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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie Medikamente richtig lagern?



eraperp
09.10.2015, 18:32
Ich habe einige Antibiotika und diverse andere Medikamente in Tablettenform.
Nach meinen Recherchen verlieren die Medikamente ihre Wirkung allmählich über die Jahre, sind aber dennoch einsetzbar.
Wahrscheinlich kommt es darauf an, in welcher Form das Medikament vorliegt.
Am wenigsten Bedenken habe ich bei gepressten Tabletten - aber genau weiß ich das nicht.

Was ist die sinnvollste Art der Lagerung?

Lichtdicht sicherlich und evtl. kühl. Oder macht das Lagern in einer Tiefkühltruhe Sinn?


Würde mich schon interessieren.

cu Tom (der extrem selten Medikamente einnimmt)

Cephalotus
09.10.2015, 18:42
Ich lagere die Tabletten meiner Hausapotheke im Kühlschrank oben. (hab auch keine Kinder im Haushalt)

Chemische Reaktionsgeschwindigkeiten verdoppeln sich so ca. alle 10°C.

Hunted
10.10.2015, 13:52
Kühl, trocken und dunkel lagern.
NICHT im Kühlschrank, da hier eine deutlich zu hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.

Bzgl einfrieren kann/will ich mich nicht äußern, da ich da nicht genaug zu weiß. Gehe aber davon aus, dass es hier aufgrund von Kristallbildung und ggf Wassereinlagerung spätestens beim Auftauen auch zu Schäden in der chem. Struktur kommt.

VG

Überlebenskünstler
10.10.2015, 20:29
Die richtige Lagerung steht auf der Packung drauf.
Einfrieren ist gerade bei Salben und Flüssigkeiten sicherlich keine gute Idee. Einige Medikamente müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das steht dann aber wieder auf der Packung.

Macohe
11.10.2015, 09:43
Ich arbeite in der Pflege und da müssen wir natürlich etliche Medikamente bevorraten. Die vorschriftsmäßige Lagerung wird regelmäßig von einer Apotheke überprüft. Bei der richtigen Lagerung sind schon ein paar Dinge zu beachten (ich beschränke mich jetzt mal auf die Dinge, die auch im Haushalt gelten):

Auf gar keinen Fall alle Medikamente in der Tiefkühltruhe oder im Kühlschrank lagern!!! Unbedingt bei ALLEN Medikamenten die Lagerungshinweise auf der Verpackung bzw. dem Beipackzettel beachten!!!



Für die meisten Medis gilt: trocken, lichtgeschützt und bei Raumtemperatur (15-25°C) lagern.
Manche Medis müssen im Kühlschrank (2-8°C) gelagert werden (z.B. manche Pflaster mit enthaltenen Wirkstoffen, manche angemischten Suspensionen, manche Augentropfen, manche Antibiotika, manche Hormonpräparate, manche Insuline usw.). Und wenn ich schreibe "manche", meine ich auch manche und nicht grundsätzlich alle.
Medis, die im Kühlschrank gelagert werden müssen, dürfen nicht eingefroren werden! Falls die Medis (versehentlich oder absichtlich) einfrieren, sind sie sehr wahrscheinlich nicht mehr verwendungsfähig. Vor Verwendung dann unbedingt in der Apotheke nachfragen!
Feuchtigkeit, Licht und Wärme können die Wirksamkeit der Medis stark beeinflussen bzw. ungewollte chemische Reaktionen bewirken (kann zu Wirkungslosigkeit oder auch zu unangenehmen Nebenwirkungen führen).
Darum Medis nie im Badezimmer, in der Küche (wegen hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme) oder im Auto (wegen hoher Temperaturschwankungen, bzw. da dort besonders im Sommer sehr heiß und im Winter zu kalt werden kann).
Medis am besten nie ohne Umverpackung und Beipackzettel lagern. Erstens stehen wichtige Infos drauf (auch zur Lagerung und zur Haltbarkeit) und zweitens schützt die Umverpackung vor Licht.
Auf Reisen Medis am besten in eine Kühltasche tun.

AndreasH
11.10.2015, 21:34
Ich lagere die Tabletten meiner Hausapotheke im Kühlschrank oben. (hab auch keine Kinder im Haushalt)

Chemische Reaktionsgeschwindigkeiten verdoppeln sich so ca. alle 10°C.

Hast Du dazu eine Quelle zum Nachlesen ? Chemische Reaktionen verlangsamen sich natürlich mit einer tieferen Temperatur,das ist klar...

Mir fehlt bei Deiner Info etwas der Bezug zu Medikamenten...
Bei " Pillen " würde ich mir eher Sorgen machen das sich die Komprimierung löst und man nur noch ein Pülverchen in den einzelnen Blister-Kammern der Packung hat..

Manche Blister sind zudem so schäbig gemacht ( papierähnliche Abdeckung ) das die Tabletten sich schon bei feuchter Luft im Auto von selbst zerlegen !

@ Machoe :

Wenn man die Blister zusammen mit dem Beipackzettel Vakuumiert ? Dann sollte doch nichts gegen den Kühlschrank ( 3-7° ) sprechen,im Gegenteil ?

eraperp
11.10.2015, 22:01
Medis, die im Kühlschrank gelagert werden müssen, dürfen nicht eingefroren werden! Falls die Medis (versehentlich oder absichtlich) einfrieren, sind sie sehr wahrscheinlich nicht mehr verwendungsfähig. Vor Verwendung dann unbedingt in der Apotheke nachfragen!




Du beziehst dich hier aber sicher nur auf die Medikamente, die im Kühlschrank eingelagert werden sollen - sehe ich das richtig?

Bei gepresste Tabletten kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.
Auf meinen Extremtouren sind alle meine Medikamente immer eingefroren, teilweise mehr als 30 Grad minus. Ich brauchte auch mal welche und sie haben immer funktioniert - soweit ich das beurteilen kann. Es waren keine Medikamente dabei, die flüssig waren. Alles nur gepresste Tabletten. Ich hab die Touren mehr als 10 Jahre gemacht.


cu Tom

Macohe
11.10.2015, 22:40
Bevor ich hier Falschaussagen in den Raum werfe: seid so gut und erkundigt Euch in Eurer Apotheke, bevor Ihr vorhabt, Medikamente anders zu lagern, als es auf der Verpackung bzw. dem Beipackzettel angegeben ist. Mit Medikamenten auf gut Glück zu experimentieren halte ich für leichtsinnig.Die Angaben da haben schon ihren Grund und sollten nicht willkürlich von Laien nach eigenem Gutdünken "interpretiert" werden.

Ob im Einzelfall dieses oder jenes Medikament auch anders aufbewahrt werden kann, als vorgesehen, das kann Euch wirklich nur ein Pharmazeut beantworten, denn der kennt sich mit der jeweiligen Zusammensetzung und Empfindlichkeit gegenüber Temperatur-, Licht- und Feuchtigkeitseinflüssen aus.

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Auf meinen Extremtouren sind alle meine Medikamente immer eingefroren, teilweise mehr als 30 Grad minus. Ich brauchte auch mal welche und sie haben immer funktioniert - soweit ich das beurteilen kann.

Ich hoffe, da hast Du im Vorfeld mit Deinem Arzt drüber gesprochen, welche Medikamente Du vorhast mitzunehmen und ob die solche extremen Temperaturen aushalten.

Maresi
11.10.2015, 23:18
Zur 10°-Regel: Die gilt auch in der Elektrotechnik (Alterung von Bauteilen). Haben wir zumindest damals so gelernt...

eraperp
12.10.2015, 01:13
Ich hoffe, da hast Du im Vorfeld mit Deinem Arzt drüber gesprochen, welche Medikamente Du vorhast mitzunehmen und ob die solche extremen Temperaturen aushalten.

Nö. Die wichtigsten Medis waren Ab. Und der Rest Pillepalle.
Hat alles geklappt.
Musste nur einmal auf einer 500-km-Tour morgens die AB einwerfen, da nichts mehr ging (natürlich die Packung zu Ende genommen).

cu Tom

Macohe
12.10.2015, 10:26
Guckt Ihr mal auf die Website des Bundesgesundheitsministeriums zum Thema Arneimittelaufbewahrung (http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/arzneimittelaufbewahrung.html). Hinweise, dass Arneimittel, die bei zu höherer oder auch niedrigerer als der vorgesehenen Temperatur gelagert werden, die Wirkung verändern können, finden sich auch in vielen anderen Quellen.

eraperp
12.10.2015, 10:38
Yep, da steht aber auch:



Die meisten Arzneimittel müssen in einem der folgenden Temperaturbereiche gelagert werden:

Raumtemperatur: 15-25°C (oder, falls so vermerkt, 15-30°C)
im Kühlschrank: 2 bis 8°C
tiefgekühlt: bei -18°C oder kälter



Also denke ich, dass für die gepressten Teile keine Gefahr besteht.
Einige Arzneimittel sind aber aus gelantineartig oder haben flüssige oder halbfeste Bestandteile. Diese würde ich nicht einfrieren.
Auch der ganze zusammengepappte Kram aus der Apotheke ist sicher nach Vorschrift aufzubewahren.
Flüssiges Zeugs natürlich ebenfalls.

Wenn es eh drauf steht, dann kann ja nichts schief gehen. So weit hab ich die Beipackzettel nie gelesen.

cu Tom

Macohe
12.10.2015, 12:27
Yep, da steht aber auch:



Die meisten Arzneimittel müssen in einem der folgenden Temperaturbereiche gelagert werden:

Raumtemperatur: 15-25°C (oder, falls so vermerkt, 15-30°C)
im Kühlschrank: 2 bis 8°C
tiefgekühlt: bei -18°C oder kälter




Also denke ich, dass für die gepressten Teile keine Gefahr besteht.

Was aber nicht gleichbedeutend damit ist, dass es letztlich wurscht ist, wie man verschiedene Medikamente (ob nun trocken gepresst oder in anderer Form) lagert. Sondern einfach eine Definition der angebenen Lagerungsbedingungen. Wenn da also beispielsweise steht, "im Kühlschrank" dann sollte man es eben zwischen 2-8°C lagern, möglichst nicht drunter und nicht drüber. Zumindest nicht langfristig. Bei manchen Medis macht es sicher nicht viel aus, wenn mal kurzfristig die angegebene Temperatur unter- oder überschritten wird. Wobei man sicherheitshalber den Apotheker fragen sollte, was bei Medikament XY "langfristig" oder "kurzfristig" bedeutet.

Es tut ja schließlich auch nicht weh, sich einfach mal beim nächsten Gang in die Apotheke zu informieren, bei welchen Medikamenten, die man zuhause bevorratet, bestimmte Lagerbedingungen zu beachten sind. Wer voraussichtlich demnächst an keiner Apotheke vorbeikommen wird, kann sich auch telefonisch beraten lassen. Auskunftgeben bzw. Berratung zum Thema Medikamente gehört übrigens zum Job bzw. zu den Verpflichtungen eines Apothekers. Also nur keine Hemmungen - da werden Sie geholfen. :lächeln:

Und man hat anschließend das gute Gefühl, sichere Infos aus qualifizierter Quelle zu haben und sich nicht nur darauf zu verlassen, was irgendein Fori halt so denkt oder welche Erfahrungen Laie XY gemacht hat.

Nix für ungut. Soll keine Beleidigung gegen irgendjemanden sein. Nur, ich denke halt, wenn es um die Gesundheit geht, möchten die meisten wahrscheinlich doch lieber gern auf der sicheren Seite sein, gell? :rolleys:

DerGerald
12.10.2015, 12:50
Hallo,

nur so rein aus Neugier, wie schließt du daraus:

Yep, da steht aber auch:




Die meisten Arzneimittel müssen in einem der folgenden Temperaturbereiche gelagert werden:

Raumtemperatur: 15-25°C (oder, falls so vermerkt, 15-30°C)
im Kühlschrank: 2 bis 8°C
tiefgekühlt: bei -18°C oder kälter


Auf das:


Also denke ich, dass für die gepressten Teile keine Gefahr besteht.

Mir erschließt sich das nicht so ganz.

Gruß
Gerald

RudiRednose
12.10.2015, 13:11
Ich werde in Kürze die Tabletten meiner Beva (Eferox) und meine Kalium-Magnesium-Komplex Tabl. vakuumieren und dann kühl + dunkel lagern.
Schliesse somit den sauerstoff und damit das wichtigste Agens, wodurch die Tabletten altern/oxidieren, aus.
KAnn dann in einige Jahre berichten :rolleys:

PS werde so auch mit einem Notvorrat Ibuprofen + was ich sonst noch für nötig erachte verfahren.

Hunted
12.10.2015, 13:19
So, gerade mal mit den pharmazeutischen/pharmakologischen Kollegen telefoniert: Nein, auch "trockene" Medikamente (d.h. Tabletten, Dragees, Trockensubstanz, etc) dürfen NICHT eingefroren werden - es sei denn es steht ausdrüklich in der Packungsbeilage. Es kann zu teilweise drastischen Veränderunge in der Wirkung kommen (von wirkt weniger über wirkt gar nicht mehr bis zu wird gesundheitsschädlich).

So wie RudiRednose das macht halte ich es für sinnvoll. Vakuumieren schadet definitiv nicht und die Argumentation dahinter halte ich für plausibel.

eraperp
12.10.2015, 14:09
Mir erschließt sich das nicht so ganz.

Gruß
Gerald


Na ja, das trockene Pillen das Einfrieren abkönnen.
Klar wird jetzt wieder die halbe Gemeinde aufschreien, dass das nicht geht.

Daher habe ich mal meine Medis rausgekramt und nachgesehen.
Bei den ABs steht z.B.: Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen.
Bei den Schmerztabletten steht: Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen.
usw.

Alle Tabletten, die ich gefunden habe, habe ich nachgesehen. Es stand immer das Gleiche da...

cu Tom

DerGerald
12.10.2015, 14:31
Hallo,

Aber du mußt schon zugeben, daß das:

Yep, da steht aber auch:




Die meisten Arzneimittel müssen in einem der folgenden Temperaturbereiche gelagert werden:

Raumtemperatur: 15-25°C (oder, falls so vermerkt, 15-30°C)
im Kühlschrank: 2 bis 8°C
tiefgekühlt: bei -18°C oder kälter




Was anderes bedeutet als das:

Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen.

Die zweite Aussage weißt auf jeden Fall eher auf:


Na ja, das trockene Pillen das Einfrieren abkönnen.
hin.
Die erste eigentlich genau auf das Gegenteil.


Gruß
Gerald

Hunted
12.10.2015, 15:01
Na ja, das trockene Pillen das Einfrieren abkönnen.
Klar wird jetzt wieder die halbe Gemeinde aufschreien, dass das nicht geht.

Daher habe ich mal meine Medis rausgekramt und nachgesehen.
Bei den ABs steht z.B.: Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen.
Bei den Schmerztabletten steht: Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen.
usw.

Alle Tabletten, die ich gefunden habe, habe ich nachgesehen. Es stand immer das Gleiche da...

cu Tom

Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen ist (man glaubt es in Deutschland kaum) auch nur auf einen definiertes Spektrum (einen von bis Bereich) bezogen, der für unsere Breitengrade üblich ist. Dazu gehört weder die Lagerung in einer schwarzen Metallkiste in der Sahara, noch das Einfrieren.
Das erklärt in meinen Augen auch der normale Menschenverstand (weil es eben nicht normal ist die Medikamente einzufrieren, werden sie dafür weder hergestellt, noch getestet sein/werden). Und die Physik sagt uns eben auch, dass handelsübliches einfrieren (im Gegensatz zum trockengefrieren ;-) ) auch immer (zB in Sachen Feuchtigkeit) auf die durchaus nicht unempfindliche Galenik der Medikamente einwirkt. Was mir ja eben wie gesagt nochmal die Profis einer deutschen Universität bestätigt haben. Da gegen zu halten, halte ich persönlich für eher mutig (und im individuellen Fall, wenn man die Meidkamente dann auch mal einnimmt, auch für riskant).

Cephalotus
12.10.2015, 15:52
Kühl, trocken und dunkel lagern.
NICHT im Kühlschrank, da hier eine deutlich zu hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.


Die absolute Luftfeuchte ist im Kühlschrank natürlich erheblich geringer, die relative Feuchte im oberen Bereich bei ca. +8°C bis +10°C ist auch alles andere als spektakulär.

Dazu genügt ein Blick auf ein h-x Diagramm. In meinem Kühlschrank habe ich an den Kühlschlangen 0°C oder weniger (deshalb muss man Kühlschränke ja auch "abtauen"), an dieser Stelle kondensiert die Luftfeuchte im Kühlschrank aus. (100% rel Feuchte bei 0°C) Demzufolge beträgt die rel. Lufttemperatur im oberen Bereich bei ca. 8°C unter 60% (außer kurzzeitig nach Öffnen der Tür). Das kann physikalisch garnicht anders sein.
Im unteren Bereich bei 2°C ist die relative Feuchte natürlich höher.

Ein rel. Feuchte von 60% ist absolut "Haushaltsüblich", die absolute Feuchte (wichtig für die Wasserdampfdiffusion durch die Verpackung) ist im Kühschrank sogar deutlich geringer als im Zimmer.

Davon abgesehen sind die Tabletten bei mir sowieso einzeln in der Blisterpackung nahezu luft- und wasserdicht verpackt. Habt ihr Tabletten in Packungen lose herum liegen?

---

Wenn ich könnte würde ich übrigens alle meine Nahrungsmittel (außer solche bei denen dann die Viskosität zu hoch wird wie Olivenöl) bei +5°C herum lagern.

Auch unbenutzte Lithiumzellen (im Wert von ein paar hundert Euro) lagere ich bei mir im Kühlschrank. Sie alteren dort erwiesenermaßen wesentlich langsamer. Bei Filmen war das früher gang und gäbe, dass lagerung in der Gefriertruhe die Lebensdauer dramatisch verlängerte. Auch meine Samen lagere ich ebenfalls oben im Kühlschrank, auch die von tropischen Arten, die in ihrem natürlichen Habitat niemals 8°C erleben würden. Die Keimfähigkeit bleibt im Kühlschrank ca. 2-4x solange erhalten wie bei Raumtemperatur. (habe keinen direkten 1:1 Vergleich gemacht, aber hinreichend viel Erfahrung damit)

Meist ist Alterung eine Folge von (UV-)Licht, Sauerstoff, (Wasser) oder es tritt durch interne chemische Reaktionen auf. Oder eine Kombination mehrere Mechanismen. Licht, Sauerstoff und Wasser kann man recht gut fern halten, die internen Reaktionen kann man deutlich verzögern, wenn man das Zeug möglichst stark kühlt. Ich bin der festen Überzeugung, dass das für in Tablettenform gepresste Pulverförmige Stoffe ganz genauso gilt.

mfG

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Hast Du dazu eine Quelle zum Nachlesen ? Chemische Reaktionen verlangsamen sich natürlich mit einer tieferen Temperatur,das ist klar...


https://de.wikipedia.org/wiki/Arrhenius-Gleichung



Mir fehlt bei Deiner Info etwas der Bezug zu Medikamenten...
Bei " Pillen " würde ich mir eher Sorgen machen das sich die Komprimierung löst und man nur noch ein Pülverchen in den einzelnen Blister-Kammern der Packung hat..


Ich habe jetzt keine riesengroße Erfahrung, aber bei mir haben sich noch niemals Pillen irgndwie verändert, weder im Kühlschrank noch sonstwo. Einzige Ausnahme ist große Höhe, wo sich die Verpackunge durch die Luftdruckunterschied teilweise sehr stark aufblähen, aber innerhalb von Europa passiert da nix, da muss man schon über 5000m üNN hinaus. Vakumiieren ist aber vielelicht doch problematisch, zumindest dann wenn sich zwischen Folie und Blisterpackung irgendwo ein Hohlraum bilden kann.

Ich will da auch keinen überzeugen, ich beschreibe nur wie ich es mache. Von Medikamenten habe ich keine Ahnung, aber von anderen Dingen (Akkumulatoren, Samen, Filme, Lebensmittel...) schon und da wirkt sich kühle Lagerung im Kühlschrank bei mir grundsätzlich immer sehr positiv auf die Lebensdauer aus.



Manche Blister sind zudem so schäbig gemacht ( papierähnliche Abdeckung ) das die Tabletten sich schon bei feuchter Luft im Auto von selbst zerlegen !


Davon habe ich keine Ahnung, aber Auto ist schon ein sehr übler Lagerplatz, da kann es im Hochsommern stellenweise schon mal über 80°C im Innenraum erreichen, im Winter hingegen auch mal -20°C.

mfG

eraperp
12.10.2015, 17:47
Es sind keine besonderen Lagerbedingungen vorgesehen ist (man glaubt es in Deutschland kaum) auch nur auf einen definiertes Spektrum (einen von bis Bereich) bezogen, der für unsere Breitengrade üblich ist. Dazu gehört weder die Lagerung in einer schwarzen Metallkiste in der Sahara, noch das Einfrieren.
Das erklärt in meinen Augen auch der normale Menschenverstand (weil es eben nicht normal ist die Medikamente einzufrieren, werden sie dafür weder hergestellt, noch getestet sein/werden). Und die Physik sagt uns eben auch, dass handelsübliches einfrieren (im Gegensatz zum trockengefrieren ;-) ) auch immer (zB in Sachen Feuchtigkeit) auf die durchaus nicht unempfindliche Galenik der Medikamente einwirkt. Was mir ja eben wie gesagt nochmal die Profis einer deutschen Universität bestätigt haben. Da gegen zu halten, halte ich persönlich für eher mutig (und im individuellen Fall, wenn man die Meidkamente dann auch mal einnimmt, auch für riskant).

Man kann es auch übertreiben.
Die von mir mitgeschleppten Medikamente, alles gepresste Tabletten habe ich irgendwann dann auch mal genommen.
Meist waren sie überlagert und viele davon 20x und öfter eingefroren und wieder aufgetaut.

Meine Lebensmittel friere ich auch ein und die chemischen Verbindungen ändern sich in der TK nur unwesentlich, jedenfalls nicht zu meinem Nachteil.
Warum sollte dass beim gepresstem Pulver der Tabletten anders sein?

Das die Tablettenindustrie das erzählt, liegt in der Natur der Dinge. Wenn die aber schon keine besonderen Lagerbedingungen vorschreiben, dann geht das schon.
Und wenn die Dinger Minusgrade nicht abkönnten, dann würden die das garantiert auf diese Beipackzettel schreiben. Das würde nämlich deutlich mehr Umsatz bringen, denn jeder der so was im Winter mitschleppt, kommt daran selten vorbei.

Kannst du mir bitte mal "nicht unempfindliche Galenik" erläutern bei gepressten Tabletten?

cu Tom

Hunted
12.10.2015, 19:39
Ernsthaft? Wenn dir nicht reicht von wem die Aussage kommt und das ich extra noch Kollegen befragt haben, die sich nur mit Medikamenten befassen, dann kann ich dir wohl auch nicht weiter helfen.
Mach was du willst, nimm was du willst, aber beschwer dich bitte nicht, wenn dein Experiment plötzlich nicht mehr reproduzierbar ist und nach hinten los geht. Und bitte lass zum einen andere Menschen aus deinem Experiment raus und zum anderen hör auf Einzelfälle als allgemeingültig zu verallgemeinern. Danke.

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Die absolute Luftfeuchte ist im Kühlschrank natürlich erheblich geringer, die relative Feuchte im oberen Bereich bei ca. +8°C bis +10°C ist auch alles andere als spektakulär.


Was Physik angeht hast du sicherlich mehr Ahnung als ich. Ich hab jetzt in meinem Leben schon ein paar Kühlschränke gehabt und noch mehr bei Bekannten/Verwandten und in Hotels benutzen dürfen und immer wieder erlebt, dass die dort gelagerten Gegenstände feucht waren.
Ich denke das dürfte u.a. daran liegen, dass deine Gleichung vergisst, dass a) die Lebensmittel selber Feuchtigkeit mitbringen, b) ständig die Tür geöffnet wird und c) das kein hermetisch (luftdichter) Raum ist. Und, was ih cjetzt mal aus dem Klinikalltag extrapoliere, die Temperaturschwankungen schinen in den 0815-Geräten nicht unerheblich zu sein. Auf Station werden daher wohl immer mal wieder Geräte getauscht (in denen Medikamente aufbewahrt werden) und es ist fast immer eine (kontinuierliche) externe temperaturkontrolle notwendig/vorgeschrieben. D.h. da hängt irgendwo ein Temperaturfühler und man kann ablesen wie viel Grad momnetan herrschen.

Grundsätzlich: Medikamente sind keine Lebensmittel, sondern in der Zusammensetzung häufig extrem komplexe Chemie. Das kann (muss) man nicht umsonst studieren. Das eine Tablette daher u.U. anfälliger/empfindlicher ist als eine Banane ist nur logisch. Und: In meinen Augen ist es nicht nur abolut unnötig Medikamente (die dafür nicht gedacht sind) im Kühlschrank zu lagern oder sogar einzufrieren - es ist sogar absolut unprepperhaft. Denn warum dieses Risiko eingehen, wenn es gar nicht notwendig ist? Man kann sie einfach entsprechend der Vorgaben lagern und nach, bzw kurz vor Verfall Nachschub besorgen. (Wir reden hier ja schließlich nicht über den Fall X, dass es nie wieder neue geben wird...)

Macohe
12.10.2015, 22:56
Okay, ich fass kurz mal zusammen:



das Bundesgesundheitsministerium, ein Arzt (nach Rücksprache mit Spezialisten für Medikamente) und eine Pflegefachkraft sagen: es ist sehr wichtig, die angegebenen Lagerbedingungen für Medikamente unbedingt zu beachten, weil andernfalls eine Missachtung gravierende Veränderungen der Medikamente und ihrer Wirkungen bzw. Nebenwirkungen zur Folge haben kann.
Ein paar medizinische Laien sagen: meine Logik sagt mir aber was anderes und ich hab noch nie schlechte Erfahrungen damit gemacht, die Lagerbedingungen zu missachten (weil ich entweder gar nie drauf geschaut habe, wie die gelagert werden müssen, oder weil ich mich einfach drüber hinweggesetzt oder experimentiert habe).


Es bleibt jedem selbst überlassen, was er nun als Grundlage seines Umgangs mit Medikamenten hernehmen will.

Bin raus aus diesem Faden.http://www.smilies.4-user.de/include/Girls/smilie_girl_202.gif (http://www.smilies.4-user.de)

Blackout
12.10.2015, 23:35
Die Medblister haben in dem meisten Fällen eine Plastikseite und eine Seite mit Metallfolie.
Häufig ist die Metallfolie sehr dünn und somit auch anfällig auf mechanische Einflüsse.
Dort wo die Tablette liegt, ist immer auch Luft mit eingeschlossen.
Die Abdichtung aus Kunststoff und Metallfolie ist eigentlich schon eine sehr gute.
Wenn ihr jetzt solche Blister vakuumiert, setzt ihr die Metallfolie einem hohen Druck aus. Sowohl die mechanische Einwirkung, als auch der Druckunterschied innerhalb des Raums in dem die Tablette liegt, können dazu führen das die Metallfolie reißt.
Das einzige was ihr dann gekonnt habt, ist den Vakuumverschluss in der Metallfolie gegen eine neuen in Plastikfolie zu tauschen.

Falls ihr die Tabletten nicht gerade auf eine Expeditionsreise in die Sahara und den Dschungel mitnehmen möchtet, macht keine Wissenschaft draus.
Einfach die Päckchen so ordentlich wie es geht, ungeknickt an einem trockenen, dunklen Ort lagern, der im besten Fall keinen besonderen Temperaturschwankungen unterliegt und gut ist.
Manchmal ist weniger mehr...

Ich habe vor einiger Zeit übrigens mal Auszüge aus einer US Army Studie gelesen, in der diverse Medikamente überlagert worden sind und noch nach vielen Jahren (3 oder 5 über Verbrauchsdatum?) waren die Wirkstoffe nahezu noch zu 100% vorhanden.... ohne Eisschrank .... ohne laminieren ... ohne bei Vollmond zusammen mit der Großmutter mit Warze auf der linken Wange die Medikamente zu beschwören ...

Just my 2 cent

eraperp
13.10.2015, 01:42
Ernsthaft? Wenn dir nicht reicht von wem die Aussage kommt und das ich extra noch Kollegen befragt haben, die sich nur mit Medikamenten befassen, dann kann ich dir wohl auch nicht weiter helfen.
Mach was du willst, nimm was du willst, aber beschwer dich bitte nicht, wenn dein Experiment plötzlich nicht mehr reproduzierbar ist und nach hinten los geht. Und bitte lass zum einen andere Menschen aus deinem Experiment raus und zum anderen hör auf Einzelfälle als allgemeingültig zu verallgemeinern. Danke.

Ja ja, ich frag mal meinen Kollegen.
Das habe ich auch gemacht. Selbst Prof. Dr. Dr. - aber im Ernst, viel halte ich davon nicht. Interessant sind nur Fakten. Und das Ärzte oft daneben liegen oder ihr Wissen überschätzen, ist ja keine Erfindung von mir. Die weiter unten angegebenen Studien haben ergeben, dass ca. 80% der Medikamente der US-Armee (verschreibungspflichtig) problemlos über 33 Monate verlängert wurden. Ein weiterer lustiger Test von 8 Medikamenten hatte ergeben, dass nach einer Überlagerung von 28 bis 40 Jahren ;) die Medis noch alle ok waren - soweit würde ich dann doch nicht gehen.

Wenn ich also davon ausgehe, dass sehr viele Medikamente problemlos überlagert werden können, dann werden sie vielleicht auch in der TK kaum anders reagieren (Achtung: noch Spekulation). Ich spreche hier immer von trockenen gepressten Tabletten. Was ich sehr schön fand, dass mein spezielles AB (Cipro) auch unter den Testkandidaten und auch nach über 9 Jahren noch i.O. war.
Da sich chemische Vorgänge in der Kälte verlangsamen (Quelle war weiter oben), die Luftfeuchtigkeit in der TK auch viel geringer ist, dürfte recht wenig dagegen sprechen. Alles was verderblich ist, wird da ja auch gerne reingeschmissen und hält sich definitiv länger. Gilt auf jeden Fall für organische Bestandteile. Warum das bei anorganischen nicht so sein soll, erschließt sich mir gerade nicht. Und warum aus Pulver gepresste Tabletten eingefroren einer Änderung unterliegen, hätte ich gerne erklärt. Ich will das ja nur verstehen. Wenn nicht, wäre nämlich die TK doch der ideale Ort.
Hierbei ist auch interessant, dass die Tests der US-FDA vor allem mit hohen Temperaturen und hohen Luftfeuchtigkeiten gemacht wurden (verschiedene), um daran zu zeigen, dass bei höheren Temps der Verfall deutlich schneller voranschreitet.

Ach ja, und jeder darf natürlich seine eigenen Risiken eingehen. Aber: Liebe Kinder, nicht nachmachen.

Zur allgemeinen Erheiterung klaue ich mal den Beitrag aus einem ähnlichen Fred zur Überlagerung von Medis von ChrisHamburg.
Habe die Sachen auch gefunden aber man kommt immer nicht an die Originalquellen.



Zu diesem Thema habe ich vor einiger Zeit mal ausführlich recherchiert.

Der wichtigste Forschungsbeitrag zu diesem Thema ist leider nicht zugänglich :traurig: :
Die US Army hat die oberste Gesundheitsbehörde (FDA) 1989-98 damit beauftragt, in regelmäßigen Abständen ihre Medikamente zu testen und die Ablaufzeit wenn möglich zu verlängern. Dies geschah vor allem aus ökonomischen Überlegungen. Das Militär musste regelmäßig Medikamente für sehr viel Geld neu kaufen, weil sie abgelaufen waren.
Hier der kurze Informationslink dazu http://www.usamma.amedd.army.mil/dod_slep.cfm

Das "Shelf life - Extension - Program (SLEP)" hat trotzdem Wege in die Öffentlichkeit gefunden. Hier sind zwei gute Links darüber:
http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2000/04/02/drug-expiration-part-one.aspx (ein Artikel aus dem Wall Street Journal)
http://www.dsls.usra.edu/education/grandrounds/archive/2009/20091027/khan.pdf

Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:

Viele Medikamente sind weit über ihr Ablaufdatum hinaus wirksam. Das überraschendste Beispiel dürfte Ciprofloxacin Tbl. sein, das noch 9 1/2 J. nach Ablauf die volle Wirksamkeit aufwies.
Ein Problem gibt es jedoch: nicht alle Herstellungschargen des gleichen Medikaments waren gleich lang wirksam.
Aus Haftungsgründen möchte ich die Liste mit den Haltbarkeitsdaten hier nicht einstellen.
Ich selbst nehme aber durchaus Tabletten, die je nach Sorte auch schon abgelaufen sein dürfen. :devil:

Achtung: Nicht länger wirksam sind Insulin, Nitroglycerin und flüssige Antibiotika sowie Wasseraufbereitungstabletten und ein Malariamittel
Viele Grüße, Chris

Hier mal ein lustiger Auszug:

One medicine the FDA has endorsed for extensions is ciprofloxacin hydrochloride tablets, an antibiotic marketed by Bayer as Cipro. One batch had an expiration date of March 1989. More than 9 1/2 years later, the FDA found the tablets still good; it then extended some of them for 18 more months and others for 24 more months.

Albert Poirier, quality-assurance director for Bayer's pharmaceutical division, says he isn't surprised because Cipro "is a stable drug molecule" in tablet form. "We go for a shelf life that will be safest for patients," he says. "We want the drug to be used up within three years. We wouldn't want a patient to have it for 10 years because they'd have an old package insert" that might omit new information or contra-indications and because "we'd have no control over how they'd store the drug during this time."

Another extended drug is Thorazine, a tranquilizer chemically known as chlorpromazine tablets. Batches bearing December 1996 expiration dates - unused and unopened, as is the case with all drugs evaluated in the Shelf Life program - were tested in July 1998 and extended for two years. A spokesman for the maker, SmithKline Beecham PLC, says it applies an expiration date 24 months after manufacture. "We think that is the appropriate expiration date," he says. "We don't benefit from short expiration dates."

Some other drugs the FDA has extended at least two years beyond their expiration dates are diazepam, sold as Valium; cimetidine, sold as Tagamet; phenytoin, sold as Dilantin; and the antibiotics tetracycline and penicillin.

cu Tom

Hunted
13.10.2015, 11:54
eraperp (http://www.survivalforum.ch/forum/member.php/6467-eraperp), du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Zum einen hat ein reines Überlagern nichts mit Einfrieren zu tun.
Zum anderen hat ein sich selektive Literatur (die einem gerade passt) raussuchen und alles andere ignorieren genau so wenig mit Wissenschaft (und damit der Wahrheit) zu tun, wie irgendwelche Einzelfälle zu verallgemeinern.
Das erinnert mich gerade ziemlich an eine Diskussion mit einem Impfgegner o.vgl. (nicht unbedingt vom Niveau, aber zumindest von der Diskussions-, bzw Argumentationsstruktur her). Und das macht weder Spaß, noch ist es zielführend.

Ich hab auch schon Medikamente durch Minustemperaturen und zB auf dem Kili geschleppt..
und soll ich dir sagen was ich hinterher damit gemacht habe? Ich hab sie weggeworfen. Weil ich nämlich weder dumm bin, noch mir meine Gesundheit (und die der Menschen, die u.U. die Medikamente bekommen würden) nicht so wenig wert ist. Das sind die Kosten ein paar regelmäßig erneuerte Medikamente nichts gegen.

Und befasse dich doch bitte mal damit, wie Einfrieren funktioniert (im handelsüblichen Tiefkühler). Und da reicht es einfach in den eigenen zu schauen und zu gucken was da wirklich mit dem Kühlgut passiert (ist). ZB diese Eiskristalle an und in den Verpackungen.. am Kühlgut selber...
da braucht es imho nicht mal eine wissenschaftlich verkomplizierte Herleitung - da reicht einfache Beobachtung.

@Blackout
Danke für die Beobachtung. Da hast du vollkommen recht. habe ich bzgl Vakuumieren völlig unberücksichtigt gelassen. Zumal man meist nicht nur Vakuum vs Vakuum (im Idealfall) tauscht, sondern Vakuum/Schutzatmosphäre vs "Vakuum". Bin daher völlig bei dir. Besser nicht vakuumieren.

eraperp
13.10.2015, 13:19
Also Hunted, überreden wollte ich mich nicht lassen. Deine Argumentation untermauerst du mit keiner einzige Quelle, bzw. keiner, die das auch bestätigen würde. Von Hörensagen und Kollegen befragen lasse ich mich nicht beeindrucken. Und ich nehme nicht selektive Literatur, sondern Quellen, die Untersuchungen zeigen. Das solltest du auch einmal tun. Beipackzettel basieren auf Gesetzen und auf der Maßgabe, dass sich die Pharmafirmen absichern wollen. Bei vielen Tabletten wäre eine längere Haltbarkeitsangabe einfach möglich, wie selbst der Sprecher von Bayer zugesteht (dazu müsste man die Quellen lesen) aber aus Gründen der "Weiterentwicklung der Medizin, können Wechselwirkungen/Auswirkungen" sich in längeren Zeiträumen ändern und so nicht mehr aktuell sein. Was natürlich erst einmal nichts mit der Tablette an sich zu tun hat.

Die Eiskristalle in einer TK sind physikalisch recht einfach erklärbar. Das sich an den TK-Wänden die Feuchtigkeit niederschlägt, ist logisch. Dass dies in einem verpackten und sinnvollerweise verschweißtem Medium ebenfalls der Fall sein wird, wenn man durchdacht vorgeht, ist bei weitem nicht logisch und in der Praxis auch nicht der Fall. Auch bei empfindlichen Messgeräten ist dies der Fall, wenn diese extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Damit diese nicht zerstört werden, gibt es einen einfachen und wirkungsvollen Trick: langsam an die neuen Temperaturen gewöhnen.
Aber ich denke, dass kannst du ganz gut selbst nachvollziehen. Ansonsten hätte ich meine vielen Filme im TK immer gekillt, sollten deine "Beobachtungen" stimmen. Also noch mal drüber nachdenken.

Selbstverständlich vergleiche ich keine Äpfel mit Birnen, sondern lese mir die Quellen aufmerksam durch. Dort wurden z.B. Untersuchungsreihen durchgeführt mit unterschiedlichen Temperaturen und Feuchtigkeitsgraden. Das Ergebnis war lustigerweise, dass bei niedrigeren Temperaturen und niedrigeren Feuchtigkeiten, die Haltbarkeit immer deutlich besser abschnitt. Ich habe erst einmal geschlussfolgert, dass bei noch niedrigeren Temperaturen und noch niedrigerer Feuchtigkeit die Ergebnisse nur noch besser werden, es sei denn, die Minusgrade verändern die Zusammensetzung der Tabletten. Bei gelartigen Stoffen, bei Flüssigkeiten, bei Cremes, Ölen und dergleichen kann ich dies sicher in einem Teil nachvollziehen - aber bei gepressten Tabletten halte ich das erst einmal für Quatsch. Alle mir bekannten chemischen Verbindungen in fester Form halten sich in der TK deutlich länger. In der chemischen Industrie wird dies bei vielen Emulsionen so gehandhabt. Ein einfaches Beispiel sind die Filmemulsionen, die bei hohen Temperaturen nicht langzeitstabil sind (ca. 2 Jahre). Auch hier verlängern sich die Haltbarkeitsdauern extrem, wenn eingefroren wird. Dabei verändern sich die chemischen Zusammensetzungen nicht, wie mehrfach untersucht wurde. Selbst bei vielen organischen Stoffen ist ein Einfrieren die beste Methode - auch Samenzellen werden sehr tief eingefroren, wobei so etwas bestimmt kein einfaches Gebilde ist. Aber bei Pulvertabletten soll das auf einmal ganz böööse sein.

Alle von dir genannten Quellen basieren auf Hörensagen, auf Beipackzetteln, die nichts dazu aussagen oder auf Links, die ebenfalls nichts dazu aussagen oder auf den Hersteller verweisen. Komm doch mal raus mit deinem Wissen, bzw. wo du es her hast.

Betreff Vakuumierung: Jeder der so ein Gerät zu Hause hat, sollte sich mit der Bedienungsanleitung beschäftigen. Hochwertige Geräte (meines jedenfalls) habe eine einstellbare Druckbeaufschlagung, damit das "Vakuum" von Null auf Max eingestellt werden kann. Ansonsten würden viele Dinge im Eimer sein, die man einschweißt, da sie luftgefüllte Hohlräume enthalten. Also vor Benutzung solcher Geräte den Denkapparat einschalten.

Ich bin immer noch der Meinung, dass die meisten gepresste Tabletten im TK deutlich länger haltbar sein müssen.
Vielleicht findet ja irgendjemand mal eine Quelle, die das negiert oder bestätigt. Zur Haltbarkeit und höheren Temperaturen habe ich bereits genug Stoff.

Hunted, ich hab nichts gegen dich und danke dir für deine Bemühungen. Ich finde zielführende Diskussionen gut und vielleicht werden wir ja alle am Ende schlauer sein. Ich lasse mich gern belehren, denn dass ist der Sinn meines Anliegens.

cu Tom

eraperp
13.10.2015, 17:03
Ich hab mal auf die schnelle nach Quellen gesucht, die ein Kühlen im medizinischen Bereich befürworten und finde es lustig, dass sogar sehr anfällige medizinische Gebilde (Proteine und dergleichen, aber auch Lösungen) gekühlt fast immer deutlich länger haltbar sind. Ich suche weiter.


Lagerung von Proteinen
http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/8/bc/vlu/faltung/stabilitaet.vlu.html (http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/8/bc/vlu/faltung/stabilitaet.vlu.html)


Kühlen ist natürlich ein Klassiker, um die Haltbarkeit von Lösungen zu erhöhen. Dabei gibt es in den meisten Labors verschiedene Stufen: 4°C im Kühlschrank, im Kühlraum oder auf Wassereis, -20° und -80°C in Tiefkühlschrank oder Tiefkühltruhe oder durch Trockeneis (-78°C) und flüssiger Stickstoff (-196°C). Die Grundidee hinter dem Kühlen ist die klassische RGT-Regel, die besagt, dass chemische (und damit auch biologische) Reaktionen bei 10°C Abkühlung etwa 2 bis 3 mal langsamer ablaufen. Verglichen mit einer Raumtemperatur von 25°C heißt das, dass eine Lösung bei 4°C etwa vier- bis zehnmal so lange haltbar ist, bei -20°C etwa 20- bis 140-mal so lange, bei -80°C 1.500 bis 100.000-mal so lange und bei -200°C tatsächlich nahezu nichts mehr passiert. Das heißt aber umgekehrt auch, dass eine Lösung auch gekühlt nicht ewig hält. Was man nach einer Nacht bei Raumtemperatur nicht mehr verwenden würde, sollte man also auch nach zwei bis fünf Tagen im Kühlschrank, nach zwei bis zehn Wochen auf -20°C oder nach ein paar Jahren auf -80°C entsorgen.
Quelle: http://www.cos.uni-heidelberg.de/data/r.gromes/download/Laborguide_Puffer.pdf


Quelle: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/5754/1/Schimanski_Katrin.pdf
Dissertation zu Proteinen und deren Haltbarkeit auch in Zusammenhang mit dem Einfrieren (Frier-Tau-Stresstest). 220 Seiten und ein wenig sperrig zu lesen. geht da aber hauptsächlich um andere Dinge.

cu Tom

Hunted
13.10.2015, 17:30
Ich bin raus...

eraperp
13.10.2015, 18:41
Ich bin raus...

Schade, hatte auf irgendwelche Quellen gehofft, die deine Aussagen bestätigen.
Trotzdem vielen Dank für's mitmachen!

cu Tom

Cephalotus
13.10.2015, 23:23
Natürlich empfiehlt ein Arzt einem Laien, das Medikament so zu lagern wie es auf der Packungsbeilage steht und nicht anders. das würde ich als Arzt selbstverständlich auch so tun.

Trotzdem ist es oftmals nicht die optimale Lagerung.

Ich vergleiche mal mit einen Beispiel, wo ich der Experte bin, die Lebensdauer von Lithium-Ionen Akkus.

Hersteller von Pedelecakkus empfehlen typischerweise, die Akkus regelmäßig vollzuladen und bei Zimmertemperatur zu lagern.

das stellt sicher, dass die Dinger bei über 95% der Anwender den Garantiezeitraum überstehen und bei Gelegenheitsnutzern nicht durch tiefentladung ausfallen aber es ist im Grunde genommen ein sehr schlechter Rat für die, die den Akku lange benutzen möchten.

Ein guter Rat wäre:

Lagere den Akku stets kalt (aber nur gefrieren, wenn Du weißt was Du tust und den Zelltyp genau kennst) und möglichst leer. Beispiel 5°C, trocken und 3,2V/Zelle.
lerne die Selbstentladerate des Akkupacks kennen (Gute Zellen entladen sich heute nicht mehr nennenswert selbst, aber die Elektronik tut das u.U.), so dass Du eine Tiefentaldung während der Langzeitlagerung ausschlieißen kannst. Lade auf eine dafür geeignete Spannung.

Lagere nicht so, wenn Du den Akku regelmäßig oder unerwartet brauchst, sondern dann eher bei 15°C und auf einem Ladezustand, der für die unerwarteten Fahrten ausreicht.

Lade möglcihst langsam, insbesondere bei Zellen mit NCA Kathode. Lade neimals schnell bei kalten Akku, außer bei geeigneten Zellen. Idealerweise ist es, den Akku während des Ladevorgangs bei 20°C zu halten. Sorge dafür, dass er nicht zu warm wird.

Setze den Akku niemals Hitze aus, meide direkte Sonneneinstrahlung. Schütze den Akku vor starkem Auskühlen während der Benutzung.

Betreibe den Akku in möglichs flachen Zyklen, wenn man die Ladeendspannung auf 3,9V/Zelle begrenzt idR viele tausend Zyklen möglich, ansonsten kann man pro -0,1V mit einer Verdopplung der Zyklen rechnen.

bei einem selbstkalibrierenden BMS fahre in geeigneten Abständen (abhängig von der Elektronik) einen vollständigen Zyklus. Bei unterschiedlichen Spannungen in den Zellbänken (idealerweise eigene Messung) und am Ladeende balancierendem BMS lade in geeigneten Abständen den Akku voll und belasse ihn eine Weile am Ladegerät oder balanciere manuell.

Für LiFePO4 Akkus gelten andere Spannungen, außerdem ist dort der Ladezustand nur über Ladungszähler bestimmbar.

Ein so behandelter Akku wird ca. 3-10x so lange leben wie ein Akku der nach Herstellerempfehlung genutzt wird, bei Akkupreisen die typischerweise zwischen 300 Euro und 1000 Euro liegen durchaus signifikant.

Trotzdem ist so ein Ratschlag unsinnig, weil 95% aller pot. Anwender damit überfordert wären und im Zweifelsfall mehr Schande als Nutzen anrichten würden.

Eine Empfehlung zur Verlängerung der Haltbarkeit von Medikamenten wäre vermutlich recht ähnlich dem o.g. Kein "Experte" wird außerhalb von Studien eine solche Empfehlung abgeben, wenn er dafür in Haftung genommen werden könnte. Es ist für Laien einfach zu kompliziert.

Es ist ja für die meisten Leute vermutlich schon zu kompliziert, dass in ein und demseelben Kühlschrank sehr unterschiedliche Bedingungen herrschen, je nachdem, wo man sein Lagergut dort hinstellt.

Es hat schon seine Gründe, warum die Butter ganz oben liegt (8°C/60%), die Flüssigkeiten mit hoher thermische Trägheit in der Tür (wechselnde Temperaturen), der Kopfsalat unten im extra Schubfach (4°C/90-100%) und das Fleisch in der Ablage unmittelbar darüber. (2°C) und nichts die Rückwand berühren soll (gelegentlich kleiner 0°C)

mfG

eraperp
14.10.2015, 01:57
Ja um Empfehlungen geht es ja auch nicht. Sondern um eine mögliche Verlängerung der Haltbarkeit.

Meine Li-Ion-Akkus (Eigenbau) sind teilweise von 2003 und funktionieren immer noch. Haben ca. 85 Prozent ihrer Kapazität noch.
Nach 10 Jahren waren es noch 90 Prozent.
Das ist schon gigantisch, wie man die Haltbarkeit bei den Dingern (und auch bei anderen Akkus) verlängern kann.

cu Tom

GrimmWolf
14.10.2015, 12:56
Wenn Ihr Eure Akkus als Zäpfchen benutzt könnte man ja mit viel Goodwill einen Bezug zu diesem Thread herstellen....

Ansonsten verschiebt das doch dahin wos hingehört.

Gruss

Cephalotus
14.10.2015, 13:08
Es geht um ein Beispiel zu erklären, warum Anbieter keine optimalen und komplizierten Empfehlungen geben, sondern nur solche, die "gut genug", dafür aber möglichst einfach, sind.

Bei Medikamenten in Tablettenform ist das dann eben die "Lagerung bei Zimmertemepratur". Das ist als pauschale Empfehlung einfach und "gut genug", daraus aber zu schließen, dass es gleichzeitig auch optimal ist halte ich aber für falsch.


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