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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Opiat (Medikament) ins Ausland mitnehmen: Bestätigungen des Arztes sinnvoll ?



Bernie
21.07.2015, 12:50
Sali zusammen

Ich bitte Euch um Eure Erfahrungen und Tips.

Hintergrund:
- Ich bin aktuell wegen meiner Rückenprobleme unter 4 mal 10mg Targin 10/5 pro Tag.
- Mit der Dosis darf ich auch Autofahren.
- In der Schweiz mache ich mir beim Mitnehmen des Medis und bei allfälligen Drogentests im Strassenverkehr keine gröberen Sorgen. Der verschreibende Arzt sollte ja innert nützlicher Frist für eine Bestätigung erreichbar sein.
- Im September plane ich einen Urlaub auf den Kanaren.


Frage:
- Zumindest theoretisch kann ich da bei einer Kontrolle am Flughafen / im Strasenverkehr ja "reinlaufen" (Besitz von ...., Fahren unter Einfluss von .....)
- In gewissen Ländern (nicht aber der CH) bekommt man da einen Ausweis zumindest für den Strassenverkehr.
- Wie hält Ihr das / was würdet Ihr empfehlen ?
Bspw. den Arzt um eine kurze Bestätigung in Englisch mit Stempel und Unterschrift bitten, dass man das Zeugs als Medikament verschrieben bekam und es deshalb auch mitführen darf ?


Danke für Eure Tips und beste Grüsse
Bernie

GrimmWolf
21.07.2015, 13:23
Lieber Spanisch als Englisch, Im besten Fall also in beiden Sprachen.

Andere Variante ist, zwar keinen Zettel aber die Medikamente dabei haben. Falls pusten musst und es etwas anzeigt, mit grossem Stirnrunzeln die dann aus der Tasche ziehen und den Polizisten fragend anschauen...

LG
Indi

UrbanTrapper
21.07.2015, 13:25
Auch wenn es vielleicht nicht zwingend gesetzlich vorgeschrieben sein sollte, kann so ein Schreiben vom Arzt am Flughafen (Zoll!) und bei Verkehrskontrollen durchaus hilfreich sein, allfällige Diskussionen mit der den Beamten vor Ort zu verkürzen.

Wenn ich daran denke, wie die deutschen Behörden sich, zu recht wie ich finde, allein schon bei der Vernichtung von zum Beispiel nicht mehr verkehrsfähigen Opiaten anstellen, dann kann ich mir vorstellen, dass es bei Einfuhr/Ausfuhr auch nicht viel einfacher sein wird.

Tsrohinas
21.07.2015, 13:30
4 x 10mg Targin ist schon eine Nummer.

Zur Fahrtüchtigkeit:
Zitat:
Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen "Targin 10mg/5mg Retardtabletten" kann Ihre Verkehrstüchtigkeit und Ihre Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen. Dies ist insbesondere zu Beginn einer Therapie mit "Targin 10mg/5mg Retardtabletten", nach Erhöhung der Dosis oder nach einem Wechsel des Arzneimittels zu erwarten. Dagegen können diese Nebenwirkungen verschwinden, wenn Sie auf eine gleich bleibende "Targin 10mg/5mg Retardtabletten"-Dosis eingestellt wurden.
Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie sich an das Steuer eines Fahrzeugs setzen oder Maschinen bedienen dürfen.

Quelle:
http://www.apotheken-umschau.de/do/extern/medfinder/medikament-arzneimittel-information-Targin-10mg-5mg-Retardtabletten-RA2126.html

Eine Bestätigung des verschreibenden Arztes (Verordnung) würde ich dringend empfehlen.
Die mitgeführte Menge sollte auf den tatsächlichen Bedarf beschränkt sein.
Auch würde ich mich informieren, wie es denn das Transit- und das Zielland mit diesem Medikament an sich (Zulassung als Medikament) und dem führen von Kfz unter Einfluss dieses Medikaments hält.

Tsrohinas

Bärti
21.07.2015, 13:56
Für Deutschland gilt Folgendes:

"Viele Patienten sind im Rahmen ihrer Behandlung auf Medikamente angewiesen, die unter das Betäubungsmittelgesetz (z. B. Morphin, Methadon, Methylphenidat) fallen. Die meisten können ambulant behandelt werden und sind ohne weiteres auch fähig, Reisen im In- und Ausland zu unternehmen. Einige Patienten scheuen sich davor, ins Ausland zu reisen, weil sie sich um die Qualität der medizinischen Versorgung am Ferienort sorgen und fürchten, Probleme mit dem Zoll oder der Polizei zu bekommen, wenn sie Betäubungsmittel im Gepäck haben.

Grundsätzlich können Patienten Betäubungsmittel, die nach den Bestimmungen der geltenden Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) von einem Arzt verschrieben wurden, in einer der Dauer der Reise angemessenen Menge als (persönlichen) Reisebedarf im grenzüberschreitenden Verkehr mitführen. Darauf weist die Bundesopiumstelle im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn vor Beginn der Urlaubszeit hin.

Bei Reisen bis zu 30 Tagen in Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens (das sind zur Zeit Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien) sollte die Mitnahme von ärztlich verschriebenen Betäubungsmitteln mit einer vom Arzt ausgefüllten und durch die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde oder eine von ihr beauftragte Stelle beglaubigten Bescheinigung erfolgen. Das Formular kann bei der Bundesopiumstelle angefordert oder von der Internetseite des BfArM unter Betäubungsmittel/Bekanntmachungen/Hinweise zur Mitnahme von Betäubungsmitteln durch Patienten bei Auslandsreisen heruntergeladen werden (http://www.bfarm.de/)."

Gibt es so was wie das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte bei euch in CH auch? Wenn ja würde ich dort mal nachfragen.

AndreasH
21.07.2015, 14:24
Eine Bestätigung des verschreibenden Arztes (Verordnung) würde ich dringend empfehlen.
Die mitgeführte Menge sollte auf den tatsächlichen Bedarf beschränkt sein.
Auch würde ich mich informieren, wie es denn das Transit- und das Zielland mit diesem Medikament an sich (Zulassung als Medikament) und dem führen von Kfz unter Einfluss dieses Medikaments hält.

Tsrohinas

Diesem richtigen Vorgehen möchte ich noch etwas hinzufügen..

Im Zweifelsfalle wendet man sich an ein Konsulat des gewählten Reiselandes und lässt sich die entsprechende Bestätigung des Arztes kurz übersetzen. Dies hat bei mir im Falle Spanien ( auch meist Kanaren für mich :grosses Lachen: ) gut geklappt,die Mitarbeiter dort waren sehr hilfsbereit und ich konnte sogar drauf warten ! Gebühren ? Null.

Die Sache ist jetzt etwa 5 Jahre her,ob das immer noch so ist,da würde ich einfach mal fragen..Die Reiseplanungen der Besucher zu unterstützen ist doch eine der Aufgaben der Konsulate,daher würde ich mich in allen Zweifelsfällen immer erst dorthin wenden ;)

Bernie
21.07.2015, 16:14
Ich danke Euch herzlich für Eure wertvollen Informationen und Tips, die ich sehr gerne so mitnehme.
Selbstverständlich bespreche ich das noch genug früh mit meinem Arzt. Hier im Forum erwartete ich - zu Recht wie ich sehe :gratuliere: - einige interessante Meinungen und Hinweise zum EU-/Schengen-Raum.

Die zitierten Warnhinweise zum Medikament kenne ich natürlich und besprach die auch mit dem Arzt, der mich und mein recht ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein sehr gut kennt.
So schlug ich von mir aus vor, dass ich das Medikament erstmals an einem Freitagabend nahm, so dass ich die Wirkung über das Wochenende beobachten konnte, bevor ich wieder den Arbeitsweg unter die Räder nahm.
Das gleiche machte ich bei einer notwendigen Erhöhung der Dosis. Zum Glück vertrage ich den Stoff sehr gut.


Rein zur Info für allenfalls Interessierte:
- Ich musste bereits vor ca. acht Jahren ein Opiat als Reserve mitnehmen. Damals ging die Reise nach Südafrika.
- Beim Konsulat meldete ich mich mit diesen Fragen und bekam daraufhin einen sehr netten Anruf aus Brüssel (wohl dem Europa-Zentrum der südafrikanischen Vertretungen).
- Das wurde damals recht locker genommen: "Ja, wenn Sie es als Medikament brauchen, dann nehmen Sie es doch einfach mit."
Das war mir bei den südafrikanischen Drogengesetzen dann doch etwas heiss :staunen:
- Sicherheitshalber bat ich meinen damaligen Arzt um eine kurze Bestätigung, die ich dann immer auf mir trug.
Gebraucht habe ich das Papier jedoch nie.


Nochmals herzlichen Dank an Euch alle ! :Gut:

Gresli
21.07.2015, 17:14
Hallo Bernie,

ist zwar OT:


- In der Schweiz mache ich mir beim Mitnehmen des Medis und bei allfälligen Drogentests im Strassenverkehr keine gröberen Sorgen. Der verschreibende Arzt sollte ja innert nützlicher Frist für eine Bestätigung erreichbar sein.
Darauf würde ich mich in der Schweiz (leider) nicht verlassen!
Durch bürokratische Abläufe kann es trotzdem sein, dass Du einige Wochen ohne Ausweis auskommen musst. In ZH kann das sogar jedem passieren!
(Was zwar von vielen Experten, Medizinern wie Juristen, kritisiert wird aber vom Verwaltungsgericht bestätigt wurde.):

Fünf Wochen ohne Auto, nur weil ihre Pupillen nicht so reagiert haben, wie es der Beamte erwartet hatte. Ein Anrecht auf Entschädigung oder Genugtuung habe sie nicht, teilte ihr die Staatsanwaltschaft Zürich in einem Schreiben mit. (http://www.20min.ch/schweiz/ostschweiz/story/Pupillen-zu-langsam---Ausweis-fuenf-Wochen-weg-10103147)



kann Ihre Verkehrstüchtigkeit und Ihre Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.

Denke, da ist es ähnlich wie beim Alkohol: 0.3 Promille sind zwar legal, passiert aber etwas trägst Du automatisch eine grössere Schuld.

Grüsse, Gresli

Bernie
28.01.2016, 19:04
Für alle, die es interessiert, hier meine Erfahrungen nach nunmehr einigen Auslandaufenthalten mit Opiaten:
Hier nochmals einen ganz, ganz herzlichen Dank an alle, die mir wertvollen Input gaben !:gratuliere::gratuliere:



Grundsätze (für den Schengen-Raum):
- Arzt muss ein offizielles Formular ausfüllen (Personalien, Handelsname des Medikaments, Dosierung pro Tag, Darreichungsform, Reisedauer und -ort, Passnummer etc.)
Das Formular kann hier heruntergeladen werden: https://www.swissmedic.ch/bewilligungen/00155/00242/00243/00427/00429/index.html?lang=de
- Das Formular ist maximal 30 Tage gültig, es berechtigt zur Mitnahme der tatsächlich benötigten Menge an Tabletten etc. für die Reisedauer. Nach diesen 30 Tagen müsste das Medikament vor Ort beschafft werden.
- Eine Kopie des Formulars muss durch den Arzt an die Aufsichtsbehörde (Kantonsapotheke) eingesandt werden.


Je nach Reiseziel gelten etwas unterschiedliche Bestimmungen (klärte ich jeweils mit den Konsulaten/Botschaften ab, von denen ich recht gute, teils auch telefonische Auskünfte bekam - siehe unten):
- Deutschland: Formular, das grundsätzlich durch die Aufsichtsbehöre (in der CH: Kantonsapotheke) beglaubigt werden muss. Mündliche Auskunft der Botschaft: Beglaubigung ist "wie ich mal hörte" nicht immer notwendig, wenn Sie wollen, können Sie es ohne Beglaubigung versuchen (:staun:)
- Spanien: Formular im Original mit Passkopie und genauen Reisedaten genug früh an die Botschaft senden. Man bekommt dann elektronisch eine in Spanisch verfasste Bewilligung des Gesundheitsministeriums zur Mitnahme, in dem die genauen Mengen bezeichnet sind, die mitgeführt werden dürfen. Das Original bekam ich nicht zurück.
- Österreich: Das Schengenformular reicht, keine Beglaubigung notwendig.
- Frankreich: Formular reicht, keine Beglaubigung notwendig.


Etwas amüsant vor einer Reise nach Frankreich:
- Auf meine zweite Anfrage per Mail (die erste wurde nicht beantwortet), Anruf einer französisch sprechenden Dame.
- Dame: Ich verstehe IHR Problem nicht, was soll das Ganze ?
- Ich, leicht verdattert: Erklärung, so von wegen Beträubungsmittel / Rauschgift, strafbar etc.
- Dame: Machen Sie doch kein Theater ! Wenn Sie das Medikament brauchen, dann nehmen Sie es halt einfach mit ! (Ich kam mir hier schon fast wie ein kalt begossener Kindergartenschüler vor :peinlich:)
- Ich: Erklärung mit dem Prozedere in Spanien, separate Bewilligung, Passkopie, Flugnummer etc. etc. etc.
- Dame (lachend, wahrscheinlich kopfschüttelnd und an meiner geistigen Gesundheit zweifelnd...): Das ist doch denen ihr Problem, wenn die das so handhaben wollen, sollen sie doch. Bei uns in Frankreich läuft das gaaaaaanz anders: Mitnehmen, einnehmen und geniessen Sie die Ferien. Das ausgefüllte Formular reicht also. Ich wünsche Ihnen eine schöne Reise.
Das zur schengenweiten Harmonisierung:Cool:


Also: Am besten genug früh Kontakt mit Botschaft / Konsulat aufnehmen.

beprudent
28.01.2016, 20:00
Naja, Franzosen sind eben die vernünftigeren Europäer ! Das meine ich ernst.

Ansonsten, alles was mit Opiaten, Amphetaminen und Benzos/Barbituraten zu tun hat, immer einen Wisch vom Hausarzt mitnehmen und im Zweifelsfall auch das Konsulat des Ziellandes kontaktieren. Schadet nicht.


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