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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gipsbinden bei Knochenbrüchen



Kruemelchen1
28.03.2016, 23:38
Hallo liebe Foris,

Knochenbrüche dürften in Krisensituationen ein Thema sein.

Sei es bei längerem Stromausfall im Haus stürzen. oder auf der Flucht im Wald stolpern - Möglichkeiten sehe ich da einige.

So hatte ich DocAlmi via PIN gefragt, ob er es für sinnvoll hält Gipsbinden vorrätig zu halten, da diese extrem billig sind.

Ich hatte die Hoffnung, dass auch Sanitäter, Krankenschwestern und Co, diese handhaben können. Im schlimmsten Fall selber machen.

An diesem Punkt herzlichen Dank an Ihn für die ausführliche Antwort, so einfach ist das Thema nicht, wie ich erwartet habe.

So habe ich jetzt schon gelernt, dass man pro Gips mehrere Binden benötigt, Polster- und Dichtmaterial und eine spezielle Säge um den Gips zu entfernen.

Dazu die Gefahr zu eng zu gipsen oder das Schwellungen zu einem zu engen Gips führen können. Eingipsen ist wohl gar nicht so einfach - vorsichtig formuliert.

Meine Frage an die Mitforisten:

Was habt Ihr für Lösungen für solch einen Fall, oder was würdet Ihr tun ? Gibt es bessere Möglichkeiten ?

Mit Stock oder Latte erst einmal stabilisieren ist eine Idee, aber Wochen mit so einer Notlösung ? Vor allem wenn man unterwegs ist und weiterkommen muss. ?

Ich freue mich auf Eure Vorschläge

Krümelchen

Tsrohinas
29.03.2016, 07:51
Sam Splint Schienen mit Elastischer Binde kann ich da empfehlen.

Tsrohinas

olafwausr
29.03.2016, 08:08
Ich habe mir, nur um der Stock/Schnur Variante zu entgehen sogenannte Luftschienen besorgt.

Das sind grob gesagt speziell angepasste sehr stabile Plasesäcke mir recht stabilen Reißverschlüssen.
Die lassen sich sehr behutsam um das entsprechende Gliedmaß legen und dann VORSICHTIG aufblasen.

Als Erstversorgung bis zum Arzt scheinen mir die Dinger recht brauchbar, zumal im Fall einer Schwellung
einfach etwas Luft abgelassen wird. Durch das Durchsichtige Material ist sofort zu sehen, wenn es zu Blutungen kommt.
Außerdem sind sie zur Kompression für einen Druckverband nicht zu verachten.

Sie ersetzen aber auch nicht den Chirugen der dann die weitere Versorgung übernehmen muss.
Es ist nur ein temoräres Hilfsmittel. Braucht aber weder spezielle Sägen/Scheren und ist wiederverwendbar.

Beste Grüße, Olaf

Maresi
29.03.2016, 10:12
Ich bin kein Arzt oder Sanitäter, aber ich wage dennoch mal eine Aussage: :Schwitz:

Eine spezielle Säge* ist sehr hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

Zum Gips(en) selbst:
Wenn der Bruch noch frisch ist dann macht man ja zuerst mal einen Spaltgips (dh., der Gips wird gleich nach dem Anlegen der Länge nach gespalten, um mit der Schwellung "mitwachsen" zu können). Erst wenn die Schwellung abgeklungen ist kommt der "echte" Gips drauf.

Zur Sinnhaftigkeit des Einlagerns:
Prinzipiell macht der Gipsverband ja nur das, was man auch mit anderen Mitteln erreichen könnte: Den Bruch so lange ruhig stellen bis er wieder zusammengewachsen ist. Man kann das selbe Ergebnis also auch mit Schienen erzielen. Je nach Lokation des Bruchs ist das dann allerdings mehr oder weniger schwierig...

Ich persönlich habe u.a. Gipsbinden und Polsterwatte in rauen Mengen eingelagert (u.a. weil mein Wautzebautz keine Gelegenheit auslässt um sich zu verletzen. Was wir in den letzten Monaten Verbände gewechselt haben... :weinen:).

LG,

Maresi


*) Das sind eigentlich keine Sägen, da das Blatt nicht rotiert sondern nur vibriert und den Gips damit quasi "zerklopft" - der Fein Multimaster hat das selbe Prinzip...

ksbulli
29.03.2016, 10:56
Moin Krümelchen, moin @ll,

ich hatte in den 70ern, während meines Rettungssanitäterpraktikums die Gelegenheit sehr viel Zeit im "Gipsraum" zu verbringen. Das war genau in der Ski-Saison, da kam neben den frischen Unfällen viel rein.
OT on/: Am Ende habe ich an Hand der Zeichnungen die "Gipser" des KH Innsbruck voneinander unterscheiden können und auch sofort gesehen, wer im Kantonsspital Zürich in Behandlung war ... :Cool: OT off/:


Einen Gips zu wechseln ist jetzt kein Hexenwerk. Damals waren Frakturen der unteren Extremitäten an den Stiefelrändern schwer in Mode und es wurde nach einer bestimmten Zeit der Erstgips gegen einen "Gehgips" ausgetauscht.
Aber eine frische Fraktur zu Versorgen ist schon ein anderer Schnack! Das beginnt bei dem bereits beschriebenen "Spaltgips" und endet dabei der notwendigen Röntgenkontrolle, ob denn die Knochen ordnungsgemäß reponiert sind, so dass sie wieder vernünftig zusammen wachsen können.

Jetzt haben wir noch keine "Gemeinheiten" wie eine Radiuskopffraktur oder Katastrophen wie ein Wirbeldeckplattenbruch versorgt. (Zugegeben, ich weiss nicht, ob das heute noch so gemacht wird wie damals, aber um einen Begriff für den Aufwand zu geben: Es waren bei dieser Aktion zwei Oberärzte, ein Assistenz- und ein Stationsarzt, zwei Pfleger zum Anreichen und der kleine Praktikant zum Vorlesen der Bindenliste am Start. Kommentar vom sonst superruhigen Oberarzt: "Nun lies schneller, das muss zügig gehen!" :schmeichel:

Ganz besonders "tricky" wird es bei offenen Frakturen, bei denen die Gefahr der Infektion mit nachfolgender Heilungsstörung der Knochen hinzu kommt. Das habe ich in der eigenen Familie erlebt und das ist nur knapp an einer späten Amputation vorbei geschrammt. Und die zugehörige Hautverletzung bewegte sich tatsächlich im Bagatellbereich und musste nicht mal genäht werden ...

So "unspektakulär" ein Gips hinterher aussieht, es ist schon ein echtes Handwerk, was gelernt sein will dahinter! Sprich das Material einzulagern ist IMVHO nur sinnvoll, wenn im eigenen Netzwerk die passende medizinische Fachkompetenz verfügbar ist. Dann spricht aber in meinen Augen wenig dagegen, wenn der Kram trocken gelagert werden kann ...


So weit meine 2 Pfennige dazu!

Christian

Nachtfalke
29.03.2016, 12:30
Hallo in die Runde

Ich persönlich würde noch Schienenmaterial wie z.b. Alu-Polsterschienen Betracht ziehen. Sie sind auf jeden Fall besser anzulegen als wenn wir die Stock/Schnur Variante anwenden :peinlich:
Den meisten wird sie unter dem Begriff "Sam Splint" bekannt sein. Sie hat ein kleines Packmaß und in Verbindung mit den passenden (Elastik-) Binden lässt sie sich universell einsetzen. Selbstverständlich hat sie auch ihre Grenzen. Auch macht es Sinn sich mit der Anwendung derselben vorher auseinander zu setzen.
Ich lese hier immer wieder was die Leute an Geld für Medizinprodukte ausgeben (wollen). Da sind die Kosten einer Sam Splint überschaubar. Die Kosten liegen bei 10 - 15 Euro, je nach Beschaffungsquelle. Da kann man sich ein paar auf Lager legen. Auch wer Luftkammerschienen einlagert sollte über die Anschaffung von Sam Splint nachdenken. Sie sind eine gute Ergänzung zu jenen, da nicht auf eine bestimmte Extremität zugeschnitten.
Allerdings sollte auch das Anlegen von Luftkammerschienen in Friedenszeiten geübt werden. Ich weiß nicht ob ein Laienhelfer in der Hektik auf DMS achtet.

Gruß

Nachtfalke

Hunted
29.03.2016, 18:10
Einlagern für den Fall, dass man jemanden hat, der damit umgehen kann, warum nicht. Ist schließlich nicht besonders teuer. Gipssäge ist toll, braucht man aber nicht unbedingt. Gipszange/Schere tun es meist auch (auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ungewollt was am Gips kaputt geht größer ist)

Was kann der Laie machen? Zb einen Halbgips. D.h. einen Gips, der die Zirkumferenz (den Umfang) der Extremiät nur halb umschließt. So besteht auch bei einer Schwellung nicht die Gefahr eines Kompartmentsyndroms (Einklemmens). Passt man den gut an und fixiert ihn mit elastischen Binden, ist das eine recht passable Stabilisierung, die auch längerfristig bequemer ist als zwei Stöcke oder so eine Aluschine (SamSplint).

Verwechselt beim Einkauf bitte nicht die guten alten Gipsbinden und Castbinden/Systeme (zB Cellacast oder Dynacast).
Die sind teurer und verzeihen bei der Anwendung nicht annähernd so viel wie echter Gips.

Maresi
29.03.2016, 21:52
Moin Krümelchen, moin @ll,

ich hatte in den 70ern, während meines Rettungssanitäterpraktikums die Gelegenheit sehr viel Zeit im "Gipsraum" zu verbringen. Das war genau in der Ski-Saison, da kam neben den frischen Unfällen viel rein.
OT on/: Am Ende habe ich an Hand der Zeichnungen die "Gipser" des KH Innsbruck voneinander unterscheiden können und auch sofort gesehen, wer im Kantonsspital Zürich in Behandlung war ... :Cool: OT off/:


Einen Gips zu wechseln ist jetzt kein Hexenwerk. Damals waren Frakturen der unteren Extremitäten an den Stiefelrändern schwer in Mode und es wurde nach einer bestimmten Zeit der Erstgips gegen einen "Gehgips" ausgetauscht.
Aber eine frische Fraktur zu Versorgen ist schon ein anderer Schnack! Das beginnt bei dem bereits beschriebenen "Spaltgips" und endet dabei der notwendigen Röntgenkontrolle, ob denn die Knochen ordnungsgemäß reponiert sind, so dass sie wieder vernünftig zusammen wachsen können.

Jetzt haben wir noch keine "Gemeinheiten" wie eine Radiuskopffraktur oder Katastrophen wie ein Wirbeldeckplattenbruch versorgt. (Zugegeben, ich weiss nicht, ob das heute noch so gemacht wird wie damals, aber um einen Begriff für den Aufwand zu geben: Es waren bei dieser Aktion zwei Oberärzte, ein Assistenz- und ein Stationsarzt, zwei Pfleger zum Anreichen und der kleine Praktikant zum Vorlesen der Bindenliste am Start. Kommentar vom sonst superruhigen Oberarzt: "Nun lies schneller, das muss zügig gehen!" :schmeichel:

Ganz besonders "tricky" wird es bei offenen Frakturen, bei denen die Gefahr der Infektion mit nachfolgender Heilungsstörung der Knochen hinzu kommt. Das habe ich in der eigenen Familie erlebt und das ist nur knapp an einer späten Amputation vorbei geschrammt. Und die zugehörige Hautverletzung bewegte sich tatsächlich im Bagatellbereich und musste nicht mal genäht werden ...

So "unspektakulär" ein Gips hinterher aussieht, es ist schon ein echtes Handwerk, was gelernt sein will dahinter! Sprich das Material einzulagern ist IMVHO nur sinnvoll, wenn im eigenen Netzwerk die passende medizinische Fachkompetenz verfügbar ist. Dann spricht aber in meinen Augen wenig dagegen, wenn der Kram trocken gelagert werden kann ...


So weit meine 2 Pfennige dazu!

Christian

Hi Christian,

auch ohne die entsprechende Ausbildung durhgemacht zu haben kann ich mir ungefähr vorstellen wie schwierig es ist, komplizierte Brüche o.ä. zu versorgen. Schon alleine wenn ich mir anschaue wie viele Arten von Verbänden man mit einem Dreieckstuch machen kann wird mir schwindlig...
Allerdings habe ich das große Glück, einen Tierarzt in der näheren Familie und zusätzlich in Gehreichweite (ca. 1km) zu haben! Damit ist neben dem Material zur Not auch das zugehörige Wissen (und zur Not sogar ein Röngtgenapparat) verfügbar :Cool:.

LG,

Maresi


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