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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an Chemiker - Glasflaschen mit NS-Glasstopfen



Bärti
02.03.2015, 16:52
Ich bin am überlegen, wie man Desinfektionsmittel dauerhaft einlagern kann, ohne sich um Ablaufdaten kümmern zu müssen. Man hat z.B. bei Stirilium Virugard eine normale Haltbarkeit von ca. 2 Jahren angegeben. Bei dem Zeug handelt es sich auch hier im Forum um ein weit verbreitetes, sehr wirksames Desinfektionsmittel. Ich habe heute mal mit einem großen Händler hier in HH telefoniert, der meinte die Haltbarkeit resultiert aus den Plastikflaschen in denen das Zeug geliefert wird. Durch den Kunststoff können Bestandteile des Ethanols diffundieren und der Hersteller kann auch auf den Flaschenverschluss nur eine bestimmte Dichtigkeit über einen bestimmten Zeitrahmen garantieren.

Nun meine Frage:

Wäre es möglich das Zeug auch langzeitmäßig lagerfähig zu "verpacken". Mir schweben hier 1 Liter Glasflaschen mit geschliffenem NS-Glasstopfen vor (das sind die Flaschen wie sie früher in Apotheken verwendet wurden, NS hat hierbei keinen Bezug zur dunklen deutschen Vergangenheit sondern bedeutet Normschliff). Als Laie stelle ich mir vor, dass sich auf Grund der unterschiedlichen Stärke der Flaschenhalses und des Stopfens bei Temperaturunterschieden auch leichte Undichtigkeiten entwickeln können (unterschiedlich schnelle Ausdehnung). Stimmt das, oder in welchem Temperaturbereich halten diese 100% dicht? Könnte man falls hier Undichtigkeiten auftreten den Flaschenhals mit Stopfen mit Siegelwachs oder Wachs überstreichen/eintauchen, um sicher zu stellen, dass da nix entweicht?

Ich will halt das Desinfektionsmittel (10 Liter) wirklich dauerhaft lagerfähig machen.

Hat jemand sonst noch Tipps wie das zu bewerkstelligen ist, oder denke ich zu kompliziert?

Isuzufan
02.03.2015, 17:13
Hallo Bärti,
eindeutig zu kompliziert. Nimm einfach eine leere Schnapsflasche die ist logischerweise Ethanol dicht.

LG Wolfgang

ksbulli
02.03.2015, 17:21
Da hat Wolfgang recht!

Alternativ könntest Du "Säureflaschen" nehmen. Die haben einen NS Stopfen und eine eingeschliffene Glaskappe darüber. Das ist dann dicht, aber vielleicht etwas "overzised" :rolleys: ...

Den Rest bezüglich der Verdunstung findest Du unter dem Sticky "Witz des Tages"! :unschuldig:

Christian

playmo
02.03.2015, 19:06
Hallo..
wir lagern in unserer Firma Verbrauchs Flüssigkeiten tatsächlich in Säure Flaschen. Teilweise haben diese nur eine Haltbarkeit / Verarbeitungszeit von unter 3 Tagen ab Öffnung des Gebindes. Umgelagert hab ich erst gestern etwas verarbeitet das schon über 4 Jahre gelagert stand. Ohne Probleme.

Kann diesen Tipp bestätigen.

AndreasH
03.03.2015, 10:42
Ich denke auch das mit den Schnapsflaschen ist eine gute Idee ! Zusätzlich dazu kannst du ja den Verschluss dann noch mit Wachs / Stearin Tauchversiegeln,dann kannst Du ruhig Schlafen mit der Verpackungsösung ;)

Beim Umfüllen von Flüssigkeiten aus der Originalverpackung macht mir allerdings der Luft/Sauerstoffeintrag dabei etwas zu schaffen...Man weiss ja nicht wie Oxidationswillig so eine Desinfektionsmittel langfristig ist.
Giess das recht vorsichtig um,Schaumbildung / Blasen vermeiden..

P.S. Kennzeichne die Flaschen aber sehr deutlich,nicht das jemand der " einen Schluck aus der Pulle" nimmt dann eine Innendesinfektion erfährt:devil:

Bärti
03.03.2015, 11:01
Bei Schnapsflaschen bin ich unschlüssig. Nimmt man eine normale Vodkaflasche, so ist der Schwachpunkt immer das flexible "Unterlegscheibchen" im Deckel. Ich persönlich bin ein totaler Fan von den Glasstopfen.

Wachsversiegelung ist bei dauerhaft eingelagerten Flüssigkeiten meiner Meinung nach das A und O. Kennt vermutlich jeder, der mal guten Wein mit versiegeltem Flaschenkopf getrunken hat. Der kippt nicht. Auch extrem alte Jahrgänge haben keinen Füllstand unter Top-Shoulder. Hatte gerade vor ein paar Tagen mal einen Bordeaux von 1972 probiert (hatte ich geschenkt bekommen), der keinen versiegelten Flaschenkopf hatte. Füllstand war Lower-Mid-Shoulder und die Plörre war zum kotzen. Landete nach dem ersten Schluck der wieder ausgespien wurde im Blumenkasten.....

Ich finde Siegelwachs immer noch sehr gut, sollte aber niemals mit Siegellack verwechselt werden, der schnell brüchig werden kann.

ID 7557
03.03.2015, 11:13
Ich kenne diesen Verschluss vom täglichen Gebrauch (beruflich)
Hast du nur den kleinsten Salzanteil in der Desinfektionslösung besteht die grosse Gefahr, das Salz zwischen die Glaschichten kristallisiert und dann kriegst du die Flasche praktisch nicht mehr auf.
Besser sind Schottflaschen mit Drehverschluss, dicht und immer zu öffnen.
Gruss Pilzler71

Bärti
03.03.2015, 11:29
Zum Beschriften kann ich hur empfehlen: Avery Heavy Duty Etiketten, im DIN-A4-Bogen zuschneidbar. Haben die Avery/Zweckform-Nummer L4775. Sind UV-resistent, wasser-, wetter- und reissfest, öl und temperaturbeständig von -20°C bis +80°C. Kleben wie Schifferscheiße.

Waldschrat
03.03.2015, 23:27
Hallo Bärti,
NS ist die sicherste Lösung.

Bei der Schnapsflasche weiss ich nämlich nicht, was das Sterilium im Laufe der Zeit mit dem Verschluss anstellt. Das Glas ist kein Problem.

Der Römpp sagt zu Sterilium: 1- und 2-Propanol und Mecetroniumetilsulfat (http://de.wikipedia.org/wiki/Mecetroniumetilsulfat). Das Propanol und Isopropanol übrigens 70%

Ist schon ein bisserle was anderes als Ethanol 30%. Keine Ahnung, was diese Substanzen im Laufe der Zeit so alles anfressen.

Bei NS - ist zwar nicht billig - bist Du auf der sicheren Seite

Meint

Matthias

Isuzufan
04.03.2015, 08:49
Bei Schnapsflaschen bin ich unschlüssig. Nimmt man eine normale Vodkaflasche, so ist der Schwachpunkt immer das flexible "Unterlegscheibchen" im Deckel. Ich persönlich bin ein totaler Fan von den Glasstopfen.

Wachsversiegelung ist bei dauerhaft eingelagerten Flüssigkeiten meiner Meinung nach das A und O. Kennt vermutlich jeder, der mal guten Wein mit versiegeltem Flaschenkopf getrunken hat. Der kippt nicht. Auch extrem alte Jahrgänge haben keinen Füllstand unter Top-Shoulder. Hatte gerade vor ein paar Tagen mal einen Bordeaux von 1972 probiert (hatte ich geschenkt bekommen), der keinen versiegelten Flaschenkopf hatte. Füllstand war Lower-Mid-Shoulder und die Plörre war zum kotzen. Landete nach dem ersten Schluck der wieder ausgespien wurde im Blumenkasten.....

Ich finde Siegelwachs immer noch sehr gut, sollte aber niemals mit Siegellack verwechselt werden, der schnell brüchig werden kann.
Also meine am längsten in Glasflasche gelagerte Rumflasche hat mich noch als Jungspund gesehen und ist nicht weniger geworden(nicht einmal durch mich).

Zum Bordeaux:
Ein kleiner Bordeaux hält nicht mal 10 Jahre, dann ist er so firn das Du Ihn am besten zum Abwaschen nimmst.
Bei den wirklich großen welche weit über 20 Jahre halten, kommt nach ca 20 Jahren der Kellermeister( zb der von den Rothschilds) vorbei und setzt einen neuen Korken! Sonst ist das Gesöff nur mehr was für Neureiche welche ja keine Ahnung haben wie so etwas in gut schmecken sollte.

LG Wolfgang

Bärti
04.03.2015, 15:36
Hi EZS,

das Problem bei der Variante (die ich für andere Flüssigkeiten sehr gut finde) ist wie das Gummi des Bügelverschlusses mit den Chemikalien reagiert und dann auch noch das Aushärtungsproblem auf eine Zeitspanne X. Wie ich mich auch drehe und wende, ich komme bei meinen Betrachtungen immer wieder zum Glasverschluss mit Normschliff zurück. Das ist letzten Endes das Einzige was dauerhaft dicht ist, gerade wenn noch mit Siegelwachs als zusätzlicher Verschlusssicherheit gearbeitet wird.

Die Dinger gibt es meist im guten Zustand gebraucht bei 5 Liter-Flaschen für 10-15€ in der Bucht. Das finde ich verschmerzbar, gerade wenn man bedenkt, dass man nicht so viele nicht rotierende Flüssigkeiten dauerhaft einlagern muss/kann.

DerGerald
04.03.2015, 16:26
Hallo,

warum nimmst du nicht anstatt der Gummidichtung bei den Bierflaschen eine Silikonscheibe oder sowas?
Weiß jetzt leider nicht was deine Mittelchen nicht angreifen, aber Silikon ist ja relativ stabil gegen solche sachen.

Sollte doch durchaus machbar sein. Eine 2mm Silikonfolie und geeignete Stanzdinger und schon is das gut.

Gruß
Gerald

Zwergnase
05.03.2015, 11:09
Hier ein Link http://zrunek.at/viton-fkm-fpm-fluorelastomere/download/Elastomer-Bestaendigkeitsliste.pdf

DerGerald
05.03.2015, 11:21
Hallo,
Es geht wohl hauptsächlich um die Säure und Laugenbeständigkeit, oder?
Demnach ist wohl EPDM gut geeignet.CR und CSM klingt für mich jetzt relativ exotisch wäre aber auch gut.

EPDM ist relativ billig, also keine wirkliche Investition. Aber Achtung! Nicht für Benzin und Öle geeignet!

Gruß
Gerald

eskalation
05.03.2015, 22:00
NS-Glas ist wunderbar & kann ich (als hobby-chemiker) nur empfehlen :)
Lösungsmittel lager ich hauptsächlich in Vorratsflaschen, Material je nach eigenschaft, aber meistens PTFE.


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