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Thema: Notdürftiges Sterilisieren von medizinischem Werkzeug

  1. #1
    Itchy
    Gast

    Standard Notdürftiges Sterilisieren von medizinischem Werkzeug

    Moin,

    an der Uni meines Sohnes war neulich ein Aktionstag, bei dem verschiedenste Projekte vorgestellt wurden.

    Unter Anderem waren Ärzte ohne Grenzen anwesend, um sich und ihre Arbeit zu präsentieren, und mein Sohn war schwer beeindruckt von dem Einfallsreichtum und dem Improvisationstalent.

    So wurde erzählt, dass bei Eingriffen in absolut abgelegen Gebieten medizinische Bestecke ( heisst das so? ) notdürftig mit Wasser gereinigt werden.
    Anschliessend legt man diese in eine Metallschale, die mit Alufolie ausgelegt ist und deckt zusätzlich Alufolie darüber.
    Dies eine zeitlang in die pralle Sonne gestellt, entwickelt sich in der Schale eine Hitze, die einen grossen Teil der Keime abtötet.

    Nun haben wir in unseren Breitengraden ja nur wenige Tage mit stundenlangem Sonnenschein, und die Wahrscheinlichkeit dass ausgerechnet dann...ich weiss...
    aber ich fand es zu schade, diese kleine Geschichte für mich zu behalten!

    einen lieben Gruss,
    Itchy

  2. #2
    Simka
    Gast

    Standard

    Also, wenn es eng wird, wuerde ich die Sachen abkochen,
    ist zwar nicht optimal, aber man muss abwaegen, was wichtiger ist. Stirbt mein Patient ohne OP, dann wuerde ich das Risiko eingehen.

    Vieleicht auch Desinfectionsmittel benutzen, so nach dem Motto, doppelt haelt besser.

    Aber, W a r n u n g, ich bin kein Mediziner, also verlasst Euch nicht darauf, vieleicht hat noch jemand bessere Ideen.

    LG Simka

  3. #3
    Previval-Anfänger Avatar von tanzi
    Registriert seit
    06.12.2012
    Ort
    Türnitz
    Beiträge
    62

    Standard

    Hi

    Ein guter Ansatz wäre es einen Druckkochtopf zu verwenden. allerding erfolgt die "Sterilisation" nicht im Heissen Wasser, sondern mit dem unter Überdruck stehendem Wasserdampf = wenig Wasser in den Topf und die Geräte erhöht stellen, dass sie nicht mit dem Wasser in berührung kommen.

  4. #4
    theBrain
    Gast

    Standard

    Vor kurzem habe ich einen Studien- Abstract gelesen, wo ein a) billiges b) in großen Mengen einfach verfügbares c) problemlos lagerfähiges Desinfektionsmittel für Laborhardware in Entwicklungsländern gesucht wurde. Der Gewinner war Essigsäure, weshalb man evtl. Essigkonzentrat für Gastro- Betriebe als Oberflächendesinfektion überlegen sollte.

    OP- Hardware, die mit offenen Wunden in Kontakt kommt, würde ich allerdings gut abtropfen lassen, bevor ich sie verwende.

  5. #5
    ksbulli
    Gast

    Standard

    Moin theBrain, moin @ll!

    Bitte Desinfektion nicht mit Sterilisation verwechseln / vermengen:

    Desinfektion = "Keimarm machen" - den Job erledigt Essigsäure in der Tat sehr gut. Allein von daher sind diese ganzem "HygieneDesinfektionsHausfaruenberuhigungsreiniger" aus der Werbung pure Geldschneiderei...

    Sterilisation = "Keinfrei machen" - da muss schon mehr ran. Zuletzt wurden nicht ohne Grund die Vorgaben auch technisch so verschärft, dass wir unseren Autoklaven ausgemustert haben und eine Zeit lang das Geraffel vom RTW in einer Klinik haben sterilisieren lassen. Mittlerweile ist alles (!) auf Einwegmaterial umgestellt, auch das Chirurgische Besteck...

    Im TSHTF-Fall würde ich mich noch am ehesten am alten Leitsatz der Chirurgie orientieren

    "Medico non sanat, ferrum sanat. Ferrum non sanat, ignis sanat"

    und den kleinen Spiritusbrenner `rauskramen um das zu sterilisierende Teil in den heißesten Punkt der Flamme zu halten...

    Denkt der

    Christian

  6. #6
    Previval-Mitstreiter Avatar von Grübelzahl
    Registriert seit
    25.12.2013
    Ort
    Baden Württemberg
    Beiträge
    104

    Standard

    Ein in der Tat sehr komplexes Thema……
    Ich habe mich schon ausführlich mit dieser Thematik befasst und kam immer wieder zu dem Schluss, was möchte ich / was kann ich imSHTF
    noch "draußen" versorgen.

    Und hier wird sich das ganze im Zweifelfall auf die chirg. Wundversorgung beschränken.

    Eine OP an einer der großen Körperhöhlen wird meist ein CT oder eine RÖ Aufnahme erforderlich machen. Dies scheitert wohl an den
    Grundumständen in denen wir uns dann befinden.


    Somit sollte man bei der Vorhaltung das notwendige Equipmentin Form von Einwegmaterial vorhalten um dies ausschließlich für die chirg.Versorgung einzusetzen.
    Alternativ beschafft man Instrumente die mehrfach verwendbar sind um im Nachgang dieses für die Entfernung von Spreiseln o.ä. einzusetzen.
    Die Vorhaltung sollte aber dann bereits als Sterilgut erfolgen.

    Zur Aufbereitung von nicht sterilen Instrumenten für chirg. Eingriffe kann man im SHTF die Option in Betracht ziehen, diese Instrumente in sauberem Wasser mit entsprechend hoch dosiertem Micropur forte keimarm zu machen.

    Steril ist das Ganze dann aber auch nicht.

    Diese Option der Aufbereitung würde ich im SHTF für die chirg. Wundversorgung noch durchgehen lassen, für operative Eingriffe der Körperhöhlen
    auch ein NO GO !


    Die meisten vergessen auch, das es meist nicht mit Instrumenten und Nahtmaterial getan ist.
    Sterile Abdecktücher, Inzisionsfolien zum Aufkleben,Hautdesinfektion und Spüllösungen, Lokalanästhesie und für den SHTF wohl unumgänglich Antibiose.

    Ich weiß das man bei diesem Thema sehr schnell in das Denkmuster fällt: Nunja….Desinfizieren, vernähen mit sauberem Material und verbinden.
    Aber dieses Thema ist eigentlich so komplex, da wie bereits beschrieben viele Verbrauchsmaterialien zusätzlich notwendig sind um z.B. eine reine Naht durchzuführen.


    Ich hoffe ich war nicht zu OT :lächeln:


    Grüße Grübelzahl
    Geändert von Grübelzahl (07.12.2015 um 04:21 Uhr)

  7. #7
    Mr. White
    Gast

    Standard

    Im Notfall und wenn ich nichts sterilies zur Verügung habe würde ich glaube ich ganz klassisch
    zum Feuer(zeug) greiffen um etwas von Keimen zu befreien.

    Nachdem ksbulli auf den Unterschied zwischen desinfizieren und sterilisieren aufmerksam gemacht
    hat: Um welche Art handelt es sich hier?

  8. #8
    Wolfshund
    Gast

    Standard

    In dem Buch War Surgery ( http://www.survivalforum.ch/forum/sh...hlight=surgery ) gibt es ein ganzes Kapitel zu dem Thema.
    Operationen sind auch im SHTF-Fall möglich. Man muss "nur".... operieren können.

  9. #9
    ksbulli
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Mr. White Beitrag anzeigen
    ...
    Nachdem ksbulli auf den Unterschied zwischen desinfizieren und sterilisieren aufmerksam gemacht
    hat: Um welche Art handelt es sich hier?
    Moin Mr. White,

    nun, da Du bei diesem Verfahren die fraglichen Keime zu Asche denaturierst und sie danach aber so was von mausetot sind, würde ich sagen:
    Sterilisieren ... :rolleys:

    In diesem Sinne: Be prepared!

    Christian

  10. #10
    Previval-Mitstreiter Avatar von Prof-Remus
    Registriert seit
    04.01.2014
    Ort
    Allgäu
    Beiträge
    171

    Standard

    Ich verschaffe euch mal einen kurzen Überblick über die benötigten Vorraussetzungen die erzielt werden müssen.

    Resistenzstufe Organismus/Krankheitserreger Temperatur (°C) Zeit (min)
    I Pathogene Streptokokken, Listerien, Polioviren 61,5 30
    II die meisten vegetativen Bakterien, Hefen,
    Schimmelpilze, alle Viren außer Hepatitis-B
    80 30
    III Hepatitis-B-Viren, die meisten Pilzsporen 100 5–30
    IV Bacillus-anthracis-Sporen 105 5
    V Bacillus-stearothermophilus-Sporen 121 15
    VI Prionen 132 60

    Wenn man mit Druck arbeitet verringert sich die Zeit.

    Ein Dampfdruckkochtopf mit Siebeinsatz wäre hier wohl die beste Variante. Als Wasser sollte allerdings wenn möglich entmineralisiertes Wasser genommen werden. Sonst bilden sich ablagerungen auf den Instrumenten.

    Bei der entnahme der Instrumente muss auf eine saubere Umgebung geachtet werden. Sauberes Arbeitsumfeld, Schutzkleidung (Mundschutz, Einmalhandschuhe,geeignete Schutzkleidung) Die Instrumente sollten solange im Topf bleiben, bis sie benutzt werden.

    ! Instrumente mit Hohlräumen müssen gesondert aufbereitet werden und sollten als Einwegartikel behandelt werden !

    Beachtet auch, ihr habt eure Instrumente nicht verpackt. Somit sind sie sofort nach dem Sterilisierungsvorgang wenn sie herausgenommen werden wieder unsteril !

    Fazit: Eine Keimreduzierung ist möglich, aber eine vollständige Sterilisation der Instrumente ist mit normalen Mitteln fast auszuschließen.

    Gruß Prof-Remus

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