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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wasserverschmutzung durch Leichen / Kadaver



Erzengel
01.02.2011, 20:34
Hallo,
ich habe mal eine Frage an die Wasserspezialisten hier.
Man hört bzw. liest immer wieder, das Wasser durch Leichen bzw. Kadaver verschmutzt wird. Nun ist meine Frage, wie diese verschmutzung genau aussieht. Lässt sich das Wasser durch abkochen und / oder Filtern wieder reinigen?

Meine Frage hat einen einfachen Hintergrund. Ich weiß von zwei Friedhöfen in unserer Stadt, wo die Pumpen (rein mechanische) ihr Wasser aus dem Grundwasser beziehen. Nun dürfte dieses Wasser ja durch die Leichen kontaminiert sein (steht ja auch "Kein Trinkwasser" dran). Wenn aber im C-Fall das Wasser knapp wird (aufgrund eines langfristigen Stromausfalls etc.), würden sich diese ja vielleicht als Trinkwasser- oder zumindestens Brauchwasserquelle eignen.

gez. Erzengel

Doomer
01.02.2011, 21:23
Bin zwar kein Wasserexperte, aber ich gehe davon aus, dass allenfalls die bakterielle Belastung etwas erhöht ist.
Da kann man kochen und filtern. Sollten die auf dem Friedhof allerdings an viralen Krankheiten gestorben sein, dann wäre ich vorsichtiger.
Ein Kadaver an sich ist nicht tragisch. Der Kadaver eines Kranken (z.B. Thyphus) bleibt gefährlich.

LG
Doomer

Bärtram
02.02.2011, 18:08
Auch "normale" Leichen sind gefährlich, da nach einer Erdbestattung aus einer Leiche nach und nach locker >20L Flüssigkeit austreten.
Daher ist schon bei der Einsargung saugfähiges Material pflicht (Sägespähne, etc.).
Diese giftige Flüssigkeit sickert nach der Bestattung nach und nach ins Erdreich.
Bakterien, Viren, Medikamentenrückstände u.ä. sind dann nur die Zugabe.

ID 1208
03.02.2011, 21:28
Wie infektiös sind Leichen?

Bei Naturkatastrophen geht von den Toten keine Seuchengefahr aus

Nach jeder Natur- und anderen Katastrophe mit vielen Toten wird reflexartig die möglichst rasche Entsorgung der Leichen gefordert. Denn es wird befürchtet, dass von den Kadavern gefährliche Seuchen ausgehen könnten. Laut Fachleuten handelt es sich dabei allerdings um einen Mythos, der das Leid der Überlebenden zusätzlich vergrössert.

http://www.nzz.ch/2004/12/01/ft/articleA0EMD.html


Es mag erstaunen, dass der Fäulnisprozess und die Verwesung, die den Körper nach dem Tod über viele Zwischenschritte und mit Hilfe von Mikroorganismen in einige wenige Endprodukte wie Ammoniak, Kohlendioxid, Wasser, Nitrate und Sulfate zerlegen, für die Helfer keine Gefahr darstellen. Zwar wird in diesem Zusammenhang oft von Leichengift gesprochen. Dabei handelt es sich um spezielle Abbauprodukte von Eiweissen (Alkaloide), die bei der Zersetzung von totem Gewebe entstehen. Entgegen ihrer Bezeichnung sind sie aber ungefährlich.

Das Risiko, dass sich Katastrophenhelfer mit Krankheitserregern wie Hepatitis B oder HIV infizieren, ist laut Experten vergleichbar mit jenem, dem auch Pathologen und Leichenbestatter ausserhalb von Krisenzeiten ausgesetzt sind. Wegen regional unterschiedlicher Infektionsraten kann dieses Risiko aber von Ort zu Ort stark variieren.

Leichen scheinen also nicht viel gefährlicher zu sein als lebende Virenträger. Woher die Gefahren kommen, wenn viele Leichen herumliegen:


Denn die Gesundheit der Überlebenden werde zwar nicht durch herumliegende Leichen gefährdet, sehr wohl aber durch den Zusammenbruch der Infrastruktur und des Gesundheitssystems, was bei grossen Katastrophen die Regel ist. Fehlen sauberes Wasser und sanitäre Anlagen und werden das Essen und die medizinische Grundversorgung knapp, dann werden die Menschen laut de Ville de Goyet rasch einmal krank.

Herzliche Grüsse
linthler

aenghus
03.02.2011, 23:17
Die Antwort, wie schon oben erwähnt ist NEIN - keine Verunreinigung, keine Viren. Grundwasserentnahmen finden fast immer aus Tiefbrunnen statt. Selbst wenn Särge ein 2m tief im Grundwasser liegen würden, so gibt die Gesetzeslage es nicht her oberflächennahes Grundwasser, sogenanntes "nicht gespanntes" Grundwasser zur Versorgung zu entnehmen. In dieses Grundwasser werden zum Beispiel auch die Regenwasserversickerungsanlagen entwässert. Brunnen werden eigentlich in gespanntes Grundwasser gebohrt, d.h. in eine Tiefe, die mindestens eine Sperrschicht (Lehm und Ton) durchdringt.

Gehen wir mal davon aus die Abfolge ist folgendermaßen:
Brunnen aus Oberflächennahem Wasser - Friedhofsmauer in 10m Entfernung - Fluß in 300m Entfernung. Ich würde das Wasser trinken.
Grund: Das Wasser fließt im Gefälle in Richtung Fluß, also vom Brunnen unter dem Friedhof hindurch zum Fluß. Und ja, Grundwasser hat in unseren Landstrichen immer ein Gefälle. Einen fast ebenen Grundwasserspiegel hast du eventuell in Holland oder so.

Warum steht dann "kein Trinkwasser" dran?
Weil Trinkwasser unter das Lebensmittelrecht fältt, d.h. auch dementsprechend kontrolliert werden muss. Die Gemeinde ist einfach aus dem Schneider mit dem Schild. Trinkwasser muss kontrolliert und aufbereitet werden, damit es aus dem Hahn kommt. Dies trifft zum anderen nicht auf Mineralwasser zu, das zwar auch kontrolliert wird, aber im Grunde genommen nicht unter das Lebensmittelrecht fällt.

Erzengel
04.02.2011, 01:00
Danke erstmal für eure Antworten. So weiß ich jetzt zwei weitere "sichere" Trinkwasserquellen in meiner umgebung.

gez. Erzengel


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