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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erste Hilfe bei Menschen mit Behinderungen



ID 7004
07.01.2015, 22:31
Hi

In Anbetracht einer meiner Wunschszenarien für meine Zukunft, ist mir neulich eine Frage aufgekommen, welche mir nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zur Zeit mache ich ein FSJ in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Wir sind eine bunte Truppe und haben alle Behinderungen vertreten.
Für mich, dass möchte ich erwähnen - weil ich es vorher anders gesehen habe - ganz normale Menschen :lächeln:

Nun könnte ich mir vorstellen, eine Ausbildung als Notfallsanitäter anzufangen.
Neulich ist mir dann die Frage gekommen, auf die ich keine plausible Antwort (evtl. weil unwissend) finden konnte.

---> Gehen wir davon aus, dass ein Bewohner, der zwar körperlich unversehrt, jedoch geistig behindert ist, sich verletzt. Der Grad der Behinderung beträgt 100%, der Patient spricht nicht, versteht nicht was passiert, ist evtl. aufgeregt und zappelt trotz Verletzung rum.

Angenommen der Bewohner wäre lebensbedrohlich verletzt.

Welche Mittel/Rechte/Pflichten hat in solchem Szenario der Sanitäter (Nicht der Notarzt) bzw. das Pflegepersonal?

Logisch wäre es, ihn zu betäuben, was der Sanitäter rechtlich meines Wissens nach nicht darf und auch keine Mittel dazu hat.

Ich hoffe ihr könnt euch einigermaßen in das Szenario versetzen und evtl schildern, was ihr tun würdet

Grüße

ID 7004
07.01.2015, 23:19
Ich gehe jetzt von Deutschland aus. Gerne könnt ihr mich aber auch aufklären, wie es in anderen Ländern gemacht werden würde/dürfte

Basmyr
08.01.2015, 01:04
Oha, ich muss ehrlich sagen, dass dieses Forum dafür nicht der richtige Ort ist.
Das Thema ist mit unendlich vielen Fallstricken gesegnet, die eigentlich nur ein versierter Anwalt richtig beantworten kann.

Aber! Grundsätzlich bist du verpflichtet Hilfe zu leisten. Du weißt aber als gerade eingetroffener Nothelfer meistens nicht, dass diese andere Person geistig behindert ist. Das gezeigte Verhalten lässt auch nicht sicher auf eine geistige Behinderung schließen, auch Schock kann Menschen komplett verwirrt handeln lassen.
Als Sanitäter solltest du daher zur Hilfe immer die Exekutive holen, selber eingreifen ist selten eine gute Idee. Menschen im Adrenalirausch haben unheimliche Kräfte. Ein Fliegengewicht mit 50 Kilo kann 4 doppelt so schwere Beamte zum Schwitzen bringen. Wenn die Exekutive nicht so schnell eintrifft, die Person aber schwer verletzt ist, wird sich das Problem aber meist von alleine erledigen, irgendwann wird diese Person schon wegen des Blutverlustes "ruhig" und lässt sich versorgen.
Ist diese Person aber nicht lebensgefährlich verletzt, sondern ist "nur" ausgerastet, gilt wieder: abstand halten und Polizei. Erst danach wird dann geholfen, wie die Situation es verlangt.
Das ist jetzt nur ein sehr kurzer Anriss. Du wirst aber als Notfallsanitäter alles zu dem Thema lernen, wenn du die Ausbildung machst.

Die Möglichkeiten der Pflege sind für dich aber eher untergeordnet, da im Endeffekt immer ein Arzt entscheidet, bzw. die Entscheidungen der Pflege nachträglich unterstützt (er muss immer unterschreiben).

Aber immer gilt: Eigenschutz geht vor Fremdschutz. Versuche NIEMALS eine verwirrte Person gegen ihren Willen festzuhalten, wenn diese voll agitiert ist. Das kann sehr böse enden.

Grüße
Basmyr

Waldschrat
08.01.2015, 01:56
Welche Mittel/Rechte/Pflichten hat in solchem Szenario der Sanitäter (Nicht der Notarzt) bzw. das Pflegepersonal?


Hallo,

Als Ersthelfer oder erst recht als Sanitäter hast Du in D zunächstmal die Pflicht zur Hilfe. Sonst §323c Strafgesetzbuch, "Unterlassene Hilfeleistung"

"Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Die Bestimmung sagt also auch aus, dass Du nicht in ein brennendes Gebäude rennen und in den dritten Stock turnen musst.

Umgang im Notfall mit Behinderten? Ich sage mal, das ist nichts anderes als Umgang mit Unfallopfern, die verletzt panisch oder bewusstlos sind oder durch erhebliche Traumata tatsächlich akut behindert sind. Ein Rollstuhlfahrer und ein offener Beinbruch sind da so nicht wirklich der Unterschied. Den Querschnittsgelähmten könnte ich sogar schmerzärmer die Treppe runterschaffen.

Bei jemandem der Panik schiebt, der alkoholisiert ist oder auf Kraut und aggressiv reagiert - das kommt bei EH-Fällen durchaus häufig vor, der muss dann schon mal mit mehreren Helfern auf der Trage fixiert werden. Was wäre bei einem geistig Behinderten anders?

Was Medikamentengabe angeht: Als EH darfst Du es in keinem Fall, die Regeln für Sanis kenne ich nicht (bin keiner)

Es gibt allerdings auch Ausnahmesituationen: Zur See darfst Du als Schiffsführer über die Bordapotheke verfügen und auch Medikamente verabreichen. Du bist allerdings aus Haftungsgründen vor Gabe heftiger Medikamente gut beraten, Dich vorher per Funk mit einem Arzt der SAR-Leitstelle abzusprechen und das Gesprächsprotokoll im Logbuch zu notieren.

Viele Grüsse

Matthias

Thanatos
08.01.2015, 02:01
Ja das ist schon eine schwierige Situation. Haben wir auch gelegentlich auf der Arbeit. Ganz wichtig: Gib NIE Medikamente die nicht in den ärztlichen Verordnungen stehen, auch nicht wenn du es für richtig hälst (also auf der Arbeit).


Logisch wäre es, ihn zu betäuben, was der Sanitäter rechtlich meines Wissens nach nicht darf und auch keine Mittel dazu hat.
Mit was? Wenn dein Klient ein Betäubungsmittel verschrieben hat (unwahrscheinlich) dann darfst du es geben,ansonsten nicht. Ich wieder hole mich NIEMALS!

Wir haben für einige unserer Klienten starke "Beruhigungsmittel" (Tavor und solche Späße) und diese natürlich auch verschrieben, diese stellen aber höchstens ein bisschen ruhig und betäuben nicht.



Versuche NIEMALS eine verwirrte Person gegen ihren Willen festzuhalten, wenn diese voll agitiert ist. Das kann sehr böse enden.

In einer Alltagssituation natürlich richtig. Dienstlich etwas anderes, soweit ich BöhserZerstörer verstanden hat geht es ihm (auch?) um Arbeitssituationen, bei uns (Intensivbetreeungsgruppe mit mehreren verschieden "schwer" Behinderten, mit auto- und fremdaggressionen) gehört das dazu "verwirrte" Personen gegen ihren Willen festzuhalten, allerdings sind wir dazu auch ausreichend geschult. Hier ist wichtig sich nicht zu überschätzen, trotz Jahren von Erfahrung kann es einem passieren in eine gefährliche Situation zu kommen (mir letztes Jahr passiert trotz über 10 Jahren Erfahrung), wenn möglich immer zusätzliche Personen (Personal) dazu holen.

In der ersten Hilfe kannst du in so fern für die Sanis und den Notarzt hilfreich sein, als das du für deinen Klienten (der in diesem fiktiven Fall stark geistig behindert ist und nicht sprechen kann) das Sprachrohr bist. Du musst ihn so gut kennen lernen (was unter Umständen Jahre dauern kann) das du sein Verhalten deuten kannst und beispielsweise weist, wann er wo Schmerzen hat.

Tsrohinas
08.01.2015, 08:07
Zitat: Gehen wir davon aus, dass ein Bewohner, der zwar körperlich unversehrt, jedoch geistig behindert ist, sich verletzt. Der Grad der Behinderung beträgt 100%, der Patient spricht nicht, versteht nicht was passiert, ist evtl. aufgeregt und zappelt trotz Verletzung rum.

Angenommen der Bewohner wäre lebensbedrohlich verletzt.

Welche Mittel/Rechte/Pflichten hat in solchem Szenario der Sanitäter (Nicht der Notarzt) bzw. das Pflegepersonal? Zitatende


Nun, zuerst hat jeder die Pflicht zur Hilfeleistung. Wenn sich der Patient nicht ruhig hält, versucht man ihn zu beruhigen und die Verletzung zu versorgen. Gewalt scheidet aus.

ASAP ist ein Notruf abzusetzen und die Situation wird geschildert. In DEU wird dann (wenn lebensbedrohlich verletzt) auch ein Notarzt alarmiert.

Geistig behinderte haben einen Betreuer. Der sollte ebenfalls informiert werden. Evtl. gibt es auch irgendwelche Verfügungen.

Das Rettungsdienstpersonal muss dann abwägen ob der unruhige Patient trotz seiner schweren Verletzungen für die Versorgung und den Transport sediert (z.B. intramuskuläre Injektion oder intranasal mit MAD) werden muss und kann.

Tsrohinas

Oscar
08.01.2015, 10:49
Dazu würde mich auch mal interessieren, wer wann und auf welcher Grundlage entscheiden darf/muss, dass jemand ruhiggestellt werden darf, um ihn weiter zu behandeln. Grundsätzlich hat ja jeder das Recht, sich nicht behandeln zu lassen. Auch bei lebensbedrohlichen Sachen.
Bei Leuten, die - warum auch immer - gerade nicht geschäftsfähig sind, muss die gegenwärtige Meinung des Patienten nicht seiner "tatsächlichen" Meinung entsprechen. Aber vielleicht ist das, was der "verwirrte" Patient sagt/impliziert auch genau das, was in seiner notariell beglaubigten Patientenverfügung steht. Vielleicht hat er dazu ganz einfach eine seltsame Meinung und will sie bzw. sich auch geradezu panisch verteidigen. Man kann also auch denken, dass jemand verwirrt ist, obwohl es gar nicht der Fall ist.

Wer darf wann entscheiden, dass ein potenzieller Patient gerade keine Entscheidungen über sein Leben treffen darf?
Besonders, wenn keine Betreuer oder Angehörige verfügbar sind, die die Situation aufklären können.

Natürlich ist das immer etwas situationsabhängig. Wenn ein Feuerwehrmann im brennenden Haus jemanden findet, der ihm sagt, dass er gerne noch bleiben möchte, werden soweit möglich vermutlich nicht viele Fragen gestellt und der Bewohner auch gegen seinen Willen eingepackt.
Aber wie sieht das im Allgemeinen aus, wenn die Retter selbst nicht durch äußere Umstände gefährdet werden, jedoch trotzdem keine Zeit bleibt, um mögliche Angehörige ausfindig zu machen oder ähnliche Zusatzinformationen zu bekommen?

Wer darf dann soetwas entscheiden und auf welcher gesetzlichen (je nach Land) und medizinischen Grundlage geschieht das?

Tsrohinas
08.01.2015, 11:17
Sehr schwierige Fragestellung!

Ich werfe mal den Begriff "mutmaßliche Einwilligung bzw. mutmaßlicher Wille" in den Ring. link: http://de.wikipedia.org/wiki/Mutma%C3%9Flicher_Wille
Beispiel: Jemand will sich durch Tabletten selbst umbringen und schreibt auch einen schönen Abschiedsbrief. Ich komme also mit dem RTW an und helfe trotzdem. Ich darf und kann hier nicht tatenlos bleiben. Es wird davon ausgegangen, dass der Patient es doch möchte das man ihm hilft, weil jemand der sich selbst umbringen will, sich in einer psychischen Ausnahmesituation befindet.

Wenn keine Patientenverfügung vorhanden ist und der Patient nicht ansprechbar ist oder augenscheinlich nicht zurechnungsfähig (stark alkoholisiert, Drogen, psychischer Ausnahmezustand) ist, wird geholfen. Sonst mache ich mich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.
Die Gerichte können das dann gerne hinterher monatelang zerpflücken, was ich in Sekunden entscheiden musste....
Was der Arzt dann mit dieser Situation macht, liegt in dessen Verantwortung.

Tsrohinas

Oscar
08.01.2015, 12:26
Danke, das Stichwort fehlte mir noch.
Aber nehmen wir mal an, die ganze Bande (Ersthelfer, Rettungsdienst, Notarzt, Feuerwehr, Polizei) ist vor Ort. Allerdings keiner, der den Patienten kennt. Einen Ausweis oder ähnliches findet man natürlich auch nicht. Es geht nicht um Sekunden, sondern mehr darum, dass innerhalb der nächsten Stunden etwas getan werden muss, sonst drohen dem Betroffenen unangenehme Folgen. Sagen wir mal, es sieht nach einem Arterienverschluss im Bein aus. Bein ist weiß und kalt und der Patient hat wohl massive Schmerzen im entsprechenden Bein. Den Fuß kann man nicht sehen, der steckt noch im Schuh (Sommer, kurze Hose). Jetzt ist er entsprechend aufgebracht und reagiert - vielleicht durch die Schmerzen - spätestens beim Eintreffen von Notarzt und Polizei aggressiv auf jegliche Hilfs- und Gesprächsversuche. Er zetert lediglich lautstark, dass ihm die verdammten Ärzte mal gestohlen bleiben können und will humpelnd das Weite suchen.
Man hat also Gelegenheit, sich abzusprechen. Die Polizei, als Zuständige für alles, was der Betroffene nicht will, hat Gelegenheit den Arzt zu befragen. Der meint, wenn der angehende Patient nicht in den nächsten Stunden ins Krankenhaus kommt, verliert er sicher das Bein. Falls er das schon lange genug habe, könnte er auch bald septisch werden. Einer der Ersthelfer (Betroffener ist an einem Getränkestand des laufenden Stadtfestes gestürzt) sagt, dass der Betroffene schon die ganze Zeit sagte, dass er bloß nicht ins Krankenhaus wolle. Auch schon, als ebenjener anfangs noch ruhiger war. Er war nicht auffällig betrunken, riecht aber spätestens seit dem Sturz mit dem Bierglas in der Hand, stark nach Bier.

Wie wird in so einer Situation entschieden? Man hat genug Zeit, alles durchzugehen, kann aber nicht warten, bis der Betroffene eine Nacht drüber geschlafen hat.
Einerseits die klare Behandlungsverweigerung und noch keine direkte Lebensgefahr, auf der anderen Seite die Möglchkeit, dass der Betroffene verwirrt sein könnte und die Aussage des Arztes, dass der Betroffene in nächster Zeit sehr sicher ins Krankenhaus kommt.

Natürlich sind das immer Einzelfallentscheidungen, aber mich würde eben der Entscheidungsprozess interessieren, bei dem beschlossen wird ob unser Hinkebeinchen gerade seinen mutmaßlichen Willen vertritt.


Ich hoffe, das geht nicht zu weit weg vom Eingangsthema, aber es behandelt ja immer noch die Frage wer wann was für jemanden Entscheiden darf.

Thanatos
08.01.2015, 12:34
Erfahrungsgemäß würde da garnix passieren (achtung: ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, das ist nur meine persönliche Erfahrung). Ähnliches hatten wir schon, allerdings hatten wir schon und es ist halt extrem wichtig ob jemand klar kommunizieren kann oder nicht. Wir hatten dann das Glück auf den rechtlichen Betreuer verweisen zu können der alles weitere geregelt hat. Aber in deinem Fall is ja niemand in der Nähe der den Menschen gut kennt, ich gehe davon aus das Sanis und Arzt froh sein würden den etwas schwierigen Menschen nicht mitnehmen zu müssen. (Wobei ich hier niemandem was schlechtes unterstellen will, wie gesagt, Erfahrung)

Tsrohinas
08.01.2015, 15:30
Danke, das Stichwort fehlte mir noch.
Aber nehmen wir mal an, die ganze Bande (Ersthelfer, Rettungsdienst, Notarzt, Feuerwehr, Polizei) ist vor Ort. Allerdings keiner, der den Patienten kennt. Einen Ausweis oder ähnliches findet man natürlich auch nicht. Es geht nicht um Sekunden, sondern mehr darum, dass innerhalb der nächsten Stunden etwas getan werden muss, sonst drohen dem Betroffenen unangenehme Folgen. Sagen wir mal, es sieht nach einem Arterienverschluss im Bein aus. Bein ist weiß und kalt und der Patient hat wohl massive Schmerzen im entsprechenden Bein. Den Fuß kann man nicht sehen, der steckt noch im Schuh (Sommer, kurze Hose). Jetzt ist er entsprechend aufgebracht und reagiert - vielleicht durch die Schmerzen - spätestens beim Eintreffen von Notarzt und Polizei aggressiv auf jegliche Hilfs- und Gesprächsversuche. Er zetert lediglich lautstark, dass ihm die verdammten Ärzte mal gestohlen bleiben können und will humpelnd das Weite suchen.
Man hat also Gelegenheit, sich abzusprechen. Die Polizei, als Zuständige für alles, was der Betroffene nicht will, hat Gelegenheit den Arzt zu befragen. Der meint, wenn der angehende Patient nicht in den nächsten Stunden ins Krankenhaus kommt, verliert er sicher das Bein. Falls er das schon lange genug habe, könnte er auch bald septisch werden. Einer der Ersthelfer (Betroffener ist an einem Getränkestand des laufenden Stadtfestes gestürzt) sagt, dass der Betroffene schon die ganze Zeit sagte, dass er bloß nicht ins Krankenhaus wolle. Auch schon, als ebenjener anfangs noch ruhiger war. Er war nicht auffällig betrunken, riecht aber spätestens seit dem Sturz mit dem Bierglas in der Hand, stark nach Bier.

Wie wird in so einer Situation entschieden? Man hat genug Zeit, alles durchzugehen, kann aber nicht warten, bis der Betroffene eine Nacht drüber geschlafen hat.
Einerseits die klare Behandlungsverweigerung und noch keine direkte Lebensgefahr, auf der anderen Seite die Möglchkeit, dass der Betroffene verwirrt sein könnte und die Aussage des Arztes, dass der Betroffene in nächster Zeit sehr sicher ins Krankenhaus kommt.

Natürlich sind das immer Einzelfallentscheidungen, aber mich würde eben der Entscheidungsprozess interessieren, bei dem beschlossen wird ob unser Hinkebeinchen gerade seinen mutmaßlichen Willen vertritt.
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Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!

Wenn ein Patient selbst über sein Geschick entscheiden kann, dann kann er eine Behandlung verweigern.
Im Rettungsdienst wird dann versucht, dass er nach einer eindringlichen Belehrung auf dem Einsatzprotokoll (ist auf der Rückseite) eine "Transportverweigerungserklärung" unterschreibt.
Darin wird der Patient darauf hingewiesen, dass Schäden / Folgeschäden durch die Nichtbehandlung entstehen können und er selbst die volle Verantwortung dafür trägt.
Wenn auch die Unterschrift verweigert wird, unterschreibt nur der Belehrende und ein Zeuge (z.B. die Polizei) und gut ist`s.

So etwas passiert gar nicht mal so selten.

Tsrohinas

hjoggel
08.01.2015, 16:47
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!

Wenn ein Patient selbst über sein Geschick entscheiden kann, dann kann er eine Behandlung verweigern.
Im Rettungsdienst wird dann versucht, dass er nach einer eindringlichen Belehrung auf dem Einsatzprotokoll (ist auf der Rückseite) eine "Transportverweigerungserklärung" unterschreibt.
Darin wird der Patient darauf hingewiesen, dass Schäden / Folgeschäden durch die Nichtbehandlung entstehen können und er selbst die volle Verantwortung dafür trägt.
Wenn auch die Unterschrift verweigert wird, unterschreibt nur der Belehrende und ein Zeuge (z.B. die Polizei) und gut ist`s.

Das klingt recht vernünftig, warum sollte man jemanden zwingen irgendwo hinzugehen (abgesehen von Straftätern etc.?)

Wie ist das eigentlich mit dem Krankenwagen, wer bezahlt das eigentlich?
Also sagen wir, ich gehe die Strasse entlang und sehe jemanden bewusstlos am Boden liegen. Ich mache Bewusstlosenlagerung etc. und rufe die Rettung. Die kommen, der Typ erwacht und weigert sich mitzufahren. Muss ich dann den Krankenwagen bezahlen?
Wie sieht das in DACH aus? In CH weiss ich, dass ich, wenn ich den Krankenwagen für mich rufe, den auch bezahlen muss (und danach muss ich dann mit der Krankenkasse schauen wegen der Rückerstattung).

Tsrohinas
08.01.2015, 16:56
Das klingt recht vernünftig, warum sollte man jemanden zwingen irgendwo hinzugehen (abgesehen von Straftätern etc.?)

Wie ist das eigentlich mit dem Krankenwagen, wer bezahlt das eigentlich?
Also sagen wir, ich gehe die Strasse entlang und sehe jemanden bewusstlos am Boden liegen. Ich mache Bewusstlosenlagerung etc. und rufe die Rettung. Die kommen, der Typ erwacht und weigert sich mitzufahren. Muss ich dann den Krankenwagen bezahlen?
Wie sieht das in DACH aus? In CH weiss ich, dass ich, wenn ich den Krankenwagen für mich rufe, den auch bezahlen muss (und danach muss ich dann mit der Krankenkasse schauen wegen der Rückerstattung).

In DEU wird man für einen solchen Einsatz weder als Anrufer, noch als verweigernder Patient etwas bezahlen.
Der Anrufer ist von einem echten Notfall ausgegangen. Der Patient kann, wie ober schon beschrieben, verweigern.

Es passiert manchmal auch, dass der Patient beim eintreffen des Rettungsdienstes schon das Weite gesucht hat und nicht mehr auffindbar ist.
Die Rettungswagenbesatzung meldet sich bei der Leitstelle, erklärt die Situation und ist dann wieder "frei und einsatzbereit" und das war`s.

Eine Rechnung würde der Anrufer nur bekommen, wenn es gar keinen Notfall (Patient bei Rettungsdienst, Brand bei Feuerwehr etc.) gibt. Also nur wenn Missbrauch mit dem Notruf betrieben wurde.

Tsrohinas

Oscar
08.01.2015, 20:08
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!

Wenn ein Patient selbst über sein Geschick entscheiden kann, dann kann er eine Behandlung verweigern

Ja, in der Theorie ist mir das klar. Mir ging es jetzt aber um die Gratwanderung, wann jemand diese Entscheidung nicht mehr für sich selbst treffen darf. Wenn jemand voll ist wie eine römische Strandhaubitze, wie Mr. Burns mal so schön sagte, dann kann er noch so laut sagen, dass er nicht behandelt werden will und seine Unterschrift irgendwohin krakeln. Wenn der Kerl nicht mehr geschäftsfähig ist, ist diese Unterschrift ja wertlos.
Klar, als Rettungsdiener kann ich nie jemanden festhalten, da besteht das Problem weniger, aber Polizisten kommen ja dann tatsächlich mal in die Situation, dass der Rettungsdienst sich meldet, weil ihnen genau das passiert ist. Und nun muss der Polizist entscheiden, ob der Betroffene noch Herr seiner selbst ist oder eben nicht.

Da dabei aber auch unbequeme Entscheidungen getroffen werden, vermute ich, dass es entsprechende Richtlinien gibt, wann jemand keine Entscheidungen mehr für sich selbst treffen darf.

Tsrohinas
08.01.2015, 20:22
Jetzt wird es wirklich spannend!

Hier habe ich noch die "Einwilligungsfähigkeit" gefunden. link: http://de.wikipedia.org/wiki/Einwilligungsf%C3%A4higkeit
Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gibt es einen haufen Gesetze zu diesem Thema.
Ich bin kein Jurist und auch kein Polizist. Vielleicht möchte sich aus diesem Personenkreis jemand zur Fragestellung äußern?

Tsrohinas

Waldschrat
08.01.2015, 20:48
Welche Mittel/Rechte/Pflichten hat in solchem Szenario der Sanitäter (Nicht der Notarzt) bzw. das Pflegepersonal? Zitatende

Nun, zuerst hat jeder die Pflicht zur Hilfeleistung. Wenn sich der Patient nicht ruhig hält, versucht man ihn zu beruhigen und die Verletzung zu versorgen. Gewalt scheidet aus.


Hallo Tsrohinas,

das Thema angemessener(!) Gewalteinsatz würde ich nicht kategorisch ausschliessen. Stell Dir vor, ein geistig verwirrter oder auch nur panischer Mensch muss zügig(!!!) aus einem brennenden Gebäude geschafft werden, weil schon das Treppenhaus verraucht, aber er meint unbedingt noch seinen Goldhamster retten zu müssen und will wieder zurück in die Wohnung. Zeit für Diskussionen und gutes Zureden bleibt keine.

Dann halte ich es schon mal für legitim, kräftig zuzugreifen und ihn rauszuschaffen.

Meint

Matthias

Tsrohinas
08.01.2015, 21:06
Jau, das ist dann aber "Rechtfertigender Notstand". link: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtfertigender_Notstand

Ich habe ja auch schon Wohnungstüren eingetreten, weil ein röchelnder Patient dahinter gelegen hat. Normalerweise Strafbar, hier jedoch nicht.

Ein bißchen Menschenverstand und Gefühl sind halt notwendig um o.a. Situationen ohne ständige Prozesse durchzustehen.

Tsrohinas


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