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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Magazin "Walden"



Hjördis
08.05.2015, 20:27
Heute erschien die erste Ausgabe des Outdoor-Magazins "Walden – die Natur will dich zurück", benannt nach gleichnamigen Buch von Thoreau.
Musste ich mir natürlich zulegen, auch wenn die Zielgruppenbeschreibung (hier http://www.gujmedia.de/print/portfolio/walden/profil/) eher an Großstadthipster und Mode- oder Möchtegern-Naturfreaks erinnert.
Nun ja! Erstmal kaufen, anschauen, lesen, stöbern.
Gesagt, getan. Im Magazin enthalten war der "Walden Field Guide – Frühling&Sommer in Deutschland". Darin werden Monat für Monat Tieraktivitäten oder gerade wachsene Pflanzen in knappen Texten erläutert. Da das Magazin bisher noch garkeine Erwähnung fand, hier mal meine komplette Review. Das Heft kostet 7,50 und erscheint, wenn ich nicht irre, 2 mal jährlich.
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Sowohl das Beigabenheft als auch das Magazin selbst fühlen sich wirklich toll an. Das mag erstmal komisch klingen, aber ich will damit sagen, dass hier tatsächlich hochwertiges, stabiles Papier verwendet wurde.
Das Magazin fällt besonders durch seine großen (oft zweiseitigen), sehr kunstvollen Bilder auf. Ansonsten wirkt die Aufmachung modern, fast jugendlich. Ich mag das, muss ich gestehen. Ich lege viel wert auf Gestaltung und Design und die von "Walden" spricht mich an.
Am Ende ist sogar eine aufklappbare, 4-seitige Karte. Das weiß zu beeindrucken.
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Aber all die Schönheit nützt natürlich wenig, wenn die Texte und Berichte Mist sind.
Also, wie steht's, Walden?

Der erste Artikel heißt "Draußen vor der Tür – Streifzug durchs wilde Deutschland". Geniale Bilder, allerdings sehr wenig Text. Also weiter. Mikro-Abenteuer für jeden Tag. Hier sind drei Erlebnisse beschrieben, aber 20 km rund um sein Haus wandern, in einem Fluss schwimmen oder eine Nacht im Wald verbringen sind wahrscheinlich für die wenigsten hier große Herausforderungen. Für den Großstadthipster aber schon. Meine schlimme Vermutung verdichtet sich...

Unter der Rubrik "Wissen" kann man von "Großen Deutschen – Fünf Landsleute auf die wir stolz sein können" lesen. Wer kommt jetzt? Die großen Dichter und Denker? Nein, nein. Es folgen Murmeltier, Feldhase, Buntspecht, Rothirsch und (mein persönlicher Favorit) das Waldschwein.
Schöner Bilder, kurze, durchaus interessante Texte, aber auch hier wieder:
Für den geneigten Waldläufer Alltag, für den Lifestyler Neuland. Aber warum auch nicht?

Auch ein Bericht über Chris McCandless ist dabei, das fand ich interessant:
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Auf Seite 90 dann der Artikel, der meine Stirn kraus legte: "Vom penislosen Leben der Eule". Ach du meine Güte.
Warum haben Vögel keinen Penis? Tja, DAS wusste ich auch noch nicht, muss ich zugeben und der Artikel war dann zwar in manchen Sätzen etwas "platt", aber an sich eine kleine Exkursion in die Sexual-Evolution.
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Unter "Können" offenbart sich dann aber der etwas bekloppte oder eher sinnlose Teil des Magazins. Denn wer hier Knoten knüpfen oder Feuer machen erwartet, liegt falsch. Neben einem Kanubau und einem Artikel über Messer findet man folgendes:
Die ultimative Formel fürs Steineflitschen, dreizehn spektakuläre Arten ins Wasser einzutauchen (Arschbombe und so) und "in fünf Schritten zum Dylan-Song: Lagerfeuer-Romantik für Einsteiger"
Und genau das ist es! Lagerfeuer-Romantik! Nix Bushcraft, nix Survival, sondern Lagerfeuer-Romantik. Die Flucht aus dem Stadtleben, dem Büroalltag, rein in die schöne Natur. Für Familien-Wochenenden nur ohne Familie, dafür mit Kumpels und nem Kasten Bier. Oder zwei.
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Kann man machen, keine Frage! Sowas ist spaßig und alle mal besser als das ganze Wochenende vor der Glotze zu hängen. Allerdings wird hier auch klar: So wild wie das Magazin sein will, ist es noch lange nicht.

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Habt ihr das Magzin schon entdeckt oder sogar gelesen? Wie ist eure Meinung dazu?

Waldschrat
09.05.2015, 23:45
Heute erschien die erste Ausgabe des Outdoor-Magazins "Walden – die Natur will dich zurück", benannt nach gleichnamigen Buch von Thoreau.


Hallo Hjördis,

gerät jetzt ja mal wieder ein wenig off topic.

aber ich würde neben Walden von Thoreau zum Beispiel On Liberty von John Stuart Mill als Lektüre vorschlagen oder A Theory of Justice von John Rawls, die Essais von Montaigne, oder ganz gleich den Klassiker, The Open Society and its Enemies von Karl Popper.

Meint

Matthias

Nachtrag 10.05.2015 : Vielleicht kommt ihr mal in die Situation, im Notfall eine Gruppe führen zu müssen und ihr braucht praktisches Führungswissen. Sunzi (gelegentlich auch Sun Tsu geschrieben), Clausewitz und Macchiavelli sind hilfreich und man sollte sie gelesen haben. Die oben von mir genannten Bücher sind noch hilfreicher. Ich würde von Thoreau gern noch ein weiteres auch unter Survivalaspekten lesenswertes Buch ergänzen: Civil Disobedience.


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