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Thema: Altbaukeller als Vorratslager

  1. #1
    Previval-Fortgeschrittener
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    Standard Altbaukeller als Vorratslager

    Wenn man einen Keller hat, drängt der sich als Vorratslager geradezu auf. Und in alten Häusern war er ja auch nur dafür vorgesehen und auch nur so benutzt worden. Aber die heutige Ansprüche an einen Keller, der ja fast Wohnraumqualität hat, sind anders.

    Alte Keller sind meistens feucht. Oft fehlt eine Außenabdichtung der Wände, Horizontalsperre war unbekannt und manchmal fehlt auch eine Sohle, war nicht vorgesehen, interessierte niemanden, gestampfter Boden tat es auch. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist ein Nachteil. Der Vorteil ist die im ausgeglichene Temperatur, bei mir im Sommer nie über 15°C und im Winter nie unter 10°C. Ideal als Weinlager.

    So einen Keller zu sanieren, dass er den heutigen Ansprüchen an einen Keller genügt, ist mit vertretbarem Aufwand nicht möglich. Wer es versucht, z.B. mit Isolierputzen, Zementprodukten, Lacken, o. ä., hat nur kurzfristig Erfolg und verursacht langfristig Schäden an der Bausubstanz und Schimmel.

    Ich bin kein Experte, nicht mal aus dem Bauhandwerk, aber nach jahrelangen Erfahrungen und Recherchen habe ich das gelernt und begriffen.

    Meinen Keller, von den Vorbesitzern und auch von mir, weil ich es nicht besser wusste, verpfuscht, saniere ich nun wie folgt:

    - Der Fußboden war original nur mit roten Ziegelsteinen ausgelegt und festgestampft. Irgendwann wurde mal eine ca. 2cm dicke Was auch-immer-Schicht aufgebracht, die so hart ist, das es Funken schlägt, wenn man versucht sie mit Hammer und Meißel zu entfernen. Da diese Schicht, was immer das auch ist, nirgendwo defekt ist, habe ich beschlossen sie nicht zu entfernen. Leider hat man darauf Fußbodenlack aufgetragen, der teilweise abblättert und gammelt. Den werde ich entfernen, Estrichmatten auslegen und Spaltplatten in wasserfesten Beton verlegen. Mit der gleichen Mische wird auch verfugt.

    - Die Wände hat man leider auch versucht mit Zement und dem harten Zeug wie beim Fußboden trocken zu bekommen. Dazu hat man sie auch noch mit Dispersitions-Wandfarbe gestrichen. Der Putz blüht, die Farbe bröckelt. Also runter damit was geht, verputzen mit Kalkputz, streichen mit Kalkfarbe: Natürlicher Schimmelschutz.

    - Die Decke macht zum Glück nicht so viel Arbeit. Gemauerte Gewölbe, zwar falsch gestrichen aber trocken und deshalb müsste es reichen sie nur zu kalken.

    Wenn ich fertig bin, habe ich (hoffentlich) einen hygienischen Vorratskeller mit einem guten Temperaturfenster, aber mit hoher Luftfeuchtigkeit. Damals, die Bauherren waren Selbstversorger, wurden wohl überwiegend Einmachgläser und mietetaugliche Sachen eingelagert. Meinen Konserven und andern Dingen könnte die Luftfeuchte natürlich zusetzen. Höchstwert ist nicht selten bis zu 80%! Dafür brauche ich noch Lösungen. Den ganzen Kellerraum mit einen elektrischen Raumentfeuchter auf einer niedrigen Luftfeuchtigkeit zu halten, ist zu teuer. Man würde ja ständig Feuchtigkeit aus den Wänden ziehen, die aus dem Erdreich nachrückt. Ein Fass ohne Boden.

    Die Regale mit Gewebeplane einhausen und nur den Raum dann entfeuchten ist wirtschaftlicher.

    So also meine Gedanken und Planungen...

    Welche Erfahrungen habt ihr mit solchen Kellern? Welche Tipps und Lösungen habt ihr auf Lager?

  2. #2
    SLEX
    Gast

    Standard

    Nu, hab nen Keller mit offenen Lehmboden.
    Ist fürchterlich uralt. Gehe davon aus, die Außenwände sind nur Stein - das was beim Bau halt grad da war, optisch erkennbar hauptsächlich Sandstein.

    Hohe Luftfeuchtigkeit, stimmt, hat aber Fensterähnliche Lüftungslöcher nach oben raus.

    Habe Billigregale aus organisierten Holzpaletten eingebaut. Die halten nun schon ein paar Jahre. Alles in Glas eingekochte und versiegelte ist wunderbar aufgehoben. Außen sehen die Gläser nach längerer Zeit des Aufenthaltes halt nicht mehr so hübsch aus, innen ist alles tip top.

    Die Konserven setzen auf die Dauer Roststellen an - aber man soll ja rotieren, hab ich mal irgendwo gelesen.
    Grundsätzlich hatte ich noch keine Probleme mit geblähtem Material oder Lochfraß. Größter Feind meines Vorrates sind immer noch die Zweibeiner.

    Ach ja, Kartoffeln lagern sich über den Winter top und keimen, wenn überhaupt im Zuge des nächstjährigen Sommers. Ist ausprobiert. Mittlerweile sind die Reste aber Saatgut. Faule finden sich wohl ab und an, so ein bis fünf Stück über den Winter bei ca. 50 Kg Fruchtmasse.

    Ach ja, offensichtliches Viechzeug hab ich keins rumsausen, auch keine Fraßschäden.
    Und, was trocken aber kühl gelagert werden soll ist in Weithalstonnen gut untergebracht. Kaffee, Tabak oder Bröseltee zum Beispiel.

    Wenn du schon nen guten Boden hast, ists doch top - solange der grade ist. Wobei der Lehmboden mir die Möglichkeit gab, den Keller stellenweise auf Stehhöhe zu bringen. Gegen die Feuchtigkeit kannst nur nur wenig machen, dass rentabel ist. Ich würde das zu lagernde Gut dem Keller anpassen und für den Rest, so er denn da rein soll, Schutzbehältnisse entsprechender Größe anschaffen.

    Wenn dir die Wände nicht taugen, ab mit dem alten Mist und neu verputzen - is nich schlimm, nicht arg teuer und kann man selber realisieren - musst ich auch lernen, aber nicht im Keller. Eine antständige Beleuchtung möcht ich dir ans Herz legen. Das ist das A und O vor allem, wenn dann mal mehrere tiefe Regale,womöglich befüllt, in der Gegend herumstehen.

    Just my five cents.
    Geändert von SLEX (27.12.2016 um 01:52 Uhr)

  3. #3
    Bärti
    Gast

    Standard

    Hi Bingo,

    der Knackpunkt ist das du eine Lüftung brauchst, die die Luftzufuhr und Luftabfuhr so steuert, dass du keine Kondenswasserbildung im Keller hast. Das bekommt man eigentlich nur hin, wenn man Taupunktsensoren installiert. Eine Zuluft darf nur erfolgen, wenn die Außenluft überhaupt in der Lage ist, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu transportieren. Die Taupunkttemperatur ist das Maß der absoluten Feuchtigkeit in der Luft. Je niedriger diese ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Die Taupunkttemperatur wird dann durch eine Lüftungssteuerung gemessen und ausgewertet.

    Warme Luft kann wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Man kann dieses Phänomen im Sommer beobachten, wenn zum Beispiel eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank auf den Tisch gestellt wird. Die Flasche betaut. Sie wird nass. Der Grund ist, dass sich die wasserdampfreiche warme Sommerluft an der Oberfläche der Flasche abkühlt und damit ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann. Man spricht dann von einer Taupunktunterschreitung. Taupunkt – Lüftungssteuerungen berechnen aus den erfassten Klimadaten neben der tatsächlichen Feuchtigkeit innen und außen auch den Taupunkt der Luft. Als Konsequenz folgt daraus: Gelüftet wird nur dann, wenn es nicht schädlich für die zu belüftenden Räume ist.


    Warum kann warme Luft mehr Feuchtigkeit binden als kalte Luft?

    Das liegt am so genannten Dampfdruck: Wassermoleküle – oder Wasserdampfmoleküle – die in der Luft liegen, werden von diesem Druck zusammengehalten. In kalter Luft ist der maximal mögliche Dampfdruck geringer als in warmer Luft, deshalb können in warmer Luft mehr Wassermoleküle aufgenommen werden.
    Wasser hat die Eigenschaft, bei zunehmender Wärme von einer Oberfläche (einem Blatt oder einem See, zum Beispiel) zu verdunsten. Je höher die Temperatur der Luft, desto mehr Wassermoleküle verdunsten. Wenn der Dampfdruck so hoch ist wie der Luftdruck, dann kocht Wasser (und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 1000 Milibar).

    Hier mal ein kleiner Lüftungsrechner für den Hausgebrauch, das dient aber nur als überschlagsmäßiger Näherungswert:

    http://www.architekt-schiller.de/bau...hner/index.php

    Wie gesagt, Lüftungsanlage mit Sensoren ist das Non-Plus-Ultra in deinem Problemfall. Gibt etliche Anbieter für solche Anlagen.

    ____________________

    Alternativ kannst du natürlich Trockenheizen, aber das wird teuer bei einer Heizung mit konventionellen Brennstoffen. Wenn du der Bastelmensch bist und einer Gebäudeseite gut von der Sonne bestrahlt wird kannst du zur Unterstützung noch über einen Luft-Luft-Wärmekollektor nachdenken. Die gibt es auch fertig zu kaufen, sind dann aber gemessen am tatsächlichen Materialeinsatz sehr teuer. Hier mal ein interessantes Beispiel wo jemand sich einen solchen Kollektor selber gebaut hat und das in einer imensen Größe:

    http://www.copy-net.de/Solar/_Projektbeschreibung.pdf

    So was in kleinerer Form der als Zuluft für den Keller, um den Abtransport der dann wasserhaltigeren Luft (weil wärmer), unterstützende beigeschaltet ist. Sollte für ein schnelleres Austrocknen des Kellers sorgen.
    Geändert von Bärti (27.12.2016 um 08:17 Uhr)

  4. #4
    Asdrubal
    Gast

    Standard

    Feuchte Keller sind auch nicht per se schlecht. Zum Beispiel halten sich da Kartoffeln, Äpfel und andere Früchte wesentlich länger als in trockenen Kellern.

  5. #5
    Previval-Fortgeschrittener
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    @Bärti
    Danke für die Ausführungen, die Zusammenhänge sind mir durchaus geläufig. Deshalb schrieb ich ja, dass so ein Keller nicht mit vertretbarem Aufwand trocken gelegt werden kann.
    Die Luftfeuchtigkeit resultiert ja weniger auf Kondensatbildung, sie stammt aus der Erdfeuchte aus den Wänden. Also auch wetterabhängig, wenn auch mit einiger Verzögerung. Wenn ich nun mit technischen Hilfsmitteln die Feuchtigkeit nach draußen schaffe, transportiert die Wand erneut Feuchtigkeit in den Raum uns somit auch Salze aus der Erde in den Stein. Blühender Putz ist die Folge.
    Besser ist es, solche Keller so zu akzeptieren. Dass man einen Keller dennoch bei Gewitter nicht lüften sollte ist aber richtig.

    Wenn ich dort da unten arbeite, steigt die Luftfeuchtigkeit bis 80%. Temperatur und Taupunkt liegen dann nur noch ca. 4°C auseinander. Knapp aber reicht.:lächeln:

    Zitat Zitat von Asdrubal
    Feuchte Keller sind auch nicht per se schlecht. Zum Beispiel halten sich da Kartoffeln, Äpfel und andere Früchte wesentlich länger als in trockenen Kellern.
    So ist es. Und Einmachgläsern macht es auch nichts aus. So waren die Keller gedacht, so wurden sie benutzt.
    Nur schimmeln sollte es nicht und das verhindert man am besten mit den richtigen Baustoffen.

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