Meine persönlichen Erfahrungen und Vorkehrungen bei Seereisen

  1. olafwausr
    Die Anreise zum Schiff


    Schiffe wie ich sie kenne kommen leider nicht bis zu mir vor die Haustür. Im günstigsten Fall kann ich in einem deutschen Hafen aufsteigen. Dann ist alles kein Problem, was ins Auto reinpasst, kommt mit. Das ist aber eher die Ausnahme. In den meisten Fällen sieht es so aus, das vor der Seereise erstmal stundenlange Flugreisen zu absolvieren sind.
    Normale Seeleute dürfen dabei 2 Gepäckstücke mitnehmen. Das Gewicht ist auf 40 kg begrenzt. Da muss dann alles rein, was man glaubt in den nächsten 4 - 6 Monaten zu brauchen. Mit jeglicher Art Druckbehälter sieht es dabei kritisch aus, selbst zu viel Deo wird schon am Flughafen sorgfältig aussortiert.
    Im Flugzeug ist man nun erst einmal ein Spielball der Technik. Für Nützlich halte ich es aber, nicht nur die Stewards in Bewegung zu halten, sondern einfach mal die Sitzreihen bis zum nächsten Notausgang abzuzählen. Wenn etwas passiert, dann sicher ohne Licht, mit viel Rauch und völligem Durcheinander. Da ist der beste Weg nach draußen meiner Meinung nach, flach über die Sitzlehnen zu klettern, denn der Mittelgang ist voll, da geht nichts. Ein ausreichend großes Taschentuch als Luftfilter sollte dabei sein.

    Hat man alle Flugstrapazen glücklich überstanden kommt als nächstes ein mehr oder weniger langer Aufenthalt in einem Hotel. Gerade im Ausland darf man keine Deutschen Sicherheitsstandarts erwarten. Die oberste Etage eines Hotels bietet sicher eine tolle Aussicht, beschert aber auch den längsten Fluchtweg. Also möglichst weit unten einchecken.
    Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, sobald die Koffer im Zimmer sind den Fluchtweg mindestens einmal zu benutzen. Da habe ich schon die tollsten Sachen erlebt. In China endete der mal mitten in der Küche, andere sind verschlossen oder mit Kartons zugestellt. Also Weg erkunden UND merken, es muss ja auch im Dunklen funktionieren.

    Soweit erstmal meine Tipps um zum Schiff hinzukommen, ich werde weiter berichten

    Für weitere Tipps bin ich immer dankbar,

    Beste Grüße, Olaf
  2. olafwausr
    Angekommen an Bord

    Sobald man an Bord ankommt, strömen Unmengen Informationen und Eindrücke auf jeden ein. Das ist bei Passagieren nicht anders, als bei Seeleuten selber.
    Wer nicht zum arbeiten an Bord gekommen ist, wird sich sowieso gleich umschauen. Aber auch für alle anderen gilt: Rettungswege erkunden! Wo liegt meine
    Schwimmweste, wie komme ich zu den Rettungsbooten/Rettungsinseln. Es schadet nicht, die Schwimmweste mal auszuprobieren. Das sollte auch alles bei
    völliger Dunkelheit funktionieren. Wie ich mittlerweile mitbekommen habe, sind auf Passagierschiffen Überlebensanzüge leider keine Pflicht. Da würde ich
    persönlich darüber nachdenken, ob ich mir so einen Anzug mitnehmen würde. Das ist natürlich wieder Zweischneidig, der Anzug ist groß und relativ schwer,
    muß aber irgendwie mit ins Flugzeug. Also zur Not Viel anziehen, ach in warmen Gewässern!
    Ich persönlich nehme mir zusätzlich immer noch Knicklichter, eine seewasserfeste Taschenlampe und eine getönte bequeme Taucherbrille mit. Auch sollte
    man es nicht versäumen, sich ein paar Flaschen Wasser in die Nähe der Schwimmweste zu legen.
    Spätestens 24 Stunden nach verlassen des Hafens, muß eine Seenotübung abgehalten werden. Die Costa Concordia hat eindrucksvoll bewiesen, das kann zu
    spät sein.
    Wenn man also nicht selbst zufällig der "Bestimmer" an Bord istund es einfach anordnen kann, gilt es auf eigene Faust Wege zu erkunden, und sich
    Überlebensstrategien bereitlegen.
    Wichtigste Regel ist hierbei: Das Schiff ist der sicherste Ort, das wird so spät wie möglich verlassen. Muß das Schiff doch verlassen werden, ist es wichtig
    vorher Tabletten gegen die Seekrankheit zu nehmen. Selbst der eingefleischteste Seebär wird in einem engen Rettungsboot bei schlechter Luft und furchtbarem
    Geschaukel Seekrank werden. Das hat einen großen Flüssigkeitsverlust zur Folge, das letzte was man brauchen kann.

    - wird Fortgesetzt -

    Beste Grüße, Olaf
  3. olafwausr
    Das Leben an Bord

    Nachdem sich nun alle an Bord etwas eingelebt haben, stellt sich die tägliche Herausforderung. Die Unterschiede zwischen Passagierschiffen und
    Handelsschiffen ist nicht so gravierend wie man im ersten Augenblick denken mag. Nach den ersten Tagen fühlt man sich als Seebär und keiner
    kann einem was.
    Auf den Passagierschiffen - nehme ich an - ist mindestens die Hälfte der Gäste "gut betankt" - ein Umstand den ich auf See nicht verstehen kann.
    Angetrunken auf einem Schiff ist so ziemlich das Gefährlichste was man machen kann. Zum einen natürlich die bekannten Gefahren
    des Alkohols, zum anderen ist zu Bedenken, dass an Bord jederzeit ein Notfall eintreten kann. Ein angetrunkener im Wasser hat kaum eine Chance,
    Unterkühlung (durch geweitete Blutgefäße) geht dann rasend schnell.
    Auf Handelsschiffen wird (zumindest bei mir) jeden Samstag mindestens eine Übung abgehalten. Die Übungen umfassen alle Szenarien die auftreten
    können. Das reicht von Brandschutzübungen, bergen und Versorgen Verletzter, Notmaßnahmen beim Ausfall von Maschinen und Anlagen, Mann über
    Bord (neudeutsch Person über Bord um dem Emanzipationswahn gerecht zu werden^^) und natürlich - als letzte Maßnahme - Verlassen des Schiffes.

    Das Schiff zu verlassen ist allerdings die letzte Option. Dabei gibt es verschiedene Dinge zu beachten. Zum einen werden natürlich, wenn die Gelegenheit
    ist, so viele Meldungen wie möglich vorher angesetzt. Eine "EPIRB" Boje wird unbedingt mitgenommen. Das Gerät beginnt bei Kontakt mit Seewasser einen
    Notruf via Satellit mit der Position der Schiffsnummer und der Besatzungsstärke auszusenden. Weiterhin werden Radartransponder mitgenommen. Diese
    Geräte senden auf die Radarschirme anderer Schiffe eine Markierung. das Erleichtert die Suche im Bereich von 0 bis 16 sm.

    Die Rettungsboote und Inseln sind zwar mit einem Gewissen Notproviant ausgerüstet, es ist aber an jedem Selbst diesen zu erweitern. Hierbei sollte
    man sich nicht nicht unbedingt auf die Besatzungsmitglieder "anderer Kulturkreise" verlassen, die haben für Sicherheitsvorkehrungen meistens keinen Sinn.

    Ein paar Flaschen Wasser, lange Unterwäsche, Knicklichter und eine Kopie aller Papiere kann man leicht im Überlebensanzug transportieren. Wenn man
    es nicht braucht - herzlichen Glückwunsch.

    Wichtig an Bord ist weiterhin ständige Aufmerksamkeit, selbst die kleinste Nachlässigkeit kann sich, 5000 km entfernt vom nächsten Arzt, bitter rächen.
    Da haben es die Leute auf Pasagierschiffen besser, dort ist das medizinische System naturgemäß besser.

    - wird Fortgesetzt-
Ergebnis 1 bis 3 von 3
Lesezeichen