PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinische Kommunikation bei Sprachbarrieren



Lohse
21.05.2015, 20:40
Hallo Leute,
da ich mich persönlich auf ein Fluchtszenario einstelle und man nie wissen kann, wo es einen hinverschlägt bzw. auf wenn man trifft, stellt sich mir folgende Frage:
Wie kann man bei Sprachbarrieren möglichst eindeutig bei medizinischen Problemen mit einem Arzt oder einer Rettungskraft kommunizieren?

Hintergrund ist folgender: Einen gebrochen Arm kann man relativ einfach vorzeigen. Aber was macht man bei Symptomen, die sich nicht durch eine Inaugenscheinnahme mitteilen lassen?
Beispielsweise eine gebrochene Rippe nach einem Sturz. Ich kann zwar Aua schreien und dabei auf meinem Brustkorb deuten aber das kann (für mich als medizinischer Laie) viel bedeuten. Oder beispielsweise starken Schwindel.

Vor Jahren habe ich in Rahmen einer Australiendokumentation gesehen, das dort von Bewohner sehr abgelegener Häuser (die nur über Funk mit der Außenwelt in Verbindung stehen) so etwas wie eine Körperkarte verwendet werden, auf der der Körper in viele einzelne Bereich aufgeteilt ist. Der Patient oder ein Angehöriger konnte dann einem über Funk kontaktierten Arzt beispielsweise mitteilen: Der Patient hat ziehende Schmerzen in C3 und ist äußerlich nicht verletzt". Der Arzt konnte dann entsprechende Anweisungen geben oder eine Rettungsmannschaft benachrichtigen. Weiß jemand Genaueres darüber oder gibt es vielleicht etwas Ähnliches für internationale Rettungsmannschaften, wie sie aktuell in Nepal im Einsatz sind?

Viele Grüße

Lohse

Lohse
21.05.2015, 21:52
Hallo Kappa,
vielen Dank für die Links, sie sind aber nicht ganz das was ich suche. Der ICD-Code und auch Triagekarten umfassen Diagnosen. Diese kann ich als Laie aber nur schlecht erstellen.

Prinzipell suche ich etwas wie dieses Einsatzwörterbuch, nur halte für die medizinsche Anwendung, welche über einfache Wunden hinausgehen.

Viele Grüße

Lohse

Unabhäniger
21.05.2015, 22:11
Hallo Lohse


ich habe fürs Smartphone eine App.

Taschendolmetscher für Aerzte - Select Version 2.0

www.aerzteverlag.de

ist aber Kostenpflichtig.

Sind zwar keine bilder, dafür in verschiedenen Sprachen möglich.

Habe es mir zugelegt, da ich gelegentlich in Ungarn bin, eine Sprache die ganz anders ist und mit nichts, ausser Finnisch verwandt ist.

Um wenigsten rudimentär komunizieren zu können.


vieleicht was für dich?

gruss unabhäniger

Tsrohinas
22.05.2015, 07:39
Im Rahmen des Rettungsdienstes werden gerne Übersetzungshilfen verwendet.

Hier ein Beispiel aus Österreich :rolleys:

http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/PDF/Rotkreuz_Gesetz/OeRK_Uebersetzungshilfe_update_080924.pdf

Das sollte bei den meisten medizinischen Notfällen in Europa weiterhelfen.
Wenn man es nicht aussprechen kann, zeigt man halt mit dem Finger darauf.

Tsrohinas

tomduly
22.05.2015, 08:31
Hallo,

man muss da zwei Fälle unterscheiden: kommt man direkt an den Patienten ran (kann ihn also untersuchen) oder ist man über irgendein Kommunikationsmittel mit einem Patienten in der Ferne verbunden (Farmer im australischen Outback, der per Funk seinen Arzt konsultiert).
Im ersten Fall sind Sprachbarrieren für eine Befunderhebung nicht so dramatisch. Z.B. ein Spannungsschmerz bei einem geblähten Bauch kann komplett ohne Sprachkenntnisse festgestellt werden. Auch die Fragen nach eventuell vorangegangener Medikation durch den Patienten kann man mit Zeichensprache und Gebärden und zeigen von Beispielmedikamenten halbwegs klären. Der Arzt muss sich so oder so selbst ein Bild machen können, selbst bei problemloser Sprachkommunikation in der selben Sprache reden Arzt und Patient häufig aneinander vorbei. Eine Aussage des Patienten "Mir tut seit gestern die rechte Niere weh" wird ein Arzt erst mal lediglich zur Kenntnis nehmen, aber nicht seine Therapie darauf planen, ohne die Behauptung selber überprüft zu haben (vielleicht ist es ja auch die Milz oder ein Lebertumor...). Selbst mir als Laien (ok mit ein paar Jahren Erfahrung als Pflegehelfer) nützt da z.B. das Taschenbuch der klinischen Medizin (http://www.amazon.de/Oxford-Handbuch-Klinischen-Medizin-Anthony/dp/3456824270/ref=la_B00J7N78UG_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1432275376&sr=1-1) sehr viel, um einen Patienten grob "befunden" zu können.

Bei Ferndiagnosen im Outback ist das alles wesentlich komplizierter, vor allem wenn man nur mit dem Patienten selbst kommuniziert (oder man selbst der Patient ist). Neben eventuellen Sprachbarrieren kommen noch Verständigungsprobleme aufgrund der (Funk-)Verbindung hinzu und ganz wesentlich, der Stress unter dem der Patient steht. Da wird schon mal rechts und links verwechselt oder medizinisch falsch beschrieben ("Habe Schmerzen im Oberbauch" - meint aber Schmerzen in der Brust). Bei den Schwaben z.B. reicht sprachlich der Fuss bis zur Hüfte ("Bein" gibt es im Schwäbischen maximal für (Tier-)Knochen...). Die Aussage "Ich blute am rechten Fuss" kann also durchaus eine Oberschenkelverletzung bedeuten...

Hier ist es evtl. nützlich, wenn man technisch erfasste Parameter mitliefern kann, z.B. Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, evtl. Sauerstoffsättigung. Die geben dem Arzt dann immerhin eine grobe Richtung. Auch Körpergewicht, Grösse, Alter und Geschlecht, Drogen/Tabak/Alkohol-Konsum, vorliegende chronische Erkrankungen usw.

In der klinischen Praxis hat man es sehr häufig mit Kommunikationsbarrieren zu tun, bei älteren Patienten spielen auch Demenz und Alzheimer oder generell eine "Verlangsamung" eine Rolle. Bei Unfallpatienten ist oft die Erstdiagnose "Pat. nicht ansprechbar". Und trotzdem bekommt man Diagnose und Behandlung hin - von daher würde ich das Thema Sprachbarrieren in Bezug auf eine Diagnose im Akutfall nicht überbewerten.
Wo Sprachbarrieren eher eine Rolle spielen ist im Umfeld des Patienten, wenn es darum geht Angehörige zu benachrichtigen, Name und Adresse herauszubekommen, den bisherigen Hausarzt ausfindig zu machen oder formelle Fragen zu klären (Krankenversicherung). Und natürlich bei der Einwilligung zu geplanten Eingriffen oder kulturelle/religiöse Besonderheiten, die eine Behandlung erschweren (männl. Arzt bei weibl. Patientin oder umgekehrt, Verbot von Bluttransfusionen etc.).

Grüsse

Tom

Lohse
22.05.2015, 22:40
Im Rahmen des Rettungsdienstes werden gerne Übersetzungshilfen verwendet.

Hier ein Beispiel aus Österreich :rolleys:

http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/PDF/Rotkreuz_Gesetz/OeRK_Uebersetzungshilfe_update_080924.pdf

Das sollte bei den meisten medizinischen Notfällen in Europa weiterhelfen.
Wenn man es nicht aussprechen kann, zeigt man halt mit dem Finger darauf.

Tsrohinas

Hallo Tsrohinas,
das ist genau das was ich gesucht habe.
Vielen Dank


Hallo Lohse


ich habe fürs Smartphone eine App.

Taschendolmetscher für Aerzte - Select Version 2.0

www.aerzteverlag.de (http://www.aerzteverlag.de)

ist aber Kostenpflichtig.

Sind zwar keine bilder, dafür in verschiedenen Sprachen möglich.

Habe es mir zugelegt, da ich gelegentlich in Ungarn bin, eine Sprache die ganz anders ist und mit nichts, ausser Finnisch verwandt ist.

Um wenigsten rudimentär komunizieren zu können.


vieleicht was für dich?

gruss unabhäniger

Hallo Unabhängiger,
danke für den Link aber ich bin Android-Nutzer, trotzdem danke für die Mühe.




In der klinischen Praxis hat man es sehr häufig mit Kommunikationsbarrieren zu tun, bei älteren Patienten spielen auch Demenz und Alzheimer oder generell eine "Verlangsamung" eine Rolle. Bei Unfallpatienten ist oft die Erstdiagnose "Pat. nicht ansprechbar". Und trotzdem bekommt man Diagnose und Behandlung hin - von daher würde ich das Thema Sprachbarrieren in Bezug auf eine Diagnose im Akutfall nicht überbewerten.

Hallo tomduly,
bei Verletzungen ist das zweifelslos richtig, bei Erkrankungen dürfte die Angaben des Patienten oder eines Angehörigen allerdings schon wichtiger sein. So macht es ja durchaus einen Unterschied ober man nur Durchfall oder evtl. blutigen Durchfall hat. Dies sollte man einen Arzt soweit möglich schon versuchen mitzuteilen.




Wo Sprachbarrieren eher eine Rolle spielen ist im Umfeld des Patienten, wenn es darum geht Angehörige zu benachrichtigen, Name und Adresse herauszubekommen, den bisherigen Hausarzt ausfindig zu machen oder formelle Fragen zu klären (Krankenversicherung). Und natürlich bei der Einwilligung zu geplanten Eingriffen oder kulturelle/religiöse Besonderheiten, die eine Behandlung erschweren (männl. Arzt bei weibl. Patientin oder umgekehrt, Verbot von Bluttransfusionen etc.).

Grüsse

Tom

Hier sind nicht nur die Ausländer als Patienten problematisch, sondern teilweise auch als Ärzte selber. Der Neurologe, der meine Großmutter behandelt hat (regulärer, angestellter Arzt eines deutschen Krankenhauses), war Chinese. Er mag durchaus kompetent gewesen sein, nur konnten wir das nicht beurteilen, da wir ihn einfach nicht verstanden haben. Wir mussten daher um einen Arzt mit besseren Deutschkenntnissen bitten, damit wir überhaupt die Diagnose verstehen konnten.

Viele Grüße

Lohse

Hunted
22.05.2015, 23:16
Ich finde die hier super. Funktioniert auch bei Personen, die nicht lesen/schreiben können. Habe damit in Afrika gute Erfarung gemacht, wo man mit Englisch nicht weiter gekommen ist: https://www.kwikpoint.com/health-and-safety/
(https://www.kwikpoint.com/health-and-safety/)
Ansonsten kann ich aus dem innerklinischen Bereich den Google Translator empfehlen. Funktioniert echt gut.



(https://www.kwikpoint.com/health-and-safety/)

Nasenbär
30.09.2015, 21:36
Hallo Lohse,

über sowas habe ich auch schon mal nachgedacht, hab die Sache dann aber nicht weiter verfolgt.

Spontan fallen mir da nur zwei Bücher ein.

Da ist einerseits Nehbergs "Medizin Survival" wo ein kleines englischsprachiges Medizinvokabular drin ist.
Aber das kennst Du ja sicher schon.

Zweitens gibts da noch ein Buch von einem Michael Funcke "Wenn der Arzt fehlt" das ebenfalls einen "Sprachführer" im Anhang hat und zwar in Englisch, Französisch, Italienisch, Jugoslawisch (Das gabs damals noch) und Spanisch.

Allerdings ist der Wortschatz in beiden Fällen nicht sehr umfangreich. Ob man damit im Ernstfall wirklich weiterkommt lasse ich dahingestellt.


Gruß vom Nasenbären

frieder59
30.09.2015, 21:55
Da braucht man gar nicht auf der Flucht sein . Netter Artikel heute im Fokus, zum Thema , nicht deutsch sprechende Ärzte :

Weil sie nicht mit Patienten sprechen können Ärzte warnen: Migranten übernehmen OP-Säle - Deutsche die Bürokratie
Da macht es doch mal Sinn, wenn man in der Privaten Krankenversicherung einen Anspruch auf Chefarztbehandlung hat , oder man begibt sich zur Behandlung
in Länder , in denen sich Ärzte bemühen, Deutsch zu lernen , z.B. Orbans Ungarn.

Nix für ungut, aber ein Krankenhausaufenthalt in D ist für mich auch ein sehr realistisches Szenario


Frieder


Service für Gäste-a2: www.team-pak.ch