicht... :peinlich:

Christian

hinterwäldler
05.11.2013, 15:26
Öko-Freunde von mir haben sich zugetraut, ihr erstes Kind auf ihrem Einsiedlerhof in Schweden nur mit Hebamme zu bekommen.
Das Kind hatte die Nabelschnur um den Hals und litt zeitweise an Sauerstoffmangel.
Die Folge ist eine lebenslange ernsthafte geistige Behinderung.
Ihre folgenden 3 Kinder haben sie dann in den hervorragenden und liebevollen schwedischen Kliniken entbunden.

Die zweite Frau meines Vaters brach im achten Monat mit einer Schwangerschaftsvergiftung zusammen und wäre gestorben, wenn das Kind nicht vorzeitig geholt und im Brutkasten aufgepäppelt worden wäre.
Auch dieses Kind ist wegen Sauerstoffmangels geistig so behindert, daß es nie ohne Aufsicht bleiben darf.

Die menschliche Spezies befindet sich, gerade was den Geburtsvorgang betrifft, in einer evolutionären Sackgasse und ist deshalb nicht mit den übrigen wildlebenden Säugetieren gleichzusetzen.
Das Größenwachstum des Gehirns hat zur Folge, daß menschliche Babys mit einem grotesk großen Kopf durch den einzigen Knochenring im Körper müssen.
Der Verbreiterung des Beckenknochenrings sind aber durch die Erfordernisse des aufrechten Ganges enge Grenzen gesetzt.
Als Folge eines starken Selektionsdruckes in Form von hoher Mütter- und Baby-Sterblichkeit werden Menschenbabys als physiologische Frühgeburten, also als quasi-Föten, verglichen mit Affenbabys geboren, damit der große Kopf noch verformbar genug ist.
Der Preis ist, das Menschenfrauen von allen Säugetierweibchen die größte Quälerei und die höchste Komplikationsrate bei der Geburt haben und daß Menschenbabys von allen Säugetierwelpen den höchsten und längsten Bedarf an Betreung haben.

Wo das nicht auf hohem Niveau gewährleistet ist, ist die Mütter- und Babysterblichkeit immer noch eklatant und deshalb finde ich die Feststellung, es ging ja auch tausende Jahre ohne, einfach nur herzlos und zynisch!

Aus gutem Grund gehört die weltweite Verwirklichung des Menschenrechts auf Zugang zu sexuellen und reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen zu den wichtigsten Milleniumszielen der Vereinten Nationen.
Darauf zu verzichten, aus einer "alternativen" "Natürlichkeits-Ideologie" heraus, halte ich für verantwortungslos!

www.weltbevoelkerung.de/informieren/unsere-themen/sexuelle-und-reproduktive-gesundheit/mehr-zum-thema/muettergesundheit.html

Hunted
05.11.2013, 23:09
Es ist wichtig und richtig sich für den fall der Fälle mit dem Thema zu befassen, allerdings verantwortungslos aus einer Ideologie heraus so etwas für den Regelfall als gut und sicher zu propagadieren. Selbst vorher ärztlich abgeklärte geplante Hausgeburten sind wie der Alltag zeigt nicht immer ohne Komplikationen mit teilweise schwerwiegenden Folgen für Mutter und/oder Kind. Der Regelfall gehört daher in die Klinik. Das schadet nämlich (definitiv) nicht, kann aber eine Reihe lebensrettender Vorteile aufweisen.

PS: Ein Trostpflaster für den Fall, dass wir doch mal in die Verlegenheit kommen: Meistens geht alles wie von selbst und meistens geht es auch gut. Zum Glück, denn viel mehr als zusehen, Händchen halten und der werdenden Mutter in allem zustimmen, was sie schreiend von sich gibt kann man als Laie eh nicht ;-)

Vollzeit-Opa
05.11.2013, 23:56
nur wäre meine geliebte BEVA fast verblutet. ... bei unserem zweiten Kind gleiche Situation

Firehorse
06.11.2013, 03:04
Ich denke, dass man "heutzutage" durchaus Kliniken finden kann, die neben Fachkompetenz auch ein gemütlicheres Plätzchen als das heimatliche Sofa zu bieten haben. Trotzdem muss jede Frau selbst für sich und ihr Kind entscheiden können, wie sie entbinden möchte, ohne die "verantwortungslos"- Keule übergezogen zu bekommen. Ich kenne nur Frauen, die bei Hausgeburten gesunde Kinder zur Welt gebracht haben. Eigentlich gehört "Entbindung" m.E. in jeden 1.Hilfe- Kurs- eine Sturzgeburt kann auch ohne Krise schon mal vorkommen. Ansonsten ist es vielleicht hilfreich, Geburten anderer größerer Säuger (z.B. Kühe, Pferde, Ziegen) mitzuerleben, um wenigstens eine kleine Vorstellung vom normalen und pathologischen (gerade bei Kühen, die häufig von zu starken Bullen besamt werden anzutreffen) Geburtsvorgang zu haben.

ID 358
06.11.2013, 17:58
Wenns nicht anders geht, dann wird es so gehen müssen.
Und es ist Tatsache, daß es weltweit millionenfach - milliardenfach in der menschlichen Geschichte funktioniert hat.
Einige Prozent Restrisiko hat eine Hausgeburt ohne Fachpersonal aber ganz bestimmt.
Eine Frau, die sich ohne Not für eine Hausgeburt entscheidet, sollte das nur tun, wenn sie ganz sicher ist, daß sie alle möglichen Konsequenzen in Kauf nimmt und die dafür nötige Stärke hat.

Kesselbrut
06.11.2013, 18:53
Ich würde eher auch für KH stimmen, aber wenn es nicht anders geht, dann muss es eben...

Um vielleicht die Stimmung etwas zu erheitern, eine kleine Geschichte zur Geburt meiner Mutter:

Ort ist gut zehn Jahre nach dem Krieg im Coburger Land nahe der innerdeutschen Grenze ein kleines Kaff, also dort wo weit und breit nichts ist.
Mein Grossvater war beim BGS und besuchte kurz vor der geplanten Geburt nochmal meine Grossmutter.

Es war Frühling und das ganze Dorf war auf den Feldern, auf meine Großmutter sollte ursprünglich die taube Ururgroßmutter aufpassen falls es zur Niederkunft kam.
Da mein Großvater aber zu Besuch war legte sich die Dame zum Schlafen. Es kam zwischen meinen Großeltern zu einem kleinen Streit darüber, dass sie trotz Schwangerschaft bei der Feldarbeit geholfen hatte und es musste kommen wie es kommen muste, die Wehen setzten ein.

Nun sind/waren meine beiden Großeltern nicht gerade durch Geduld, bzw. Rückgratslosigkeit bekannt, daher ging der Streit trotz einsetzenden Wehen weiter.

Als es doch Ernster wurde bestand meine Großmutter darauf den Pfarrer zu holen, wohingegen mein Großvater die Hebamme aus dem nächsten Dorf holen wollte. Der Streit eskalierte weiter und meine Großmutter griff auf den Nachttisch und um ihrem Willen (Zitat meiner Großmutter) etwas Nachdruck zu verleihen wollte sie die Bibel nehmen um meinen Großvater endlich zum Pfarrer holen zu bewegen, kurz, sie wollte ihm die Bibel über die Rübe ziehen.

Leider erwischte sie die Waschschüssel und schlug sie meinem Großvater über den Kopf, dieser ging zu Boden...
Eine knappe Stunde später kam dann meine Mutter zur Welt, mein Großmutter versorgte das Kind, weckte dann die Ururgroßmutter, rief einen Nachbarsjungen er solle den Pfarrer holen und legte sich dann mit den Worten: "Weckt mich wenn der Pfarrer da is, ansonsten leckt mich am A***." zum schlafen.

Fazit für meinen Großvater musste der Arzt geholt werden, meine Großmutter bekamm ihren Pfarrer und meine Ururgroßmutter* erfuhr erst auf Nachfrage am nächsten Tag, dass sie eine Enkelin hatte...

Edit: *Muss natürlich Urgroßvater heißen. Er ging, wie üblich, nach der Feldarbeit ins Wirtshaus...

olafwausr
06.11.2013, 18:57
Ziemlich coole Dame, dein Oma

Beste Grüße Olaf

Tsrohinas
06.11.2013, 19:45
Meine Großmutter war von ihrem 18 - 36 Lebensjahr jedes Jahr Schwanger! Nur die obligatorischen 3 Monate "Schonzeit" nach den Geburten nicht.
Sie arbeitete immer bis kurz vor der Entbindung auf dem Feld, in der Küche und im Stall.
So war das halt damals auf einem kleinen Bauernhof in Niederbayern üblich.

18 Schwangerschaften!
Das Ergebnis:
12 Kinder wurden Erwachsen (davon 1x vermisst und 1 x gefallen im II.WK)
3 Kinder starben sehr früh (1x nach einer Woche, 1x nach ca. 3 Monaten, 1x mit ca. 2 Jahren)
3 Schwangerschaften endeten mit Totgeburt

Das meine Großmutter überlebt hat, ist reiner Zufall!
Die Geburten wurden teils allein, teils mit Nachbarin und selten mit Hebamme durchgeführt.

Ich möchte sowas nicht erleben müssen.

Tsrohinas

Edit: Die gestorbenen Säuglinge hatten nicht mal Namen. Sie wurden in den Kirchenbüchern als "Anonymus" geführt.

ID 358
07.11.2013, 14:11
Die gestorbenen Säuglinge hatten nicht mal Namen. Sie wurden in den Kirchenbüchern als "Anonymus" geführt.
Also ich find das weder schlimm noch herzlos.
Man muss auch vergessen können und nicht jahrelang dem armen Franzi nachweinen, auch wenns schlimm ist, wenn eine Schwangerschaft bzw. Geburt so endet.
Die modernen Luxusweibchen geben damit vermutlich weiteren Kinderwunsch auf. Da waren die Omas und Urururur---- aus anderem Holz geschnitzt. Es kam ein oder zwei Jahre später ein neues Baby und das hiess dann halt Franzi oder Franziska.

Waldschrat
07.11.2013, 21:15
Also ich find das weder schlimm noch herzlos.
Man muss auch vergessen können und nicht jahrelang dem armen Franzi nachweinen, auch wenns schlimm ist, wenn eine Schwangerschaft bzw. Geburt so endet.
Die modernen Luxusweibchen geben damit vermutlich weiteren Kinderwunsch auf. Da waren die Omas und Urururur---- aus anderem Holz geschnitzt. Es kam ein oder zwei Jahre später ein neues Baby und das hiess dann halt Franzi oder Franziska.

Hallo Luftikus,

Du solltest allerdings eines nicht übersehen, die heutige moderne 36 jährige ist eine attraktive, fitte und lebenslustige junge Frau. Damals war eine 36 jährige nach zehn bis zwölf Schwangerschaften mit diversen Franzis ein verschlissenes altes Weib, wenn sie nicht vorher - etwa so Mitte zwanzig - im Wochenbett verstorben ist.

Irgendwie weine ich den Zeiten unserer Urururomas keine Träne nach.

Vielleicht sind die Frauen heute aus anderem Holz geschnitzt - Thema Selbstbewustsein und Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper. Wenn mich irgendetwas in unserer heutigen Gesellschaft aufregt, dass es kinderlose Paare oft immer noch begründen müssen, weshalb und warum sie bewusst keine Kinder haben wollen und deswegen von der Kinderwagenschiebefraktion schief angeguckt werden.


Meint

Matthias

Sandra
07.11.2013, 23:40
Kurz und bündig. Wer nicht in Notsituationen alleine gebären muss soll die Finger davon lassen. Wir haben glücklicherweise zugriff auf Saugglocke, Nähen des Dammbruches, UV-Lampen bei Gelbsucht, Ausscheiden des Mutterkuchens, Kontrolle auf Vollständigkeit, etc.. Seid froh im 21 Jahrhundert zu leben und all den medizinischen Krimskrams gleich um die Ecke zu haben. Schon alleine das Geschrei, der Kraftakt. Viele Männer leider mehr als ihre Frauen dabei. Es ist gut zu wissen was zu tun wäre, aber behüte uns Gott davor es jemals tun zu müssen.

Firehorse
08.11.2013, 01:33
Es kann auch ohne Kraftakt und Geschrei gehen...selbst erlebt. Ein sehr schönes Erlebnis im Übrigen:rolleys:

Sandra
08.11.2013, 22:10
Aus meiner Erfahrung heraus dauert die erste Geburt locker 12 Stunden und mehr. Da ist das Geschrei noch der harmlose teil davon. Erst richtig übel wirds wenn die Kraft nachlässt und das Kind noch nicht durch den Geburtskanal gekommen ist. Da wird meistens eine Rückenmarkspritze gesetzt. Dann ist der Schmerz weg aber die meisten Frauen sind dann froh einfach nur noch liegen zu können :-). Soll nicht abschätzig rüberkommen denn die Männer sollen die Frauen ehren, den kein einziger Mann kann Kinder gebären :-)

Tsrohinas
10.11.2013, 20:41
Ich habe ja schon angekündigt zu diesem Thema einen Wiki Beitrag zu schreiben.

Hier ist er, zwar ohne Bilder, dafür aber vorab!

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und ChrisHamburg danken! Sie liest Korrektur und läßt ihre Lebens- und Berufserfahrung in die Artikel einfliessen. Danke dafür! Ich schätze das wirklich sehr!

Und nun der Artikel. Ich hoffe, der eine oder die andere können damit etwas anfangen. Hoffentlich braucht es niemand!

Geburt und Geburtshilfe


Allgemeines:


Eine Schwangerschaft dauert unter normalen Umständen 40 Wochen oder 280 Tage
Ein Mutterpass (D) Mutter-Kind Pass (A) wird in Deutschland und Österreich nach Feststellung der Schwangerschaft durch den Gynäkologen oder (der) die Hebamme ausgestellt. Hier werden u.a. der errechnete Geburtstermin und die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt eingetragen. Dieser Pass sollte durch die werdende Mutter immer mitgeführt werden.
Die Vorsorgeuntersuchungen gemäß o.a. Mutterpass dienen der Gesundheit der werdenden Mutter und des Kindes. Es sollen frühzeitig Krankheiten, Fehlentwicklungen und vorhersehbare Geburtsprobleme erkannt werden.
Der Geburtstermin (+/- 2 Wochen kann nach der „Naegele-Regel“ errechnet werden: „1. Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr“


Zeichen einer bevorstehenden Geburt:


Fruchtwasserabgang
Vaginalblutung
Abgang von blutigem Schleim aus der Vagina
Regelmäßige Wehen
Presswehen


Empfohlene Maßnahmen:


Ruhe bewahren! Eine Geburt ist ein natürlicher Prozess und dauert vor allem bei erstgebärenden Frauen oft Stunden. Fahre die Gebärende (Mutterpass nicht vergessen) zu einer Geburtsklinik. Wenn Fruchtwasser abgegangen ist, sollte die Mutter umgehend liegend in eine Klinik gebracht werden.
Ein eigenständiger Transport in die Klinik sollte unterbleiben, wenn bereits Presswehen einsetzen oder das Köpfchen bzw. Haare des Kindes erkennbar sind.
Wenn kein Transport möglich ist oder sich während des Transportes Hinweise auf Komplikationen oder eine unmittelbar bevorstehende Geburt auftreten: Notruf absetzen und mit Notgeburt rechnen!
Intimsphäre waren bzw. schaffen.
Gebärende mit freiem Unterkörper breitbeinig auf eine saubere, wenn möglich sterile Unterlage (z.B. Verbandtuch) setzen. Das Neugeborene soll bei einer plötzlich einsetzenden Geburt nicht herunterfallen können. Es bietet sich also z.B. der Boden, ein Bett oder der Rücksitz eines Pkw an.
Die Gebärende darf während der Wehen gerne die Knie anwinkeln und mit den Händen in die Kniekehlen fassen.
Versuche die Gebärende in den Wehenpausen zu beruhigen und tief und ruhig atmen zu lassen.
Bei auftretenden Presswehen sollte die Gebärende tief Luft holen, Luft anhalten und pressen. Die Geburt steht unmittelbar bevor!



Versorgungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei einer Notgeburt:


Dammschutz (Damm = Gewebe zwischen Scheide und After) sobald das Köpfchen zu sehen ist, bis es vollständig geboren ist (Foto folgt). Die Elastizität des Damms kann vor dem Einsetzen der Presswehen durch auflegen von warmen, feuchten Tüchern und sanfter Massage am Damm erhöht werden. Dies empfiehlt sich nur, wenn die Mutter es als angenehm empfindet.
Köpfchen mit beiden Händen fassen und zuerst eine Schulter und dann die andere Schulter befreien. Vorher wird sich das Köpfchen um 90 Grad drehen (siehe Bild).
Nächste Presswehe abwarten und den restlichen Geburtsvorgang mit leichtem Zug am Kopf nach schräg oben unterstützen (das Kind um die Symphyse entwickeln).
Neugeborenes mit dem Kopf schräg nach unten halten, damit Fruchtwasser aus den Atemwegen ablaufen kann.
Das Neugeborene sollte jetzt atmen und schreien!
Lebenszeichen des Neugeborenen prüfen / Neugeborenes beurteilen.

Optimal sind:
Hautfarbe überall rosig
Puls über 100/min
regelmäßiges Atmen, Kind schreit
Kind hustet oder niest beim Absaugen
Kind bewegt aktiv und kräftig Arme und Beine


Neugeborenes schnell abtrocknen und warm halten!
Das Neugeborene (warm eingewickelt!) für 30 Sek. etwa 20 cm tiefer als das Becken der Mutter halten. Dadurch erhöht sich das Blutvolumen beim Kind deutlich



Nun kann im Normalfall das Neugeborene der Mutter auf den Bauch gelegt werden. Es darf der Mutter gratuliert werden!
Die Nabelschnur wird nach der Geburt noch mehrere Minuten sichtbar pulsieren. Das Abnabeln (etwa 3 Minuten nach der Entbindung) erfolgt an zwei Stellen, ca. 30cm vom Neugeborenen entfernt. Hierfür werden Nabelklemmen oder eine Mullbinde verwendet und ca. 2cm auseinander platziert . Das durchtrennen der Nabelschnur zwischen den abgeklemmten Stellen kann auch erst in der Klinik erfolgen!
Ggf. Absaugen (zur Not mit einem Strohhalm) und Reanimieren des Neugeborenen
Vagina steril abdecken
Uhrzeit der Geburt festhalten


Versorgungs- und Behandlungsmöglichkeiten im Katastrophenfall:


Die Nabelschnur wird nach der Geburt noch mehrere Minuten sichtbar pulsieren. Das Abnabeln (etwa 3 Minuten nach der Entbindung) erfolgt an zwei Stellen, ca. 30cm vom Neugeborenen entfernt. Hierfür werden Nabelklemmen oder eine Mullbinde verwendet und ca. 2cm auseinander platziert .
Das Durchtrennen der zweifach abgeklemmten Nabelschnur mit einer sterilen Schere zwischen den abgeklemmten Stellen sollte erst erfolgen, wenn das pulsieren der Nabelschnur aufgehört hat (Die Blutgefäße in der Nabelschnur kollabieren). Die Klemmen bzw. Mullbinde zum abnabeln bleiben dran! Mit einer sterilen Kompresse wird danach das am Kind befindliche Ende der Nabelschnur abgedeckt. Ein paar Stunden später kann dann die Nabelschnur mit einer sterilen Schere auf ca. 4 cm zurückgeschnitten werden. Das Ende wieder steril abdecken.
Generell sollte man sich das Material für eine Notgeburt griffbereit vorhalten.


Nachgeburt


Nachdem das Kind geboren ist, werden innerhalb der nächsten zwei Stunden die Placenta (Mutterkuchen) mit der daran befindlichen Nabelschnur und die Eihäute mit einigen Wehen ausgeschieden. Die Ausstoßung selbst sollte 10-20 Min. dauern. Werden 30 Min. überschritten, kann es zu einem größeren Blutverlust kommen.
Normalerweise beträgt der Blutverlust dabei 250-500 ml.
Die Placenta wird sorgfältig darauf geprüft, ob sie vollständig ist oder Stückchen fehlen. Sollten Teile in der Gebärmutter geblieben sein, ist eine Ausschabung notwendig.
Die Placenta zur Beurteilung unbedingt in die Klinik mitbringen!


Material für eine Notgeburt:


2 (sterile) Nabelklemmen oder Mullbinde (Streifen) zum abnabeln
1 (sterile) Schere zum Durchschneiden der Nabelschnur
Steriles Verbandtuch (evtl. sauberes und gebügeltes Leintuch)als Unterlage
Sterile Wundkompressen zum Verbinden der durchtrennten Nabelenden
Sterile Handschuhe (wenn vorhanden)
Absauger (Orosauger)
Pflasterrolle
Tücher zum abtrocknen
Decke für den Wärmeerhalt
Vaseline (erhöht die Gleitfähigkeit der Schamlippen)


Quellen:
Memorix Notfallmedizin. Georg Thieme Verlag
Mensch, Körper, Krankheit. Urban & Fischer Verlag

Autor: Tsrohinas + ChrisHamburg

Waldschrat
10.11.2013, 21:40
DANKE!!!

Das war ein richtig guter Beitrag.


Danke an Tsrohinas und ChrisHamburg!

Meint

Matthias

hinterwäldler
16.11.2013, 17:52
Auf SPON wird eine verblüffend einfache Idee vorgestellt, ein im Geburtskanal feststeckendes Baby mit einer aufzublasenden Plastiktüte rauszuholen.
Erste Tests sollen die WHO überzeugt haben, daß diese Methode in medizinisch unterversorgten Gebieten eine brauchbare Alternative zu Saugglocke oder Geburtszange sein könnte.
(Verlinken funktioniert bei mir momentan leider nicht)


Service für Gäste-a2: www.team-pak.ch